Montag, 18. Januar 2016

Das Feuerzeichen - Francesca Haig

Nach dem Thriller von Kristina Ohlsson war mir vor Weihnachten nicht mehr wirklich nach Spannung, Mord und Totschlag - sondern eher nach ein bisschen was harmloseren... Jetzt mag eine Dystopie vielleicht nicht unbedingt das Gute-Laune-Buch schlechthin sein, aber alles was so ein bisschen in Richtung Fantasy geht, ist für mich immer eine nette Abwechslung zu Krimis und Thrillern. "Das Feuerzeichen" von Francesca Haig hatte mich aufgrund des Klappentextes sehr angesprochen und auch wenn es eigentlich ein Jugendbuch ist, fand ich den ersten Band der Trilogie wirklich klasse!
"Das Feuerzeichen" spielt in "unserer" Welt - nur vierhundert Jahre in der Zukunft, nachdem durch eine nukleare Katastrophe sämtliche Technik ausgelöscht wurde. Kein Strom, keine sonstigen Annehmlichkeiten, die Menschen führen ein Leben wie vor vierhundert Jahren - mit einem kleinen Unterschied: Inzwischen kommen nur noch Zwillinge zur Welt. Allerdings keine normalen Zwillinge, denn erstens sind es immer ein Junge und ein Mädchen - und zweitens ist eines der Kinder ein Alpha, ein "normales", vollkommenes Kind, während das andere ein Omega mit einem Makel ist. Zumeist handelt es sich hierbei um körperliche Absonderlichkeiten wie Verstümmelungen, zusätzliche Gliedmaßen oder sonstige Verformungen, aber in seltenen Fällen ist das Omegakind mit einer seherischen Gabe versehen und sieht äußerlich ganz normal aus.

Die Geschichte ist aus der Sicht von Cass erzählt, die eben eine solche Seherin ist und es geschafft hat, ihren Makel sehr lange vor ihren Eltern zu verbergen. Normalerweise werden die Zwillinge schon kurz nach der Geburt getrennt, die Omegas leben wie Ausgestoßene in Ghettos, die Alphas führen mit ihren Familien ein ganz normales, erfolgreiches Leben. Cass und ihr Bruder Zach allerdings blieben aufgrund Cass' unsichtbarer Absonderlichkeit lange Zeit zusammen, was vor allem ihrem "gesunden" Bruder das Leben schwer machte. Durch eine List schafftt er es letztlich doch, Cass zu enttarnen und endlich sein Recht auf ein normales Leben einzufordern, während seine Schwester in eine Omega Siedlung verstoßen wird. Zwischen den Zwillingen gibt es nämlich ein seltsames Band, welches das Überleben der Missgestalteten sichert: Was dem einen Zwilling an körperlichem Leid widerfährt, spürt auch der andere - bis in den Tod.

Gerade Cass' Erzählungen über ihre Kindheit vermitteln ein gutes Bild der Gesellschaft und der herrschenden Ansichten und auch wenn vielleicht der Schreibstil nicht gar so blümerant und ausschweifend ist (und das Ganze aus der Perspektive der Protagonistin geschrieben ist), als wirklich leichte Kost für Jugendliche empfand ich das nicht gerade. Cass' Persönlichkeitsentwicklung kann man vor allem in dieser Zeit gut nachvollziehen, ihr Aufbegehren gegen die geltenden Normen, das kritische Hinterfragen der Ansichten, gepaart mit einigen Zweifeln, ob ihr Verhalten (schließlich verhindert sie ja, dass ihr Zwilling ein ganz normales Leben führt) denn angemessen und richtig sei. Aber natürlich ist das Leben nach der Trennung nicht wirklich Friede, Freude, Eierkuchen, denn Cass wird entführt und eingesperrt... Angeblich geschieht dies zu ihrem Schutz - schließlich ist ihr Bruder inzwischen ein politisch aktiver und erfolgreicher Teil der Gesellschaft - aber nach dem eher kargen und harten Leben in der Omega-Siedlung ist ein Kerker nicht unbedingt eine angenehmere Erfahrung.

So verwundert es kaum, dass Cass an einer Flucht interessiert ist und ihr diese auch gelingt - allerdings flieht sie nicht alleine, sondern befreit einen weiteren Gefangenen. Gemeinsam schlagen sich die beiden durch, obwohl natürlich nach ihnen gesucht wird und so erhält der Leser eine weitere Möglichkeit, in die Welt und ihre Geschehnisse einzutauchen - und vor allem auch das soziale Gefüge ein bisschen besser nachzuvollziehen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich sehr schnell von der Handlung fasziniert war und das Buch nicht so recht aus der Hand legen wollte. Es ist zwar nicht so, dass sich die Ereignisse ständig überschlagen  (allerdings gibt es auch so einige actionreiche, sehr fesselnde Passagen), aber auch die ruhigeren Situationen haben ihren Reiz. Die klitzekleine Liebesgeschichte bleibt (dankenswerterweise) randständig und brav - und passt damit auch perfekt in die Szenerie, da sie eben dazu dient, die Beweggründe und Einstellungen der Protagonisten zu verdeutlichen und nicht im Zentrum steht. Cass findet Verbündete, vielleicht sogar Freunde, trifft alte Feinde wieder, muss sich Herausforderungen stellen, entdeckt ihre Fähigkeiten, hinterfragt ihre Sichtweise und erleidet bittere Niederlagen - diese Entwicklungen kann man als Leser gut mitverfolgen und es macht einfach Spaß, sie auf ihrer Reise zu begleiten.

Natürlich endet der erste Band auch mit einem Cliffhanger, der die folgenden Bände einleiten soll, aber mir hat die Geschichte definitiv Lust auf mehr gemacht: Ein interessantes Setting, gute Charaktere mit noch viel Potenzial einige spannende Anknüpfungspunkte... Ich will unbedingt wissen, wie es mit den Alphas und den Omegas weiter geht!

"Das Feuerzeichen" wurde mir kosten- und bedingungslos von Heyne fliegt zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Hört sich interessant an, behalte ich mal im Auge. Ich würde gerne mal wieder eine gute Dystopie-Reihe lesen - meistens sind das ja eh Jugendbücher, aber muss ja nicht schlecht sein.

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    1. Ich glaube ja, dass man bei Dystopien kaum an Jugendbüchern vorbeikommt, aber Haig hat hier auch nicht wirklich sehr "kindlich" geschrieben. Sicherlich ist das nicht superraffiniert und hochstechend, aber auch keineswegs primitiv. Und die Story ist halt wirklich nett, darum kann man sich da definitiv mal reinlesen :)

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