Montag, 19. Januar 2015

Der Seidenspinner - Robert Galbraith

Nachdem es letztes Jahr irgendwie keinen neuen Lynley-Roman gab, den mir meine Oma zu Weihnachten hätte schenken können, war ich kurzzeitig ernsthaft besorgt, dass ich mir irgendwas anderes aus den Fingern saugen müsste. Dieses Problem legte sich aber sehr schnell, als mir der Veröffentlichungstermin für Robert Galbraiths (oder J. K. Rowlings) "Der Seidenspinner" wieder einfiel - der kam nämlich Ende November raus und da ich "Der Ruf des Kuckucks" schon klasse fand, war schnell klar, dass ich den zweiten Band auch haben musste.
Nach den Weihnachtsfeiertagen hatte ich tatsächlich noch ein bisschen Zeit, um auf dem Sofa rumzulümmeln und zu lesen - und ratzfatz war "Der Seidenspinner" auch weggelesen (und das, obwohl das mit 672 Seiten nicht gerade ein Leichtgewicht ist!). Ich stehe einfach auf Cormoran Strike und fand, dass der zweite Band um den doch ungewöhnlichen Privatdetektiv ein würdiger Nachfolger ist - und auf jeden Fall Lust auf mehr macht! Positiv zu erwähnen ist, dass man hier auch bei der Übersetzung des Titels (wohl auch aufgrund der Handlung) lediglich übersetzt hat und nicht sonstige Sperenzchen getrieben hat - aus "The Silkworm" wurde "Der Seidenspinner", lateinisch Bombyx mori, dessen Raupen zur Seidenherstellung genutzt werden.

Nachdem Strike durch seine Beteiligung an den Ermittlungen um Lula Landry im ersten Buch anscheinend einige Bekanntheit erlangt hat und es mit seiner Detektei aufwärts geht, könnte er sich eigentlich auf seinem Ruf ausruhen und nur noch lukrative, wenn auch langweilige Fälle annehmen (also Fremdgehern und Fremdgeherinnen im Auftrag ihrer Partner nachschnüffeln). Als jedoch Leonora Quine in seiner Tür steht und ihn bittet, ihren verschwundenen Schriftsteller-Gatten zu suchen, erweckt sie nicht gerade den allerzahlkräftigsten Eindruck - allerdings kommen ihr auch ein wenig die Umstände zu Gute und Strike nimmt sich ihrer an (also ihrer Ermittlungen... Nicht ihrer Person!).

Die Suche nach dem Mörder des Schritstellers führt den Leser und Strike in die Verlagswelt, zu Lektoren, Kollegen und Konkurrenten, einem abgefahrenen Buch mit dem Titel "Bombyx mori" (na, wer errät jetzt den Zusammenhang?), und letztlich einer Lösung, die mal wieder ein bisschen sehr konstruiert ist. Man kann theoretisch schon recht früh den richtigen Riecher haben, man kann sich aber auch einfach an der Ermittlungsarbeit von Strike und Robin erfreuen und den Schlüssen lauschen. Auch "Der Seidenspinner" ist sicher nicht das spannungsgeladenste Buch, aber für mich sehr gelungen und durchaus charmant - das liegt aber auch daran, dass ich die Protagonisten einfach gerne mag.

Was die Charaktere angeht, kam mir Robin anfangs ein bisschen arg kurz - das ändert sich aber (Gott sei Dank!) im Laufe des Buches und tatsächlich kommt es zum ersten Aufeinandertreffen ihres Verlobten mit ihrem Arbeitgeber und leider wurde mir Matthew in dem Buch nicht wirklich sympathischer. Aber gerade dieses Zusammentreffen hat auch nochmal eine Charakterentwicklung angestoßen, die für die weiteren Bände (derer ich ja auf viele hoffe) noch ganz spannend wird. Ganz heimlich bin ich ja doch so ein bisschen dafür, dass Robin sich endlich ihres seltsamen Verlobten entledigt (komischer Kauz, antiquiertes Weltbild - weg mit dem Heini!), aber vielleicht kommt sie ja irgendwann von selbst drauf...

Vom Leseerlebnis her fand ich das Buch keineswegs so langatmig, wie es stellenweise beschrieben wird - aber das mag auch daran liegen, dass ich den Charakteren und der Geschichte wohlgesonnen und auch bereit bin, kleine Fehler oder zu konstruierte Dinge durchgehen zu lassen. Sicherlich ist das kein Buch, das man an einem Abend im Bett wegliest und für besonders empfindliche Gemüter ist es auch nicht zu empfehlen - die wilde Fantasie von Owen Quine nimmt teilweise unleckere Ausmaße an, über deren Interpretation dann auch an einigen Stellen der Ermittlungen ein wenig schwadroniert wird... Außerordentlich ekelhaft fand ich die Darstellungen zwar nicht, sie waren aber doch recht bildlich - aber das macht finde ich auch den guten Schreibstil hier aus.

Kommentare:

  1. Ich habe es auch demletzt gelesen und zwar auch von diesem Teil sehr begeistert :)

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    1. Jahaaa, habe auch gesehen, dass du das gerade rezensiert hast :P Ich muss echt sagen, dass die Bücher wirklich gut gelungen sind - hätte ja durchaus auch sein können, dass der zweite Teil ein Griff in die Keramik wird, aber Gott sei Dank ist das nicht der Fall!

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  2. Noch ein Krimi? Mennoh... :P

    LG Lotte

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    1. Du musst einfach mal anfangen, Krimis zu lesen ^^

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  3. Les' ich auch noch ... irgendwann! :-)

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    1. Unbedingt! Ist nämlich wirklich gut :)

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