Montag, 29. Februar 2016

Skalpelltanz - Jenny Milewski

Das einzige Buch, das ich im Februar gelesen habe ist eines, an dem wohl auch die "Skandinavien-Ecke" in meinem Buchladen schuld ist, denn obwohl der Name der Autorin nicht unbedingt darauf hinweist, ist Jenny Milewski Schwedin! Das Cover von "Skalpelltanz", ihrem Debut-Thriller, gehört auch zu der Sorte, die mich immer wieder auch auf den Klappentext schauen lässt (irgendwie sind in den letzten Jahren so einige Bücher ähnlich gestaltet!). Im Gegensatz zu den meisten anderen, fand ich aber hier die Kurzinformation interessant und spannend, also wanderte das Buch auch auf meine Wunschliste.
"Skalpelltanz" ist eigentlich der Titel eines Buchs, das Milewskis Protagonist, der Autor Jonas Lerman, über den psychopathischen Chirurgen Carl Cederfeldt geschrieben hat. Es gibt in Milewskis Geschichte also ein Buch im Buch, aus dem auch einige Passagen zitiert werden. Wie es sich für eine mordlastige Horrorstory gehört, sind diese Beschreibungen auch recht detailliert und blutig, allerdings kann man sie auch getrost überspringen, denn sie tragen nur wenig zur eigentlichen Handlung bei (wobei mich ja das "Originalbuch" schon auch interessiert hätte...) - jedoch wird auch die Hauptstory im Verlauf immer blutiger, ist also nichts für zart Besaitete.

Nach riesengroßem Erfolg mit den Erzählungen um Carl Cederfeldt beschließt Jonas, dass es Zeit für etwas Neues wird und schafft den mörderischen Chirurgen sozusagen ab. Sein neuer Roman ist auch durchaus erfolgreich - aber das Publikum (und sein Verleger) will Carl zurück, der bisher der Garant für Jonas' Erfolg war. Der Autor befindet sich allerdings in einer Schaffens- und Sinnkrise (soll er wirklich weiter blutrünstige Mädchenmorde zu Papier bringen oder will er sich nicht doch eher "normaleren" Geschichten widmen?), die von einer Schreibblockade gekrönt ist: Es will einfach kein Wort aufs Papier und schon gar keines über den mordenden Carl.

Bis eines Tages wie auf magische Weise in Jonas' Hirn ein Schalter umgelegt wird und er wieder schreiben kann - oder eher schreiben muss. Wie besessen bringt er etwas zu Papier, es handelt natürlich von Carl und seinem blutigen Geschäft - und passiert in verblüffender Ähnlichkeit auch in der Realität! Es geschieht nicht nur ein Mord, Jonas sieht auch Carls Hummer auf der Straße und findet Teile seine Kleidung - was ihn dazu bringt, an seiner geistigen Verfassung zu zweifeln (zu recht!). Ist seine Romanfigur etwa lebendig geworden, ist er selbst verrückt und lebt seine Fantasie aus oder ist das alles nur ein seltsamer Zufall? Jonas versucht dem Ganzen auf den Grund zu gehen und gräbt dabei in seiner Vergangenheit, die so einige Seltsamheiten offenbart.

Etwa bis zu diesem Punkt fand ich die Story ganz interessant - teilweise sind die Darstellungen zwar etwas langatmig und detailverliebt, ohne relevant zu sein, aber aus meiner Sicht noch im Rahmen. Als Leser denkt man mit, sammelt Indizien und grübelt, ob Jonas ernsthaft gestört und ein Serienmörder ist, ob er sich das alles nur einbildet oder ob doch etwas ganz anderes dahintersteckt. Die handelnden Personen sind mehr als nur grob skizziert und auch wenn Jonas Lerman kein absoluter Sympathieträger ist (dafür hat er doch ein paar zu viele Kanten, vor allem moralischer Natur, abbekommen), ist er auch nicht so unsympathisch, dass man ihn gleich abschreiben will. Gerade sein Problembewusstsein für ethisch-moralische Ansprüche an Literatur und auch seine Versuche, mit Niederschlägen umzugehen bringen ihm doch wieder ein paar Pluspunkte ein. Aber auch andere Charaktere sind nachvollziehbar dargestellt, sodass die Welt um Jonas schnell Farbe bekommt und man beim Lesen das Gefühl hat, sich ein angemessenes Bild machen zu können.

Vom Ansatz her bringt Milewski hier wirklich eine gute, wenn auch nicht wirklich neue, Idee ein - der Schreiberling, der von seiner Figur verfolgt wird (das kann man ja auf so vielen Ebenen sehen!) und sich mit ihr auseinandersetzen muss. Leider ist das Ende von "Skalpelltanz" entweder an den Haaren herbeigezogen oder ganz schlecht vorbereitet (das kann man nun sehen, wie man will), mich hat es auf jeden Fall nicht überzeugt. Sicherlich ist es nicht leicht, wieder auf den richtigen (Erzähl-)Weg zu finden, wenn man einige falsche Fährten gelegt hat, aber plausibel und nachvollziehbar sollte das Ganze dann doch bleiben - und genau das hat hier für mich gefehlt. Ich war vom Ende nicht nur enttäuscht, ich habe es schlicht und ergreifend (vor allem nach Einbezug des Epilogs) nicht so recht verstanden und das Gefühl, dass noch so ein paar Fragen offen sind. Das mag auch daran liegen, dass einige Erzählstränge (oder Teile davon) einfach nicht aufgelöst wurden, sondern stillschweigend beiseite gelegt wurden, was ich ebenfalls sehr schade fand.

Kurzum ist Milewski aus meiner Sicht einfach hinter den Erwartungen zurückgeblieben und hat das Potenzial, das ihre Story hatte nicht ausgeschöpft. Man kann sich das Buch durchaus mal gönnen, aber zu meinen Lieblingsthrillern wird es sicherlich nicht werden, dafür sind mir da doch ein paar Schnitzer zu viel drin.

"Skalpelltanz" wurde mir kosten- und bedingungslos von Heyne zur Verfügung gestellt.

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