Montag, 2. Februar 2015

Verblendung - Stieg Larsson

Die Millenium-Trilogie steht schon seit geraumer Zeit bei meinen Eltern im Schrank - und im Gegensatz zu mir haben sie die Bücher auch schon gelesen. Ich habe mich bisher irgendwie ein bisschen davor gedrückt und letztlich "nur" dazu gegriffen, weil wir uns die Verfilmung (die mit Daniel Craig) angesehen haben und sich die Kommentare häuften, dass der Film ja doch ein bisschen vom Buch abweiche und außerden nicht so wirklich verständlich wäre, wenn man nicht die Hintergrundgeschichte schon kenne. Meine eigentliche Abneigung gegen die Bücher beruhte nämlich auf der Originalverfilmung, die damals bei mir absolut keine Stiche machen konnte - und dementsprechend hatte ich keine Lust, die Bücher zu lesen. Nachdem ich die Daniel-Craig-Variante nun gar nicht so schrecklich fand, wollte ich dann doch wissen, wie die Story denn "eigentlich" ist und machte mich ans Lesen.
Vorneweg kann ich schonmal sagen: Ich habe es nicht bereut. Das Buch ist um Welten besser als die Verfilmung, was nun allerdings wohl für die allermeisten Film-Grundlagen gilt. Anfangs hatte ich zwar an manchen Stellen noch so ein bisschen den Film im Hinterkopf, aber das hat sich ganz schnell gelegt - bis auf Lisbeth und Armanski, deren Darsteller mir sehr gut gefallen haben und definitiv gut zu den Charakteren passen (bei Daniel Craig finde ich das ja so gar nicht - der ist mir viel sympathischer als Mikael Blomqvist...).

"Verblendung" ist eigentlich ein sehr passender Titel, wobei ich das schwedische Original "Männer, die Frauen hassen" noch viel besser finde. Der Haupthandlungsstrang befasst sich mit Mikael Blomqvist und seinen Recherchen zur Familiengeschichte der Vangers und was eigentlich wie ein total lahmer Aufhänger klingt, entpuppt sich als wahre Schatztruhe der Seltsamheiten, denn die Vangers haben es wirklich in sich. Von Ränkeschmieden über Verstrickungen bis hin zu Nationalsozialisten ist da alles dabei und Mikael soll eigentlich herausfinden, was mit Harriet Vanger passiert ist, die vor 40 Jahren verschwunden ist. Sein Auftraggeber Henrik, seines Zeichens Unternehmer im Ruhestand und Großonkel von Harriet, beauftragt Mikael mit den Recherchen, die seiner Meinung nach zur Enttarnung des Mörders führen sollen.

Mikael nimmt diesen Job eigentlich nur an, weil er gerade einen journalistischen Fauxpas begangen hat und dafür verurteilt wurde - da kommt ein gutbezahlter, medienferner Job gerade recht. Allerdings ahnt er nicht, in was für einen Schlamassel er sich da reinmanövriert. Es lohnt sich auf jeden Fall, die ganze Ermittlungsgeschichte zu lesen - zugegebenerweise auch, weil sie mit Blick auf die Gesellschaft brisant und spannend ist und es mich doch wieder mal verwundert hat, wie in anderen Ländern mit Nationalsozialismus umgegangen wird. Alle Charaktere und ihre Verstrickungen hier zu erwähnen, würde wohl zu weit führen - aber Fakt ist, dass ich Lisbeth Salander, die Mikael bei seine Nachforschungen unterstützt, unglaublich gern mag und auch wenn sie zu Beginn des Buches eher leicht entrückt und irgendwie seltsam scheint, ist sie mir im Verlaufe der Geschichte doch zunehmend sympathischer geworden.

Ganz im Gegensatz zu Mikael, den ich anfangs doch ganz fesch, dann aber zunehmend seltsam fand - das liegt wohl auch daran, dass er einfach als vielschichtiger Charakter dargestellt wird und auch wenn ich seine Werte in manchen Belangen nachvollziehen kann, bleibt er mir in anderen doch komplett schleierhaft (was die Charaktergestaltung allerdings nur realistischer macht). Auch Lisbeth hat so ihre Besonderheiten, aber ich finde, dass Mikaels Charakterisierung sie sehr gut beschreibt - geradeheraus, eigen und prinzipientreu. Für mich ist Lisbeth ja doch der mehr als nur heimliche Star des Buchs, das mit einem fulminanten Ende des Rechercheauftrags und einem fast noch gewiefteren Epilog mit einem grandiosen Auftritt von Lisbeth endet und einem Abgang von Mikael, der ihn mir nicht sympathischer macht.

Sprachlich ist "Verblendung" eine sehr angenehme Sache - der Schreibstil ist eher einfach gehalten, nach großartigen Schnörkseln oder Schachtelsätzen sucht man vergebens. Sprachliche Komplexität ist, meiner Ansicht nach, auch bei einer so komplizierten Geschichte nicht auch noch nötig, da ist es doch einfacher, wenn man dem Autor gut folgen kann. Was ich sehr gerne mag, sind die kleinen Ausschweifungen von Stieg Larsson und seine genauen Beschreibungen, die ein bisschen Geschwindigkeit aus dem Handlungsverlauf nehmen, ohne zu weit zu gehen und zu sehr vom Thema abzulenken. Definitiv ein gelungenes Gesamtpaket, das wohl auch erklären dürfte, warum ich mir gleich den zweiten Teil schnappen musste...

Kommentare:

  1. Habe die drei Bücher auch schon gelesen und erst dannach die Filme angeschaut.Finde die eigentlich sehr gelungen und die Version mit Daniel Craig,ging eigentlich auch.Klar gibt es Abweichungen.In welcher Verfilmung eigentlich nicht?
    Aber würde die Bücher den Filmen auf jedenfall vorziehen.LG

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    1. Ich finde, es gibt auch durchaus gute Verfilmungen, die einen nicht zentrale Inhalte vermissen lassen - aber das ist halt alles Geschmackssache. Ich fand den Film jetzt auch nicht schlecht - aber da hatte ich auch das Buch noch nicht gelesen ;) Und wie so oft ist es ja tatsächlich so, dass die Bücher deutlich besser sind als die Verfilmungen.

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  2. Ich bin an Band 1 erst mal gescheitert (so 2010, denke ich), konnte mich ein paar Monate später dann doch noch mal überwinden und musste dann ganz dringend alle drei Bücher in einem Rutsch lesen. Ich war echt begeistert. Die Verfilmungen habe ich beide gesehen, wobei ich ausnahmsweise die Hollywood-Version mal besser fand als die ursprüngliche Schwedische. Oft machen mir die Amis zu viel Schischi gegenüber den kühlen Nordlichtern, aber in diesem Fall hat es sich gelohnt. Insgesamt ist die Geschichte filmisch nicht schlecht umgesetzt, aber die Bücher, die Bücher... sind einfach verdammt gut :)

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    1. Ich finde ja auch, dass die Bücher (zumindest bis jetzt) echt richtig klasse sind - da ist es auch echt schwer, einen Film zu machen (oder eben mehrere), der da ran kommt. Und so einen Wälzer kann man ja auch nicht 1:1 verfilmen, da das sonst wohl mehr als nur Überlänge hätte ;)

      Ich bin mit dem schwedischen Original einfach nicht warm geworden - aber ich gestehe auch, es bisher nur ein Mal versucht zu haben^^ Vielleicht gebe ich den "echten" Verfilmungen ja auch noch eine Chance - denn auf Basis der Bücher hätten sie es durchaus verdient.

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  3. ... meine absoluten lieblingsbücher, die ich wirklich verschlungen habe... ich liiiiiebe lisbeth ... meine absolute heldin, keine frau in einem buch reißt mich so vom stuhl... was die verfilmungen angeht: ich finde die amerikanische variante ziemlich mißlungen und die schwedischen originale einfach fabelhaft... lisbeth ist mit noomie rapace perfekt besetzt, genau SO habe ich mir beim lesen vorgestellt... den michael nyqvist find ich auch nicht soooo prall, ich hatte mir kalle blomquist auch eher wie daniel craig vorgestellt... aber nyqvist ist halt einer der beliebtesten schauspieler schwedens, da lag seine besetzung wohl auf der hand...ich liebe die bücher einfach und kann nicht genug von ihnen kriegen, habe alle filme - sogar die ami-version... daniel craig halt... *hust* - auf bluray und kann sie inzwischen auswendig mitsprechen... ich für meinen teil bin absolutes fangirl dieser triologie und habe ernsthaft angst vor dem angekündigten vierten teil...

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    1. Ich muss ja auch sagen, dass ich Lisbeth grandios finde - einfach ein genialer Charakter, faszinierend, vielleicht gerade weil sie so seltsam ist, aber auch definitiv liebenswert... Kleiner Girlcrush lässt grüßen, würde ich mal sagen ;)

      Ich bin einfach vor lauter Langeweile damals weggepennt bei dem Film - allerdings muss ich sagen, dass ich auch Noomie Rapace vom Typ her viel besser passend finde, aber Rooney Mara ihre Sache auch nicht schlecht gemacht hat. Lisbeth ist für mich einfach als Persönlichkeit so spannend, dass ich eigentlich gar nicht so wichtig finde, wie sie aussieht ;)

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  4. Ich kenne nur die Originalverfilmungen, mag diese aber sehr! Den 1. Teil fand ich atemberaubend spannend, aber teilweise auch stark an die Nieren gehend (die Sache mit Lisbeth und ihrem Vormund - you know).

    Mmh, sollte ich die Bücher doch mal lesen?! Wahrscheinlich eher nicht, mir lagen die Filme.

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    1. Aber die Bücher sind sooooo vieeeel besser!!!

      Vielleicht gebe ich mir die Originale doch auch nochmal, mal sehen... Aber definitiv sind da so einige Sachen drin, die einem zusetzen können - wobei ich die Vormundgeschichte im Film doch drastischer fand als im Buch... Also von der Verbildlichung.

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  5. Na dann muss ich es doch auch endlich mal lesen, das habe ich schon ewig vor (ich glaube schon seit vor der ersten Verfilmung)

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    1. Also ich würde sie definitiv mal lesen ;) Mache das ja selber gerade und bin wirklich hin und weg!

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  6. Och nöööö. Schon wieder so ein Anti-Lotte- Buch... :P

    LG Lotte

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    1. Liebe Lotte - du liest einfach die falschen Bücher :P Ich weiß auch nicht, wieso das so ist ^^

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  7. Ich hab alle 3 Bücher damals verschlungen :) Zum Thema Film: Ich finde die Originale besser, vorallem finde ich, dass Lisbeth da viel näher an die Bücher ran kommt als in der US-Version. Und Daniel Craig mag ich auch nicht so gerne, kommt also alles zusammen ;)

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    1. Ich mag ja Daniel Craig - aber Blomqvist finde ich zunehmend stranger^^ Aber klar hat man bei Schauspielern immer gewisse Präferenzen - mal sehen, wie der neue Film wird, da gibt es ja schon wieder eine neue Lisbeth, wenn ich mich nicht irre...

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  8. Ich habe die Bücher auch vor den Filmen gelesen - und die Daniel Craig Versionen kenne ich gar nicht, nur die "Originaleren"? ;D
    Ein wenig überlesen habe ich die seitenweise Wirtschaftskriminalität am Anfang, doch dann geht es ja richtig rund und besonders die Entwicklung von Lisbeth über die Reihe hinweg gefällt mir sehr gut, wobei Mikael mir auch etwas...seltsam erscheint. Naja, man kann nicht alles haben :D

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    1. Es gibt bisher glaube ich nur den ersten Band in der Hollywood-Version :) Also hast du gar nicht sooo viel verpasst :P

      So wirklich tief bin ich da in diese Wirtschaftsproblematik auch nicht eingestiegen, aber der Rahmen war doch ganz passend und ein netter Aufhänger - aber ganz schnell haben da doch die Charaktere bei mir die wichtigeren Rollen eingenommen (was auch sehr gut ist!). Und Mikael ist seltsam, definitiv :P

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  9. Oh ja, das Buch und die beiden weiteren habe ich innerhalb ner Woche verschlungen. Konnte garnicht mehr aufhören. Ich persönlich finde die schwedische Filmvariante aber um einiges besser. Habe irgendwann mal alle drei Filme in einer Komplettbox geholt und bin wirklich ein großer fan von Noomie Rapace. Daniel Craig vergöttre ich ;), hat aber irgendwie nicht in die Rolle gepasst.

    Viel spaß beim lesen der weiteren Teile.
    Sabrina

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    1. Ich muss sie mir wohl wirklich noch irgendwann mal in Ruhe zu Gemüte führen - vielleicht hatten wir auch einfach nur einen schlechten Start ;) Aber die Bücher finde ich wahnsinnig klasse - da ist eigentlich klar, dass die Filme nicht so gut werden können^^

      Ich fand Daniel Craig optisch schon passend - nur charakterlich... Wobei er als Bond ja auch nicht so ganz... Ach, kompliziert :P

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