Montag, 4. Januar 2016

Aschenputtel - Kristina Ohlsson

Was tut man so, wenn der Laptop mit allen wichtigen Dateien, Fotos und sonstigen (eventuell sogar nützlichen) Unterlagen fröhlich im Fundbüro des Flughafens Weihnachten feiert und ganz alleine mit leerem Akku ins neue Jahr rutscht? Richtig, endlich mal ein paar Bücher lesen, die man vorsichtshalber mit in die Reisetasche gesteckt hat - und damit sich die Rezis nun nicht anstauen, ist das erste Posting 2016 eben ein Buch! Geht gerade auch noch gar nicht anders, weil ich noch nicht richtig ausgepackt habe und zwar körperlich (und mit Laptop) wieder in Hamburg angekommen bin, aber alles andere noch ein bisschen hinterherhinkt - nach dem Urlaub hat man halt irgendwie doch nochmal mehr zu tun als vorher.
"Aschenputtel" von Kristina Ohlsson hatte ich in der "Nordische Krimis"-Ecke meiner Buchhandlung mal entdeckt und vom Klappentext her als interessant empfunden - im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mich vor allem von der Ankündigung "Fredrika Bergmans 1. Fall" ein bisschen in die Irre habe führen lassen, aber dazu gleich mehr.

Während der Titel doch eher brav klingt, ist es der Inhalt des Buchs definitiv nicht - und ich würde auch niemandem mit allzu gutem bildhaften Vorstellungsvermögen und einem hohen Ekelfaktor empfehlen, die Geschichte zu lesen; da gibt es nämlich die eine oder andere Stelle und anschauliche Beschreibung, die einem vielleicht etwas auf den Magen schlagen könnte. Eigentlich kann das die gesamte Geschichte, denn Alex Recht und sein Team (dem auch Fredrika angehört) jagen einen Serienkiller, der es auf Kinder abgesehen hat. Dass ich "Alex Recht und sein Team" schreibe, macht wohl auch deutlich, warum mich dieser (vermeintliche) Fokus auf Fredrika so irritiert hat, denn sie schien mir keineswegs die zentrale Figur zu sein, sondern eher ein gleichberechtigter Teil des Ermittlerteams.

Allerdings hat Fredrika schon eine Sonderrolle - sie ist nämlich im Gegensatz zu ihrem Chef Alex Recht und dem ebenfalls erfahrenen Kollegen Peder Rydh keine Polizistin, sondern "Zivilistin", wie sie so schön sagt, die ein eher wissenschaftlich geprägtes Herangehen an Ermittlungen hat und damit auch eine ganz andere Denke als die alteingesessenen Herren hat. Das führt natürlich zu so einigen Konflikten und bringt sie vor allem mit Peder, der so ein paar kleinere Probleme mit seinem Ego zu haben scheint, auf Kollisionskurs. Die Kombination dieser drei macht die Geschichte aber auch spannend und interessant, stellt sie doch drei wirklich gegensätzliche Charaktere in den Mittelpunkt: Alex, der vielleicht ein bisschen zu erfahren und damit festgefahren ist und den Ruhepol darstellt; Peder, der sich noch ein bisschen seine Sporen verdienen will, Bestätigung braucht und dessen Privatleben auch etwas auf die schiefe Bahn gerät; und Fredrika, die als Außenseiterin mit einem hellen Kopf, aber auch ein bisschen fehlender Sozialkompetenz ein bisschen Zündstoff liefert.

Diese drei versuchen also, das Verschwinden eines jungen Mädchens aufzuklären, das sich leider schnell als Mord und sogar als Mordserie entpuppt. Die Nachforschungen werden von den unterschiedlichen Schwerpunkten der drei Protagonisten geleitet - die alten Hasen haben natürlich einen anderen Blick als die Neue - und waren für mich nicht an allen Stellen so ganz stringent und schlüssig, aber zumindest weitestgehend nachvollziehbar. Als Leser hat man bei "Aschenputtel" einen kleinen Bonus, da der Täter schnell durch eine zweite Erzählperspektive klar ist - die spannende Frage nach dem "Warum?" hat man jedoch auch deutlich vor den Ermittlern geschlussfolgert (obwohl es auch hier eine sehr schöne, falsche Fährte gab!) und in Kombination mit dem sehr abrupten Ende fand ich das doch ein bisschen schade: Hintenrum fiel mir die Story einfach zu schnell und "einfach" ab, obwohl es hier doch einen ordentlichen Knall gibt.

Im Mittelteil plätscherte "Aschenputtel" für mich so ein bisschen hin und ich habe das Buch öfter mal aus der Hand gelegt, weiß allerdings nicht so richtig, woran das lag. Während die Ermittlungen etwas langsamer laufen, gibt es nämlich auch die eine oder andere Information zum persönlichen Hintergrund der Ermittler, die für ein rundes Bild der Charaktere sorgen und auch ihr Handeln nachvollziehbarer machen - es wird also nicht wirklich langweilig beim Lesen. Vom etwas unbefredigenden Schluss abgesehen, hat mich Kristina Ohlsson auf jeden Fall neugierig gemacht und als ich den dritten Band ("Sterntaler") vor der Nase hatte, musste der auch gleich mit. Da es aber vor allem in Fredrikas Leben eine große Veränderung gibt, werde ich wohl erstmal den zweiten Teil lesen, bevor ich mich an den dritten mache...

"Aschenputtel" wurde mir kosten- und bedingungslos von Blanvalet zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Hört sich ganz ok an, aber wenn der SuB eh so hoch ist ... hast du Lars Kepler inzwischen gelesen? :-)

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    1. Jaja, das Problem kenne ich :P Den Kepler hat sich leider meine Ma zuerst gekrallt, also heißt es jetzt erstmal warten und was anderes lesen. Aber ich weiß gar nicht, ob ich mich so auf das Buch freuen soll...

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  2. Hey,Frohes neues Jahr noch!Schön,dass es wieder ein Zeichen von dir gibt!:)
    Hatte schon das Schlimmste befürchtet, von wegen, jetzt gibts doch keine HoSGalerie (wobei es die ja dann zum Glück auf Marzipanys Seite gab/gibt!) und die ganzen anderen Dinge,die sich auf deinem Blog immerwieder regelmäßig einfinden :(
    Supergut,dass es da einen ehrlichen Menschen gegeben hat,der deinen Laptop im Fundbüro abegegeben hat!!
    So ohne Laptop würde ich auch alternativ zu den Büchern greifen.Gerade jetzt ist es ja doch sehr gemütlich daheim auf dem Sofa (im Sommer natürlich auch)!
    Dann bin ich mal gespannt, wie es hier weitergehen wird :)

    Liebe Grüße,
    Caljesa

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    1. Dir auch ein frohes neues Jahr :)

      Keine Panik, ich bin nicht ganz vom Erdboden verschwunden :P Nur ohne Hardware ist es ziemlich schwierig, was zu posten. Kommt halt jetzt alles etwas verzögert, aber die Mittwochsaktion geht jetzt wieder brav weiter :) Und ansonsten geht es wohl auch wie gewohnt weiter, zumindest vorerst.

      Ich glaube, dass das Sicherheitspersonal meinen Laptop abgegeben hat - ich hab' ihn ja nach dem "Röntgen"-Teil einfach nicht abgeholt (selten dämlich, aber vielleicht hat mich ja der Ganzkörperscanner auf einmal vergesslich gemacht?!) und die Mail vom Fundbüro kam recht zeitnah, ich bilde mir ein, als ich in der Luft war^^

      Natürlich habe ich die laptopfreie Zeit dann genossen - aber das selbstständig zu entscheiden (was in Teilen ja auch geplant war), wäre mir doch lieber gewesen...

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  3. Frohes Neues :) Gut, dass dein Laptop nicht verschwunden war oder so.

    Ich habe die Reihe gehört und bin sehr begeistert. Allerdings ist meine Fantasie vom Hören weniger angeregt als vom Lesen, deshalb kann ich mich an besonders explizite Beschreibungen gar nicht mehr erinnern. Der beste Teil war, für mic, der 4.! Über den Wolken...

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    1. Frohes neues Jahr :)

      Nene, der war brav beim Flughafenpersonal - dürfte nur etwas langweilig gewesen sein :P

      Ich fand die Beschreibungen der Leichenfunde schon recht bildhaft, aber bei dem Mädchen im Krankenhaus und der Schlussszene war es doch noch deutlicher - darum ist das wohl nicht für jeden was (und das sind ja doch Schlüsselszenen). Aber ich glaube auch, dass mir beim Hören deutlich weniger Bildmaterial durch den Kopf geht, vielleicht auch, weil man da eher dazu neigt, noch was anderes zu tun...

      Ich bin auf jeden Fall ganz gespannt, wie es weiter geht, auch wenn sicher nicht die Fälle die Geschichten tragen, sondern eher die Charaktere. Aber erstmal muss ich vor allem meinen neuen Lynley lesen!

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