Montag, 3. Oktober 2016

Ormog - Der letzte Weiße Magier - Thomas Engel

Im Urlaub hatte ich sehr viel Zeit, mich mal wieder mit ein paar Büchern auseinanderzusetzen - unter anderem auch mit "Ormog - Der letzte weiße Magier". Das Buch ist das Fantasy-Debüt des 16jährigen Thomas Engel und im Fabulus-Verlag erschienen. Das 365 Seiten-Hardcover ist für 16,95€ zu haben und allein schon optisch für mich ein Hingucker - das Cover ist toll gestaltet und noch dazu ist der Buchschnitt in Orange gehalten. Allerdings war es dann doch der fantastische Inhalt, der mich für die Geschichte interessiert hat.
Die Geschichte spielt auf einem Planeten, der unserem in den Grundzügen durchaus ähnlich ist, auf dem allerdings die Magie allgegenwärtig ist. Der Konflikt zwischen den "Weißen Magiern" und den Gorgulzauberern spitzt sich zu und Ormog ist nach einer Intrige der bösen Gorgul der einzige Überlebende seines Ordens. Sein Ziel ist es, den Meister der Gorgul aufzuhalten, der als Verkörperung des ultimativen Bösen nach der Weltherrschaft trachtet. Außer zwei treuen Kameraden steht dem Magier nach einiger Zeit auch eine Überläuferin zur Seite, die ehedem die rechte Hand des Meisters war...

Kurz zusammengefasst, könnte man hier doch sagen, dass es der klassische Kampf "Gut gegen Böse" ist - und der Ausgang ist sicherlich wenig überraschend, denn natürlich siegt am Schluss das Gute (das ist ja meistens der Fall). Allerdings gilt hier wie bei so vielen Büchern, dass der Weg das Ziel ist - und so kommt es ja auch immer auf die Gestaltung und den Verlauf der Geschichte an. Und genau das ist für mich so ein bisschen der Knackpunkt an der Story - die Idee finde ich nämlich gut, aber die Ausgestaltung ist nicht gar so optimal gelungen. Ich finde es immer klasse, wenn sich jemand Gedanken um seine Fantasywelt macht und sie bis ins Detail ausarbeitet - aber an manchen Stellen ist der Leser überfordert, wenn er mit komplizierten Namen oder Bezeichnungen konfrontiert wird, die für den Verlauf der Geschichte kaum Bedeutung haben und auch nur teilweise erläutert werden (Ormogs kleiner Drache bezeichnet z.B. seinen "Herren" als Lzeesh - da muss man einfach im ersten Moment ein wenig umdenken und so wirklich hilfreich ist diese Bezeichnung einfach nicht).

Im Gegensatz zu diesen "Fachbegriffen" ist der Schreibstil ansonsten eher einfach gehalten, was für das Publikum ab 12 Jahren vielleicht angemessen erscheint, für ältere Leser aber doch ein wenig zu simpel ist. Der Gesamtverlauf der Geschichte ist durchaus vorhersehbar, aber dennoch gibt es einige Wendungen, die ein bisschen plötzlich auftreten und eher knapp dargestellt werden - was leider auch für die Charaktere gilt. Zwar werden die Kapitel immer wieder aus anderen Blickwinkeln der Protagonisten dargestellt, allerdings fiel es mir sehr schwer, die Charaktere wirklich zu greifen - ihre grundlegende Ausrichtung wird schnell deutlich, allerdings erschließen sich Handlungsweisen und Ansichten nur bedingt und so wirkt da Ganze insgesamt ein wenig oberflächlich. Als Leser hätte ich an einigen Stellen das eine oder andere hinterfragt, aber die Charaktere sind da doch ein bisschen gutgläubiger und so fließt die Geschichte auch recht konstant weiter.

Es fehlen allerdings - trotz einigem Potenzial in den Szenen - die Spannungselemente, sodass auch die Kampfszenen im gleichen Trott dahinplätschern wie andere Beschreibungen oder Dialoge. "Ormog" war für mich kein Buch, das ich unbedingt am Stück lesen wollte, sondern eher eines, das ich auch gemütlich mal aus der Hand legen konnte und das fand ich ehrlich gesagt schade. Die Geschichte hat einige wirklich gute Ideen (so finde ich z.B. den oben angesprochenen Drachen sehr knuffig), wirkt insgesamt aber unrund. Vor allem zum Ende hin scheint noch ein kleiner Hauch Gesellschaftskritik mit einfließen zu sollen, als Ormog einen "Bürokratiefluch" ausspricht und obwohl ich den Ansatz recht witzig fand, wirkte er hier einfach ziemlich deplatziert als würde man noch einen letzten Gag zum Abschluss suchen. Leider ist das Buch einfach eines, das man mal so wegliest, das aber nicht in Erinnerung bleibt - und ich möchte das keineswegs auf das Alter des Autors schieben.

Vielleicht gehöre ich aber auch einfach nicht zur passenden Zielgruppe - ja, es ist Fantasy, aber eben auch ein Jugendbuch, das sich deutlicher an eine jüngere Zielgruppe richtet. Als 12jährige hätte ich wohl mehr Freunde an dem Buch gehabt und nicht so sehr die Schwarz-Weiß-Zeichnung an vielen Punkten hinterfragt - für mich als Erwachsene ist die Geschichte insgesamt an vielen Stellen ein wenig zu simpel geraten.

"Ormog - Der letzte Weiße Magier" wurde mir freundlicherweise von Literaturtest zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Das Cover sieht irgendwie ziemlich cool aus. :) Aber ansonsten spricht mich das Ganze jetzt nicht so an.

    AntwortenLöschen
  2. Klingt sehr interessant - kommt auf meine Merkliste :) Das Cover ist wirklich super gestaltet, auf jeden Fall ein Hingucker!

    Nina von Pearlsheaven

    AntwortenLöschen