Donnerstag, 20. August 2015

Einmal alles in gleichzeitig und gut, bitte!

In der letzten Zeit mutiere ich immer wieder zu einer Mega-Multitasking-Maschine: Am Laptop wird gerade das nächste Posting vorbereitet, nebenher noch ein neuer Job gesucht, parallel habe ich das Telefon an der Strippe, der Fernseher zeigt gerade die aktuellsten Nachrichten oder die nächste Serienfolge; habe ich die Hand mal nicht an der Tastatur, wird zwischendrin noch irgendwas Essbares in den Mund geschoben und ein bisschen Tee nachgekippt - und ach ja die Nägel wurden gerade ablackiert und eingecremt, wenn ich Kontaktlinsen drin habe, habe ich wahrscheinlich gerade eine Maske im Gesicht, nasse Haare und komme gerade aus der Badewanne...
Auf dem Rad habe ich meistens Stöpsel im Ohr und höre Musik, grübele, was alles zu erledigen ist und schreibe (mental!) meine to-do- oder Einkaufsliste - die ich zur Hälfte natürlich wieder vergesse. In die Badewanne nehme ich meistens ein Buch mit, schließlich muss die Zeit ja sinnvoll genutzt werden, da ich sonst kaum zum Lesen komme... Und seit ich von vodafone zu Kabel Deutschland gewechselt bin und einen neuen Router bekommen habe, kommt mein Handy auch problemfrei ins WLAN und dann kann man hier noch Instagram checken (man will ja nichts verpassen - darum werde ich mich auch sicher nicht bei Snapchat anmelden!), die eine oder andere Nachricht beantworten oder mal ein Ründchen Quizduell spielen!

Beim Aufräumen, Spülen oder Schminken laufen meistens der Fernseher oder das Radio - schließlich gibt es da gerade die spannende Doku, die ich noch sehen wollte, aber nicht einfach "nur" fernsehen kann, weil noch so viele Dinge erledigt werden wollen... Natürlich bleibe ich dann doch bei der Doku kleben und hinterlasse meinen Wohnzimmerfußboden im wilden Unterlagenchaos - oder sortiere alles brav in meine Ordner und habe mich so auf mein AMU konzentriert, dass ich genau den spannenden Teil der Doku, des Berichts oder der Serienfolge verpasse... Werbepausen bei Filmen oder Serien, die im normalen Programm laufen (jaja, so einen komischen Festplattenrekorder habe ich vorsichtshalber mal nicht!) lassen sich hervorragend überbrücken, in dem gerade noch das aktuellsten Katzenvideo oder der letzte Youtube-Schnipsel auf dem Laptop oder Handy angesehen wird.

Teilweise komme ich mir ein bisschen vor wie in einem Hamsterrad - kaum ist ein Punkt abgehakt, tauchen fünf weitere auf, die "dringend" erledigt werden müssen oder wollen. Natürlich funktioniert es nicht so ganz, wenn man alles gleichzeitig erledigen will - schnelles Tippen habe ich mir vor langem angewöhnt, das ist kein Problem, aber manchmal laufe ich dann ganz wuschig durch meine Wohnung und suche mein Geschirrtuch, das ich doch gerade noch in der Hand hatte und dann über dem Ordner mit meinem Mietvertrag im Arbeitszimmer finde... Oder muss panisch in die Küche hetzen, weil der Topf, in dem ich eigentlich Nudeln kochen wollte, sich komplett leergekocht hat und schon auf dem Herd tanzt - meinen Hunger habe ich anscheinend vor lauter anderem Kram auch ein bisschen vergessen...

Dabei ist es so schön und bereichernd, inne zu halten und sich einfach mal wieder komplett auf eine Sache zu konzentrieren - und beim Radfahren mal wieder in die Gegend zu schauen, sich zu fragen, was für ein komischer Vogel da gerade vor sich hinpiepst oder es wirklich toll zu finden, dass man gerade nass geregnet wird (Sommerregen ist auch toll!). In der Badewanne zu liegen, alle Lichter auszumachen und einfach mal in den Himmel schauen (ja, der einzige Vorteil an einem schrägen Dachfenster über der Wanne!), während sich der Schaum so langsam auflöst; mal eine Stunde ein Buch zu lesen und voll bei der Handlung dabei sein, ohne aufs Handy zu schauen oder ein Posting zu lesen; sich einfach mit einer Tasse Tee, einem Stück Schokolade oder sogar einem Käsebrot in Ruhe hinzusetzen und einfach mal wieder genau hinszuchmecken; aufmerksam einen Film, eine Serie oder eine Doku schauen, mit den Charakteren mitleiden und gespannt auf die nächsten Entwicklungen warten...

Ob man das nun Singletasking, Entschleunigung, Achtsamkeit oder wie auch immer nennt, ist ja vollkommen egal - den Stress macht man sich ja immer selbst. Als ich meinen Laptop einschicken musste und einen Monat ohne PC im Wohnzimmer war, war das zwar anfangs ungewohnt, aber auch sehr entspannend, nicht ständig alles "einfach so" nachschauen oder beantworten zu können (müssen?). Natürlich funktionieren wahnsinnig viele Dinge auch parallel gut (Fahrradfahren und Musik hören finde ich oft gut, genauso wie Badewanne und Buch lesen!) und würden sonst ganz hintenunter fallen, aber manchmal ist es doch einfach schlauer, nicht zu versuchen, alles gleichzeitig zu machen... Geht oft genau so schnell und gut - fühlt sich nur deutlich besser an!

Kommentare:

  1. Was für ein toller Post und so wahr.
    Wann hat man schonmal Ruhe... Sogar die eigentlichen Hobbies sind irgendwie zum Job geworden und "müssen" erledigt werden. Nicht, weil man abschalten will, sondern weil mans erledigen will, damit es weg ist...

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    1. Manchmal gibt es halt echt so Sachen, die ich gerne noch machen würde - aber das haut mit der Zeit einfach nicht hin. Und gerade, wenn es zum "Job" geworden ist, ist halt irgendwas falsch - zumindest bei Freizeitaktivitäten... Aber ganz oft will ich einfach, nur ist nicht genug Zeit da, alles zu machen. Und da ist priorisieren auch schwer, weil alles toll ist ^^

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  2. Entschleunigen ist gut :) Als Mama nur ab und zu möglich, muss ich zugeben... ^^ Aber ich tendiere generell - so wie du - zum Multitasken.

    LG Lotte

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    1. Ach, es gibt ja auch viele Dinge, die gut zusammen gehen - aber ab und an fällt mir auf, dass ich gerne "mehr" Zeit oder Aufmerksamkeit für irgendwas hätte... Nur geht das nicht so einfach, weil dann was anderes dafür weichen müsste. Mit Zwergen zu Hause ist das ja eh was anderes, die haben nochmal andere Ansprüche, da ist multitasken ja fast Pflicht, damit nicht alles den Bach runter geht ^^

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  3. Kenne ich ähnlich hier. Ich fühle mich deshalb aktuell auch einfach nur k o. Und ich bin froh, wenn ich bald - gefühlt - mehr Zeit zum Lesen hab ... ab SA bin ich nämlich Fernseher-los. Mal sehen wie das wird und ob ich es durchhalte. ;-)

    Lass dich nicht unterkriegen (machste eh nich, ich weiß ;-).

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    1. Ich hab's inzwischen glaube ich gut drauf, mir einfach meine Auszeiten zu nehmen und dann irgendwas nicht zu machen - aber ich würde halt gerne sooo viele Dinge tun... Fernseherlos ist glaube ich gar nicht so schlimm, kommt natürlich drauf an, wie viel man schaut ^^ Ich drücke die Daumen, dass du mehr zum Lesen kommst :)

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  4. Ach, du hast ja so recht! Ich mag auch gerne ein bischen Geräuschkulisse (fernsehen) im Hintergrund. Dabei ist es ganz angenehm, nur eine Sache zu machen ... Und sich auf die einzulassen und alles zu bemerken, was so passiert.

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    1. Ja, genau, Geräuschkulisse - aber inzwischen schalte ich die ab, wenn ich merke, dass es wirklich nur nebenher läuft und ich gar nicht mal drauf achte ^^

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  5. Du beschreibst da für mich ein kleines Horrorszenario, dieses extreme Multitasking. Ich habe irgendwann aufgehört, möglichst viel gleichzeitig zu machen. Maximal 2 Sachen gleichzeitig, nicht mehr.
    Oft ist das zusätzliche einfach nur Musikhören, das reicht mir. Weil sich beim Multitasking einfach zu viele Fehler einschleichen (gerade bei der Arbeit fatal!), die man selbst nicht merkt und man immer mehr gestresst davon ist, weil man dann doch nochmal dran arbeite muss.
    Und gerade, wenn man was anschaut und nebenher 5 andere Dinge erledigt, hat man von dem Film/der Serie eigentlich gar nichs mitbekommen und hat dann doch eher das Gefühl, es gar nicht gesehen zu haben und es nochmal anschauen zu müssen.
    Mich schlaucht es auch total, wenn ich tausend Dinge erledigen muss und manches dann nur halb schaffe. Deswegen setz ich mir liebe Prioritäten und erledige nur die Dinge, die wirklich wichtig sind. Deshalb ist es momentan auf meinem Blog auch so ruhig. Zum Lesen komm ich momentan auch kaum noch, aber was solls...irgendwann ist auch dafür wieder mehr Zeit vorhanden.
    Ich wünsche dir, dass du ebenfalls ein wenig entschleunigen kannst und dich auf die momentan wichtigeren Dinge konzentrierst, damit die gut werden - gerade das mit dem neuen Job finde ich sehr wichtig. Ich drück dir die Daumen!

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    1. Klar, wenn man wirklich Fehler macht, ist das doof, besonders auf der Arbeit - aber es gibt ja auch so einige Dinge, die man problemlos nebeneinander machen kann, wenn man sie im Blick behält^^ Das ist glaube ich auch per se nicht schlimm und bei einigen Dingen sogar sehr nützlich - aber gerade bei denen, die mir viel Freude machen, brauche ich halt auch einfach etwas Ruhe, um es wirklich "genießen" zu können, bzw. mehr genießen zu können. Das Fiese ist halt, wenn die Alternativen alle gleich spannend oder attraktiv sind, da wird's mit dem priorisieren schwer - aber mir fallen spontan auch so einige Sachen ein, die bei mir einfach hintenangestellt wurden...

      Danke dir aber für deine lieben Worte :) Ich hoffe ja auch, dass alles gut wird!

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  6. Du beschreibst zu gut, wie es mir im Moment auch geht...
    Achtsamkeit, ja, sollten wir wieder mehr ausüben.
    Das Problem ist ja auch, dass ich neben dem Beruf einfach noch so viel machen möchte. Zu viel.

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    1. Eigentlich schade, dass ich nicht alleine bin mit dem Problem ;) Ich hoffe, du findest auch ein bisschen deine Ruhe - dir stehen da ja doch noch ein paar mehr Hindernisse im Weg als mir... Und mein Problem ist eben auch, dass ich gerne so viele Dinge machen möchte - und dann einfach nicht für alles Zeit ist -.-

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  7. Da erkennt man sich doch glatt wieder... Wobei ich Haushalt inzwischen immer mit Audio Vorträgen verbinde, bei anderen Dingen wirklich versuche, nichts nebenbei zu machen. Fernseher oder nur Musik im Hintergrund macht mich inzwische wahnsinnig, alles Gewöhnungssache. ;) Und Fahrradfahren mit Knöpfen im Ohr... hab ich früher auch gemacht, aber das ist nicht ganz ungefährlich, man ist dann doch nicht 100%ig beim Verkehr... Aber Entschleunigen ist definitiv ein gutes Stichwort!

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    1. Bei vielen Dingen ist es wirklich Gewöhnungssache - und dann stören sie auch nicht mehr, weil man sie nicht wirklich wahrnimmt (ja, die Frage stellt sich dann, ob es überhaupt sinnig ist, sie dann anzumachen...). Aber ich finde es halt auch toll, einfach gemütlich eine Sache zu machen und nicht noch nebenher z.B. das Radio laufen zu haben oder sonstiges.

      Da ich beim Radeln eh nicht laut Musik höre (der Wind pfeift mir noch deutlich über die Musik), finde ich da noch im Rahmen - genauso, wie ich beim zu Fuß gehen oft Musik höre. Aber aufmerksam muss man natürlich trotzdem noch sein und nicht nur vor sich hindüdeln... Wobei das ja mit Smartphones oftmals noch schwerer ist ^^

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  8. Du hast so recht! Mir ist das in letzter Zeit auch immer wieder aufgefallen, wenn auch nicht ganz so krass wie von dir beschrieben. Darum war ich nach meinem Praktikum letztens erstmal eine Woche auf dem Campingplatz meiner Großeltern. Das Handy lag im Wohnwagen und wurde nur alle paar Stunden mal kurz gecheckt (war eh kein Empfang). Ich habe viel gelesen oder Kreuzworträtsel gemacht. Oder einfach auf meiner Liege gesessen/gelegen und in die Bäume geschaut. So ein Ort ist einfach perfekt zum Abspannen. Weil man gar nichts machen KANN. Da kommt man runter und kann das nachher zu Hause auch ab und an mal umsetzen. :)

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    1. Ja, so ein Funkloch ist manchmal echt nicht übel - und das Handy einfach ein paar Stunden ignorieren ist auch zu Hause die perfekte Lösung. Ich mache das gerne mal am Wochenende, wobei ich den ganzen Tag dann irgendwie auch nicht offline sein will... Mal sehen, wie sich das im Urlaub verhält ;)

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