Dienstag, 3. Januar 2017

Die Schattenbucht - Eric Berg

Das neue Jahr fängt ja hervorragend an - eigentlich sollte dieses Posting nämlich schon gestern online gehen, aber dann kam mir leider die große Müdigkeit in die Quere... Ich hätte ja gar nicht gedacht, dass mein erstes Buch von Eric Berg schon so lange her ist, aber es war tatsächlich Anfang 2015, als ich die Rezension zu "Das Nebelhaus" veröffentlicht habe. Da ich den Krimi damals schon recht kurzweilig fand, habe ich den Autor im Blick behalten und fand den Klappentext von "Die Schattenbucht" sehr ansprechend.
"Die Schattenbucht" ist wie auch "Das Nebelhaus" kein klassischer Krimi, in dem die polizeilichen Ermittlungen im Vordergrund stehen, sondern ein Krimi, in dem "unbedarfte" Laien einem Verbrechen auf der Spur sind. Hier ist es die Psychologin Ina, die herausfinden möchte, warum sich ihre 62jährige Patientin nach dem versuchten Selbstmord das Schweigen auferlegt hat. Nach Ablauf der vorgesehenen Therapiezeit versucht sie also, Kontakt zu der Bäckersfrau aufzubauen und kommt so langsam aber sicher dem ganzen Drama im Hintergrund auf die Spur...

Das Buch ist aus zwei Handlungssträngen aufgebaut, neben der Gegenwart, in der Ina sich mit ihrer Patientin Marlene befasst und wir außerdem noch einiges aus ihrem Privatleben erfahren, gibt es noch einen Erzählstrang, der die Ursache für den Selbstmordversuch der Bäckersfrau erhellt. Die beiden Ebenen wechseln sich geschickt ab, was auch dem Spannungsbogen zugute kommt - und so erhält man auch einen anderen Blick auf die Charaktere. Derer gibt es tatsächlich einige, die für den Verlauf der Geschichte auch bedeutsam sind und ich muss sagen, dass sie alle gut gezeichnet sind. Während man sonst häufig mit flachen und pauschalen Charakteren zu tun hat, sind sie hier alle wirklich vielschichtig aufgebaut (teilweise auch ein wenig skurril) und sind aufgrund ihrer Erlebnisse auch in ihrem Verhalten nachvollziehbar. Zwar sind mir nicht alle handelnden Personen sympathisch geworden - das ist auch kaum das Ziel des Autors - aber ihre Entscheidungen, Handlungen und auch Entwicklungen sind im Verlauf der Geschichte zumindest schlüssig und wenig überraschend.

An einigen Stellen könnte man denken, dass die Spannung durch Enthüllungen herausgenommen wird - das ist aber keineswegs der Fall, denn auch wenn der große Hintergrund zu Marlenes versuchtem Selbstmord schnell klar wird, sind die Nebenschauplätze der Geschichte interessant und bedeutsam. Die Gruppe um Marlene - ihr Mann, ihre Ziehtochter und ihr Freund, der Familienvater Daniel und Bodo - ist eine wilde Mischung, die sich so nur durch einen seltsamen Zufall zusammengefunden hat und eigentlich ist jeder Charakter eine tragische Figur mit einer entsprechend traurigen Geschichte. Natürlich kann man sich hier fragen, ob der Ablauf so tatsächlich realistisch ist oder vielleicht doch ein bisschen viel konstruiert wurde - allerdings fand ich nichts an den Haaren herbeigezogen, denn Menschen handeln nunmal nicht immer so, wie es rein logisch am besten wäre. Und manchmal kommen auch einige Unglücksfälle und Missgeschicke zusammen, sodass man in einer aussichtslosen Situation steckt - und das passiert eben auch Marlene.

Ganz ähnlich geht es auch unserer Protagonistin Ina, bei der ich ehrlich gesagt schon eher ein paar Probleme hatte. So ganz schlüssig verhält sich die Gute nämlich nicht und ich habe mich anfangs gefragt, wozu denn die Ausflüge in ihr Privatleben notwendig sind - wir lernen nämlich ihren (jüngeren) Freund kennen, erfahren ein bisschen was über ihre Arbeit (hier wird der Bezug zum aktuellen Fall recht schnell deutlich) und ihre Tochter, die sie besuchen kommt. Ein großer Schwerpunkt liegt auch auf der Gedankenwelt der Psychologin, die bei mir an manchen Stellen ein Kopfschütteln hervorgerufen hat - ebenso ihr Verhalten den Ermittlern gegenüber, die sich mit den auftretenden Verbrechen in der Geschichte befassen. Mit der Zeit ergeben sich allerdings Verbindungen und das Puzzle wird aus lauter kleinen Teilstückchen zu einem Gesamtbild - und das ist in der Summe durchaus stimmig, aber auch alles andere als ein Happy End.

Das Buch liest sich sehr angenehm und ist durch die Einteilung in handliche Kapitel trotz der zwei Erzählstränge auch mal gut aus der Hand zu legen. An einigen Stellen gibt es zwar auch Cliffhanger, die mich ein bisschen weiterblättern ließen (Schande über mein Haupt!), bevor ich das Buch zur Seite gelegt habe, im Großen und Ganzen hält sich die Spannung aber eher im Rahmen. Auch hier würde ich wieder sagen, dass der Krimi zur kurzweiligen Sorte gehört - aber er ist auch ein wenig speziell und zeigt teilweise tatsächlich auch menschliche Tragödien und Schicksale...

"Die Schattenbucht" wurde mir freundlicherweise von Limes zur Verfügung gestellt.

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