Montag, 5. Oktober 2015

Keine zweite Chance - Harlan Coben

Vor dem Urlaub dachte ich ja, dass ich nach dem Urlaub Buchreviews bis zum Abwinken parat hätte - aber irgendwie war meine Leseauswahl nicht wirklich so herausragend, dass ich mich nun ausufernd über die literarischen Ergüsse auslassen möchte. Manchmal greift man halt in die Vollen und manchmal greift man daneben und dieses Mal war halt letzteres der Fall... Immerhin gab es auch ein paar wenige Ausnahmen und für ein bisschen seichte Unterhaltung ist man mit Harlan Coben einfach gut beraten. Als wir vor dem Urlaub noch kurz bei Norma waren, sprang mich beim Stöbern in der Grabbelkiste dieser quietschgelbe Name sofort an und schnell war klar, das Buch muss mit!
Witzigerweise hat Alice das Buch auch kürzlich auch verbloggt und nachdem ich ja jetzt schon drei andere Romane von Coben gelesen habe, merkt man schon, dass auch "Keine zweite Chance" nach dem gleichen Prinzip funktioniert: Protagonist, in diesem Fall ein Arzt (haben wir sie inzwischen alle durch? Polizistin, Anwalt, Professor hatten wir schon...), der in den Fall verwickelt wird - und natürlich taucht wieder eine alte Liebe auf. Persönliche Verwicklung des Protagonisten + alte Liebe = Coben Roman, würde ich das mal spontan zusammenfassen. Und obwohl mir das Schema durchaus bekannt ist, finde ich die Bücher immer wieder unterhaltsam.

"Keine zweite Chance" hat eigentlich ein bisschen den falschen Titel, aber der ist im Englischen genau so. Unser Protagonist ist der plastischen Chirurg Marc Seidman - der sein Geld allerdings nicht mit klassischen Schönheitsoperationen verdient, sondern mit einer Kollegin entstellten Kindern hilft. Durch und durch also ein guter Kerl, der sich allerdings zu Beginn der Geschichte im Krankenhaus wiederfindet - nachdem man auf ihn ge-, seine Frau erschossen und seine kleine Tochter entführt hat... Marc ist nur knapp mit dem Leben davon gekommen und wird prompt zu einem Verdächtigen, denn Kinder werden vorwiegend von Familienmitgliedern entführt und sich so auch der Frau zu entledigen wäre wohl keine allzu ungewöhnliche Geschichte. Nach einigen Tagen geht eine Lösegeldforderung für die kleine Tara ein und Marc versucht (fast) alles, um seine Tochter wiederzukriegen.

Ich glaube, "Keine zweite Chance" war das erste der Coben-Bücher, bei dem ich schon recht schnell den richtigen Riecher hatte und mich wunderte, warum denn dieser Idiot nicht selbst darauf kommt, wo der Hase im Pfeffer liegt. Trotzdem fand ich die Story gut erzählt - natürlich bleibt es nicht nur bei Marcs Perspektive, sondern wir dürfen auch ein bisschen in die Köpfe der Erpresser blicken, die eigentlich auch eine durchaus tragische Geschichte offenbaren. Wenn man sich nicht nur für den konkreten Fall interessiert, hat Coben meiner Ansicht nach auch immer wieder den einen oder anderen interessanten Ansatz, der teilweise auch ein bisschen gesellschaftskritisch ist. Wie schon zu Beginn erwähnt, darf auch hier die obligatorische verflossene Liebe nicht fehlen und um dem Ganzen dieses Mal ein bisschen Realismus zu verschaffen, handelt es sich um eine ehemalige FBI-Agentin.

Natürlich muss unser Arzt wieder selbst aktiv werden und kann sich nicht auf die örtlichen Behörden oder das FBI verlassen - und da findet dann der Realismus teilweise auch wieder sein Ende und die Story rückt ein bisschen in Richtung eines Actionfilms, in dem sämtliche Verletzungen der Protagonisten nur von untergeordneter Bedeutung sind. Aber da kann ich gut ein Auge zu drücken, denn die Idee hinter der Geschichte ist mal wieder gar nicht so schlecht, die Ausführung hapert zwar an der einen oder anderen Stelle, ist aber insgesamt auch gelungen. Obwohl ich schnell den richtigen Riecher hatte, WER da zu den schwarzen Schafen gehört - das WARUM hat Coben geschickt konstruiert und genau das stellt sicher, dass das Lesen hier trotzdem Spaß macht.

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