Montag, 29. September 2014

Wild Cards "Das Spiel der Spiele" - George R. R. Martin

Am Samstag hatte ich ja schon erwähnt, dass ich diesen Monat irgendwie nicht so ganz die Lesefee war (ich befürchte, mir kam da das Seriengucken irgendwie dazwischen...), aber immerhin habe ich ein Buch gelesen. Das Gute ist, dass mir dieses eine Buch auch noch ausgesprochen gut gefallen hat und noch dazu mit einem großen Namen aufwarten kann. Der Herausgeber (!) ist nämlich George R. R. Martin und ich schäme mich fast, dass ich die Game of Thrones-Reihe nicht einmal angefangen habe...
Bei "Wild Cards" ist Martin seit Ende der 80er Jahre (!) vorwiegend Herausgeber, aber auch Mit-Autor, da jedes der Bücher von mehreren Autoren geschrieben wurde bzw. wird. "Das Spiel der Spiele" ist eigentlich schon der 18. Band der Serie, die in einem fiktiven Universum spielt, in dem 1946 ein Virus die Welt verändert hat: 90% der Infizierten sind gestorben, 9% wurden mit körperlichen Mutationen gestraft (oder gesegnet, je nachdem) und werden als Joker bezeichnet und das letzte Prozent sind die Asse, die die unterschiedlichsten Superkräfte abbekommen haben.

"Das Spiel der Spiele", im Englischen "Inside straight" (aus dem Jahr 2008!) ist nach geraumer Zeit wohl der erste Band, der auch wieder ins Deutsche übersetzt wurde (wer vermutet noch, dass der große Erfolg von "Game of Thrones" durchaus damit zusammenhängen könnte?). Man kommt allerdings auch sehr gut in die Geschichte rein, ohne die vorherigen 17 Bücher gelesen zu haben und beim Lesen selbst merkt man auch gar nicht, dass es schon eine Vorgeschichte gibt - alle notwendigen Informationen zum Verständnis der Storyline liegen vor, das Buch liest sich trotz der wechselnden Autoren wunderbar flüssig.

Der Aufhänger ist wohl so zeitgemäß wie kaum etwas anderes - "American Hero" sucht nämlich das größte Talent-Ass (oder sowas ähnliches) und insgesamt 28 Asse mit den unterschiedlichsten (teilweise wahnsinnig coolen!) Fähigkeiten stellen sich dem Wettkampf. Die Asse werden in vier Teams aufgeteilt und müssen mit Hilfe ihrer besonderen Fähigkeiten unterschiedliche Aufgaben lösen, welches Team das nicht schafft, muss ein Mitglied rauswählen. Neben dem Contest-Handlungsstrang, den man aus unterschiedlichen Sichtweisen (unterschiedliche Autoren featuren jeweils einen anderen Charakter - logisch, oder?) mitverfolgt, gibt es noch einen Handlungsstrang in der "echten" Welt, in der die ausgeschiedenen Asse ihre wahren Heldenqualitäten unter Beweis stellen können.

Sehr witzig fand ich, dass einer der Charaktere, Jonathan Hive, der sich in einen Wespenschwarm auflösen kann, Blogger ist und somit seine Einschübe auch als Blogposts dargestellt werden - Wiedererkennungswert lässt grüßen! Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Darstellung der Charaktere wahnsinnig gut gelöst fand - durch die wechselnden Perspektiven bekommt man unterschiedliche Fremdsichten der Asse, aber auch die Hintergrundgeschichten, die in den Kapiteln dargestellt werden, die aus Sicht der jeweiligen Personen geschrieben sind. Und gerade diese persönlichen Einschübe sind es, die viele Charaktere in einem anderen Licht erscheinen lassen, andere Sichtweisen ermöglichen und das ganze Buch so charmant machen.

Sicherlich, wenn man mit SciFi / Fantasy so gar nichts anfangen kann, ist "Wild Cards" sicherlich nicht zu empfehlen - wobei hinter der fiktiven Fassade doch auch politische und soziale Themen angesprochen werden, die man auf den ersten Blick wohl nicht in der Story vermutet hätte. Vielfach werden diese Punkte dezent angedeutet und es bleibt dem Leser selbst überlassen, sich seine Gedanken dazu zu machen (z.B. was die "Vermarktung" der Asse bei der Show angeht, wer welchen Namen bekommt und wie charakterisiert wird, usw.), aber wie immer hat man hier geschickt vieles eingebracht, was auf den ersten Blick ganz harmlos scheint.

Ich muss mir auf jeden Fall mal überlegen, ob ich mir die ganzen Kurzgeschichten nicht auf Englisch holen will - denn die gut gezeichneten Charaktere haben mich doch neugierig auf das "Wild Cards"-Universum gemacht.

"Wild Cards" wurde mir kosten- und bedingungslos von Penhaligon zur Verfügung gestellt.

Kommentare:

  1. Ich stand auch schon in der Buchhandlung und war am überlegen, dass Buch mitzunehmen... war aber irgendwie echt unsicher, obs mir gefallen würde.
    Deine Rezension klingt auf jeden Fall super und ich denke, dass Buch darf sich meiner Sammlung anschließen, sobald ich mal wieder in eine Buchhandlung gehe ;)
    LG Sophia

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    1. Lies' einfach mal ein bisschen rein - vielleicht nicht unbedingt die "Blogkapitel", sondern die normalen. Ich fand es vom Schreibstil her sehr angenehm und leicht zu lesen, man kommt schnell rein, ist schnell dabei und es liest sich sehr flüssig.

      Man sollte halt einen Bezug zu solchen Alternativwelten haben und ein bisschen Freude an "Superhelden", dann ist das Buch echt klasse :)

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  2. Nach deiner Rezension werde ich es nun auch lesen. Bisher hab ich noch niemanden gekannt der es gelesen hat und dem ich auch vertraue ;) Jetzt muss ich nur noch entscheiden ob ich es auf dem Kindle lese oder im Regal haben will. Mäh. Kindle ist so praktisch abends/nachts, wenn Marc schon pennt, aber es ist halt kein Buch... *seufz*

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    1. Huch :x Da fühle ich mich aber geehrt! Ich fand die Geschichte wirklich gut und es liest sich einfach angenehm weg, mit vielen kleinen, netten Sachen drin^^

      Hmmm, also das Taschenbuch ist vom Format her ein bisschen größer als normal - aber Kindle ist sowieso kein echtes Buch :x Aber dass das gerade fürs Bettchen netter ist, glaube ich dir gern... Die Kindle-Edition ist aber gar nicht sooo viel günstiger...

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  3. Ja, du solltest dich schämen :P :D
    Mit SciFi kann man mich gar nicht locken. Hatte das Buch auch schon in der Hand, weil es im Fantasyregal lag. Ich tippe mal drauf, dass man auf den Game of Thrones-Zug aufspringen will.

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    1. *in die Ecke stell und schäm* Gut so? ^^

      Puh, naja, ob das nun SciFi oder Fantasy ist - da kann man sich wohl stellenweise drum kloppen. Mit "Weltraum" hat es nun nicht wirklich was zu tun und "Superhelden" lassen sich in verschiedene Schubladen stecken... Aber man muss einfach zu der Story einen Zugang finden und wenn man das nicht kann oder will, ist es definitiv besser, die Finger davon zu lassen :)

      Ich fand einfach die Latenz zwischen englischer Veröffentlichung und der deutschen doch interessant ^^

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  4. Schon wieder nix für mich... ^^

    LG Lotte

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    1. Na, dabei ist das doch schon recht fantasynah ^^

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  5. Das hört sich richtig, richtig gut an. Hab's mir mal für nächste Woche auf's Kindle gepackt. *freu*

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    1. Sag auf jeden Fall Bescheid, wie du's findest :)

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    2. Ich fange heute damit an ... musste noch GONE GIRL dazwischenschieben (wäre vielleicht auch was für dich ;-). Rezi folgt.

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    3. Gone Girl läuft doch auch gerade im Kino, oder? Ich lese gerade "The Rosie project" und werde mir definitiv noch den Nachfolger davon holen müssen - das Buch ist so wahnsinnig toll, hach ♥ Und eigentlich so gar nicht mein Genre ^^

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  6. Da ich gerade erst mit meinem Buch fertig geworden bin, wurde ich dezent darauf hingewiesen dieses Buch zu lesen und anschließend zu berichten. Ich glaube nach dem ich Deine Rezession hier gelesen habe, mache ich das auch.
    Ich bin wirklich gespannt wie es mir gefallen wird.

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    1. Oh je, jetzt werde ich hier verantwortlich gemacht :x Ich hoffe, das Buch gefällt dir - ich fand die Story auf jeden Fall klasse :)

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  7. SciFi/Fantasy ist normalerweise auch nicht mein Ding, aber ich war gerade bei Amazon und habe rein gelesen und mir die dortigen Bewertungen angeschaut und - was soll ich sagen - hab´s auf den Kindle geladen. Ich bin sehr gespannt und werde es Dich wissen lassen :o) Liebe Grüße

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    1. Na, ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es dir gefällt :) Ich muss ehrlich sagen, dass ich diese Reinschmöker-Funktion einfach perfekt finde, um sich einfach mal "unverbindlich" in ein Buch reinzulesen, von dem man nicht weiß, ob man es mag...

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