Montag, 15. Juni 2015

Dunkelsprung - Vielleicht kein Märchen - Leonie Swann

Nachdem ich von Leonie Swann "Glennkill" und "Garou" gelesen und mich doch ein kleines bisschen in die Schafe verliebt hatte, war ich sehr auf "Dunkelsprung - Vielleicht kein Märchen" gespannt. Obwohl mich der zweite Schafsteil schon nicht mehr ganz aus den Socken gehauen hat, war ich auf das nächste Werk sehr gespannt und da es in diesem eben nicht um Schafe gehen sollte, war auch die Befürchtung einer weiteren Fortsetzung schnell aus der Welt.
"Vielleicht kein Märchen" ist "Dunkelsprung" schon unterschrieben - und diese Bezeichnung trifft es doch ganz gut, auch wenn ich nicht weiß, als was ich "Dunkelsprung" bezeichnen würde. Seltsam , fantastisch und skurril trifft es wohl ganz gut, allerdings die Sorte fantastisch, der ich persönlich einfach noch die Bezeichnung "bekloppt" zuordnen würde. Grundsätzlich liebe ich Fantasy und lasse mich gerne in irre Welten entführen, die ganz gegen die üblichen Gesetzmäßigkeiten funktionieren - aber für mich gibt es einfach auch die Kategorie die ein bisschen zu verrückt ist. Und dann aber nicht so verrückt genug, dass sie wieder gut ist, sondern so verrückt, dass sie wirr, unzusammenhängend und nicht nachvollziehbar ist. So ging es mir leider mit "Dunkelsprung".

Wenn man auf den gängigen Plattformen nach Rezensionen sucht, findet man auch durchaus ambivalente Meinungen zu dem Buch und das kann ich nur zu gut nachvollziehen. "Dunkelsprung" dreht sich um den Flohdompteur Julius, der sich auf die Suche nach einer Nixe macht. Oder vielleicht handelt das Buch auch von Frank Green, der als Privatdetektiv unterwegs ist, wahrscheinlich unter eine Persönlichkeitsstörung leidet und sich ein Drachenbaby anlacht. Möglicherweise geht es auch um Isaac Fawkes und seine urigen, schrägen Fabeltiere, die sich nach Freiheit sehnen oder auch nicht. Oder um die alte Dame Rose, die ihre Jugendfreundin Emily aufsucht, welche immer wieder den gleichen Tag erlebt und junggeblieben ist. Irgendwie geht es um sie alle und auch um Elizabeth Thorn, der gehörnten Schönheit, die die fatale Wirkung von Milch enttarnt hat...

Was nun also genau die Kerngeschichte ist, ist mir leider auch im Verlauf des Buches nicht so ganz klar geworden - irgendwie sucht Julius nach seiner Nixe, aber schnell rückt eigentlich Fawkes mit seinen Fabelwesen in den Mittelpunkt, um dann irgendwie von Frank Green, der vielleicht gar nicht Frank Green ist, und seinen Erlebnissen abgelöst zu werden. Die Story ist durchaus als rasant zu bezeichnen, aber mir sind da doch ein bisschen zu viele Sprünge drin - manch einer mag gerade dies als den fantastischen Aspekt hervorheben, ich fand es einfach nur ziemlich wirr. Man liest und liest und sucht ein wenig nach den Gemeinsamkeiten und dem Sinn, der sich aber nur teilweise erschließt. Mein Lieblingscharakter ist ja das Legulas, das wohl ein Drachenkind ist und alles mampft, was ihm ins Maul kommt und nach Erdbeeren duftet. Und diese Charakterisierung entspricht so in etwa der Tiefe, die auch die anderen handelnden Personen abbekommen haben. Die Masse an Beteiligten kann man kaum überblicken und wirklich ausgearbeitet sind sie leider auch nicht.

Man erfährt zwar von jedem ein bisschen was zur Herkunft oder auch prägenden Ereignissen, aber ein wirklich nachvollziehbares, komplettes Bild habe ich von keinem zusammenbekommen und somit fällt es mir auch schwer, Sympathie aufzubauen. Elizabeth und Frank fand ich durchaus witzig, abwechslungsreich und auch ein wenig verschroben, aber zum eigentlichen Protagonisten Julius habe ich absolut keinen Draht. Der entwickelt sich aus meiner Sicht ganz schön seltsam, was natürlich auch an seinen Flöhen liegen mag, aber so ganz stringent scheint mir das irgendwie alles nicht zu sein. Das fulminante Ende, das ich mir erwartet hätte, ist dann viel zu schnell und vor allem zu einfach vorbei - und irgendwie bleibt bei mir ein schales Gefühl, dass da so viel Schönes dringesteckt hätte, das aber nie den Weg nach draußen gefunden hat.

Der sehr bildhafte, poetisch anmutende Schreibstil nimmt den Leser zwar schnell in eine fantastische Welt mit - lässt ihn dann dort aber auch verwirrt alleine stehen. Bildgewaltig ist das Buch durchaus, allerdings fehlt es an Zusammenhängen, Stringenz und irgendeiner (wenn auch zutiefst fantastisch-unwirklichen) Logik oder einem Ziel. Ob Elizabeths und Franks Probleme nun wirklich gelöst wurden - ich weiß es nicht. Julius scheint halbwegs glücklich und auch der "Bösewicht" Fawkes hat ein Happy End abbekommen (und es sei ihm gegönnt!), aber eine echte Auflösung fehlt mir bei diesem Buch einfach... Man könnte behaupten, dass Leonie Swann einfach ein bisschen zu viel des Guten wollte, aber vielleicht geht mir auch einfach nur die Genialität der Geschichte nicht auf.

"Dunkelsprung - Vielleicht kein Märchen" wurde mir freundlicherweise von Goldmann zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Oh das klingt aber nicht so verlockend... Hab deine Review ehrlich gesagt nur gelesen, weil ich im letzten Moment den Namen der Autorin entdeckt habe und auf nette Unterhaltung im Stil von Glennkill gehofft habe. Aber mich nerven Bücher und Filme immer total, die so mega über's Ziel hinaus schießen. Und nachher erzählen alle, wie unglaublich toll und intelligent doch die Story war, weil keiner zugeben will, dass man die Geschichte überhaupt nicht verstanden hat, weil der rote Faden fehlte oder sie vor Logikfehlern strotzt. ;) Hauptsache abgedreht, muss ja keinen Sinn machen. ^^ Aber deine Review fand ich sehr ansprechend, wenn das Buch jetzt noch empfehlenswert wäre, wärs natürlich besser... ;) Liebe Grüße

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    1. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das Buch einfach nicht so gut fand... "Glennkill" fand ich super, "Garou" hatte sich schon ein bisschen abgelesen irgendwie. Und "Dunkelsprung" hätte durchaus was gehabt - ein bisschen abgedreht ist ja okay, aber irgendwie war mir das alles ein bisschen zu abgefahren. Es gibt einfach viele positive Rezensionen dazu - aber worauf die nun genau beruhen, weiß ich halt nicht. Ich kann ja nur das schreiben, was ich so beim Lesen gedacht habe - und alles andere wäre doch ganz schön daneben^^

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  2. Ach, wie schön! Hab grad bei Dir vorbeigeschaut, weil ich grad an einem Post zu Pigmentomania schreibe und entdecke Dunkelsprung.
    Ich hab das Buch sehr gerne gemocht und hatte das Gefühl, dass nur einige Unklarheiten blieben, weil Leonie Swann sich ein Hintertürchen für eine Fortsetzung offen halten wollte.

    Eine Buchvorstellung dazu hab ich auch gemacht, aber keine Rezension:

    http://blattfuerblatt.blogspot.de/2015/01/blut-riecht-gut-blut-tut-gut-sauge.html

    Schönen Abend wünsche ich Dir!

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    1. Huhu Maegwin :)

      Ich muss echt sagen, dass ich die Charaktere in "Dunkelsprung" nicht unspannend fand - aber irgendwie sind sie mir dann doch alle ein bisschen zu kurz gekommen. Für mich war das Buch einfach ein bisschen zu viel von allem und dadurch auch ein bisschen zu wenig von den spannenden Dingen. Aber es freut mich, dass es dir gefallen hat :)

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    2. Mein Mann hat das übrigens genau so wie Du empfunden, für ihn war das auch zu viel und zu verwirrend. :-)

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