Montag, 16. Mai 2016

Sterntaler - Kristina Ohlsson

Der große Vorteil an Feiertagen ist, dass sie einem auf einmal "zusätzliche" Zeit verschaffen, die man sinnvoll nutzen kann - sofern man nicht auf die Autobahn muss. Eigentlich wäre ich ja dieses Wochenende gerne wieder unterwegs gewesen, aber da hat mir dann mein Telefonanschluss, bzw. dessen Aktivierung, einen Strich durch die Rechnung gemacht. Immerhin hatte ich somit ein bisschen Zeit, den dritten Band um Fredrika Bergmann fertig zu lesen, nachdem ich "Aschenputtel" und "Tausendschön" schon doch ganz fein fand.
Wie schon Band 2, setzt "Sterntaler" nicht direkt im Anschluss an den Vorgänger an, sondern lässt einiges an Zeit vergehen, sodass die dramatischen Ereignisse, die sich in "Tausendschön" angekündigt haben, hier bereits passiert sind. Fredrika ist inzwischen Mutter und befindet sich in Elternzeit, Peder wieder mit Ylva glücklich, Alex hingegen musste seine Frau begraben. Es scheint, dass alle drei wieder in den Alltag gefunden haben, als ein Hund beim Spazierengehen im Wald eine Leiche zu Tage fördert, die unsere Ermittler auf den Plan ruft. Schnell ist Alex klar, dass er hier das vermisste Mädchen vor sich hat, mit dessen Fall er vor zwei Jahren betraut war...

Wäre es "nur" ein einfacher Mordfall, hätte sicherlich nicht Kristina Ohlsson dieses Buch geschrieben, denn neben der jungen Rebecca Trolle liegt auch noch eine weitere Leiche, die nicht nur wesentlich älter ist, sondern auch schon vor Jahrzehnten vergraben wurde. Was die beiden Funde miteinander zu tun haben, ist lange Zeit nicht klar - Fakt ist nur, dass es unwahrscheinlich ist, dass die beiden Personen nichts miteinander zu tun haben. Und so machen sich unsere drei Protagonisten auf die Suche nach der Rätsel Lösungen und wirbeln eine Menge Staub auf: Der Name von Fredrikas Liebhaber, der inzwischen von seiner Frau getrennt ist und bei ihr lebt, taucht bei den Ermittlungen auf, was nicht nur ihr, sondern auch Alex und Peder das Leben schwer macht (allerdings auch zeigt, dass die drei inzwischen doch ganz schön zusammengewachsen sind) - und vor allem Spencer selbst noch ein zusätzliches Päckchen beschert.

Mal wieder ist Ohlsson hier ein komplexer, aber nicht zu abgefahrener Fall gelungen, der eine umstrittene Schriftstellerin, Wirtschaftsbosse und fehlgeleitete Polizisten genauso wie soziale Beengungen, emotionale Höhen und Tiefen sowie spannende Wendungen enthält. Als Leser schwant einem schon sehr früh schlimmes, denn neben dem normalen Ablauf werden immer wieder Ausschnitte aus Verhören präsentiert, die vorwiegend mit Alex und Fredrika geführt wurden und teilweise Erkenntnisse aus dem Fall und die schicksalshafte Wendung am Ende vorwegnehmen. Obwohl hier die Entwicklungen, die unsere Charaktere durchgemacht haben, eher ein bisschen im Hintergrund stehen, kommen sie an einigen Stellen zur Sprache und deuten (hoffentlich!) auf Schwerpunkte im kommenden Fall hin: Beziehungstechnisch geht es bei Fredrika und Spencer ein wenig drunter und drüber, aber Alex scheint wieder positiver in die Zukunft zu blicken. Bei Peder hingegen sieht es eher düster aus, was ich richtig schade finde, da der Charakter in den letzten beiden Bänden doch sehr an Sympathie gewonnen hat.

"Sterntaler" war mal wieder ein Lesevergnügen, das allerdings auch ein bisschen Mitdenken erfordert. Natürlich kann man den Fall auch einfach so weglesen, aber dann gehen doch einige Dinge unter, die gerade die Charaktere und den Handlungsverlauf so viel spannender machen. Auch wenn die Charakterentwicklung hier eher knapp ausgefallen ist, muss ich sagen, dass ich Fredrika, Alex und Peder inzwischen sehr lieb gewonnen habe und die drei als gelungenes, wenn auch sehr unterschiedliches Ermittlerteam schätze. Dass Ohlsson sich auch immer mit besonderen Fällen befasst und nicht auf die großen Standards zurückgreift, macht die Bücher auch immer wieder lesenswert - und ich bin mir sehr sicher, dass demnächst auch der vierte Band bei mir einziehen wird...

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