Montag, 8. August 2016

Die Zeitagentin - Ein Fall für Peri Reed - Kim Harrison

Der große Vorteil von Urlaub ist, dass ich endlich mal Zeit zum Lesen habe - dachte ich zumindest, bis meine Mandeln meinten, mal wieder ein bisschen Aufmerksamkeit zu brauchen und mich zweieinhalb Tage lang im Halbschlaf ans Bett bzw. die Couch fesselten (IMMER im Urlaub!). Obwohl ich viel der übrigen Zeit mit Rumwerkelei in der Wohnung verbracht habe, bin ich aber tatsächlich endlich wieder dazu gekommen, gemütlich zu lesen und habe dafür auch das perfekte Buch gehabt!
"Die Zeitagentin" von Kim Harrison hat mich aufgrund des Klappentextes interessiert: Eine Geheimagentin, die in der Lage ist durch die Zeit zu springen - muss ich lesen, Geschichten mit Zeitsprüngen sind immer spannend! Mein Vorteil bei diesem Buch war wohl, dass ich bisher zwar von der Rachel Morgan-Reihe gehört, sie aber nicht gelesen habe und darum unvoreingenommen an das Buch herangegangen bin. Das Problem, dass man von einem Autor aufgrund bisheriger Erfahrungen etwas Bestimmtes erwartet, kenne ich selbst auch und so kann ich nachvollziehen, dass Stammleser hier vielleicht nicht glücklich werden. Ich habe das Buch allerdings zügig weggelesen, weil ich es doch recht spannend fand und wissen wollte, wie nun tatsächlich alles zusammenhängt...

Eine gewisse Unklarheit ist es nämlich, die "Die Zeitagentin" ausmacht, denn als Leser verfolgen wir Peri Reed auf der Suche nach der Wahrheit. Die ganze Geschichte spielt in Detroit im Jahr 2030 - also in gar nicht so ferner Zukunft, allerdings hat sich gesellschaftlich so einiges geändert. Die Geheimorganisation Opti zieht auf sämtlichen Ebenen die Strippen und Peri ist ihre erfolgreichste Zeitagentin. Die Fähigkeit zum Zeitsprung - lediglich über einen kurzen Zeitraum von 40 Sekunden - bringt allerdings ein Problem mit sich, denn ohne einen Partner (den sogenannten Anker) werden die Agenten irgendwann wahnsinnig, da sie nicht mit mehreren parallelen Zeitlinien im Kopf leben können. Also braucht es einen Vertrauten, der in den Hirnen der Agenten für Ordnung sorgt und den Zeitverlust, der beim Verändern der Zeitlinie erlitten wird, wieder mit Erinnerungen zu Füllen- und genau an dieser Stelle stellt Peri ein Problem fest.

Ihr Partner (sowohl beruflich als auch privat) Jack scheint nämlich auch eigene Interessen zu verfolgen und als Peri das spitz kriegt, setzt sie ihrer Partnerschaft ein dramatisches Ende - nur, um dann von Opti durch eine Art Gehirnwäsche alle Erinnerungen an den Vorfall zu verlieren und eine "neue" Vergangenheit verpasst zu bekommen. Klingt kompliziert - ist es auch, denn die Zusammenhänge zwischen Abläufen und Personen sind nicht gar so stringent gehalten und einige Verbindungen entdecken der Leser (häufig ein bisschen früher) und Peri (eher ein bisschen später) erst im Verlauf der Geschichte. Peris persönliche Situation ist natürlich in einen größeren Kontext eingebettet, denn der Gegenspieler der Geheimorganisation zeigt Interesse an der Agentin. Inwiefern sie jedoch Silas und der Allianz trauen kann, ist Peri selbst nicht klar (wie auch, ohne ernstzunehmende Erinnerungen an die letzten Jahre?) und so ist die Geschichte ein bisschen die Suche nach der Wahrheit ohne echte Anhaltspunkte.

Was sich vielleicht ein wenig verwirrt liest, ist auch im Buch nicht ganz so einfach auseinanderzudröseln - aber wenn man sich in Peris Situation versetzt, ist das eben ihre fragmentierte Wahrnehmung der Realität. Die Grundidee der Geschichte fand ich sehr spannend und interessant umgesetzt, auch wenn die Zusammenhänge nicht an allen Stellen wirklich schlüssig sind - aber trotzdem hat die Story durch die unterschiedlichen Handlungsstränge eben einen gewissen Schwung und als Leser will man doch die einzelnen, zunächst voneinander getrennten Aspekte zusammenführen. Sprachlich ist "Die Zeitagentin" sehr angenehm geschrieben und liest sich gut weg - allerdings könnte die Charaktergestaltung ein wenig tiefer gehen. Von Peri erhält man weitgehend oberflächliche Eindrücke und da sie nicht einmal eine wirkliche Vergangenheit hat (oder zumindest nicht weiß, wie diese nun konkret aussieht), wird es schwer, tiefere Einblicke in ihre Charakter zu erhalten.

Auch die anderen Charaktere bleiben eher seicht, sind aber keineswegs unsympathisch, nur fehlt ihnen eben an so einigen Stellen die Tiefe. Man kann sich zwar den einen oder anderen eigenen Gedanken machen, viele Aspekte verbleiben allerdings im Dunkeln und werden nicht zufriedenstellend aufgeklärt. Da es sich hier um den ersten Band eine Trilogie handelt, hoffe ich allerdings, dass der Fokus in den Folgebänden ein wenig mehr auf die Charakterentwicklung gelegt wird - es braucht ja schließlich auch ein bisschen Zeit, um eine Welt entsprechend einzuführen und darauf lag hier eindeutig der Schwerpunkt. Mir hat das Buch auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich bin gespannt auf den Nachfolger - und vielleicht wage ich mich auch mal an eine der anderen Serien von Harrison...

"Die Zeitagentin" wurde mir freundlicherweise von Heyne zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Hallo Lena, :) ich lese von Kim Harrison gerade noch die Rachel Morgen Reihe und bin ganz begeistert von ihrem Schreibstil! Vielen Dank für den Buchtipp - wenn ich mit Rachel Morgen fertig bin, weiß ich jetzt schon, was ich als nächstes anfangen werde! XD

    Ganz liebe Grüße
    Yvonne von The Beauty of Oz

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    1. Liebe Yvonne, ich möchte nur nochmal sagen, dass ich die Rachel Morgan-Reihe eben nicht kenne und darum gar keinen Vergleich im Schreibstil ziehen kann! Wenn du also davon dann enttäuscht bist, kann ich nix dafür ;)

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