Donnerstag, 26. Mai 2016

Von wegen "Und eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst"...

Manchmal hört man ja nicht nur dem Gedüdel im Radio zu, sonder auch dem Text - z.B. bei Silbermonds "Leichtes Gepäck". Und dann sinniert man so vor sich hin, was denn an diesem Text dran ist und stellt vielleicht fest, dass man wirklich ganz schön viel Kram hat, den man nicht ständig benutzt und vielleicht auch gar nicht braucht. Vielleicht überlegt man dann auch, ob es nicht tatsächlich ganz nett sein könnte, alles loszuwerden...

Und dann wohnt man vier Wochen lang in einer Wohnung, in der einfach mal NICHTS ist und stellt fest: Totaler Bullshit, ich brauche meine 99% und zwar sowas von! Sicherlich gibt Menschen, die zum Glücklichsein nichts außer Luft und Liebe brauchen und mit einem Rucksack durchs Leben gehen können - aber ich gehöre da definitiv nicht dazu. Natürlich habe ich die letzten vier Wochen überlebt und es hätte auch schlimmer sein können - aber Spaß hat das nicht gemacht und ich habe deutlich gemerkt, dass ich eben nicht auf 99% verzichten kann.

Vor allem nicht auf Licht. Davon hatte ich allerdings ganz schön wenig, denn ohne meinen Deckenfluter, den ich eher zufällig gekauft habe, hätte ich ganz schön im Dunkeln gesessen. Aus der Decke kommen nämlich überall nur Stromkabel, an denen nichtmal eine usselige Fassung befestigt ist, um Glühbirnen anzubringen - und an nackten Kabeln spiele ich lieber nicht rum. Aber gut, in einer Wohnung, die ohne Tapeten vermietet wird (!!! Aber dafür mit Bodenbelägen... Man suche nicht nach Logik!), wundert einen das irgendwann auch nicht mehr. Als es dann bei Lidl selbstklebende LED-Spots gab, habe ich mir noch ein Dreierset von denen geholt, um zumindest im Bad und im Flur ein bisschen Licht zu haben.

Ich habe eigentlich eine sehr knuffige Drei-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad, habe aber die letzte Zeit nur im Schlafzimmer gewohnt. Einerseits lag das am Lichtmangel, andererseits auch daran, dass ich lediglich ein "Möbelstück" hatte, falls man das so bezeichnen mag: Eine selbstaufblasbare Luftmatratze, die als Multifunktionsstück sowohl als Schlaf-, als auch Ess- und Arbeitsplatz diente. War ja sonst nichts anderes da, auf das ich mich setzen konnte (Gott sei Dank ist keiner der Rauchmelder angengen, wie ich die nämlich hätte ausmachen sollen, ist mir noch immer ein Rätsel)! Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Matratze gar nicht unbequem fand, sondern ziemlich gut darauf schlafen konnte - nachdem ich mich an den Krach gewöhnt hatte, den das Ding macht.

Bei jeder Bewegung gibt die Matratze nämlich irgendwo ein Geräusch von sich und anfangs habe ich mich ernsthaft nachts selbst aufgeweckt, wenn ich die Seite gewechselt habe. Aber man gewöhnt sich da genau so dran wie an die Tatsache, dass die Matratze gerne ein bisschen im Raum herumwandert, da sie eben nirgendwo festgemacht ist. Zum Essen ist sie allerdings nur bedingt geeignet - aber da ich sowieso nur eine eingeschränkte Küche hatte, ging das schon...

Im Schlafzimmer hat man für gewöhnlich auch einen Kleiderschrank - oder eben zwei Boxen, die für Unterwäsche und Shirts herhalten müssen und ein Tablett, auf dem man dann Jeans und Cardigans ablegen kann. Ich hatte zwar kurz überlegt, mir so eine Kleiderstange zu besorgen, da hätte mir allerdings ganz eindeutig eine Ablagefläche gefehlt und großartig Geld wollte ich nicht investieren, da ich mir ja eh ein neues Schlafzimmer zulegen wollte. Die wärmeren Sachen (die ich ja momentan nicht mehr brauche), sind in der Reisetasche untergebracht und stehen irgendwo im Eck.

Natürlich braucht es auch ein paar schickere Sachen - und für die wäre eine Kleiderstange vielleicht auch ganz sinnvoll gewesen, aber in der Not frisst der Teufel bekanntlich Fliegen, also wurde alles einfach an den Rollokästen aufgehängt. Es war (und ist) zwar immer wieder ein kleines Glücksspiel, ob denn die Haken tatsächlich halten oder meine Jacketts nicht doch gleich einen Abgang mache...

Und obwohl ich eher wenige Dinge zum Aufhängen habe, habe ich doch meine Fensterfront im Wohnzimmer damit fast vollbekommen - allerdings habe ich auch nur einen Teil meiner Klamotten mitgenommen, da mir schon klar war, dass ich nicht sonderlich viele Optionen haben würde.

Am meisten vermisse ich tatsächlich meine Küchenzeile - meine "Küche" besteht momentan aus meinem Standmixer (Smoothies!), einer Induktionskochplatte, die ich bei Lidl mitgenommen habe (Nudeln!!!), einem uralten - aber heißgeliebten! - Toaster und meinem Wasserkocher.

Gespült wird im Handwaschbecken im Bad, einen Kühlschrank gibt es nicht. Dass ich entsprechend gefühlte zehn Mal häufiger Essen gegangen bin als bisher, ist glaube ich wenig verwunderlich. So rudimentäre Versorgungsmöglichkeiten machen nur bedingt Spaß und so verzehre ich mit nach einem Brötchen oder Brot mit Käse und habe die Schnauze voll von Marmelade und Nutella - die überleben nämlich auch außerhalb des Kühlschranks... Überhaupt fehlen mir frische Nahrungsmittel sehr und ich warte wirklich sehnsüchtig auf meine Küchenzeile - die ist zwar auch klein, aber fein!

In meiner alten Wohnung hatte ich ja auch keinen Schminktisch - aber momentan habe ich noch nicht einmal einen Tisch, auf dem ich meinen Spiegel abstellen kann. Also steht mein Spiegelchen nebst allen anderen Utensilien einfach auf dem Boden - dass da das Schminken (auch wenn es momentan nicht mehr als Mascara gibt) nicht sonderlich viel Freude macht, ist glaube ich nachvollziehbar. Immerhin ist der Spiegel beleuchtet, sodass ich nicht ganz im Dunkeln tappe und grob erkenne, ob ich mir gerade einen schwarzen Klecks ins Gesicht batze oder nicht.

Fürs Nägellackieren habe ich zumindest die Matte von MoYou, die liegt allerdings auch gemütlich auf dem Fußboden... Also darf ich mich da halb auf den Boden knien, um irgendwas mit meinen Nägeln anzustellen.

Ich gebe offen und ehrlich zu: Ich habe durchaus auch so einige unnötige Dinge in meiner Wohnung, die sicherlich nicht ständig zum Einsatz kommen, aber es sind keineswegs 99% Ballast, sondern auch ganz schön viele Dinge, die mir das Leben angenehmer gestalten. Sicherlich brauche ich die nicht zum Überleben, aber durchaus doch, um mich wohlzufühlen. Und damit meine ich gar nicht so Schnickschnack wie die MoYou-Matte, sodern eher so elementare Dinge wie einen Kühlschrank, Stühle, ein Sofa oder einen Tisch und Schränke, um mal einige Sachen abzulegen und Ordnung zu schaffen. Morgen sollten sie dann endlich auch in Köln ankommen - darum wird es wohl am Wochenende hier still bleiben, ich werde nämlich mit Einräumen beschäftigt sein!

Kommentare:

  1. Dann gutes gelingen beim Einräumen. Da weiß man wieder einige Dinge zu schätzen, wenn man auf sie verzichten muss.
    Mir steht auch bald ein Umzug bevor. Das wird dann auch ein Chaos und man muss sich auf das nötigste beschränken, was man so täglich braucht. Das andere soll ja dann schließlich eingepackt werden.
    Lieben Gruß

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist gar nicht so tragisch, sich auf ein paar Sachen zu beschränken - das ging bei mir ja drei Monate lang recht gut ;) Aber man fängt dann schon an, ein paar Annehmlichkeiten zu vermissten - und meistens vergisst man auch genau das, was man am dringendsten bräuchte :P

      Ich drücke dir die Daumen, dass bei dir alles klappt :)

      Löschen
  2. Ich bin ja ein Freund der amerikanischen Vorgehensweise - da lässt man (laut Aussage von Amerikanern) grundsätzlich seine Küche in der Wohnung und hat dann auch schon eine fertige in der neuen. Super Sache!
    In meiner Wohnung war die Küche samt Tisch usw. auch schon drin und ich war sehr dankbar dafür - ich bin damals nämlich von zu Hause ausgezogen und die bestellten Möbel ließen so einige Monate auf sich warten :-/

    Ich denke, in dem Lied sind mit den 1% durchaus die Möbel gemeint :D
    Aber ich bin auch kein Minimalist. Überflüssiges Zeug besitze ich aber leider trotzdem ...
    Was man m.M.n. aus dem Lied aber mitnehmen sollte, ist ab und an auszumisten. Besonders VOR einem Umzug - Freunde von mir sind vor ca. 2,5 Jahren umgezogen und haben immer noch mindestens 15 (große!) Umzugskartons in der Wohnung stehen. Die Sachen dadrin gehören wohl eher zu den 99% ...

    Wünsche dir viel Erfolg beim Umzug und Freude an der frischeingerichteten Wohnung!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich wäre auch ein großer Freund von einer schon vorhandenen Küche - aber wenn sowohl der alte Vermieter als auch der neue keine drin haben und auch immer darauf bestehen, dass alles rauskommt, ist es schon ganz gut, eine eigene Küche zu haben :P

      Klar, das meiste, das man bestellt, dauert - so auch mein Bettchen, das hoffentlich Ende Juno dann mal kommt^^

      Ich muss aber auch sagen, dass Möbel deutlich mehr als 1% ausmachen ;) Und ich finde auch, dass ich von dem sonstigen Krams niemals über 90% rausschmeißen könnte... Klar, kein Mensch braucht zig Nagellacke, aber es gibt so viele Dinge, die ich im richtigen Moment einfach habe - sei es Werkzeug oder auch mal was Essbares, das ich nicht so oft esse... Oder sonstige Sachen - man kann es sicher übertreiben (und was man seit Jahren im Karton stehen hat, braucht man wohl wirklich nicht mehr!), aber so ganz ohne geht es auch nicht ;)

      Löschen
  3. Ich bin mir auch recht sicher, dass Wohnungs-Grundausstattung nicht zu den 99% gehört - auf einen Tisch und eine Küchenzeile kommen ja meist unzählige Schmuckstücke, Kleidungsstücke, Nagellacke, Krimskrams, die man nicht unbedingt braucht ;)
    Aber ohne die 1% ist es schon Mist ...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich finde einfach 99% übertrieben ;) Ich brauche deutlich mehr - bzw. nutze deutlich mehr ^^ Sicher nicht alles jeden Tag, aber meine Lacke haben mir doch auch gefehlt in der Zwischenzeit :P Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich meine Sachen jetzt weitgehend wiederhabe!

      Löschen
  4. Oh je, ich kann mir das schon vorstellen. Man braucht zwar nicht alles, aber vieles. Ohne ist es einfach ätzend! :D
    Ich hoffe, es klappt alles bei deinem endgültigen Umzug. ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es sind halt vor allem dann doch die Kleinigkeiten, die einem fehlen - die Knoblauchpresse oder irgendein Besteckstück oder sonstiges... Mit ist alles deutlich einfacher - wenn man es denn dann in den Kartons findet :P

      Löschen
  5. Oh gott, ich weiß nicht, ob ich das so lange ausgehalten hätte, och hoffe du hast bald alles wieder beisammen^^ Fand es ja schon schlimm, mit nur einem Koffer in mein dreimonatiges Auslandssemester staten zu können, mir hat einfach alles gefehlt :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Am anstrengendsten war es wirklich, keinen Kühlschrank zu haben - das schränkt schon wahnsinnig bei der Nahrungsaufnahme ein, vor allem, wenn man den ganzen Tag über beim Arbeiten ist ^^ Jetzt bin ich heilfroh, dass zumindest der Großteil da ist - wenn der Kleinerschrank noch kommt, bin ich endgültig glücklich :P

      Löschen
  6. Als ich in meine Wohnung gezogen bin, hatte ich in der ersten Zeit auch kaum Möbel (ich bin direkt von meinen Eltern in ein möbliertes Appartement und von da in die Wohnung gezogen, meine Kinderzimmermöbel waren alle schon rund 30 Jahre alt, die wollte ich nicht mitnehmen), da ich die Wohnung erst beim Einzug ausmessen konnte und Ikea dann mehrere Wochen brauchte, um mir alles liefern zu können. Was war ich froh, als ich dann wieder ein Bett, Sofa und Tisch hatte!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mein Bett kommt auch irgendwann noch - das vermisse ich gar nicht so sehr, aber so "Kleinkram" wie Ablageflächen, Schränke und so weiter, sind einfach phänomenal... Ansonsten flackt einfach alles irgendwo auf dem Boden rum und das ist ein bisschen doof ^^

      Löschen
  7. Das kenn ich auch noch. Meine Küche war zwar drin (die Vormieterin hat das Wackelding drin gelassen) und ich hatte bisschen mehr im Bad und Schlafzimmer (Gott sei Dank hatte ich noch das Bett aus Studienzeiten, wo ich nur ne neue Matratze brauchte von IKEA.), aber mein Wohnzimmer bestand aus einem Sessel, den Couchtisch, den ich gleich bei Roller hatte mitnehmen dürfen, und ein alter TV Tisch. Mehr nicht. Anbauwand kam Wochen später, die Couch sowieso, der Schreibtisch war nie verfügbar und Regale kamen erst am Ende.

    Ich hoffe, dass du bald bisschen mehr in der Wohnung hast (wie Bett, Sofa, Küche, ...) um entspannt leben zu können.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eine Zeit lang kann man ja mit den Einschränkungen leben - aber das macht halt nicht wirklich Spaß... Und richtig wohl fühle ich mich halt erst, wenn ich nicht mehr irgendwo kruschen und kramen und nach Notlösungen suchen muss. Schlaf- und Arbeitszimmer wollen noch komplettiert werden, der Rest steht schon weitgehend :)

      Löschen
  8. Oh ja, so ein provisorisches Wohnen kommt mir bekannt vor...
    Auf ein gutes Einräumen [der Umzug sollte ja jetzt erfolgreich absolviert sein :)]!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dieses Einräumen schlaucht extrem :P Und es dauert unglaublich lange ^^

      Löschen