Dienstag, 12. Juli 2016

Das Feuerzeichen - Rebellion - Francesca Haig

Gefühlte Ewigkeiten habe ich gebraucht, um endlich mal wieder ein Buch fertig zu lesen (faktisch waren es nur anderthalb Monate, aber das fühlt sich einfach sehr lang an) - und habe mal wieder festgestellt, wie schön es ist, ein paar Stunden in eine andere Welt abzutauchen und den Alltag komplett hinter sich zu lassen... Das funktioniert allerdings nur, wenn sich nicht doch ständig im Hinterkopf eine Pflicht meldet und einem das Lesevergnügen wieder vergrätzt. Darum habe ich den zweiten Band von "Das Feuerzeichen" auch eher in kleineren Etappen gelesen, was es auch ein wenig schwerer gemacht hat, dem Buch wirklich gerecht zu werden.
Der erste Teil der Trilogie von Francesca Haig hat mir ja wahnsinnig gut gefallen und ich war wirklich sehr gespannt, wie es mit Cass, ihrem Alpha-Zwilling und den Omegas weitergehen würde. Der zweite Band "Rebellion" knüpft direkt an den ersten Band an und bietet insgesamt auch wenige erklärende Rückblenden, sodass es sich anbietet, beide Teile der Trilogie aufeinanderfolgend zu lesen. Ich weiß es sehr zu schätzen, wenn man nicht die halbe Handlung aus dem vorhergehenden Teil wiedererzählt bekommt - wenn dessen Lektüre allerdings länger zurück liegt, kann das natürlich problematisch sein. Da "Rebellion" aber auch einfach kein Standalone sein soll, stört mich das gar nicht.

Während der Auftakt der Reihe als Intro fesselnd geschrieben war und durch die Darstellung der "neuen" Welt und der bisherigen Erlebnisse unserer Protagonistin immer wieder Spannungselemente hatte, herrscht im zweiten Band eine ganz andere, eher gedrückte, Grundstimmung. Cass hat nicht nur ihren Partner verloren, sondern auch das grausame Walten des Rates erleben müssen, hat Bekannte und Freunde kämpfen und sterben sehen und fühlt sich so ein bisschen für das Schicksal der Welt verantwortlich. Mit Zoe und Piper schlägt sie sich nach der herben Niederlage auf der Insel durch und muss erstmal wieder mit sich selbst klarkommen - das macht sich auch im Erzählstil bemerkbar, der keineswegs so fulminant ist, sondern eher träge und ein bisschen zäh. Da die Geschichte weiterhin aus Cass' Sichtweise erzählt wird, passt das allerdings sehr gut, auch wenn man als Leser erstmal diese Perspektive erkennen muss.

Der jungen Seherin fällt es sehr schwer, mit der aktuellen Situation, ihren Verlusten und ihren Verstrickungen in die aktuellen Entwicklungen klarzukommen - da ist nicht nur ihr Bruder, der hinter den Plänen zur Einkerkerung der Omegas steht, sondern auch ihr eigenes Wirken im Widerstand. Wenn man sich darauf einlässt, kann man richtig mit Cass mitfühlen, die verloren wirkt und eigentlich nur durch die Zwillinge am Leben erhalten wird - ansonsten würde sie wohl auch ein wenig im Selbstmitleid versinken. Die Handlung wird eher von anderer Seite vorangetrieben, aber genau durch diese neuen Entwicklungen gewinnt auch Cass so langsam wieder etwas an Elan und Lebensmut. Ihre charakterliche Entwicklung wird erst am Ende des zweiten Bandes deutlich, als sozusagen der Knoten platzt - zuvor schafft sie es allerdings auch noch, mit einer unglaublich naiven, eingeschränkten und selbstbezogenen Sichtweise so einige Leute vor den Kopf zu stoßen.

Oberflächlich betrachtet, wird Cass durch diesen Band nicht wirklich sympathischer - aber man kann ihr einfach beim Reifen zusehen. Mit dem Elend eines anderen Sehers und ihrer eigenen Machtlosigkeit konfrontiert, muss sie erst ihren Weg finden und bekommt dabei auch Hilfe von ganz unerwarteter Seite: Ein Ratsangehöriger, der dem Wirken ihres Bruders kritisch gegenübersteht, sichert den Rebellen seine Unterstützung zu, bewahrt sie somit vor dem Untergang und verschafft ihnen sogar Oberwasser. Die Diskrepanz zwischen seinen Ansichten und Werten und dem Vorhaben der Rebellen ist zwar riesig, aber getreu dem Motto "Der Feind meines Feindes ist mein Freund!" gibt es hier eine (wahrscheinlich nicht allzu langfristige) Allianz, die zwar so ihre Probleme birgt, aber anscheinend auch ein wenig zur Annäherung von Alphas und Omegas beizutragen vermag. Hintergründe zur Gesellschaft bleiben in diesem Band eher randständig, aber dafür kommen Cass und ihre Freunde den Verursachern der großen Explosion auf die Spur und wir erfahren, dass anscheinend einige von ihnen überlebt haben...

Ich muss sagen, dass mich "Rebellion" auf den ersten Eindruck keinesfalls so mitgenommen hat wie der Auftakt der Trilogie, aber nach ein bisschen "Wirkzeit" durch ganz andere Aspekte zu bestechen vermag: Der Band ist einfach sehr stimmig und passt zur Entwicklung der Story und der Charaktere, er bringt die Handlung ganz schön voran und macht Lust auf mehr. Es heißt zwar jetzt wieder einige Zeit auf Band drei warten, aber den will ich auch auf jeden Fall lesen!

"Das Feuerzeichen - Rebellion" wurde mir kosten- und bedingungslos von Heyne fliegt zur Verfügung gestellt.

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