Montag, 18. Mai 2015

Graeme Simsion - The Rosie Effect

Von "The Rosie Project" war ich ja hellauf begeistert und so wundert es wohl wenig, dass auch der zweite Teil bei mir einziehen durfte und, nachdem ich endlich etwas Lesezeit freigeschaufelt hatte, dann auch weggelesen wurde. Bei Fortsetzungen darf man ja immer ein bisschen vorsichtig sein und ich muss sagen, dass ich mir nicht so ganz sicher war, ob Graeme Simsion mit einem zweiten Rosie-Teil ins Schwarze treffen könnte. Vor allem, weil ja der Aufhänger - das Kennenlernen von Don und Rosie - schon im ersten Teil abgehandelt war...
Mit dem Zusammenkommen ist es aber bekanntlich nicht getan und somit dreht sich "The Rosie Effect" um Dons und Rosies Eheleben in New York, inzwischen sind die beiden nämlich umgezogen. Während Rosie sich ihrer Doktorarbeit widmet, werkelt Don als Gastprofessor und als ob der Alltag für so ein ungewöhnliches Paar (der gute Don hat tatsächlich seinen Mahlzeiteplan aufgegeben!) nicht schon herausfordernd genug wäre, kündigt sich auch noch Nachwuchs an. Alleine die Eröffnungsszene fand ich einfach nur köstlich - typisch Don, der zentral überfordert von nichtgeplanten Ereignissen ist.

Und wie Don eben so ist, schlittert er als Reaktion auf diese lebensverändernde Information von einer Katastrophe in die nächste und schafft es dennoch, sie irgendwie abzuwenden. Die gekündigte Wohnung, weil er als Freak "entlarvt" wurde, wird von einer mietfreien Traumimmobilie abgelöst - die lediglich ein bisschen Bierduft als Manko hat. Für Don die perfekte Lösung, für Rosie dank Schwangerschaft und damit doch eher empfindlichem Näschen nicht gar so grandios - aber bekanntlich kann es ja immer schlimmer kommen. Und das ist nicht der gekündigten Nebenjob in einer Cocktailbar, sondern der Besuch von Dons bestem Freund Gene, der inzwischen in Trennung lebend vor seiner Tür steht und Einlass begehrt. Dass Rosie eigentlich mit Gene auf ideologischem Kriegsfuß steht, steht der Wohngemeinschaft natürlich ein bisschen im Wege - wird aber leider von Dons Fehlverhalten überstrahlt.

So sehr ich über Don an vielen Stellen schmunzeln musste, so sehr habe ich auch mit Rosie gelitten (die allerdings in diesem Buch doch eher eine Nebenrolle spielte und ihre spritzige Persönlichkeit kaum einfließen lassen konnte) und im Vergleich zum ersten Teil schwingt hier doch noch eine ganz andere Ebene an Ernsthaftigkeit mit. Auch in "The Rosie Effect" geht es natürlich um die kleinen Unwägbarkeiten im Leben eines kopfgesteuerte, sozial unangepassten Genetikprofessors - aber auch um wirklich große Dinge, die Don teils ein wenig verquer mit Hilfe seiner Jungs (jaja, Don hat sich tatsächlich ein paar männliche Freunde angeschafft, mit denen er das eine oder andere Bierchen kippen geht!) und sogar einer weiblichen Bekannten löst. Kopfschütteln ist da wirklich an vielen Stellen angesagt - aber irgendwie kommt man nicht umhin, mit Don mitzufühlen (und zu leiden).

Viele kleine Aspekte machen auch den zweiten Teil des Buches zu einem Lesevergnügen und der Schluss hat nicht nur einen ordentlichen Lacher parat, sondern ist auch schlicht und ergreifend wahnsinnig herzerwärmend - allerdings zieht sich das durchaus durch das gesamte Buch, da die meisten der anderen Charaktere (vor allem Dons Jungs) einfach sympathisch und echt dargestellt werden. Sie sind alle weit davon entfernt, perfekt zu sein - aber eben diese Schwächen machen sie auch alle liebens- und vor allem lesenswert. Im Vergleich zum ersten Teil hat "The Rosie Effect" vielleicht nicht mehr die spielerische Leichtigkeit und den sprühenden Witz - aber dafür eindeutig etwas mehr Tiefe und Schwere (und am liebsten würde ich hier "Gravität" schreiben).

Natürlich ist der Neuheitswert nicht mehr in dem Ausmaß gegeben und man weiß so langsam, dass Don ein bisschen anders ist und ist ein bisschen weniger erstaunt über sein Verhalten - aber ich finde, dass das Buch ist dennoch lesenswert ist und Spaß macht! Gerade als Fortsetzung ist es nicht leicht, die Anforderungen zu erfüllen (und eigentlich müsste das Buch ja noch besser sein als der Erstling - weil genauso gut zählt ja nicht) und das macht Graeme Simsion hier doch recht gut. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob Don für mich für noch einen weiteren Teil funktionieren würde...

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