Montag, 13. Oktober 2014

Bittere Wunden - Karin Slaughter

Eigentlich dachte ich ja, dass ich nach dem ersten Versuch mit Karin Slaughter durch wäre, aber irgendwie habe ich dann doch noch ein weiteres Buch von ihr mitgenommen und mich mal an der Sarah Linton-Reihe versucht (mit mäßigem Erfolg, das Buch liegt immer noch halb gelesen neben meinem Bett - ich glaube, ich muss da doch nochmal von vorne anfangen und irgendwie mit den Charakteren warm werden). Aber aller guten Dinge sind bekanntlich drei, also habe ich mich dann doch noch an dem neuesten Thriller "Bittere Wunden" probiert.
"Bittere Wunden" gehört zu der Bücherserie, die die beiden vorherigen um Will Trent in Atlanta und um Sara Linton in Grant County zusammenführt - so ganz habe ich da die zeitlichen Abläufe, Überschneidungen und eigentlichen Stränge noch nicht auseinandergedröselt bekommen, aber um das Buch zu verstehen, muss man das auch gar nicht. Es hilft gewiss, wenn man die Vorgeschichten der Charaktere kennt, aber an und für sich kann "Bittere Wunden" auch für sich stehen - zumindest meiner Meinung nach. Die Kurzinformationen, die man zu vorherigen Geschehnissen erhält, reichen für ein Grundverständnis vollkommen aus.

Das Buch behandelt zwei Zeitlinien, die auf den ersten Blick außer Amanda Wagner nur wenig miteinander zu tun haben, aber recht schnell wird einem als Leser klar, dass die Vergangenheit nicht nur das Vorgehen im aktuellen Fall, sondern auch so einiges im Verhältnis von Amanda und Will Trent erklärt. Während ich in "Verstummt" noch sehr viele Fragezeichen im Kopf hatte, warum die beiden denn so eine seltsame Beziehung zueinander hätten, werden im Verlauf von "Bittere Wunden" doch viele Fragen geklärt - so manche Antwort geht einem als Leser schneller auf als den Charakteren, was aber an der "Hintergrundgeschichte" der Vergangenheit liegt.

Während ich die Charakterzeichnung in "Verstummt" noch sehr stereotyp und eher oberflächlich fand, werden zumindest Amanda und Will in "Bittere Wunden" ein bisschen verständlicher. Nicht unbedingt sympathischer, nicht netter, aber stimmiger und nicht mehr so pauschal - sie bekommen ein wenig Persönlichkeit (mehr "Charakter") und auch wenn es noch immer Verhaltensweisen gibt, die man als Leser nicht unbedingt vorhersehen kann, kann ich sie zumindest an vielen Stellen nachvollziehen und in ein halbwegs stimmiges Bild bringen. Bei Sara blicke ich ehrlich gesagt noch nicht so ganz durch, die ist mir noch ein bisschen zu gutherzig und etwas seltsam, aber man muss ja nicht jeden Charakter in einem Buch verstehen...

Wie schon zuvor, liegt der Schwerpunkt hier nicht wirklich auf der Lösung des Falls, sondern eher auf dem Gefühlsleben der handelnden Personen und in diese Aspekte erhält man, wie schon geschrieben, einen guten Einblick. Eine Charakterentwicklung im eigentlichen Sinne findet hier nur spärlich statt - bei Will darf man doch eher mitverfolgen, wie ein Charakter beginnt, sich selbst ein wenig besser zu verstehen, bei Amanda erhält man Einblicke in eine vorangegangene Charakterentwicklung: Als "Pionierin" in der Polizeitruppe musste sie sich nicht nur gegen den Sexismus behaupten, der ihr in der Anfangszeit ihrer Karriere mehr als im Weg war, sondern auch noch in einer brisanten Zeit mit viel Rassismus (auch innerhalb der Truppe) und Korruption ihren Dienst tun. Aus dem eigentlich netten Mädchen (zumindest war das der Eindruck, den ich von ihrem jungen Selbst hatte) ist dadurch irgendwie eine verhärmte Person geworden, die aber tief in sich versteckt (sagen wir einfach: sehr tief) doch noch einen guten Kern hat.

Ich glaube, dieses Buch polarisiert in den Rezensionen darum so sehr, weil seine Einschätzung sehr von den Erwartungen des Lesers abhängt. Will man einen spannenden Pageturner, bei dem man die Ermittlungsarbeit in einem Fall verfolgen und mit dem Ermittlern mitdenken, raten und schlussfolgern will, ist man bei "Bittere Wunden" definitiv falsch. Auch wenn der Fall eigentlich interessant ist und einem ein spannendes Feld in Sachen Täterpsychologie ermöglichen würde, wird alles nur am Rande behandelt und bietet den Aufhänger für Rückblenden und Erklärungen der Charaktere. Als reine Charakterstudie geht die Geschichte aber auch nicht durch, dafür ist sie letztlich dann doch zu flach und überlässt dem Leser zu viele Schlussfolgerungen mit Blick auf die handelnden Personen. Aufgrund der zeitlich versetzten Handlungsstränge ist "Bittere Wunden" auch nicht unbedingt einfach zu lesen, auch wenn es sprachlich eher gemütlich zugeht.

Ich finde "Bittere Wunden" jetzt nicht wirklich herausragend-grandios, aber es ist auch nicht katastrophal-schlecht. Für mich ist es definitiv so ein Mittelding und ich weiß noch nicht genau, ob ich Slaughter nun mag oder nicht - vielleicht brauche ich einfach noch ein paar Bücher, um dahinter zu steigen. Es gibt auf jeden Fall einige spannende Ansätze, die man sicherlich weiter hätte verfolgen und genauer ausführen können - sei es um die Handlungsintentionen des Täters (irgendwo wird da ja auch eine gewisse Logik dahinterstecken, die muss man sich als Leser aber selbst konstruieren), die ganzen Ermittlungsvorgänge, die stellenweise doch sehr im Dunkeln bleiben, aber durchaus interessant wären, um die Handlung im "Jetzt" nachvollziehen zu können, oder um die Charaktere selbst... Wenn man natürlich nur nach den Makeln sucht, wird man diese auch in Hülle und Fülle finden, aber mir hat "Bittere Wunden" schonmal deutlich besser gefallen als "Verstummt".

"Bittere Wunden" wurde mir kosten- und bedingungslos von blanvalet zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Ich würde ganz stark empfehlen die Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, beginnend mit "Belladonna", denn dann werden dir auch die Zusammenhänge, die Charaktäre, etc. verständlich. Nur würde ich dir raten zu sehen, ob es die ersten Bücher mittlerweile auch von Blanvalet gibt, da die Übersetzungen dort um Lichtjahre besser sind als die früher bei rororo, dort musste ich zum Teil Bücher zur Seite legen, nicht weil mir die Geschichte nicht gefiel, sondern weil zu viele Fehler drin waren. :(
    Wenn du Interesse hast, dann kann ich dir auflisten in welcher Reihenfolge die Bücher erschienen sind, stehen bei mir alle im Regal.
    Mir wurde damals im Buchladen zwar auch gesagt, es wäre irrelevant sie in der Reihenfolge zu lesen, dem stimme ich aber überhaupt nicht zu! :)
    LG

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    1. Hi San, also ich finde die Beziehungen zwischen den Charakteren schon ziemlich verständlich - zumal ja in diesem Buch die Geschichte um Amanda und Will erst aufgeklärt wird. Ich finde die Charaktere an sich nur stellenweise ein wenig seltsam gezeichnet, wobei ich das bei "Verstummt" viel schlimmer fand als es hier der Fall ist^^

      Ich finde, "Bittere Wunden" geht durchaus alleine - aber das ändert halt nichts dran, dass ich das Buch nicht grandios finde und ich befürchte, das würde sich auch mit den Vorgängern nicht ändern ;) Slaughter polarisiert ja generell ziemlich, die einen lieben sie, die anderen eher weniger^^

      Bei Wiki gibt's ja auch eine Auflistung der Reihenfolge, aber ich weiß einfach nicht, ob ich motiviert genug bin, mir Bücher zu kaufen, von denen ich weiß, dass sie mich wahrscheinlich nicht vom Hocker hauen :/ Darum lese ich einfach erstmal das, was ich zu Hause habe ;)

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  2. Ich habe ja eine Weile lang Bücher einfach nach Cover gekauft. Das sieht auch wirklich toll aus! :) Ansonsten wäre es wohl wieder keins für mich.

    Ich würde aber auch davon absehen, mir die restlichen Bücher aus der Reihe zuzulegen. Das würde wahrscheinlich nicht viel Sinn machen. Dann lieber was Neues anfangen.

    LG Lotte

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    1. Ach, covertechnisch ist das natürlich ein Volltreffer, da hätte ich das Buch sofort gekauft! Inhaltlich ist es okay, aber eben nicht herausragend.

      Wenn ich die Bücher irgendwo günstig rumfliegen sehe, kann ich mir gut vorstellen, sie mitzunehmen - aber halt nicht unbedingt zum Originalpreis... Oder meine Eltern packen die mal ein, das kann immer passieren ^^

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  3. Da ploppt der Titel im RSS Feed auf und man fragt sich hoffnungsvoll, ob ein neuer Band heraus kam - Pustekuchen, der steht schon mit 10 anderen Titeln um Sara im Regal - allerdings auf englisch :D
    Die Bücher habe ich alle verschlungen, allerdings würde ich sie niemandem empfehlen, der nicht wirklich mit Freude dabei ist. Dafür sind sie in meinen Augen zu repetitiv (für den von a-z Leser), ohne wirklich in die Tiefe zu gehen (für Rosinenpicker). Es ist zwar nicht ganz so schlimm wie bei einem der neueren Dan Browns wo ich stellenweise mehrere Seiten überschlagen habe, weil schon wieder die selbe Szene aus einem nur geringfügig anderen Blickwinkel erzählt wurde, aber leider sind die Rückblenden hier nichts halbes und nichts ganzes. Ich kam irgendwie an einen Teil mitten drin, mir hat es so gut gefallen, dass ich die ganzen davor auch gekauft habe, und in der richtigen Reihenfolge ergaben rückblickend auch die Einschübe aus vorherigen Teilen viel mehr Sinn und Tiefe. Leider ist das aber nichts halbes und nichts ganzes, ich mag es nicht wirklich, wenn Bände so konzipiert sind, dass sie eigentlich auch alleine stehen können, weil das meist nicht gut umgesetzt ist. Diese ganzen Erklärungen nerven mich nur, weil ich alles vorher schon einmal gelesen habe und als Quereinsteiger verpasst man meist sowieso das, was die Bücher eigentlich ausmacht. Irgendwie fesselt mich aber die Geschichte der Hauptpersonen und ich will wissen, wie es weiter geht (-;

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    1. Nein, sorry Kathi - das ist nur recht neu auf Deutsch erschienen, aber "Unseen" gibt es glaube ich noch nicht, obwohl der ja vom letzten Jahr ist... Da sind wir einfach übersetzungsbedingt nicht gar so aktuell ^^

      Ich finde, repetitiv und dabei recht seicht trifft es wohl wirklich - das ist so das, was mich wohl nicht ganz für die Geschichte einnimmt. Mir fehlt so die Besonderheit, die diese Bücher von anderen abhebt - und das ist natürlich Geschmackssache. Und wenn man dann die Charaktere so ein bisschen seltsam findet, fehlt einfach die Begeisterung, sich auch durch Schwächen in der Geschichte durchzukämpfen.

      Ich stimme dir zu, dass es wirklich schwierig ist, Standalones zu schreiben, die in eine Serie gehören - aber ich finde auch, dass das einigen Autoren durchaus gut gelingt, ohne die von dir beschriebenen Schwächen aufzuweisen. Wenn es einen "infizierten" Leser nervt, ist es definitiv zu viel, wenn ein Neuling ohne die Rückblende nichts versteht, kann man sie nicht weglassen - hier eine geschickte Lösung zu finden, ist sicher nicht einfach, geht aber (und das ist für mich der Punkt, an dem herausragende Autoren sich abheben und an dem die Kunst wirklich sichtbar wird). Da ich ja nicht so ganz slaughterifiziert bin, kann ich gar nicht beurteilen, wie nervig die Rückblenden sind - aber wer weiß, vielleicht komme ich da irgendwann noch hin ;)

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    2. Dass die Übersetzungen manchmal ewig und drei Tage auf sich warten lassen ist noch ein guter Grund in Originalsprache zu lesen. Als erstes bekam ich Belladonna auf deutsch geschenkt und das liest sich reichlich platt. Im Original machen die Bücher allein durch die Sprache etwas mehr her.

      Bei den Massen an Büchern heutzutage ist es aber auch schwierig etwas besonderes zu finden, was auch noch in die eigenen Vorlieben passt - Das meiste hat ja doch irgendjemand schon mal so oder so ähnlich geschrieben.

      Ich muss zugeben, dass ich mich manchmal über Rückblenden freue, weil mein Gedächtnis mich doch ab und an im Stich lässt, aber in den meisten fällen krieg ich da nur die Krise. Entweder ich schreibe ein Buch und bin fertig oder ich schreibe eine Reihe und erwarte, dass der Leser vorn beginnt oder sich andernfalls nicht über Unverständliches beklagt. Ich habe nämlich bisher nicht viel gelesen, wo ich begeistert davon war, dass das Buch auch dazu ausgelegt ist allein zu stehen, wenn ich hinter der Reihe her bin. Kannst du mir etwas in Richtung Krimi/Thriller/Fantasy empfehlen, dass mich vom Gegenteil überzeugt? Ich brauche sowieso neuen Stoff ^^
      So sehr haben die Rückblenden mich nicht gestört, weil ich in der Geschichte voran kommen wollte (blöde Neugierde), aber auch davon abgesehen habe ich schon weit aus schlimmeres gelesen. Die Charaktere erscheinen denke ich mal auch etwas "seltsam", weil vieles künstlich in die Länge gezogen wird (huch, die Bücher kommen gut an, schnell noch ein bisschen Geld scheffeln mit der Story) und dadurch Verhaltensweisen aufkommen, die kaum ein "normaler" Mensch nachvollziehen kann, damit es mit der stereotypen Handlung weiter gehen kann. Sie hat zwar einige Kracher eingebaut, aber die typischen Hollywood Klischees fehlen leider nicht. Dafür, dass mir die Bücher im großen und ganzen gut gefallen haben hab ich ganz schön viel zu meckern, merke ich gerade :D

      Fang einfach mal vorne an zu lesen, wenn du nichts anderes zu tun/lesen hast. Für verregnete Tage sind die Bücher (in der richtigen Reihenfolge ^^) ein guter, leichter Zeitvertreib.

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    3. Naja, das Problem mit der Originalsprache ist, dass die außer mir in meiner Familie niemand liest - und wir reichen die Bücher rum (zumindest die allermeisten)... Darum lese ich das meiste auf Deutsch und teilweise macht ja die Übersetzung auch einiges sehr gut und ganz selten besser als das Original ^^

      Und du hast recht, es ist gar nicht so einfach, in dem ganzen Wust was Spannendes zu finden. Ganz besonders kreative Neuigkeiten erwarte ich ja gar nicht, aber totale Platitüden mag ich eben auch nicht^^

      Ich finde es bei Rückblenden okay, wenn sie nicht seitenlang sind und eigentlich nur das Wichtigste antriggern ohne alles auszuführen (vor allem, wenn man die vorangehenden Bände nicht direkt davor gelesen hat oder das relevante Ereignis schon mehrere Bände zurückliegt) und praktisch ne kleine Gedächtnisstütze sind. Aber wenn man genervt und gelangweilt ist, ist das natürlich doof ^^

      Puh, also ich lese ja die Elizabeth George-Serie um Lynley ganz gerne, wobei ich da die ersten Bände deutlich besser fand als die letzten (angefangen habe ich mit "Asche zu Asche" und das hat mich einfach so geflasht, dass ich mir alle anderen auch geholt habe^^). Vielleicht magst du dir da mal eins anschauen?
      Die Harry Hole-Bücher von Jo Nesbø werde ich mir auch anschaffen, weil ich das eine so gut fand. Und die Martin Beck-Krimis brauche ich auch irgendwann noch - vielleicht finde ich die mal auf einem Flohmarkt oder so.

      Im Fantasy-Bereich mochte ich die Enwor-Saga von Hohlbein ganz gern - aber da muss man definitiv drauf stehen ^^ Ansonsten lese ich erstaunlicherweise gar nicht so viele Serien Oo

      Momentan ist mein SUB halt noch hoch genug, dass ich nicht wirklich auf Bücher zurückgreifen muss, die mir noch nicht so ganz zusagen :P

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