Montag, 22. Dezember 2014

Er ist wieder da - Timur Vermes

Zum Geburtstag hat mir vivian ein zauberhaftes Päckchen geschickt, das neben den obligatorischen Nagellacken auch Lesematerial enthielt. Da ich natürlich eine sehr pflichtbewusste Beschenkte bin, habe ich mir auch gleich eines der Bücher geschnappt, als ich mit "The woman who stole my life" fertig war. Timur Vermes sagte mir also Autor so gar nichts (und irgendwie möchte ich ihn auch immer Vernes schreiben) - aber natürlich hatte ich von "Er ist wieder da", welches schon 2012 erschienen ist, so Einiges gehört...
Wenn man sich das Cover ansieht und den Titel "Er ist wieder da" auch nur ein bisschen schlüssig interpretiert, ist schnell klar, wer der Protagonist ist - die Umstände sind es aber, die diesen Roman (oder eher die Satire) zu etwas Besonderem machen. Adolf Hitler himself erwacht nämlich eines schönen Tages im Jahre 2011 in Berlin. Auf einem Grundstück, auf dem nebenan ein paar Jungs Fußball spielen. In seiner Uniform, putzmunter und im ersten Moment ein bisschen verwirrt, weil nichts so aussieht, wie es wirklich aussehen sollte und er natürlich nicht weiß, dass er ein paar Jährchen in die Zukunft katapultiert wurde.

Nach kurzer Zeit und den ersten Erkundungsversuchen wird ihm allerdings klar, dass irgendwas faul ist und sich Berlin ganz schön verändert hat: Nicht nur wird keineswegs korrekt gegrüßt, auch die Stadt sieht ganz anders aus als erwartet - und von den Menschen braucht man ja gar nicht zu reden. Die Aufklärungsarbeit beginnt in einem Zeitungskiosk, als ihn der Kioskbesitzer für einen abgebrannten Schauspieler hält, der eben den Führer verkörpert, und diesem seine Unterstützung anbietet. Durch einen glücklichen Zufall wird der Führer als Comedian verpflichtet, weil er eben seine ureigene Rolle so überzeugend und glaubwürdig darlegt, dass sie für eine phänomenal einstudierte Show gehalten wird.

Im Verlauf des Buches verfolgt der Leser, wie sich einerseits Adolf Hitler in einer Zeit zurecht findet, die sich in den vergangenen 66 Jahren doch drastisch verändert hat und einfach gar nicht seinem bisherigen Mindset entspricht, und andererseits durch das neue Medium Youtube zu einem Star am Comedyhimmel wird. Den meisten Charme erhält das Buch eigentlich durch die Anwendung des veralteten Vokabulars auf das aktuelle Geschehen - das Internetz ist da nur eine der Konstanten, aber es finden sich auch zahlreiche andere kleine Wortspiele. Gerade am Anfang fand ich das noch amüsant, aber irgendwie nutzt sich das im Laufe der fast 400 Seiten auch ein bisschen ab.

Was die Charaktergestaltung angeht, bin ich ein bisschen zwiegespalten - es ist natürlich nicht einfach, sich mit einer Figur wie Adolf Hitler auseinanderzusetzen. Auch wenn die Grundgesinnung mit der dahinterstehenden Ideologie durchaus anklingt, wirkt es auf mich vielerorts ein bisschen sehr verharmlost. Natürlich ist das auch der teilweise unfreiwilligen Komik der Zeitverschiebung geschuldet, aber so ganz unkritisch fand ich das Buch eben nicht. Viel dramatischer (und wohl auch sehr realistisch) ist hingegen die deutsche Bevölkerung dargestellt, die sich zu begeisterten Anhängern des Comedians entwickelt - gerade, wenn man aktuelle politische Entwicklungen im Hinterkopf behält, steckt in Vermes Ausführungen vielleicht auch mehr als ein Körnchen Wahrheit.

Die Seitenhiebe und Verweise auf "aktuelle" (das Erscheinungsjahr ist ja inzwischen auch ein bisschen her) politische Geschehnisse, Personen und Entwicklungen sind vielerorts geschickt eingewoben und einfach köstlich - können das Buch aber irgendwie auf Dauer nicht über Wasser halten. Ab etwa zwei Dritteln fand ich "Er ist wieder da" ein wenig langatmig, mir hat Abwechslung und Entwicklung in der Geschichte gefehlt - das Ende kam zwar mit einem kleinen Twist, aber irgendwie war da doch ein bisschen die Luft raus. Zu Beginn musste ich noch an vielen Stellen schmunzeln, das wurde aber irgendwie zunehmend weniger und gegen Ende wollte ich eigentlich nur, dass es vorbei ist - da war mir die Chose zu ausgelutscht.

Ein Gesamtfazit fällt mir da irgendwie ein bisschen schwer - es ist ein Wagnis, sich auf eine lustige, aber nicht oberflächliche Art und Weise mit einem so gewichtigen Thema auseinanderzusetzen, ohne dabei nur den moralischen Zeigefinger zu heben oder alles ins Lächerliche zu ziehen. Dass man damit nicht jedermanns Geschmack trifft (obwohl "Er ist wieder da" schnell in die Bestsellerliste stieg, gibt es durchaus auch so einige kritische Rezensionen dazu), dürfte klar sein. Ich fand das Buch wohl insgesamt zu zwei Dritteln gut und zu einem Drittel so lala - also fällt die Gesamtwertung durchaus noch positiv aus!

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch schrecklich. Teilweise war es doch gekonnt ironisch aber ich fand es meistens eher stupide. Nichtmal wegen dem Thema generell sondern diese Pseudo Nazi / Hitler Witze. Ich hab es gar nicht ausgehalten und muste nach ein paar Kapiteln schon das Buch weglegen.

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    1. Ich kann deine Meinung zum Buch durchaus nachvollziehen - es kommt einfach sehr drauf an, wie man diese Schreibweise so wahrnimmt. Einerseits ist das Thema an sich schon schwierig und dann ist der Humor auch noch recht speziell und teilweise auch ein wenig flach. Aber man muss ja auch nicht jedes Buch toll finden, auch wenn es ein Bestseller war ^^

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  2. Mein Freund hat mir heute das Hörbuch dazu geschenkt und bin gespannt wie ich 'Er ist wieder da' so finde.

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    1. Ach, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass der Eindruck beim Hörbuch ein ganz anderer ist - ich würde vermuten, dass es da sehr darauf ankommt, wer liest. Vielleicht lässt du mir ja ein kurzes Feedback da, wenn du es angehört hast :)

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    2. Also ich hab es mir angehört, gelesen hat Christoph Maria Herbst (den ich sowieso sehr gerne mag) und ich finde er hat es sehr gut und echt witzig vorgelesen.^^ Und vor allem hatte ich nicht das Gefühl das es zum Ende hin langatmig wurde. Ich bin wirklich sehr zufrieden und kann das Hörbuch wirklich nur empfehlen wenn man Christoph Maria Herbst mag.

      Liebe Grüße

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    3. Ach Christoph Maria Herbst ist natürlich grandios - vor allem auch aufgrund der Anspielungen, die ja im Buch auf Stromberg vorkommen :P Danke dir für deinen Eindruck :)

      Ich finde es ja gerade bei Hörbüchern sehr wichtig, dass man den Sprecher / Vorleser / wie auch immer man ihn nennen mag hören kann und will - ansonsten kann einem das auch das schönste Buch kaputt machen. Aber freut mich, dass das Hörbuch dir gefällt und es auch zum Ende hin nicht so langatmig scheint wie das Buch selbst :)

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  3. Das Buch wird im März umgetauscht! ;-)

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    1. Wir werden sehen, wo es im März so rumfliegt :P

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  4. Bei mir ist es schon eine Weile her, dass ich es gelesen habe. Ich fand es gut, obwohl zum Ende hin schon ein wenig langatmig. Aber dennoch empfehlenswert. :-)

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    1. Ist halt glaube ich eine Geschmackssache, wie man das Buch so findet - und zum Ende hin fand ich es auch ein bisschen zäh... Ich finde es bei solchen Themen einfach immer schwierig, den richtigen Ton zu treffen, weil man ja meistens doch immer irgendwem auf die Füße tritt^^

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  5. Das Buch habe ich meinen Freund zu Weihnachten geschenkt da er es schon länger wollte xD Er und seine Kumpels lieben des Buch xD
    Ich hab nur das erste Kapitel gelesen und einen Wahnsinnigen Lachflash bekommen als sich Hitler über die Türen und Türklinken aufregt xD

    Lg, Jenny
    beauty-and-moore.blogspot.de

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    1. Ich glaube, man muss da halt einfach einen gewissen Humor haben und es gibt definitiv so einige Szenen, die wirklich witzig sind - aber genau dieser Humor latscht sich auch ein bisschen aus mit der Zeit (bzw. im Verlauf des Buchs). Ist halt eben Geschmackssache, aber das ist ja bei Büchern allgemein so :)

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