Montag, 28. März 2016

Die Herren der grünen Insel - Kiera Brennan

Da ich momentan einen gewissen Teil meiner Freizeit auf der Autobahn zubringe, bleibt entsprechend wenig Zeit zum Lesen über - das finde ich ziemlich blöd, kann aber nicht wirklich etwas dran ändern. Besonders ungeschickt ist es aber, wenn man sich dann ein Buch schnappt, das recht komplex ist und nicht nur Aufmerksamkeit erfordert, sondern im besten Fall auch noch zusammenhängende Lesezeit, damit man nicht alle Dinge gleich wieder vergisst und durcheinander bringt.

Genau so eines habe ich mir aber im letzten Monat geschnappt, weil mich die Geschichte sehr reizte - aber eben auch schnell festgestellt, dass es sich bei "Die Herren der grünen Insel" von Kiera Brennan so gar nicht um leichte Kost handelt. Bei einem Historienepos auf 946 Seiten ist es auch wenig verwunderlich, also war ich froh, dass ich an den Ostertagen etwas mehr Zeit hatte, um das Buch endlich am Stück fertigzulesen.
Historische Romane sind nicht unbedingt mein Standardgenre, allerdings mag ich sie im richtigen Setting auch recht gern (die Medicus-Reihe fand ich z.B. echt gut!). "Die Herren der grünen Insel" dreht sich um die anglonormannische Eroberung Irlands ab 1166 und ist für mich historisch gesehen komplettes Neuland gewesen, allerdings finde ich Irland mit seiner Geschichte sehr spannend und habe mich darum auf diesen Wälzer eingelassen. Natürlich sehe ich das keineswegs als 100%ig korrekte Wiedergabe der Geschichte an (was bei mittelalterlichen Geschehnissen aufgrund der Quellenlage auch nicht so richtig gut möglich ist), aber ich habe zumindest ein bisschen das Gefühl, etwas Neues gelernt zu haben.

"Die Herren der grünen Insel" stellt die Abläufe der damaligen Zeit aus den Blickwinkeln mehrerer Personen dar, die über kurz oder lang auch alle miteinander in Bezug gesetzt werden, aber durch entsprechende Kapitelüberschriften auch gut zuzuordnen sind. Anfangs noch getrennte Stränge, z.B. um den Krieger Ascall oder um die Händlertochter Róisín, laufen im Verlauf der Entwicklungen zusammen, Wege bisherigen Lebens- oder Kampfesgefährten trennen sich und nähern sich wieder einander an und irgendwie vermittelt dieses Beziehungs- und Wissenschaos ein gutes Bild von den wilden, wirren und intrigengeleiteten Umständen im umkämpften Irland. Eine so komplexe Geschichte auf einfache Art darzustellen, ist schier unmöglich - und das ist Brennan auch nicht wirklich gelungen.

Zu Beginn habe ich auch ein bisschen mit den vielen Namen, korrekten Aussprachen (die entsprechend in einem anhängenden Verzeichnis genannt werden) und familiären Beziehungen, Abstammungen oder sonstigen Verpflichtungen zu kämpfen gehabt - aber mit der Zeit und dem einen oder anderen Blick in die entsprechenden Erläuterungen wurde das besser. Allerdings muss man sich da auch einfach etwas dahinterklemmen - einfach so weglesen lässt sich die Story nicht, ohne etwas zu verpassen. Die Protagonisten und auch Nebencharaktere sind gut herausgearbeitet und keine der handelnden Personen wird verklärt dargestellt - sie haben alle ihre Schwächen, Kreuze zu tragen oder tragischen Erlebnisse, die sie zu markanten und teilweise auch tragischen Figuren machen. Wirkliche Sympathie kam bei mir nur stellenweise und situationsbezogen auf und einen Lieblingscharakter könnte ich nicht benennen - aber das ist bei einer solchen Geschichte auch eher selten der Fall; die puren Gutmenschen überleben widrige Kriegsbedingungen eher selten.

Die bildreiche, teilweise rohen und auch recht drastischen Darstellungen verleihen dem Buch auch einen gewissen Hauch von Authentizität, indem dem Leser die Sichtweisen der Charaktere und auch deren Umgangsweises somit deutlich gemacht werden. Rein sprachlichen hätte ich mir an mancher Stelle eher gewünscht, dass man sich weniger altertümlicher Wörter bedient hätte (noch nie habe ich so oft "darob" oder "indes" gelesen und fand es nur bedingt angemessen), vor allem nicht in den beschreibenden Elementen. Das wirkte für mich teilweise einfach etwas gestelzt, war aber nicht so tragisch, dass es das Lesevergnügen gemindert hätte. Insgesamt ist die Geschichte nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich nicht unanspruchsvoll gestaltet und macht beim Lesen schlicht und ergreifend Freude.

Die Irrungen und Wirrungen um Machtansprüche, Intrigen, Siege und Niederlagen, Bünde und Fehden haben mit Abschluss des Buches noch keineswegs ein Ende gefunden und ich hoffe ja, dass es in einem zweiten Band auch mit einigen der bekannten Charaktere weitergeht. Obwohl ich natürlich inzwischen fleißig recherchiert habe, wie es mit Irland weiter ging, bin ich doch gespannt, was Brennan weiterhin aus der Geschichte gemacht hat...

"Die Herren der grünen Insel" wurde mir kosten- und bedingungslos von blanvalet zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Ich denke, ich werde mich trotzdem mal ranwagen, auch wenn es ein wenig anspruchsvoller ist ;) Das bietet sich ja auch irgendwie für die Blanvalet-Challenge an :)

    Liebe Grüße, Bianca

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    1. Ich finde die Geschichte wirklich gelungen! Aber so mal jeden Abend ein Kapitel lesen geht da einfach eher weniger gut... Vor allem am Anfang kommt man dann schwer rein, weil doch viele Personen eingeführt werden. Insgesamt hat mir das Lesen aber viel Spaß gemacht :)

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  2. Das mittelalterliche Irland ist eine spannende Zeit, ich hatte mal für ein Projekt mehr darüber recherchiert. Was du da von Verpflichtungen und komplizierten Sozialstruktur len erzählst, hatte ich auch gefunden: meine Güte, wie können die alles befolgen? Ach je.

    Kommen denn eigentlich noch Druiden vor in deinem buch ider ist alles schon christlich? Dad würde mich knteressieren, denn ich finde die Übergangszeit davon spannend (aber jab jetzt vergessen, wann das war...)

    Ich habe keine Zeit zum Bücher lesen momentan, aber durch meine keltisch-irischen Zeiten kann ich mir das alles ganz gut auch so vorstellen (aber ein Buch kann ja trotzdem seeehr anders sein :-P)

    Schöne Rest -Ostern wünsch ich dir noch!
    :-)

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    1. Die Storyline ist da schon sehr christlich geprägt, wobei der Glauben da eine untergeordnete Rolle spielt und es eher um die politischen Geschehnisse geht. Ganz am Rande wird da mal kurz drauf eingegangen, aber das ist wirklich sehr knapp. Wobei dieser Teil ja auch höchst spannend ist - da gibt es ja auch so einige schöne Fantasy-Geschichten dazu. Könnte ich eigentlich auch mal wieder was lesen, gerade so im keltischen Bereich...

      Hach, sehr spannend das alles, hätte man doch nur mehr Zeit!

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  3. Ab und zu finde ich anspruchsvollere Bücher auch ganz gut. Und etwas über die Historie lernen finde ich auch spannend. :)

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    1. Ich lese sowas ja auch ganz gerne - aber dafür muss man dann auch die Zeit haben. Aber wenn man was lernen kann, ist das eh immer toll und so macht's dann auch gleich mehr Spaß :)

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