Montag, 29. August 2016

Die Shannara Chroniken - Das Schwert der Elfen - Terry Brooks

Als ich vor geraumer Zeit eher zufällig auf  "The Shannara Chronicles" aufmerksam wurde (die Serie lief nicht gerade auf einem der Sender, die ich regelmäßig sehe - und ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht, wo mir ein Trailer zur Serie begegnete), musste ich natürlich gleich mal Tante Google befragen, was es denn mit diesen Elfen und Bäumen so auf sich hatte. Dass die Serie auf einem Buch beruhte, war wenig verwunderlich - dass es sich bei diesem um einen ganz alten Schinken aus den 70ern handelte, doch schon eher.

Da Bücher bekanntlich immer besser sind als ihre Verfilmungen (außer, die Bücher werden nach den Filmen geschrieben - da sieht es dann wohl auch mal anders aus), musste ich natürlich auch mal einen Blick in die Bücher werfen und habe, wie es sich gehört, mit dem ersten Teil angefangen und nicht mit dem verfilmten zweiten.
Ein Blick auf den Klappentext (der leider Shae statt Shea Ohmsford als Protagonisten nennt - peinlicher kleiner Typo, der mir auch erst aufgefallen ist, als ich mit dem Buch fast durch war) verrät, dass immerhin ein bekannter Charakter in diese Teil auftaucht - der "Zauberer" oder Druide Allanon. Den fand ich übrigens mehr als grandios mit Manu Bennett besetzt und muss auch nach der Literaturvorlage sagen, dass die Beschreibung des Charakters (die zugegebenerweise mit "groß und dunkel gekleidet" recht knapp ist) zum Schauspieler passt.

Ansonsten ist "Das Schwert der Elfen" die Vorgeschichte zur Serie, die zwei Generationen zurück liegt - Shea ist also der Großvater von Will, kommt aber genauso unverhofft zu seiner tragenden Rolle wie sein Enkel. Parallelen in der Story sind aber nicht nur zum Folgeband zu sehen, sondern vor allem auch zu Tolkien und zwar sowohl in der teils ausufernden Schreibweise, die den Verlauf der Geschichte teilweise in die Länge zieht, als auch in der generellen Aufmachung: Ein unbedarfter Jüngling scheint die einzige Rettung zu sein und macht sich mit einigen Begleitern auf, das große Böse zu besiegen. Bei Terry Brooks ist es eben ein Halbelf, der mit einem Druiden, zwei Elfen, einem Zwerg und zwei in der Kriegskunst bewanderten Menschen von königlichem Geblüt unterwegs ist, ein Schwert zu finden und einen bösen Hexenmeister an der Übernahme der Weltherrschaft zu hindern. Ein Schelm, wer hier Parallelen sieht...

Auch die eine oder andere Szene in den Chroniken lässt den Einfluss des großen Meisters erkennen, aber Brooks schafft es dennoch, die postapokalyptische Fantasywelt mit eigenem Leben zu füllen und sie dem Leser anschaulich näherzubringen. Seien es die kleinen fiesen Gnome, die unseren Helden feindlich gesonnen sind, oder auch die grobschlächtigen Trolle, die als primitive Wesen angesehen werden, aber doch auch ihre eigene Kultur haben - mit Brooks' Beschreibungen hat man schnell ein sehr klares Bild von der Szenerie im Kopf und kann auch die Atmosphäre gut nachvollziehen. Die Wege unseres kleinen Grüppchens trennen sich durch unglükliche Umstände und Shea muss sich alleine durchschlagen, trifft dabei unverhofft auf Unterstützung und kann auch dadurch seinen bescheidenen, da hinterwäldlerischen, Horizont erweitern - auch wenn die Charakterentwicklung teilweise ein bisschen holterdipolter den Verlauf der Geschehnisse sicherstellen muss und dadurch etwas kürzer kommt.

Insgesamt sind unsere Protagonisten auch eher klassisch-stereotyp entsprechend ihrer Völker bzw. Klassen gestaltet - während der Zwerg Hendel eher grobschlächtig-einfach, aber auch erfahren und zutiefst loyal ist, sind die Elfenbrüder eher feinsinnig und bedacht, aber nicht weniger engagiert. Unsere Menschen-Prinzen zeigen dafür mal ihre emotionalen Seiten und opfern sich selbstverständlich für ihr Land und Volk auf - und so kann man als Fantasyleser viele Häkchen an die üblichen Klischees machen. Trotzdem überspannt Brooks den Bogen nicht, sondern gibt jeder Figur auch ihre Besonderheiten, die sie liebenswürdig machen und den Leser auch mit ihr lachen oder leiden lassen. Ähnlich sieht es auch mit der Geschichte aus - viele bekannte Prinzipien, die teilweise ein wenig ausgelutscht werden (so manche Kampfbeschreibungen fand ich nicht nur langweilig, sondern auch fad und überflüssig), aber in der Summe ist das Buch eine Runde Sache.

Gerade gegen Ende des Buches nimmt die Geschichte an Geschwindigkeit zu und die Ereignisse überschlagen sich ein wenig - während sich zuvor die beschwerliche Reise durch das Ödland auch im Lesefluss eher dahingezogen hat. Insgesamt fällt mir die Story am Schluss aber ein bisschen flott ab und könnte was die relevanten Aspekte angeht ein wenig ausführlicher sein, aber nach über 40 Jahren wird da wohl niemand mehr etwas ändern. An einigen fehlerhaften Satzkonstruktionen könnte man aber noch feilen - dann wäre das Lesevergnügen nämlich noch ein bisschen größer und man müsste einige Teile nicht mehrfach lesen, um ihren Sinn zu erkennen. Trotzdem bin ich natürlich sehr gespannt auf den zweiten Teil und hoffe, den einen oder anderen Eindruck aus der Serie hier noch widerlegen zu können...

"Die Shannara Chroniken - Das Schwert der Elfen" wurde mir freundlicherweise von blanvalet zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Huhu,

    ich muss ja sagen, dass ich noch nicht einmal in die Serie geguckt habe, dafür erinnere ich mich umso deutlicher an die Bücher, die ich bereits vor 10 Jahren das erste mal gelesen habe und damals begeistert war. Momentan habe ich die Gelegenheit ergriffen und mir die Neuauflage geholt, mal sehen, ob es mich so fesseln kann wie damals, obwohl es in der Story bessere und schlechtere Bücher gibt ;)

    Liebste Grüße,
    Vivka

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    1. Ich bin (wie ich zu meiner Schande gestehen muss) erst durch die Fernsehserie drauf gekommen - aber zumindest dieser erste (Sammel-)Band hat mir gut gefallen. Ich bin gespannt, ob die Serienvorlage mir auch so zusagt :)

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  2. Ich habe da letzten im Fernsehen die Werbung von gesehen und wollte die Serie eigentlich gucken. Aber mein Freund wollte nicht und dann passte mir die Sendezeit auch nicht so und dann bin ich drüber weg gekommen... Naja. Das Buch klingt auch ganz gut.

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    1. Die Sendezeit war auch nicht so geschickt - aber man kann die Folgen (zumindest eine Zeit lang) auch online gucken. Das hab' ich dann auch getan und fand die Serie ganz ok. Das Buch hier dafür deutlich besser ;)

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  3. Ich bin ja kein Buchleser, aber die Serie hat mir gut gefallen :D wusste gar nicht, dass sie im Free TV auch lief. Ich habe sie auf Amazon gesehen. War jetzt nicht die BESTE Serie, die ich je gesehen habe, aber ich mochte sie schon ganz gerne =)

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    1. Irgendwann im Juno oder so lief die im Free TV. Die beste Serie, die es in dem Genre gibt, war das sicher nicht, aber zumindest konnte man sich das ansehen :)

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  4. Ich hab mal mit der TV-Serie angefangen, die Story ist super, nur die beiden jungen Hauptdarsteller fand ich so dermaßen grottig, dass ich nicht weitergucken konnte :D

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    1. Die Darsteller haben mich auch nicht geflasht (mal von Manu Bennett und John Rhys-Davies abgesehen!), aber ich wollte ja doch wissen, wie es mit der Story weitergeht... Aber darum habe ich mir auch die Bücher geholt :P

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  5. Das klingt gar nicht übel. Die TV Serie kenne ich nicht, von den Büchern hab ich schon mal gelesen. Mal gucken, vielleicht nach der Reihe von Philippa Gregory, die ich gerade lese. ;)

    LG Lotte

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    1. Da kann man sicher mal einen Blick drauf werfen :) Geht ja auch danach noch weiter - zumindest im Original... Auf Englisch dürften sich da also durchaus mehr Bände ausmachen lassen.

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