Montag, 30. Januar 2017

Wild Cards "Der höchste Einsatz" - George R. R. Martin

Es ist ja schon fast nicht zu glauben, aber irgendwann zwischendrin komme ich auch endlich mal wieder zum Lesen... Nachdem ich mich ja zuletzt eher im klassischen Krimibereich getummelt habe, durfte danach endlich wieder Fantasy ran und ich habe mir den dritten Band der "Wild Cards" endlich zu Gemüte geführt. Ich war sehr gespannt, wie die Geschichten um die Asse weitergehen würden und habe mich wirklich geärgert, dass ich das Buch so lange habe liegen lassen müssen - aber dafür habe ich es dann auch recht zügig zumindest halb durchgelesen, den Rest musste ich leider ein wenig stückeln...
In "Der höchste Einsatz" (der Originaltitel lautet "Suicide kings" und ist doch ein bisschen deutlicher als der deutsche) steht passend zum Cover Bubbles auch als eine der Protagonistinnen im Vordergrund und somit ein Ass, das bisher auch eher randständig behandelt wurde. Allerdings bekommen auch Noel und Niobe, Bugsy und Cameo, sowie Rusty und Gardener (die mir bisher nicht so wirklich aufgefallen war) eigene Storylines, die sich natürlich zum Ende hin mehr als geschickt miteinander verweben. Das Buch ist so ein bisschen nach den Pärchen aufgebaut, die auch ihre privaten Probleme mit uns teilen und somit den daramatischen äußeren Umständen auch ein bisschen mehr Menschlichkeit verleihen. Natürlich haben auch die anderen Asse ihre kleineren oder größeren Auftritte im Buch und neben einem menschlichen Gegner ist auch Radical, das Super-Ass, mit von der Partie.

Nach den Ereignissen in Band 2 hat sich die Welt um unsere Asse zwar ein kleines bisschen beruhigt, allerdings schwelen auf der Welt noch immer Konflikte und so rückt dieses Mal Afrika besonders in den Mittelpunkt. Rustbelt verliert den Kontakt zu seinem Brieffreund Lucien, einem kleinen Jungen, für den er sozusagen die Patenschaft übernommen hat - und beschließt, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Unterstützung bekommt der leicht naive, aber unglaublich liebenswerte Wally hierbei von Gardener, die im Dschungel deutlich bessere Karten hat als der Blechmann und ihm nicht nur mit Rat und Tat zur Seite steht, sondern sich auch zu einer echten Freundin entwickelt. Die beiden versuchen, den vermissten Jungen zu finden und stoßen dabei auf die dunklen Machenschaften von Alicia Nshombo, die Kinder mit dem Wild Card-Virus infizieren lässt, um sich so eine treue Gefolgschaft von Assen zu züchten...

Auch Bubbles macht sich auf den Weg nach Afrika, nachdem sie aus ihrem komatösen Zustand erwacht ist - oder eher nachdem sie durch ihre (Alb-)Träume von einem kleinen Mädchen aus dem Koma erweckt wurde. Mit Hoodoo Mamas Hilfe macht sich Michelle ebenfalls auf nach Afrika, nachdem sie feststellen musste, dass das Kommitee inzwischen viel mehr in bürokratischen Verstrickungen gefangen ist und nicht die schlagfertige Truppe darstellt, die es eigentlich sein sollte. Zumindest weitestgehend "vor Ort" sind dafür Bugsy und Cameo sowie Noel und Niobe, die aber natürlich auch ihren Weg in die letzte Schlacht finden und ein bisschen die menschlichere, normalere Seite der Geschichte Beitragen - vorwiegend in Form von Beziehungsproblemchen oder eher den dahinterstehenden Wünschen und Bedürfnissen. Im Vergleich zu den ganzen hochpolitischen und moralischen Vorgängen bringen diese Nebenschauplätze ein bisschen herrliche Normalität in die Geschichte und zeugen auch deutlich, wie geschickt die Charaktere gestrickt sind.

Das zeigt sich vor allem auch an Tom Weathers oder Radical, zu dessen Hintergründen und Geschichte wir auch so einiges erfahren und der sich im Verlauf des Buches eben nicht als platter Superheld (oder auch Antiheld) darstellt, sondern auch als durchaus zerrissene, getriebene Persönlichkeit, die hervorragend den Aufstieg und Verfall so vieler erfolgreicher Personen karikiert. Im Gegensatz zum etwas schwierigeren zweiten Band, war es in "Der höchste Einsatz" wieder eine große Freude, die Geschichten zu verfolgen, mit den Protagonisten zu hoffen, aber auch zu bangen und obwohl der Tenor nicht immer fröhlich-harmlos und positiv ist, sind es auch die negativen Aspekte, die Verluste und Abschiede, die diesen Band wirklich lesenswert machen. Mir ist es viel einfacher gefallen, wieder in die Geschichte zu finden, auch wenn ich den Vorgänger schon vor sehr viel längerer Zeit gelesen habe - und vor allem hat es einfach tierisch Spaß gemacht, die Story weiterzuverfolgen.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Reihe immer lieber gewinne - dabei ist es doch eigentlich eine so große Herausforderung, viele Autoren unter einen Hut zu bekommen! Allerdings merkt man hier tatsächlich nicht, dass viele Köche im Brei rühren, die Erzählstränge wirken gut abgestimmt, am Schluss ergibt sich ein großes Ganzes und das Bild ist wirklich rund - bei einem Film würde ich großes Kino sagen, aber hier hoffe ich sehr, dass die tollen Bilder, die ich in meinem Kopf hatte, nie verfilmt werden, sondern wirklich der Fantasie eines jeden Einzelnen überlassen bleiben...

"Wild Cards" wurde mir kosten- und bedingungslos von Penhaligon zur Verfügung gestellt.

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