Dienstag, 8. November 2016

Casting - Spiel ums Leben - Yvonne Richter

Während ich bis vor einer Woche nicht so wirklich viel Zeit zum Lesen hatte, tun sich jetzt immer wieder ein paar freie Zeitslots auf. Man muss eben Prioritäten setzen - oder auch damit leben, dass andere andere Prioritäten setzen. Ich habe aber mal wieder festgestellt, wie schön es ist, ein paar Stunden auf dem Sofa zu sitzen und sich in ein Stück Literatur zu vertiefen - und heute gibt es mal wieder aus aus dem Bereich der Jugendromane.
"Casting - Spiel ums Leben" von Yvonne Richter wird vom Fabulus-Verlag dem Genre "Zukunftsroman" zugeordnet und ist für Kinder ab 10 Jahren geeignet. Ich habe mich ein bisschen vom Klappentext blenden lassen und hatte diese Altersangabe glatt übersehen - und war sehr gespannt auf die leicht dystopische Welt, die sich nur um Erfolge in Castings dreht. So sieht es nämlich in der - nicht allzu fernen Zukunft - von Lovis und Jo aus, die in einer Gesellschaft aufwachsen, die nicht nur Formate wie "DSDS", "The Voice" oder "Das Supertalent" zum Vergnügen kennen, sondern in der man sich in diversen Wettbewerben sein Essen, eine Wohnung, Kleidung und auch sonst alle Produkte erspielen muss.

Vom Grundkonzept her finde ich die Idee von Richters "Casting" wirklich gut gelungen - allerdings sind die Hintergründe bis Ende des Buches nicht ganz klar: Es kann noch nicht allzu lange her sein, dass die Welt noch "normal" war, denn es gibt alte Menschen, die noch einen üblichen Handwerksberuf erlernt haben - Lovis' Mutter scheint auch noch klassisch gelernt zu haben, allerdings steht die Welt inzwischen Kopf und ab dem Alter von 10 Jahren sind Kinder auf sich alleine gestellt und müssen sich um ihren Lebensunterhalt selbst kümmern. Den Castingteilnehmern gegenübergestellt ist die Schicht der Juroren und Geldgeber der unterschiedlichsten Castingshows und es scheint auch noch eine Gruppe von Zuschauern zu geben - wie die aber zu ihrem Status kommen (und was sie überhaupt sonst so tun), wird leider nicht ganz klar.

Wir folgen unseren zwei jugendlichen Protagonisten Lovis und Jo durch erste Castings, die sie (aus nicht ganz so klaren Gründen) zusammenbringen und natürlich auf einen Weg führen, der letztlich in einem Widerstand gegen die aktuellen Verhältnisse in der Castingwelt mündet und das System zu stürzen sucht - soviel zur Kurzfassung. Der Weg, den die beiden dabei beschreiten, ist durchaus interessant nachzuverfolgen, wird allerdings auch ein bisschen oberflächlich und doch zu einfach dargestellt (wie überzeugt man Erwachsene davon, ein lebensbedrohliches Risiko einzugehen? Richtig, man führt einfach zwei Argumente an...), was sich leider insgesamt ein bisschen durch das Buch zieht. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Story auch für ein jüngeres Publikum durchaus ansprechend ist, mir war der Verlauf einfach ein bisschen zu flach und pauschal dargestellt - gute Ansätze, aber die Umsetzung ist nicht optimal gelungen.

Die Einfachheit spiegelt sich dann leider auch in der Charaktergestaltung (eine richtig klare Vorstellung von den Protagonisten habe ich auch nach dem Buch nicht so wirklich - dafür fehlt es einfach an Möglichkeiten, die Besonderheiten der einzelnen Charaktere richtig herauszustellen) und vor allem in der Sprache wieder - und das war für mich doch ein Störfaktor hier. Es ist völlig in Ordnung, wenn gerade Fantasybücher auch eigene Bezeichnungen haben - aber ob der Kühlschrank nun Kühlfrisch und die Wohnung Flatt heißen müssen, weiß ich nicht... Man muss erst einmal herausfinden, was mit den Begriffen gemeint ist und das finde ich einfach unnötig - auch die teilweise doch ostentativen Name (z.B. Herr Kon To, Frau Kami Katze) sind nur bedingt kinderfreundlich. Die Dialoge und Darstellungen sind sprachlich auch einfach gehalten und das mindert zumindest mein Lesevergnügen deutlich.

Ich bin so ein bisschen hin- und hergerissen, was ich von "Casting" nun halten soll - das Buch liest sich schnell weg, die Story plätschert auch vor sich hin ohne zu stocken und entwickelt sich weiter... Aber so richtig mitgenommen haben mich weder das Schicksal von Lovis, Jo und ihren Freunden noch der gesellschaftliche Aspekt, der hier angesprochen wird. Das "Spiel ums Leben" ist nicht wirklich eines, da die Charaktere nicht tatsächlich in Lebensgefahr sind (im schlimmsten Falle gibt es tatsächlich Arbeitslager, in denen nur die Grundbedürfnisse sichergestellt sind) und so fehlt es dem Buch auch ein wenig an Dramatik. Keineswegs will ich "Casting" schlechtreden - aber ich habe doch schon so einige bessere Bücher gelesen, die auf einem ähnlichen Konzept beruhen und die Idee doch besser verkaufen.

"Casting - Spiel ums Leben" wurde mir freundlicherweise vom Fabulus-Verlag zur Verfügung gestellt.

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