Montag, 4. Mai 2015

Menschensöhne - Arnaldur Indriðason

Sowohl bei Alice als auch bei Mo (und in so einigen Gesprächen mit vivian) stolperte ich immer wieder über Bücher, die nicht über den großen Teich, sondern aus dem hohen Norden kamen (oder dem mehr oder minder hohen Norden) - und überall wurde da mit großer Begeisterung von den teilweise unaussprechlichen und schon gar schwer zu verschriftlichenden Autoren gesprochen. Von meinem ersten Nesbø war ich angetan, auch die Larssons (1, 2, 3) fand ich durchaus ansprechend - und als mir aus einem Päckchen von vivian dann "Menschensöhne" von Arnaldur Indriðason entgegenkullerte, war ich schon sehr neugierig.
Zugegebenermaßen wäre dieses Cover für mich kein Grund gewesen, das Buch zu kaufen - allerdings gibt es das Buch inzwischen auch in einer frischeren Auflage mit neuem Cover, das deutlich fescher und moderner ist und eher meinen Geschmack treffen würde (ist aber auch ein bisschen typisch für aktuelle Cover). Aber bekanntermaßen zählt ja der Inhalt und nicht die Aufmachung und da muss ich sagen, dass ich von "Menschensöhne" doch positiv überrascht wurde. Dieser Islandkrimi stellt den Anfang der Serie um Kommissar Erlendur an und wenn ich nicht komplett daneben liege, gibt es inzwischen 14 Bände.

Die Geschichte spielt in Island und um mal ein Fazit vorwegzunehmen, passt das alles wie die Faust aufs Auge. "Menschensöhne" gehört für mich zu den herrlich unaufgeregten Krimis, die ohne großes Trara auskommen, aber dennoch interessant sind und Vortrieb haben. Als "spannend" möchte ich das nicht unbedingt bezeichnen, obwohl es auf einer anderen Ebene durchaus passt. Für mich war das Buch kein klassischer Pageturner, bei dem ich gar nicht erwarten konnte, was passiert und auch schonmal vorgeblättert habe - sondern eher eine Geschichte, bei der mich der Fortgang zwar sehr interessiert hat, allerdings hatte ich auch auf einmal 50 Seiten weitergelesen hatte, viel Handlung mitbekommen und trotzdem eher das Gefühl, dass alles recht gemütlich vor sich ging. Allerdings nicht gemütlich-langweilig, sondern eher gemütlich-gelassen und das passt wunderbar zu meinem (naiv prototypischen) Bild von Island!

Auch wenn Kommissar Erlendur hier der offizielle Hauptermittler ist, bleibt seine Person aus meiner Sicht doch ein bisschen in der Nebenrolle - man erfährt zwar ein paar (durchaus interessante= Dinge über seinen Hintergrund und auch seine Persönlichkeit, aber für mich war definitiv Pálmi, der Bruder eines der Opfer, doch eher die treibende Kraft hinter den Ermittlungen. Daníel, Pálmis Bruder, der seit Jahren in einer psychiatrischen Anstalt untergebracht ist, stürzt sich anscheinend ohne konkreten Anlass in den Tod. Pálmi stößt bei seinen Nachforschungen auf einen ihm unbekannten Besucher - der allerdings am gleichen Tag wie Daníel auf grausame Art und Weise zu Tode gekommen ist. Beide Männer haben eine gemeinsame Vergangenheit, der Pálmi und Erlendur aber erst einmal auf die Schliche kommen müssen...

Die Ermittlungen oder eher Nachforschungen zu den Hintergründen erstrecken sich weit in die Vergangenheit, was die Problematik von Zeitzeugen aufwirft. Aus eher unerhoffter Ecke erhalten aber Pálmi und die Polizei letztendlich Hilfe bei der Aufklärung der Hintergründe, die ein schier unglaubliches Vorgehen (und aus der heutigen Sicht - "Menschensöhne" ist 1997 erschienen - nicht gar so realistische Umstände und Folgen) zutage fördern. Sicherlich ist der Abschluss des Buches nicht unbedingt der logischste und wahrscheinlichste Schluss - ein kleines bisschen wissenschaftsferner Science Fiction könnte man Arnaldur Indriðason hier also vielleicht attestieren, aber irgendwie passt das trotzdem alles gut zusammen.

Für mich war "Menschensöhne" definitiv ein Überraschungsbuch - ich hatte ja wirklich ein langweiliges Feld-, Wald- und Wiesenverbrechen erwartet, aber da wartet der Autor hier doch mit einem ganz anderen Kaliber auf. Weitere Bände sind nicht ausgeschlossen - ich muss nur so langsam mal aufpassen, dass ich mir nicht zu viele Serien anlache...

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