Samstag, 24. Oktober 2015

Kreta: Die ehemalige Hauptstadt Chania

Nachdem wir also einen Abstecher in den kretischen Süden gemacht hatten, wurde es auch mal Zeit, sich mit dem Norden der Insel auseinanderzusetzen. Da unser Hotel einen kleinen Hauch eher im westlichen Teil Kretas lag, haben wir beschlossen, uns gar nicht um den Osten zu kümmern, sondern lieber mal zu schauen, was es an der Westküste gibt - den Klassiker, den Palast von Knossos, haben wir uns also gar nicht erst gegeben (uns wurde auch geraten, das nur mit einer geführten Tour zu machen, sonst würde man da nur an Steinen vorbeilatschen - und wir hatten auf beides keine große Lust).

Unser erstes größeres Ziel nach dem kleinen Abstecher nach Georgiopouli war Chania, das bis 1971 die Hauptstadt der Insel war und mit ein paar fünfzigtausend Einwohnern auch nicht so wirklich zu den richtig großen Städten zählt (mein Heimatkaff hat so um die 80.000 und das ist schon echt winzig). Allerdings ist die Insel ja nun auch nicht unendlich groß und so zählt Chania zu den fünf größten städtischen Ballungsräumen - und hat auf der angrenzenden Halbinsel auch einen Flughafen, den man ins Visier nehmen sollte, wenn man eher im Westen Urlaub machen will. Für uns war das gehupft wie gesprungen - unser Hotel lag ziemlich genau in der Mitte der Strecke von Chania nach Heraklion.
Mit dem Auto haben wir auf gut Glück einen der auf der Karte verzeichneten Parkplätze angesteuert, den man kostenlos nutzen konnte - und auch sofort einen freien Platz gefunden. Sicherheitshalber noch bei einer vorbeifahrenden Einheimischen erkundigt, ob man irgendein Ticket ziehen muss oder nicht - und dann sind wir losgestapft, um dieses Städtchen zu erkunden. Unser erstes Ziel war der Hafen (so eine große Anzahl an Sehenswürdigkeiten hat Chania nämlich auch wieder nicht) und recht schnell waren wir am Wasser - so ist das eben, wenn man auf einer Insel unterwegs ist! Während ich eigentlich dachte, dass die "Stadtmauer" lediglich als Schutzwall gegen das Meer dient, erspähte ich schon bald mehrere Treppen, die ins kühle Nass (das hier nicht mit riesigen Felsbrocken vollgepfropft ist, sodass man auch wirklich rein kann) führten und so einige schwimmbereite Menschen.
Auch an anderen Stellen plantschten immer wieder Touristen und auch Einheimische im Meer und ich muss schon sagen, dass das schon einen gewissen Charme hat, wenn man einfach so "mitten in der Stadt" auch ins Meer hüpfen kann. An der Stadtmauer entlang kamen wir auch schnell in den Hafen, der von einer weitläufigen, begehbaren Mole gesäumt wird. Natürlich mussten wir zumindest ein Stück entlang der Mole erkunden - der Leuchtturm am Ende war leider nicht begehbar, sodass wir uns das letzte Stück gespart haben. Aber auch so hat man einen ganz netten Blick auf Chanias venezianischen Hafen und auf der anderen Sete natürlich auf das Meer.
Der Hafen selbst ist doch recht touristenlastig gestaltet - es gibt natürlich ein Restaurant neben dem anderen und diverse Ausflugsschiffe, die Stunden- oder Tagestouren anbieten. Sehr zu unserem Erstaunen waren die Lokale auch alle recht voll - und das, obwohl man nur ein paar Minuten weiter zauberhafte, ruhige Gässchen mit charmanten kleinen Cafés oder Tavernen findet. Am Hafen selbst ist es logischerweise ziemlich laut, da viele Menschen unterwegs sind und auch die Kellner der Restaurants versuchen, ihre Plätze an den Touri zu bringen. Man hat hier zwar einen Blick auf den Hafen - aber aufs Wasser gucken kann man auf Kreta ja sowieso meistens. Wir machten uns also lieber woanders auf die Suche nach einem Kaffee - und wurden für unsere Entscheidung mehr als nur belohnt. In einem kleinen Gässchen landeten wir in einem schnuckeligen, sauberen Café, in dem auch eine einheimische Männerrunde saß. Und wo Einheimische sitzen, kann es ja nicht schlecht sein, dachten wir uns - und wurden mit gutem Café und einem leckeren Stück Kuchen (unaugefordert dazu!) belohnt.
Gut gestärkt machten wir uns durch ein paar Seitenstraßen und mit dem einen oder anderen Zwischenstop in einem kleinen Geschäft (und der Feststellung, dass Sephora Mittagspause hat) wieder auf den Weg zur typischen Touristenroute - denn ich wollte ja unbedingt in die Ledergasse, um mir dort mein perfektes Urlaubsmitbringsel zu organisieren. An der Kathedrale der drei Märtyrer vorbei (die einem bei einer Führung anscheinend auch ausschweifend erläutert wird) schlugen wir uns also in das enge Gässchen, in dem sich ein Ledergeschäft an das andere reiht. Eine Lena kann da durchaus so ein paar Minütchen zubringen, bis sie sich für eine Tasche entschieden hat - aber es gibt dort einfach auch viel hübsche Handwerkskunst (allerdings auch viel industriellen Schmock). Danach haben wir nur noch kurz einen Abstecher zur Markthalle gemacht, die ich nicht außerordentlich spannend fand, und sind wieder ins Auto gestiegen - denn eigentlich wollten wir noch eine Badebucht ansteuern.
Zuerst ging es aber nach Stavros, zum Strand, an dem in "Alexis Zorbas" die Schlussszene des Zorbas-Tanzes gedreht wurde. Da war es ziemlich voll und wir wollten uns nun nicht wirklich noch irgendwohin quetschen, also fuhren wir weiter zu unserer angepeilten Bucht. Da jetzt diese Halbinsel nicht gar so phänomenal ausgeschildert war und wir auch nur ungenaue Anweisungen hatten, erkundeten wir zwischenzeitlich also den chanianischen Flughafen, die (ehemalige?) Müllanlage auf Akrotiri, eine Kiesgrube, den Schießplatz der Nato auf Kreta "NAMFI", auf dem uns zumindest eine grobe Richtung mitgeteilt wurde und letztlich haben wir tatsächlich die Badebucht gefunden! Nur war die dann überlaufen - aber sie ist absolut traumhaft gelegen und wenn man sich erst einmal die Serpentinen herungergezwirbelt hat (was so in etwa eine gute Viertelstunde gedauert hat), müsste man auch noch etwa zehn Minuten zu Fuß zum Strand und dazu waren wir dann nicht mehr so wirklich motiviert.
Natürlich hätte man sich auch in Chania und Umgebung noch ein ordentliches Kulturprogramm geben und sich das archäologische oder nautische Museum ansehen können - aber manchmal ist es halt doch schöner, einfach nur ein bisschen herumzuschlendern und die freie Zeit zu genießen.  Vor allem auf Akrotiri haben wir (zufällig) so einige hübsche Ecken gesehen (und damit meine ich weder die Müllanlage, noch den Flughafen und die Kiesgrube!), an denen man sich durchaus auch zu einem Badeausflug hätte einquartieren können. Wenn man vormittags kommt, ist es auch noch deutlich leerer und man hat auch wirklich etwas Strand für sich - aber den hatten wir ja auch direkt vor der Nase im Hotel.

Kommentare:

  1. Tolle Bilder. Vor allem in Anbetracht des aktuellen Wetters, akute Fernwehgefahr!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Jaa! Ich stöbere momentan auch sehr gerne in dem Album mit Kreta-Bildern... Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und dazu noch Strand - ich hätte kein Problem damit, zu tauschen ^^

      Löschen
  2. Mein Fernweh verstärkt sich...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich weiß gerade nicht, ob ich mich entschuldigen oder mit dir leiden soll :P

      Löschen