Samstag, 28. März 2015

Die Sache mit dem Lackieren... (Teil 3)

Die Vorbereitung der Nägel sollte jetzt abgeschlossen sein (näheres in Teil 1 und Teil 2) und wir haben jetzt einen Basecoat auf den Nägeln... Wird also Zeit, sich endlich mit dem Farblack zu befassen, oder? Auch hier kann man natürlich sagen, dass das Ganze supereinfach funktioniert: Lack aufschrauben, Nägel lackieren, Lack zuschrauben - fertig! Stimmt ja auch, aber man kann sich ja so einen Lack auch ein bisschen genauer anschauen...

5. Das Herzstück - der Farblack

Es gibt Lacke wie Sand am Meer - unterschiedliche Marken, Preisklassen, Fläschchen, Farben, Konsistenzen, Trockenzeiten, Finishes, Pinsel... Gar nicht so einfach, da den Überblick zu behalten und irgendwie hat ja auch vieles davon einen Einfluss darauf, wie gut man so mit den Lacken klarkommt und welche Erwartungen man an sie hat.

Die Marke - teuer muss ja wohl gut sein!

Natürlich ist das immer Geschmackssache, was nun tatsächlich gut ist, aber obwohl die Preisrange bei Lacken von knapp 1 Euro bis 25 Euro oder auch mehr geht, würde zumindest ich persönlich nicht sagen, dass sich aus dem Preis auf die Qualität schließen lässt... Gerade beim Thema Preis sollte man auch die Füllmenge von Lacken berücksichtigen - bei 5ml Inhalt ist der L'Oréal-Lack zum Preis von 4,95€ (0,99€ pro ml) z.B. nicht mehr so wirklich viel günstiger als der OPI mit 15ml für 16€ (1,07€ pro ml) und der Orly mit seinen 18ml für 12€ entpuppt sich als wahres Schnäppchen (0,67€ pro ml). Zwar noch immer kein Vergleich zu essence, p2 oder auch Maybelline, aber ich finde, das relativiert durchaus ein bisschen die Bezeichnung "teuer".

Auch wenn manch einer so seine absolute Lieblingsmarke hat, hat das oftmals nicht nur etwas mit der Qualität zu tun - auch wenn das viele nicht hören wollen, aber bei "einfachen" Lacken können die günstigen Marken qualitativ durchaus mit den Großen mithalten. Ich finde z.B. sowohl essence als auch p2 qualitativ vollkommen in Ordnung - klar gibt es hier und da mal Aussetzer, aber die haben andere Marken genauso. Wenn also jemand einen Lack für den Anfang sucht, würde ich ihn (oder eher sie) ohne zu Zögern auf die essence- oder p2-Theke ansetzen - da findet man solide Cremelacke, mit denen man das Lackieren sehr angenehm lernen kann.

Besondere Finishes, vor allem Holos und Flakies, findet man eher (aber nicht ausschließlich) im etwas teureren Preissegment - zumindest, wenn diese Dinge gerade hip werden. Gerade essence ist in LEs ja bemüht, auch etwas ungewöhnlichere Lacke herauszubringen, aber an die wilden Kreationen, die die Indies so im Angebot haben, kommt man da ehrlicherweise nicht wirklich ran (das schaffen allerdings die klassischen Lackmarken auch nicht - oder vielmehr wollen sie das anscheinend nicht wirklich).

Apropos Cremelack... Welche Lacke trocknen schnell?

Auch wenn hier eine pauschale Antwort wohl niemals alle Eventualitäten abdecken kann und es immer Markenunterschiede gibt - aber matte Lacke, Suede- (*klick*), Metallic- (*klick*), Holo- (*klick*) und Sandlacke (*klick*) trocknen finishbedingt tendenziell schneller als andere Lacke (manche auch ein bisschen ZU schnell, sodass man wirklich flott lackieren muss und nichts korrigieren kann). Generell trocknen Lacke mit einer flüssigeren Konsistenz, sofern man sie eben auch dünn lackiert, schneller als Lacke mit einer dickflüssigeren oder gar pastösen Konsistenz. Glitterlacke in einer dünnen Base (wie z.B. viele Topcoats) trocknen für gewöhnlich auch recht zügig - aber es gibt durchaus auch Glitterbomben, die ewig brauchen...

So manche Firma preist ihre Lacke ja mit einer schnelltrocknenden Funktion an - 45Sekunden, 60 Sekunden oder vielleicht auch weniger, aber solche Angaben würde ich nicht unbedingt für bare Münze nehmen (genauso wie die versprochene zweiwöchige Haltbarkeit). Die meisten Creme-, Glitter- und Flakielacke haben aber eine akzeptable Trockenzeit, die einem auch ein paar Ausbesserungen erlaubt, wenn man nicht gar so perfekt lackiert hat und trotzdem zügig durchtrocknet.

Die Farbe - manchmal doch ein kleiner Stolperstein?

Gerade im Frühjahr sind ja Pastellfarben besonders hipp - aber oftmals (oft! Nicht immer - mir ist klar, dass es auch viele gute Pastelllacke gibt!) sind das auch die Lacke, die sich besonders zickig anstellen: Deckkraft mittelprächtig, Oberfläche ungleichmäßig, Konsistenz entweder glibberig oder pastös... Besonders bei Lacken mit einem hohen Weißanteil (also bei pastelligen Lacken oder auch bei weißen Lacken) ist häufig ein bisschen Vorsicht geboten und wenn man das Lackieren gerade üben will, sind zartere Farben zwar eine gute Möglichkeit, Patzer zu verdecken - aber es kann auch passieren, dass gerade diese Töne einem das Lackieren ein bisschen schwer machen und man mit einem "richtig bunten" Lack anfangs schneller Erfolge erzielt.

Der Pinsel - die große Geschmacksfrage...

Schmal oder lieber breit? Gerade oder lieber abgerundet? Kurz oder doch lang? Ich glaube, daran scheiden sich ein bisschen die Geister und das merkt man auch daran, dass die Bandbreite an Pinseln so ziemlich alle (un)möglichen Kombinationen abdeckt. Es gibt die superschmalen, langen Pinsel ("alter" essie-Pinsel, Orly), die eher gerade geschnittenen mittelbreiten (Dr. Pierre Ricaud, Kiko, Dance Legend), und die abgerundeten in unterschiedlicher Breite (L'Oréal, essence, Sally Hanen, Isadora, essie aktuell). Und wahrscheinlich noch alles mögliche dazwischen, aber dann hätte das whl ein eigenes Posting bekommen müssen.

Das Fiese ist, dass sich die Pinsel natürlich nicht nur in der Form unterscheiden, sondern auch in der Dichte der Pinselhaare, Breite, Länge, Widerstandskraft und inwiefern sie tatsächlich noch auffächern oder eher ihre gerade Form beim Lackieren beibehalten. Je breiter so ein Pinsel ist, umso eher muss man gerade mit schmalen Nägeln aufpassen, sich nicht gleich die Finger komplett anzumalen - allerdings gilt das auch für längere Pinsel, die besonders weit auffächern. Längere, dichte Pinsel fächern für gewöhnlich weit auf, brauchen aber auch ein wenig mehr Druck - schmale Pinsel fächern schon bei weniger Druck auf. Der Orly fächert z.B. trotz einer eher dünnen Bindung super auf und macht mir das Lackieren nicht schwerer als z.B. ein essence-Pinsel.

Aber insgesamt gilt auch hier: Jeder ist da ein bisschen anders, die einen stehen auf die dünnen Pinsel, die anderen auf die breiteren - manche mögen den Biberschwanzschnitt (z.B. L'Oréal), weil sich damit das Nagelbett schön formen lässt, andere stehen auf einen geraden Abschluss. Mit ein bisschen Erfahrung und Übung ist es allerdings ziemlich egal, was man nun für einen Pinsel vorliegen hat, weil man sich dran anpassen kann und auch den Druck, mit dem man lackiert, gut regulieren kann. Allerdings sollte der Pinsel schon ordentlich geschnitten sein - an das jahrelange Catrice-Drama möchte man ja nicht wirklich noch denken, hier hilft allerdings auch einfach mal die Nagelschere, um die Borsten wieder in Form zu bringen.

So, hab' ich bei meinen ausschweifenden theoretischen Betrachtungen noch irgendwas Wichtiges zum Thema "Lack an sich" vergessen? Falls ja, hole ich das gerne im nächsten Posting nach - aber dieses scheint mir doch schon lang genug zu sein *hust*.

Kommentare:

  1. Hi Lena,
    ich stimme dir wirklich in allen Punkten zu. Deine Postings sind super hilfreich für Anfänger und erfahrene erkennen sich wieder. ^^ Gerade was die Farbwahl angeht. Ich hatte das Problem damals auch. Mit hellen Farben sieht es nicht so "zerstört" aus, aber dunklere Töne sind weniger zickig. Die Diskussion mit dem Pinsel ist auch immer wieder gut. Ich kann ja inzwischen mit allem umgehen. ^^ Wobei bei einer Sache da bin ich doch ein wenig anderer Ansicht. Gerade das Thema Trockenzeit. Ich rede jetzt von den ganz normalen Lacken und nicht von Sandlacken etc. Gerade wenn man mehrere Schichten braucht, schlagen sich die teuren Marken Namen meiner Meinung nach besser. Beispielsweise wenn es schnell gehen muss nehme ich meistens Essie. Da kann ich zwei Schichten innerhalb kürzester Zeit auftragen und es trocknet schnell durch. Klar, hab ich auch ein oder zwei Essence die sich ähnlich verhalten, aber im großen und ganzen merke ich den Unterschied doch. Wobei ich es auch schön anders rum erlebt habe.Man kann das wirklich immer schwer sagen. Man muss einfach seine Erfahrungen machen. Lg Mel

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    1. Hi Mel,
      also ich würde wohl nie zu essie greifen, wenn ich's eilig hab :P Dafür zicken mir die Lacke viel zu viel rum... Und bei der Trockenzeit kann ich wirklich keinen eindeutigen Unterschied in Preiskategorien feststellen - da müsste sich wohl mal ein Labor dahinterklemmen und das untersuchen^^ (Man könnte sich ja auch mal die Mühe machen, sich die INCIs genauer anzuschauen - aber das ist mir ehrlich gesagt auch zu blöd...)

      Ich glaube, es muss halt jeder so seine Lieblinge finden - aber ich würde das einfach nicht am Preis festmachen :)

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  2. Meine ersten Lacke waren sheere Perlmuttlacke in verschiedenen "Nuancen". Farbe lässt sich ja schlecht sagen, weil sie kaum Farbe haben. ^^ Wenn ich heute solche Lacke sehe, gruselt es mich. :D

    LG Lotte

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    1. Mhhh, sheeres Perlmutt - da kannste dir wirklich gleich die ganze Hand anmalen und es fällt nicht auf :P

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  3. Ich kann dir wirklich nur zustimmen, sowohl was Preis-Leistung als auch Pinsel und den Rest angeht. ;) Früher mochte ich breite Pinsel total gerne, bis mir dann irgendwann aufgefallen ist, dass schmale Pinsel für meine schmalen Nägel vieeel besser geeignet sind. ^^ Orly mag ich inzwischen mega gern - man bekommt viel für den Preis, ich komm mit dem Pinsel super gut klar, die Fläschchen sind einfach hübsch und die Lacke, die ich bisher lackiert habe fand ich auch qualitativ echt gut.
    Schöne Beitragsreihe! :)

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    1. Ich finde, es ist irgendwie immer eine Kombination aus Breite und Fächerung - es gibt schmale Pinsel, die gar nicht fächern, was ich nervig finde und breite, die zu dolle fächern nerven mich auch^^ Aber das ist eben Geschmackssache!

      Die Orly-Lacke mag ich auch sehr gern, muss ich sagen - die sind halt eben auch gar nicht so wirklich teuer, wenn man sie mal objektiv mit anderen Lacken vergleicht.

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  4. Ich liebe Biberschwanzpinsel, fällt mir gerade auf :D

    Ich finde es gut, dass du auf die Preise eingegangen bist, denn so relativiert sich vieles und die vermeintlichen Preisbomben sind dann doch keine [oder zumindest nicht so brutale ;)]

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    1. Jaja, der Biberschwanz :P Wenn er gut geschnitten ist, macht er einem das Leben schon leichter!

      Was den Preis angeht, muss man halt echt ab und an mal die Augen aufmachen - was vermeintlich günstig ist, ist es nicht unbedingt, wenn man genauer hinsieht und andersrum ist das vermeintlich teure nicht immer wirklich teuer... Gerade die hochpreisigieren Drogeriemarken gaukeln einem da was vor, was sie unter Umständen nicht wirklich bieten können^^

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  5. Ich liebe auch die Biberschwänze, gerade deswegen mag ich die Essies so gerne, Fächern bei mir perfekt auf und ich kann in max. 2 Strichen den ganzen Nagel sauber lackieren.
    Ein sehr informativer Post für Anfänger Lena, finde ich toll :)
    Meine ersten Lacke waren Manhattan in dunkelrot (sheer und schmierig) und ein Braun, was super langsam durchtrocknete und ich immer Macken drin hatte *seufz*
    Aber man lernt dazu^^

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    1. Ich finde die deutschen essies fast ein bisschen zu breit - aber gut, das ist ja bekanntlich alles sehr individuell :P

      Sheer und schmierig klingt nach der perfekten Ausgangslage *hust*, um sich das Leben so richtig schwer zu machen :P Ich glaube, ich hatte Orange und Grün - aber so wirklich sicher bin ich mir da nicht mehr^^

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  6. Teil 3 dieser Reihe gefällt mir am besten! Das hast du alles sehr schön und vor allem ausführlich erklärt.
    Super! :)
    Ich persönlich kann mich gar nicht mehr an meine ersten Lackierversuche erinnern... ich hab Nagellack, seitdem ich 7 war. :D
    Aber dafür hab ich aktuell ein Problem mit Pinseln, die zu breit sind, denn meine Nägel sind ziemlich schmal. :/

    P.S.: Ich bin auf Teil 4 gespannt. ^.^

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    1. Freut mich, dass dir die Reihe gefällt :)

      Mhh, du kannst probieren, die Pinsel ja ein bisschen zu kappen - wenn du wirklich unten am Schaft mit der Nagelschere ansetzt, kannst du eigentlich problemfrei ein Stück abschneiden und den Pinsel schmaler machen. Oder natürlich einen anderen Pinsel nehmen - aber meistens kann man die gut zurechtschnipseln :)

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