Montag, 24. August 2015

Im Namen der Toten - Ian Rankin

Irgendwie ist es jedes Mal so, dass mir vivian dann Post schickt, wenn ich mir gerade ein frisches Buch geschnappt und zu lesen angefangen habe. So natürlich auch mit "Im Namen der Toten" von Ian Rankin geschehen, darum wanderte das erstmal auf meinen SuB und schielte mich von dort aus vorwurfsvoll an. Von Rankin hatte ich zwar schon gehört (ich glaube sogar, zu Hause das eine oder andere Buch zu haben) - aber gelesen hatte ich noch nichts. Und eigentlich ist "Im Namen der Toten" auch nicht gerade der perfekte Einstieg, da es sich um einen fortgeschrittenen Band einer Reihe handelt... 
Das habe ich allerdings erst festgestellt, als ich schon so einige Seiten gelesen hatte, ein Verweis der Protagnisten auf die gemeinsame Vergangenheit aufkam - und ich im Netz mal gesucht habe, ob es sich denn um eine Serie handelt. Band 16 - Hoppala. An der einen oder anderen Stelle gibt es zwar Verweise auf bisherige Fälle oder gemeinsame Geschichten von einigen Charakteren, aber im Großen und Ganzen lässt sich "Im Namen der Toten" eigentlich ganz gut lesen, wenn man die anderen Bände nicht kennt. Wobei ich inzwischen sagen muss: Ich werde das definitiv nachholen und mir die anderen Rebus-Bände auch besorgen, denn dieser hier gefiel mir sehr gut.

Im Gegensatz zu Harlan Coben ist allerdings Rankin ein bisschen gemächlicher, bringt eine komplexere Geschichte ein (hat dazu auch ein bisschen mehr Platz auf den 587 Seiten!) und vielschichtigere Charaktere ein. Die Protagonisten sind John Rebus und Siobhan Clarke (lieber Himmel, wie lange habe ich gebraucht, bis ich die - mentale - Aussprache des Namens endlich intus hatte), wobei Siobhan die Handlung hier deutlich mehr trägt und Rebus aus meiner Sicht ein bisschen im Hintergrund steht und doch eher verdeckt seine Fäden zieht. Während die Polizei weitgehend mit der Sicherung des G8-Gipfels beschäftigt ist, ermitteln unsere beiden Polizisten im Fall der Ermordung eines Sexualstraftäters und mehr oder minder heimlich im Unfalltod (oder doch Selbstmord? Oder vielleicht Mord?) der rechten Hand des Außenministers...

Insgesamt sind neben den zwei Fällen hier noch so einige weitere Einzelstränge verwoben - Siobhans Eltern sind als ehemalige Hippies natürlich bei den Demos dabei, die den Gipfel begleiten und bringen ihre Polizistentochter damit teilweise in die Zwickmühle; Rebus und Siobhan entlarven (aus Versehen?) eine verdeckte Ermittlerin, die brisanterweise natürlich noch weitere Verbindungen zu Betroffenen des Falls hat; bei so einem Anlass ist natürlich auch die Presse involviert, wobei auch dort Rebus so seine Finger im Spiel hat; und auch die Lokalpolitik hat einen nicht allzu kleinen Auftritt, der sich wiederum in unterschiedliche Aspekte gliedern lässt - es geht also durchaus heiß her und teilweise fiel es mir auch gar nicht so leicht, die Namen und Vorkommnisse richtig zuzuordnen und den Überblick zu behalten. Sicherlich fällt das deutlich leichter, wenn man schon die vorherigen Bände kennt - aber unmöglich wird es einem hier nicht gemacht.

Obwohl Siobhan hier eher im Mittelpunkt steht und man einen guten Einblick in ihre Sichtweise, Werte und auch Ziele erhält, habe ich auch einen guten Eindruck von Rebus bekommen, der ganz und gar nicht der Ritter in strahlender Rüstung ist, sondern eher ein altgedienter Polizist, der ganz gut weiß, wie das Spiel läuft - und ab und an vielleicht ein bisschen zu tief ins Glas schaut... Er ist also auf keinen Fall ein absoluter Sympathieträger, sondern gehört für mich eher in die Kategorie Charakterdarsteller - nicht perfekt, aber eben authentisch, echt, mit Ecken und Kanten und eben auch seinen Fehlern. Auch Siobhan ist sicherlich kein Engelchen, stellt aber in dem Duo wohl eher die "brave" Seite dar (gut, sie ist auch noch ein bisschen jünger und hat noch so einige Zeit vor sich), und ist wirklich eine gute Ergänzung zu Rebus.

Die Lösung des Falls fand ich im Übrigen ein kleines bisschen arg kompliziert - aber sie ist zumindest weitgehend schlüssig und nachvollziehbar, wenn auch (noch?) nicht alle Details umfassend aufgeklärt werden. Das sei nun aber der Tatsache geschuldet, dass sicherlich noch der eine oder andere Band kommen wird - und ich muss mal schauen, wann ich mir die ersten fünfzehn so zu Gemüte führen kann (ja, vielen Dank auch, vivian!!!)...

Kommentare:

  1. Mmmh ... sicher, dass der von mir war?! Weil eigentlich weiß ich, das "Verborgene Muster" Teil 1 ist - so hab ich's mir dann auch auf's Kindle gezogen, deshalb war die Print-Version über. ;-P Das Cover sagt mir auch so gar nichts ... mmhmhmh, kann's auch nicht mehr nachvollziehen. Aber gut, dann isses halt von mir. :-D

    Schön, dass es dir gefallen hat!

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    1. Jap, 100%ig sicher ;) Nicht, dass du mir das falsche Buch geschickt hast :P Aber auf jeden Fall bin ich jetzt angefixt mit Rankin... Ich brauche definitiv mehr Zeit zum Lesen!

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    2. ... wem sagst du das ... -.-

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  2. Mein bester Freund ist glühender Fan der Rebus-Reihe, darum musste ich hier direkt mal reinschauen. :D
    Mich konnte das bisher leider nicht begeistern, weil Krimis einfach nicht mein Ding sind, aber ich kann schon nachvollziehen, warum er die Bücher mag, vom Humor her und so. :)
    Die Reihe ist übrigens auch verfilmt worden, so eine Art schottische Version von "Tatort", gibt's aber nur auf Englisch zu gucken.

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    1. Okay, wenn man Krimis generell nicht mag, ist es sicherlich schwer, sich dafür zu begeistern ;) Aber ich bin ja generell ein Krimifan, darum passt das ganz gut ^^ Oh, die gibt's auch als Filme? Na da muss ich ja glatt mal schauen, ob ich das irgendwo im Fernsehen mal erwische oder so. Danke für den Hinweis!

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