Montag, 18. August 2014

Phönixkinder - Christine Drews

Irgendwie bin ich diesen noch Monat kaum zum lesen gekommen, aber als ich letzte Woche mein aktuelles Buch von Bloggdeinbuch von der Post holen musste, war ich doch neugierig. Dass es sich bei "Phönixkinder" von Christine Drews aus dem Bastei Lübbe-Verlag schon um den zweiten Teil handelte, war bei der Bewerbung irgendwie an mir vorbeigegangen - aber das wäre mir beim Lesen auch so gar nicht aufgefallen. Nach einem erste Reinschnuppern habe ich den 366 Seiten starken Krimi dann dieses Wochenende weggelesen.
Der Aufhänger der Geschichte mag auf den ersten Blick nicht wie der spannendste Fall erscheinen - eine verkohlte Leiche auf der Demenzstation einer Seniorenresidenz. Ein Kriminalfall in einem Altersheim nahe Münster stellt nicht die atemberaubendste Story in Aussicht, allerdings ist der Fall viel komplexer als die beiden ermittelnden Beamten zunächst vermuten. Natürlich ist es kein Unfall gewesen, wie sich recht schnell herausstellt, aber bis Charlotte Schneidmann und Peter Käfer alle Wirrungen aufgelöst haben, entwickelt sich eine spannende Geschichte mit interessanten Hintergründen und Nebensträngen.

Wie so oft gibt es auch hier kurze Einschübe in die Perspektive des Täters - muss man mögen oder zumindest damit umgehen können. Obwohl hier nicht blanke Brutalität dargestellt wird, hat man mit ein bisschen Fantasie dennoch schnell Bilder im Kopf, die nicht unbedingt die allerharmlosesten sind. Nur an wenigen Stellen werden hier explizit Details genannt, die wirklich ein bisschen schaurig sind - allerdings reichen die Hinweise, die der Täter in seinen kurzen Kapiteln teilweise gibt, völlig aus, um eine düstere und befremdliche Atmosphäre herzustellen. Und an so mancher Stelle mag man vielleicht denken, dass man auf den ein oder anderen Gedankengang hätte verzichten könnten.

Ich weiß gar nicht so recht, warum, aber meistens habe ich ein Problem mit Fällen, die in deutschen Städten spielen - "Phönixkinder" hat mich von dieser Ansicht allerdings ein wenig befreit. Es geht zwar an einigen Stellen durchaus um Münster und es wird Bezug auf Besonderheiten der Stadt genommen - aber immer so, dass man auch als "Fremdling" nicht das Gefühl hat, außen vor zu sein. Ich behaupte sogar, dass mir das Buch Münster doch deutlich sympathischer gemacht hat und ich jetzt zumindest weiß, was ich mir unbedingt mal live ansehen sollte.

Die beiden Protagonisten Charlotte Schneidmann und Peter Käfer fand ich sehr gelungen in Szene gesetzt - sie haben beide ihre Eigen- und Besonderheiten, sind mir allerdings gerade deswegen sympathisch. Man erfährt einige Dinge über das Privatleben und kann sich somit auch ein gutes Bild von den Persönlichkeiten machen, die man hier in ihren Ermittlungen begleitet. In ihrem Vorgehen und den Schlussfolgerungen waren beide für mich auch gut nachvollziehbar und es hat einfach Spaß gemacht, die Arbeit an dem Fall zu verfolgen. Als Leser kann man den Ermittlern ein wenig voraus sein, wenn man ein bisschen fit ist und die Täterpassagen aufmerksam liest, allerdings weiß man keineswegs schon Ewigkeiten vorher, wie der Fall geklärt wird.

Insgesamt muss ich wirklich sagen, dass ich das Buch gut fand - was auch daran deutlich wird, dass ich es recht zügig weggelesen habe. "Phönixkinder" ist nett geschrieben und lässt sich einfach lesen, ohne langweilig zu sein oder sich in die Länge zu ziehen. Das Tempo der Geschichte ist zwar eher gemütlich, aber es ist eben auch kein Action-Thriller, sondern ein durchaus komplexer Krimi, dem man als Leser eben auch folgen können muss - und das braucht auch ein bisschen Zeit. Aus meiner Sicht ist das auf jeden Fall ein gutes und solides Buch und ich kann mir durchaus vorstellen, mir auch den Vorgänger noch anzutun!

Kommentare:

  1. Ja, das ist jetzt doof... "Eigentlich" wollte ich keine Bücher mehr kaufen, hab aber gerade bei Amazon geguckt, dass es das Buch (und den Vorgänger) auch für den Kindle gibt :o) Deine Rezi liest sich interessant + auch die Bewertungen bei Amazon sind positiv. Schwierig wird es für mich beim Vorgänger "Schattenfreundin", da ein kleiner Junge vermisst wird + da ich Mama bin, ist dieses Thema immer so aufwühlend. Ich finde, die deutsche Krimi/Thrillerszene hat sich echt gemacht. Neben Arno Strobel und Winkelmann finde ich auch Andreas Gruber gut, Neuhaus sowieso, von Andreas Franz hab ich fast alles; auch Inge Löhning hat mir gut gefallen.
    Also danke für den Tipp + LG, Anja

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    1. Hi Anja - immer gerne :)
      Ich fand das Buch einfach vom Stil und den Charakteren her nicht übel, aber habe mich auch noch nicht genauer mit dem Vorgänger befasst. Da ich das Buch auch ohne das Vorwissen gelesen habe, kannst du ruhig auch mit dem hier anfangen, wenn dich das Thema von "Schattenfreundin" ein wenig abschreckt (kann ich durchaus verstehen) - das ist wirklich kein Problem!

      Ich muss ja sagen, dass ich mich bisher vor deutschen Autoren doch ein bisschen gedrückt habe - auch wenn ich nicht so wirklich einen guten Grund dafür nennen kann^^ Aber ich werde mal schauen, ob ich nicht auch mal in deine Hinweise reinlese - danke für die Tipps :)

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