Montag, 26. Oktober 2015

Priester - Trudi Canavan

Nachdem es lesetechnisch bei mir in der letzten Zeit doch eher krimilastig zuging, wollte ich mich mal wieder intensiver dem Fantasy-Bereich widmen - ein bisschen Abwechslung muss ja schließlich auch sein. Nachdem ich "Die Gilde der Schwarzen Magier" von Trudi Canavan (1, 2, 3) hatten sich auch zeitnah ein paar andere Bücher im heimischen Schrank angesammelt, darunter auch die Trilogie "Das Zeitalter der Fünf". Aus meinem Freundeskreis hatte ich hierzu zwar gemischtes Feedback erhalten und wurde durchaus vorgewarnt, aber zumindest reinschnuppern wollte ich in die Geschichte doch.

Zu Hause fand ich dann den zweiten und den dritten Band vor (sowas passiert, wenn man Bücher einfach nur kauft, weil man den Autor mag und nicht ordentlich schaut, ob es sich nun um einen Einzelband oder eine Serie handelt) - nur werde ich ja bei einer Trilogie nicht in der Mitte anfangen... Also musste noch der erste Band her, damit es losgehen konnte und obwohl ich den inzwischen durch habe, weiß ich nicht so ganz, wie sehr mir diese Reihe gefällt.
Die Protagonistin dieser Serie heißt Auraya - und ich finde es ja ganz gut, dass Trudi Canavan wieder ein Mädchen in den Mittelpunkt stellt, aber da machte sich auch schon die erste Parallele auf: Auraya kommt zu ihrer neuen Rolle so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind, denn ihre magische Begabung wird eher durch einen (unglücklichen) Zufall entdeckt. Anstatt also ein normales Leben zu führen, wird sie Priesterin und letztlich sogar eine der fünf Auserwählten der Götter. Mit besonderen Fähigkeiten und Unsterblichkeit ausgestattet soll sie im Sinne der Götter schalten und walten - und natürlich gäbe es nichts zu erzählen, wenn nicht eine feindliche Macht ihren Auftritt hätte und die fünf Weißen vor ernsthafte Probleme stellen würde...

Ich muss ehrlich sagen, dass es mir anfangs nicht leicht gefallen ist, in die Story reinzukommen - so ein bisschen habe ich mich an meine erste Lektüre des Herrn der Ringe erinnert gefühlt: Es werden sehr viele, durchaus stimmungsvolle und interessante Informationen geliefert und Canavan ist zu Beginn aus meiner Sicht sehr detailverliebt - aber worum es nun eigentlich gehen soll, wird nicht so ganz klar. Die Geschichte plätschert anfangs ein bisschen vor sich hin, liest sich durchaus angenehm, hat aber nicht den Charme, den die Gilde der Schwarzen Magier nahezu sofort ausgeübt hat, irgendwo fehlte mir da was. Es dauerte einige Zeit, bis ich mich auf diese Darstellungsart eingestellt hatte, dann nahm die Story auch mehr Fahrt auf und wurde reizvoller und interessanter.

Ein Punkt, der einem das Lesen nicht wirklich einfacher macht, sind die vielen parallelen Erzählstränge: Einerseits gibt es Auraya, deren Leben und Walten wir verfolgen; dann gibt es Tryss, der sein Volk (das wirklich zauberhaft beschrieben wurde und mir sehr sympathisch ist!) voranbringen möchte und seine erste Liebe Drilli; eine weitere zentrale Geschichte dreht sich um Emerahl, die eine wilde Magierin ist und sich eigentlich von den Priestern fernhalten möchte - und dann gibt es natürlich noch diverse Nebenstränge um Verbündete, Freunde oder auch Feinde. Bis man also alles im Kopf richtig geordnet hat und weiß, wohin einen jetzt der Wechsel der Erzählperspektive wieder gebracht hat, dauert es einfach seine Zeit. Einige Stränge werden schneller zueinander geführt, andere langsamer - aber auch für sich genommen sind sie alle spannend und interessant.

Ich finde zwar, dass die Charaktergestaltung an einigen Stellen noch etwas oberflächlich geblieben ist, aber da es sich um eine Trilogie handelt, ist dafür ja noch Zeit. Es gibt jedoch so einige Figuren, die mir schnell ans Herz gewachsen sind und deren Entwicklung ich doch gespannt weiterverfolgt habe - die haben mich nämlich ein bisschen mehr durch das Buch getragen als die tatsächliche Handlung. Insgesamt fand ich fast die Nebenschauplätze interessanter, die Geschichten hinter den Charakteren und der Entwicklung der Gesellschaft (die wie die meisten Fantasy-Universen einfach auf einem gewissen Schwarz-Weiß-Denken beruht), obwohl das Ende des Buchs durchaus spannende weitere Geschehnisse verspricht. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich den zweiten Teil gleich im Anschluss lesen will oder die Sache noch ein bisschen sacken lasse - aber reinschnuppern werde ich auf jeden Fall.

"Priester" wurde mir kosten- und bedingungslos von blanvalet zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Tja, die Götter-Reihe.. während mich die Schwarzmagiertriologie genau wie dich auch von Anfang an fasziniert hat, habe ich mir mit dieser Reihe etwas schwer getan - insgesamt mag ich die Reihe aber letztendlich doch ganz gerne, auch wenn ich mit Auraya einfach nicht warm werde. Dafür finde ich die Geschichte um Emerahl und die anderen Unsterblichen sehr spannend, auch die Siyee finde ich ganz zauberhaft.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich habe auch ein bisschen gebraucht, um reinzukommen - aber es hat mich einfach nicht so geflasht wie die Gilde der schwarzen Magier... Irgendwie finde ich Auraya so ein bisschen seltsam und blicke (noch?) nicht so ganz durch, wie so ihr Charakter nun wirklich ist. Emerahl finde ich auch klasse, die Entwicklungen um Mirar auch und die Siyee sind sowieso toll - also mal sehen, was Band zwei so sagt...

      Löschen
  2. Ich mochte "Die Gilde der schwarzen Magier" sehr und auch die "Sonea" Trilogie im Anschluss hat mich angesprochen. Diese Reihe hier habe ich bisher nicht gelesen, nur immer mal wieder gesehen. Ich bin auch jeden Fall gespannt auf deine Meinung zu den weiteren Teilen. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir hatten ewig Band 2 und 3 zu Hause, nur den ersten nicht ^^ Die Sonea-Trilogie fehlt mir noch, da wurde mir aber auch gesagt, dass die deutlich besser sein soll als diese hier... Es ist halt doch ein bisschen ein anderer Unterton, den "Das Zeitalter der Fünf" hat - ich mochte die Gilden-Geschichten von Anfang an irgendwie mehr. Mal sehen, wie es hier weiter geht :)

      Löschen
  3. Ich hatte den ersten Band dieser Reihe ziemlich euphorisch gekauft und dann begonnen und kam einfach nicht rein. Vielleicht habe ich zu fix damit begonnen... Die Magier- Bücher waren einfach zu gut und präsent in meinem Kopf, so dass mich die neue Geschichte irgendwie enttäuschte. Da hat es eine neue Geschichte, die so holprig (für mein Gefühl) startet, nicht leicht. Ich könnte dir jetzt nicht mal sagen, wo sich das Buch momentan befindet. Vielleicht habe ich es auch bei meinem Brüderchen gelassen. ^^ Dafür habe ich dann den Prequel zu den Magier- Büchern sehr genossen. :D

    LG Lotte

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. So ein bisschen "holprig" oder vielleicht ziellos startet die Geschichte hier wirklich - ich hab' auch ein bisschen (oder ein bisschen länger) gebraucht, um reinzukommen, bzw. um die Zusammenhänge auch klar zu haben. Teilweise fand ich nämlich die Seitenstränge viel interessanter als die eigentliche Geschichte und manches wird einem auch erst klar, wenn irgendwas aufgelöst wurde... Es ist halt irgendwie nicht so unterhaltsam wie die Gilden-Bücher, oder vielleicht eher auf einer anderen Ebene? Ich schaue einfach mal, wie es weiter geht :)

      Löschen
  4. Ich hab auch beide Reihen gelesen (und sogar die Vorgeschichte "Magie" zur Schwarzen Magier-Triologie; der erste Band der Nachfolgereihe liegt aber noch kaum gelesen bei mir herum), und mir fielen auch Parallelen auf, sowohl bei den Geschichten an sich als auch bei meinen Empfindungen beim Lesen. Bei beiden ersten Bänden hab ich einige Zeit gebraucht, um mich reinzufinden - ich wollte teilweise fast nicht mehr weiterlesen. Später dann wollte ich die Bücher kaum noch aus der Hand legen. Der Anlauf war für mich zum Teil zu lang und ausgedehnt, aber gut, die Welten sind ja doch recht reichhaltig und dadurch braucht man wohl etwas mehr Beschreibung am Anfang. Außerdem muss ja die Sicht jeder Erzählperspektive erstmal geschildert werden, und das sind nicht wenige. Ich kann nur empfehlen, erstmal dran zu bleiben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nachdem ich die beiden anderen Bände auch hier habe, werde ich sie höchstwahrscheinlich auch lesen - aber so richtig mitgerissen hat mich die Geschichte halt nicht. Inzwischen habe ich mit Band zwei angefangen und muss sagen, dass ich Auraya nicht halb so spannend finde wie alles andere, das da so passiert - und ein bisschen ist das ja doch schade. Vielleicht hat man hier auch einfach ein bisschen zu viel versucht, denn dieser ständige Perspektivenwechsel wird irgendwann ein bisschen anstrengend und auch langweilig, weil so sehr von A nach B zu C und D gehüpft wird, ohne dass diese Geschichten (anscheinend) miteinander zu tun haben... Mal sehen, wie es sich letztlich ausgeht, aber ich befürchte, dass ich doch eher bei der Gilden-Trilogie bleiben werde, was die Begeisterung angeht (inklusive Vorgeschichte).

      Löschen
    2. Kann ich verstehen, ging mir genauso. Ich fand die wilden Magier am interessantesten. Ohne zu viel verraten zu wollen muss ich sagen, das Ende der ganzen Geschichte hat mich überrascht und fast geschockt.

      Löschen
    3. Ich muss ja auch sagen, dass ich die "Nebenstränge" spannender finde :P Und im zweiten Band die Geschichte um die Pentadriander ist eigentlich auch ganz interessant... Wobei ich Emerahl und Mirar am coolsten finde!

      Löschen