Montag, 7. September 2015

Das Grab im Wald - Harlan Coben

Eigentlich war es wohl ziemlich blöd, "Das Grab im Wald" noch vor dem Urlaub anzufangen (Coben ist nämlich wirklich perfekt als Urlaubslektüre geeignet), aber ich hatte gerade Leseleerlauf, brauchte dringend Ablenkung und... im Nachhinein ist man ja immer schlauer! Außerdem habe ich mir am Wochenende auch vorsichtshalber gleich Nachschub geholt ("Keine zweite Chance" noch in der alten, weniger hübschen Cover-Version) und werde den wohl mit in den Urlaub nehmen.
"Das Grab im Wald" passt wunderbar in die üblichen Cobensche Erzählweise: Durch seltsame Verstrickungen (in diesem Falle familiärer Natur) stolpert unser Protagonist in einen Fall. Dieses Mal fand ich allerdings die Rahmenbedingungen deutlich realistischer als bei "Ich finde dich", denn Paul Copeland ist Bezirksstaatsanwalt und als solcher verfügt er nicht nur über Erfahrungen beim Ermitteln, sondern auch über kompetentes Personal, das diese Aufgabe für ihn übernimmt. Keine total abgefahrenen Alleingänge und superheldenmäßigen Aktionen dieses Mal also - das fand ich schonmal sehr positiv.

Ich mag ja Anwaltsgeschichten sowieso sehr gerne (schon als Teenie habe ich einen Grisham nach dem anderen verschlungen und hatte kurz sogar Jura auf dem Studienplan - dann kam mir aber ein bekloppter Wirtschaft- & Recht Grundkurs in die Quere und ich habe die Idee wieder ad acta gelegt), allerdings finde ich auch, dass Anwälte auch immer dazu führen, dass Geschichten ein bisschen entschleunigt werden und das trifft aus meiner Sicht auch auf "Das Grab im Wald" zu. Der Thriller ist keineswegs weniger spannend oder fesselnd, hat aber irgendwie einen ruhigeren Charakter als meine bisherigen Cobens. Nichtsdestotrotz fand ich die Geschichte klasse - und das wohl auch, weil sie mal wieder recht vielschichtig war.

Der Großteil der Handlung wird aus Pauls Sichtweise in der Ich-Form erzählt, es gibt allerdings auch zwei weitere Erzählstränge, die in der dritten Person auf Lucy, Pauls Jugendfreundin, und Sosch, seinem Onkel, fokussiert sind. Diese Abwechslung fand ich gut gelungen und vor allem auch stimmig - wäre man als Leser nur bei Pauls Perspektive geblieben, wäre die Story wohl nicht halb so spannend geworden (oder Paul hätte doch wieder Superheldenkräfte gebraucht). Insgesamt fand ich die ganze Geschichte gut gelungen und recht glaubwürdig - Paul und Lucy hatten ich in ihrer Jugendzeit ineinander verliebt und nach den Morden in einem Ferienlager wieder aus den Augen verloren. Hauptgrund dafür war die Beteiligung der beiden an der Tragödie - Paul hat seine Schwester verloren und Lucy war die Tochter des Ferienlagerbetreibers...

Nach zwanzig Jahren ohne Kontakt zueinander wird Paul mit seine Vergangenheit konfrontiert, da eines der vermeintlichen Opfer von damals mit seinem Namen in der Hosentasche wieder auftaucht - es wurden nämlich nicht alle Leichen gefunden. Dummerweise ist Gil jetzt wirklich ein Opfer, denn er taucht natürlich nicht quietschfidel auf, und so ist es Paul und auch der restlichen Polizei nicht möglich, ihn zu seinem bisherigen Verbleib und somit auch zu den damaligen Vorgängen zu befragen. Wie es natürlich nicht anders sein kann, entdeckt Paul daraufhin ein ganzes Wirrwarr an Verstrickungen, das sich auch auf seine eigene Vergangenheit bezieht Der Fall, an dem Paul als Bezirksstaatsanwalt gerade arbeitet (übrigens ein hervorragender Seitenhieb auf das System!), trägt auch seinen Teil bei, denn der Vater eines der Angeklagten gräbt ebenfalls in der Vergangenheit...

Insgesamt definitiv mal wieder ein sehr lesenswerter Thriller, bei dem man nur teilweise miträtseln kann, wodurch die Geschichte aber nicht an Charme verliert. Die Wendungen, die sich vor allem gegen Ende ergeben, verleihen der Hintergrundgeschichte (weniger dem Fall selbst) noch einen gewissen Pfiff, sind aber nicht zu sehr an den Ohren herbeigezogen. Für mich war das allerdings auch ein Buch, dass ich mal kurz aus der Hand legen konnte, ohne das Gefühl zu haben, dringend und sofort weiterlesen zu müssen - und das schiebe ich einfach mal auch auf die Anwaltsthematik, bei der ich das irgendwie schon öfters erlebt habe.

"Das Grab im Wald" wurde mir kosten- und bedingungslos von Goldmann zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Lese ich auch gerade. Deshalb habe ich deinen Post nicht komplett gelesen, falls du etwas verrätst, was ich noch nicht weiß. ;-) Liebe Grüße, Anjanka

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    1. Ich versuche zwar, die ganz geheimen Geheimnisse nicht unbedingt zu verraten - aber ich kann dich verstehen ;)

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  2. Fand den auch ganz gut - vor allem war das mein erster Coben, meine ich, und da hat mich sein "Schema F" noch nicht genervt ;)

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    1. Es wird halt so ein kleines bisschen vorhersehbar, wenn man das Schema kennt - aber ich habe im Urlaub festgestellt, dass es doch so einige Bücher gibt, die noch viel schlimmer sind :P Und immerhin ist Coben immer kurzweilige Unterhaltung, wenn man zwischendurch auch was anderes liest.

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