Montag, 5. Januar 2015

Das Nebelhaus - Eric Berg

Hach je, irgendwie war der diesjährige Weihnachtsurlaub viel zu kurz, obwohl man das bei gut zwei Wochen ja nicht wirklich behaupten kann... Aber immerhin konnte ich die Zeit sinnvoll nutzen und ein paar Bücher lesen (was will man denn bei schlechtem Wetter, Regen oder Schneegestöber auch sinnvolleres tun?). Unter anderem auch "Das Nebelhaus" von Eric Berg, einem deutschen Autor, der eigentlich historische Romane geschrieben und für seine Krimis ein Pseudonym nutzt (allerdings sagte mir Eric Walz auch so gar nix *hüstelchen* - aber ich hab's ja auch nicht unbedingt mit historischen Romanen).
"Das Nebelhaus" erzählt die Geschichte um die so genannte "Blutnacht" von Hiddensee, bei der drei Personen umgekommen sind und eine schwer verletzt wurde. In zwei Handlungssträngen wird den Ursachen auf den Grund gegangen - einer spielt in der Gegenwart und begleitet Doro Kagel, eine Journalistin, bei ihren Nachforschungen zur "Blutnacht" von Hiddensee. Der zweite Handlungsstrang findet in der Vergangenheit statt und erläutert die Geschehnisse vor der Tat und um das Verbrechen herum. Die Aufteilung fand ich persönlich gut gelungen und insgesamt war ich von dem Buch auch positiv überrascht!

Es geht hier also keineswegs um die direkten Ermittlungen nach dem Verbrechen, die sind nämlich längst abgeschlossen und man ist sich einig, dass die im Koma liegende Leonie für das Ableben dreier Personen und ihren eigenen Zustand verantwortlich ist. Schließlich hatte sie zum Treffen mit ehemaligen Freunden eine geladene Pistole mitgenommen und damit doch den dringenden Tatverdacht auf sich gelenkt. Warum sie jedoch eines nachts um sich geschossen hat, ist nicht wirklich klar - allerdings scheint Leonies zweifelhafter Geisteszustand irgendwie damit zu tun zu haben. Doro soll nun einen Artikel über die Tat schreiben und nimmt aus diesem Grund Kontakt zu den Angehörigen der Opfer auf, spricht an Leonies Krankenbett mit ihrer Mutter und auch mit dem Sohn der Hausangestellten, die ebenfalls ermordet wurde.

Doros Nachforschungen und vor allem auch der Kontakt zu Yim, aus dem sich bald mehr entwickelt als nur ein reiner Informationsaustausch, lassen Doro auf Dinge stoßen, die vieles in einem anderen Licht erscheinen lassen und vor allem auch ein Themenfeld eröffnen, das bei den Ermittlungen verdeckt geblieben ist (und mir auch vollkommen neu war und letztlich zu ein paar Nachforschungen im Internet beigetragen hat - ich bin leider was Geschichte angeht nicht sonderlich fit). Schritt für Schritt eröffnet sich der fleißigen Journalistin also, was wirklich auf Hiddensee geschah, die ganze Wahrheit kommt jedoch von anderer Seite.

Auch als mitgrübelnder Leser kommt man erst sehr spät auf die wahre Geschichte hinter den Morden, die ein bisschen vertrackt, ein bisschen verwirrend und vielleicht auch nicht ganz schlüssig erscheint, aber wohl gar nicht so unrealistisch ist (Bekloppte gibt es bekanntlich überall!). Auch wenn die ganze Story vielleicht ein wenig konstruiert ist, hat es mir Spaß gemacht, "Das Nebelhaus" zu lesen. Die Charaktergestaltung ist teilweise ein wenig flach und oberflächlich, nicht ganz ausgereift - so einige der handelnden Personen sind undurchsichtig und seltsam, aber auch das macht sie nicht weniger realitätsnah. Echte Sympathie kommt allerdings nur bei wenigen Charakteren auf - das muss ja aber auch nicht immer sein, so lange eine gewisse Stimmigkeit vorliegt.

Es gibt sicherlich noch viele "Kleinigkeiten", an denen man rumkritisieren könnte (Wer hat denn da bitte die Ermittlungen geleitet, wenn so viele wichtige Dinge nicht erkannt oder recherchiert wurden? Wie wahrscheinlich sind einige der vorgegebenen Rahmenbedingungen?), aber ich fand das große Ganze einfach interessant, teilweise spannend, habe etwas Neues gelernt - und damit ist für mich "Das Nebelhaus" ein durchaus gelungener, kurzweiliger Krimi gewesen.

"Das Nebelhaus" wurde mir freundlicherweise von Blanvalet zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Ich habe auch super viel gelesen - endlich mal wieder! Und ich habe es sehr genossen :)
    Von diesem Autor habe ich übrigens bisher noch nichts gehört.

    LG aus der EDELFABRIK
    Chrissie


    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich fand es auch klasse, mal wieder ein bisschen mehr Zeit zum Schmökern zu haben :) So ein gutes Buch ist schon eine feine Sache :)

      Mir war Eric Berg auch neu - aber ich muss wirklich sagen, dass ich das Buch nicht schlecht finde :)

      Löschen
  2. Das SuBt bei mir auch noch rum ... mmh, eigentlich wollte ich als nächstes "Die Brücken am Fluss" nach gefühlt 15 Jahren mal wieder lesen - aber jetzt nehme ich wohl eher das. So bissel Krimi wäre ganz fein. Danke für's Erinnern! ;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wo hast du das denn hergezogen? Wieso hast du das überhaupt? Und sag mir mal, wie du das findest, wenn du fertig bist :)

      Löschen
  3. Ach nööö, doch nicht schon wieder ein Krimi... :P Aber jetzt hast du ja wieder was Neues zu lesen. ;)

    LG Lotte

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kann ja nix dafür, dass du keine Krimis magst :P

      Löschen
  4. Das mit den 2 Handlungssträngen hört sich richtig gut an, sowas finde ich immer wieder interessant.
    Das Buch hört sich interessant an, kommt auf meine Amazon Wunschliste :D
    Danke fürs Vorstellen!
    Liebe Grüße ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich finde, dass man sich so ein Buch mit zwei Handlungssträngen durchaus auch versauen kann - aber hier fand ich das gut gelungen. So ein bisschen ist das nur so ein abgekautes System, finde ich - da muss man schon was Gutes liefern, damit es nicht langweilig ist.

      Löschen
  5. Das habe ich gehört und fand es unterhaltsam genug um auch einen zweiten seiner Thriller auf die Liste zu schieben. Hatte damals allerdings nur 3/5 Punkten vergeben, weil ich die Charaktere sooooooooo platt fand...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich muss ja sagen, dass mich irgendwann die Hintergrundgeschichte doch ein bisschen mehr fasziniert hat als das Geschehen an sich... Aber die Charaktere sind wirklich nicht zu intensiv ausgearbeitet - was aber dann auch wieder den Schwerpunkt der Geschichte auf andere Dinge verschiebt... 5/5 hätte das Buch von mir sicher auch nicht bekommen - aber ich finde es wirklich gelungen und solide.

      Löschen
  6. Deine Buch-Rezis sind immer toll. "Das Spiel der Karten" habe ich damals tatsächlich gelesen und es war sehr gut!!!! Auf Dein (Buch-)Urteil kann ich mich immer verlassen. Somit packe ich auch das mal auf meinen Wunschzettel. LG, Anja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Anja, hach ich danke dir für diesen Kommentar :) Es freut mich wirklich sehr, dass dir meine Buchrezensionen so gut gefallen und dass wir anscheinend auch einen ähnlichen Geschmack haben :)

      Löschen