Montag, 27. Oktober 2014

The Rosie Project - Graeme Simsion

Eigentlich passt "The Rosie Project" so gar nicht in mein Leseschema - weder Fantasy, noch Krimi oder Thriller. Anderes kommt mir eher selten ins Haus, vor allem, wenn ich es selbst kaufe - aber als mir auf der Arbeit mal langweilig war (was natürlich sonst nie vorkommt) und mich auf Facebook die Weltbild-Empfehlung für dieses Buch anlachte (was ich sonst definitiv übersehen hätte), habe ich kurzentschlossen mal draufgeklickt. Vom Klappentext klang das Buch nicht uninteressant, aber erst die Leseprobe hat mich komplett für Graeme Simsion und seine Charaktere eingenommen.
Nach einer kurzen Überlegung (auf deutsch oder im englischen Original?), klickte es am Abend dann recht zügig beim Onlinebuchhändler meines Vertrauens und für damals noch schlanke 6,60€ konnte ich schon wenige Tage später meine Sendung aus der Packstation fischen. Obwohl ich das erste Kapitel schon kannte, habe ich es genüsslich nochmal gelesen, logischerweise gefolgt vom restlichen Buch und seitdem renne ich durch die Gegend und empfehle dieses Buch jedem, der es hören will - oder auch nicht (kauft es euch trotzdem!).

Worum es geht, kann man eigentlich überall nachlesen. Kurzum handelt "The Rosie Project" von Don Tillman, der sich eigentlich vorgenommen hat, mit einem Fragebogen eine passende Frau zu finden - und dann auf Rosie trifft. Alleine die Grundidee ist aus wissenschaftlicher Perspektive einfach köstlich, passt aber natürlich perfekt zum Charakter unseres Protagonisten. Sehr schnell wird dem Leser klar, dass Don und Rosie zusammengehören - das Buch ist also sehr vorhersehbar, allerdings tut das der Geschichte absolut keinen Abbruch. Don, aus dessen Sicht das Buch geschrieben ist, braucht nämlich für diese Erkenntnis ein klitzekleines bisschen länger und es gibt nichts Schöneres, als ihn auf diesem Weg zu begleiten.

Don ist zwar höchstintelligent und hat so einige weitere Qualitäten (sportlich ist er, kochen kann er auch!), ist aber was emotionale und soziale Belange angeht, leider eine totale Niete. Ich weiß gar nicht, welche der kleinen Anekdoten oder Zwischenszenen mir am besten gefällt, sind sie wirklich alle einfach nur grandios gelungen und bringen einen zum Schmunzeln, Grübeln oder Kopfschütteln über Dons bestechende Logik, die leider meilenweit von der sozialen Realität entfernt ist. Allerdings nähert sich Don ein bisschen an "unsere" Welt an, weil er - völlig zu seinem Erstaunen - feststellt, dass vielleicht Effizienz doch nicht das höchste Gut ist, wenn man - vollkommen irrational - an ineffizienten und vollkommen nutzlosen Dingen Spaß haben kann.

Es ist wirklich herzerwärmend, wie Dons und Rosies Reise (auf vielen unterschiedlichen Ebenen mit ganz unterschiedlichen Zielen) beschrieben wird, welche Hindernisse die beiden (nicht) überwinden und wie sich Don so (weiter oder doch eher zurück?) entwickelt. Wo andere ihre Midlife-Crisis haben, kommt bei Don eigentlich sowas wie die Pubertät - dass das dann eine unfreiwillig komische Seite hat, ist glaube ich wenig überraschend. Die ganze Geschichte ist, so fernab der Realität sie an manchen Stellen scheint (Kann jemand wie Don wirklich in unserer Gesellschaft überleben? Ja, kann er!), so glaubwürdig, liebevoll, ehrlich, wirklich, verrückt, kompliziert, grandios, hinreißend und einfach nur unglaublich lesenswert.

Man könnte durchaus sagen, dass die Message eigentlich sehr platt ist und man sie auf "für jeden Topf gibt es den passenden Deckel" reduzieren könnte, aber das würde dem Charme des Buchs einfach nicht gerecht werden. Auch wenn man stellenweise mit ein bisschen wissenschaftlichem Fachjargon konfrontiert wird, ist das Buch nicht wirklich schwer zu lesen. Vor allem ist die "Berichterstattung" unglaublich authentisch, da sie eben so sehr Dons Charakter entspricht. Kurzum: Ich glaube, für mich ist das das Buch des Jahres und ich warte nur darauf, dass es den zweiten Teil auch als Taschenbuch gibt (zwecks Transportfähigkeit). Dicke Leseempfehlung für eigentlich alle, die ein bisschen Sinn für zwischenmenschliche Feinheiten haben - man kommt bei diesem Buch wirklich auf seine Kosten. Ansonsten einfach mal die Leseprobe beschnuppern und erst dann kaufen.

Kommentare:

  1. Ach, das Buch hab ich auf Empfehlung meiner Mutter letztlich auch gelesen. Selbes Prinzip: Oh, das ist bestimmt nicht mein Stil! - Oh, was für ein tolles Buch! <3
    Obwohl ich sonst auch nicht der Typ für (ich sag jetzt mal) Romanzen bin, ist Das Rosie Projekt wirklich toll!

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    1. Ich bin da ja auch nicht der Typ für, so gar nicht, weil meistens alles vorhersehbar und langweilig und abgekaut ist. Aber "The Rosie Project" ist einfach zuckersüß, ohne kitschig zu sein und eigentlich auch gar keine Romanze... Also zumindest nicht im klassischen Sinn mit viel Knutscherei und so. Und ich finde Don einfach absolut zum Schießen - gerade weil er eben ein bisschen ganz anders und abgefahren und so schrecklich logisch ist^^

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  2. Hab' ich im Frühling (?) auch schon gelesen, auf dt. allerdings und Kind'e.
    Fand's nicht sooo super, weiß aber heute schon nicht mehr, warum ... und den 2. Teil tu' ich mir aber trotzdem an (mmh, dann kann's doch eigentlich nicht so schlecht gewesen sein?!)

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    1. Kann gut sein, ich hab' ja das erste Kapitel auch auf Deutsch gelesen - aber ich wollte mir dann doch das englische Original geben, weil ich mich nicht drüber ärgern wollte, dass jemand Fachbegriffe potenziell falsch übersetzt :P

      Mhh, wie jetzt, es war nicht gut, aber du liest Teil 2 trotzdem? Der Logik kann ich nicht ganz folgen :P Ich mag Don halt :x

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  3. Oooookay, bei der nächsten Bestellung (also so nächste Woche) ist es dabei. ;)

    LG Lotte

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    1. Ghihihi :) Haste mal reingelesen? Ich mag das Buch sooo sehr!

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  4. Oh, klingt gut! Muss ich mir mal näher anschauen...

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    1. Jap, definitiv mal Probelesen :) Kost ja nix!

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  5. Klingt auf jeden Fall gut und werd ich mir deshalb mal auf meine Bücherliste setzen!

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    1. Schnupper am besten Mal in das Probekapitel rein, dann hast du eigentlich ein ganz gutes Bild vom Stil des Buchs :)

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