Montag, 10. November 2014

Rumo & Die Wunder im Dunkeln - Walter Moers

Ich muss gestehen, dass ich mit Walter Moers so meine Anlaufschwierigkeiten hatte - die "Kapt'n Blaubär"-Einspieler, die es immer in der Sendung mit der Maus gab, fand (und finde) ich eigentlich immer doof und darum hat es auch ein bisschen gedauert, bis ich mich in Moers Zamonien eingefunden habe. Angefangen hat es damals mit der Empfehlung einer Klassenkameradin (ist also definitiv schon etwas her), die von Moers "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" geschwärmt hatte. Irgendwann wurde das Buch zu Weihnachten verschenkt und nachdem meine Familie es zumindest für lesenswert befunden hatte, wurde das nächste Mal eben "Rumo & Die Wunder im Dunkeln" verschenkt (zu unserer Schande haben wir "Ensel und Krete" übersprungen - das wird aber sicher bei Gelegenheit nachgeholt).
Da das Buch als Hardcover einen sehr unspektakulären, roten Einband hat (ohne Titel drauf, den gibt es auf der durchsichtigen Umschlagshülle), darum taugt es nicht wirklich zum Herzeigen. Aber dafür ist die Geschichte süß, wobei ich finde, dass man zu Moers einfach einen Zugang finden muss, um mit den Geschichten warm zu werden. Einerseits ist es natürlich schonmal Fantasy, was nicht jedermanns Sache ist, andererseits ist aber der Schreibstil doch wirklich speziell, keine Standardschreibe und an so einigen Stellen durchaus auch anspruchsvoll.

"Rumo & Die Wunder im Dunkeln" ist in zwei Teile (die "Obenwelt" und die "Untenwelt") gegliedert und alleine schon die konkrete Zuordnung der Geschichte ist nicht so einfach. Es ist so einiges an Abenteuer drin, allerdings auch eine Liebesgeschichte als Leitmotiv, die unseren Helden (denn das ist Rumo eindeutig, egal ob nach klassischer oder moderner Auffassung - der Wolpertinger ist hier mehr als nur Protagonist) durch die Geschichte treibt. Der rote Faden in der Story wird nicht nur symbolisch sondern auch richtungsweisend aufgenommen, denn Rumo folgt einem silbernen Faden, der ihn zu seinem Ziel bringen soll. Im Prinzip verfolgt der Leser also ein bisschen Rumos Lebensgeschichte und seine Entwicklung von einem Wolpertinger-Welpen über den typischen Teenie zu einem wahren Helden.

Die Anspielungen auf bekannte Werke sind geschickt gesetzt ohne aufgesetzt zu wirken und als literarisch bewanderter Leser darf man an vielen Stellen schmunzeln. Allerdings kann man sich auch einfach an der Geschichte erfreuen, die ganz so wie das Leben selbst viele unterschiedliche Blickwinkel bietet, verschiedene Teilabschnitte mit unterschiedlichen Schwerpunkten liefert und doch immer wieder zum Kern der Sache zurückkommt. Die einzelnen Abschnitte sind einerseits in sich abgeschlossen, zeigen aber immer wieder für die Geschichte selbst ihre Relevanz - so wie es eben bei vielen Abenteuern ist. Ich war positiv überrascht, wie geschickt hier einzelne Erzählstränge miteinander verwoben wurden und auch wenn ich an manchen Stellen ein wenig das Gefühl hatte, dass es mir doch ein wenig zu langatmig wird und man doch ein wenig schneller auf den Punkt kommen könnte, fand ich das Buch sehr stimmig und schlüssig.

Es hat beim Lesen definitiv Spaß gemacht, die Geschichten um Rumo und viele andere, teilweise kuriose, seltsame, liebenswerte oder auch abscheuliche Charaktere zu verfolgen und am Schluss war ich auch echt ein bisschen traurig, dass das Buch zu Ende war. Die Vielfalt an Stimmungen und Grundtönen, die Moers in seine so unterschiedlichen Teilgeschichte(n) gelegt hat - mal romantisch, mal spannend, mal brutal, mal witzig - passen wahnsinnig gut zu dem Entwicklungsweg, den Rumo beschreitet und machen das Lesen sehr abwechslungsreich. Sicherlich muss man sich für diesen Wälzer ein bisschen Zeit nehmen, aber das sind die einzelnen Geschichten, die sich stimmig in die gesamte Storyline fügen, durchaus wert.

Kommentare:

  1. Du musst unbedingt noch alle anderen Bücher von ihm lesen!!!!!! Ich bin ein riesiger Fan - seine Geschichten sind so fernab vom üblichen Fantasy-Geschreibe, die Welt ist so liebevoll erzählt, obwohl es dort sonstwie, nur nicht immer liebevoll zugeht. <3 Meine liebsten sind Rumo und vor allem Die Stadt der träumenden Bücher. Letzteres MUSST du lesen - das Buch ist eine Liebeserklärung an das Schreiben und Lesen selbst. Einfach nur WUNDERSCHÖN. <3 Und so mitreißend!!!

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    1. Hihi, dass es in (auf?) Zamonien nicht unbedingt sonderlich liebevoll zugeht, stimmt^^ Ich muss ja sagen, dass ich beim ersten Buch sehr überrascht war, dass es sich so gut lesen ließ und gar nicht diese Abneigung in mir hervorgerufen hat wie die Fernsehserie... Und Rumo fand ich halt auch echt toll, weil es eben kein Standard ist, sondern das gewisse Etwas hat - auch wenn man viele bekannte Elemente wiederfindet.

      Okay, "Die Stadt der träumenden Bücher" ist vorgemerkt... Ich überlege gerade, ob wir das zu Hause schon haben oder ob ich nur mal überlegt hatte, es zu kaufen *grübel*

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  2. Wer möchte nicht so geliebt werden ...
    Ich liebe dieses Buch. So sehr. Und ich denke - auch wenn ich definitiv kein Buch 2 Mal lese - dieses wird ein Zuhause auf meinem Kindle bekommen.
    Walter Moers schafft etwas, mit solch einer "verzwickten Leichtigkeit", was ich noch bei keinem Autor gefunden habe. Und ich habe schon sehr sehr viel gelesen.

    Hach. Rumo. <3

    Liebste Grüße und vielen vielen Dank für mein verträumtes Lächeln an einem so dunklen Tag,

    Sarah

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    1. Na wenn ich gewusst hätte, dass Walter Moers so einen Anklang hier findet - ich hätte die Rezension wohl nicht so lange liegen lassen :x

      Ich muss sagen, dass Moers für mich so gar keine "Entspannungslektüre" ist, weil es eben so viele kleine Hinweise und Anspielungen gibt, die man beim sorglosen Drüberlesen übersehen würde - und die bildhafte Sprache ist dafür auch viel zu schön. Spontan wüsste ich auch nicht, wen ich von der Schreibweise her mit Moers vergleichen würde - das ist einfach etwas, das man heutzutage kaum findet, weil es nicht mehr Mainstream ist.

      Und ich danke dir für diesen tollen Kommentar, der mich ebenfalls zum Lächeln gebracht hat ♥

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  3. Die Bücher um Rumo muss ich unbedingt auch noch lesen, bisher bin ich nur zur Stadt der träumenden Bücher gekommen und warte im Moment, dass der 3. Band rauskommt damit ich sie alle nacheinander lesen kann. Aber das Buch ist auch schon soo toll. Rumo und das Buch über die Schrecksen muss also auch demnächst noch verschlungen werden :).

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    1. Hach, die Stadt der träumenden Bücher habe ich dafür noch nicht gelesen ;) Aber gut, wenn man nur zwei gelesen hat, ist das nicht verwunderlich... Aber ich finde es schön, dass man die Bücher auch unabhängig voneinander lesen kann und nicht auf eine Reihenfolge angewiesen ist - so sind sie ja auch gar nicht angelegt.

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  4. Sein bestes Buch ist immer noch "Die Stadt der träumenden Bücher" Das musst du lesen. Damit fing bei mir die Begeistung für Moers an.

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    1. Jawohl, ist schon notiert :) Werde ich mir definitiv nochmal genauer anschauen - irgendjemand muss mir bestimmt mal was zu Weihnachten schenken :P

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  5. Ich muss mich ja als Walter Moers Fan outen:D
    Er schreibt so humorvoll und zauberhaft, dass ich seine Bücher nie aus der Hand legen kann:)
    Liebe Grüße:)

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    1. Oute dich ruhig - das ist hier erlaubt :P Ich muss ja doch in einer bestimmten Stimmung sein für Moers, weil... die Bücher einfach irgendwie anders sind als so viel andere Fantasyliteratur. Und da will ich dann nichts verpassen :P

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  6. ensel & krete habe ich auch (noch) nicht gelesen - ansonsten aber alle geschichten aus zamonien... rumo fand ich toll, die stadt der träumenden bücher ist aber (auch) mein liebstes u es ist soo cool dass du walter moers vorstellst!!! ❤💙💚💛👾😀♡♡♡

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    1. Also dass Walter Moers so gut ankommt - das hätte ich ja gar nicht gedacht (was meinst du, wie lange ich diese Rezension vor mir hergeschoben habe ^^)! Freut mich natürlich aber riesig und wenn ihr alle so von der Stadt der träumenden Bücher schwärmt, werde ich da wohl nicht drum herum kommen ^^

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  7. Ich liebe liebe die Zamonien Bücher! Nur das letzte "das labyrinth der träumenden Bücher" war echt blöd, weils aufhört, bevor es richtig anfängt - der versprochene zweite Teil ist immer noch nicht da. Aber die anderen waren echt klasse :)

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    1. Ich muss mir die anderen definitiv noch irgendwann mal gönnen - vor allem um "Ensel und Krete" bin ich schon öfters herumgeschlichten und das Cover von "Die Stadt der träumenden Bücher" hat mir auch gut gefallen... Hach ja, noch ein paar mehr Bücher für den unsäglichen Stapel ;)

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  8. Hach ja, da werden Erinnerungen wach...Als Schülerin habe ich die 13 1/2 Leben des Käpt´n Blaubär mit viel Freude gelesen...So viel Fantasie wie der Moers muss man erst mal haben...Dann habe ich Moers aber absolut aus den Augen verloren. Vielleicht sollte ich mir das ein oder andere Buch noch zu Gemüte führen.

    Liebe Grüße :)

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    1. Ich weiß gar nicht, ob ich den Blaubär noch in der Schule oder doch erst in der Uni gelesen habe - aber da gab es auf jeden Fall erstmal ein paar Vorbehalte zu überwinden :P Allerdings ist das dem Herrn Moers dann doch gut gelungen und ich fand den Blaubär als Buch gut! Ich muss mal schauen, ob, wann und wie ich den Rest nun rankriege - meine "to read"-Liste wird nicht kürzer irgendwie ^^

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  9. Ich gestehe: Nie gehört, nie gesehen, nie gelesen. ^^

    LG Lotte

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    1. Nichtmal die Blaubär-Geschichten in der Sendung mit der Maus? Oo Kleines Arschloch? Der Bonker?

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  10. Ich mache mich jetzt vielleicht etwas unbeliebt bei all dem Überschwang hier...aber ich habe das Buch mal geschenkt bekommen und zweimal versucht, es zu lesen. Und ganz ehrlich? Es ist eines von nur zwei Büchern, die ich in meinem Leben nicht zu Ende lesen konnte. Ich kam überhaupt nicht in die Geschichte rein, fand sie langweilig und irgendwie empfand ich die Figuren als seltsam und äußerst suspekt, wenn nicht sogar grotesk.
    Ich hoffe, es ist mir jetzt keiner böse für den Kommentar. :D

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    1. Bewerft sie mit Nagellacken :P Nein, Quatsch - ich hab' ja am Anfang auch geschrieben, dass man zu Moers einen Zugang haben oder finden muss. Und wenn das einfach nicht funktioniert, dann findet man die Geschichte halt blöd, weil (genau wie du schreibst) alles ein bisschen seltsam und grotesk ist :)

      Einer anderen Meinung sein ist ja durchaus erlaubt und gerade bei Büchern gibt es doch immer unterschiedliche Geschmäcker und man muss ja auch nicht alles toll finden :)
      [Was war denn das zweite Buch?]

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  11. <3<3<3
    Mega Pluspunkt für dich!
    Was mich jedoch traurig macht: kein Dirk Bach mehr in meinem Ohr zum einschlafen :(

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    1. Hat Dirk Bach die Bücher gesprochen? Stelle ich mir ja sehr passend vor - und definitiv schade, dass das nun nicht mehr möglich ist :/

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    2. Ja, der unsterbliche Dirk Bach. War einfach schön wie er die Zamonienromane gelesen hat und ein paar von der Scheibenwelt. Also mir haben der Schrecksenmeister und Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär am besten gefallen. Mit den Lindwürmern von den träumenden Büchern bin ich jedoch leider noch immer nicht fertig.

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  12. Ich liebe die Bücher von Moers auch.
    Ensel und Krete fand ich persönlich weniger gut als die anderen Bücher, wobei es eigentlich seinen ganz eigenen Charm hat dank der Seitenhiebe auf Autoren die immer wieder in die Geschichte eingebaut sind.

    Die "Stadt der träumenden Bücher" ist aber auf jedenfall ein Muss!

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    1. Ich denke mal, dass ich mich da über kurz oder lang einfach komplett durchlesen werde ;) Sooo viele Bücher sind das ja auch nicht.

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  13. Ein Buch, das ich bestimmt auch irgendwann noch lesen werde. Bisher habe ich auch nur "die Stadt der träumenden Bücher gelesen" und kann dir das wie die anderen auch schon, sehr ans Herz legen. Auf Walter Moers bin ich auch nur gekommen, weil mir ein sehr lieber (ehemaliger) Arbeitskollege ihn empfohlen hat.
    Ich denke auch, dass die Bücher nicht unbedingt für die breite Masse gedacht sind, weil sie einfach so speziell und anders sind. Als ich einer meiner Schwestern davon erzählt habe, war sie nicht besonders begeistert und eher skeptisch, dass so etwas gut sein kann. Nunja, sie ist wohl auch einfach nicht der Typ für solche Literatur..

    Liebe Grüße, Ina

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    1. Ich glaube, man muss für sowas wirklich ein Faible haben, ansonsten kommt man nicht mit der Schreibe klar. Da ist Moers einfach auch ein bisschen speziell - und ich muss wirklich mal schauen, dass ich die träumenden Bücher noch herbekomme...

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