Montag, 4. August 2014

Die Versailles Verschwörung - Christine Kerdellant & Éric Meyer

Manchmal hat man ja bei Büchern nicht so viel Auswahl, wenn man nicht seine ganze Bibliothek mitschleppt (und jetzt braucht mir hier keiner mit den Vorteilen von e-Books kommen, die fühlen sich einfach nicht gut an!). Dann landet man bei Büchern, die man selber wohl nicht gekauft hätte, die aber eben gerade rumliegen und frei sind. So ging es mir mit "Die Versailles Verschwörung", das von einem Autoren-Duo geschrieben wurde (ist da außer mir noch jemand schon von Vornherein skeptisch?) und mich weder vom Cover noch vom Klappentext her zum Kauf gereizt hätte.

Aber es lag nunmal rum, ich brauchte etwas zu Lesen und habe mich dann an diesen Roman gewagt, der versucht, zwei Welten miteinander zu verbinden, die fast nichts weniger miteinander gemein haben könnten: Das fast schon geruhliche und leicht mystische 17. Jahrhundert von Ludwig XIV. und unser heutiges, vom Internet abhängiges Zeitalter...
Aufhänger der Geschichte ist ein "Computervirus", das aus einer ungeklärten Quelle kommt und erst einmal die halbe Welt lahm legt - das worst case-Szenario schlechthin, das man sich heute nur vorstellen kann: Kommunikationsleitungen werden gekappt, Produktionen stillgelegt, Sicherheitsvorkehrungen aufgehoben (ist ja alles PC-überwacht!) und es kommt natürlich zu diversen Katastrophen. Wer dahintersteckt, bleibt unklar und unsere Protagonistin Emma, die trotz ihres Alters jenseits der 30 fleißig als "junge Frau" bezeichnet wird, ist die Einzige, die das Problem irgendwie lösen kann.

Sie ist nämlich der Brain-Buddy des Softwaremoguls, der das weltweit am meisten verkaufte Betriebssystem entwickelt hat, durch dessen Sicherheitslücke die ganze Problematik wahrscheinlich ausgelöst wurde. Die Lösung liegt in den Geheimnissen der Pläne von Versailles, weil besagter Brain-Buddy ein Faible für Ludwig XIV. hatte und die Lösung natürlich gut versteckt hat. Zumindest ist das mal der grobe Versuch, die Ausgangslage zu beschreiben. Es ist zugegebenermaßen ein bisschen wirr, aber wenn man die Logik mal beiseite lässt, ein doch ganz gutes Szenario für eine Geschichte.

Das Buch besteht aus zwei "Handlungs"-strängen - einmal die aktuelle Zeit um Emma herum und ihre Versuche, die Welt wieder in ihre Laufbahn zu bringen, der zweite Strang ist ein Brief von Dan, dem Softwaregott, der an Emma gerichtet ist und Hintergrundinformationen zur Lösung enthält. Am Ende laufen beide Stränge in einem leicht bekloppten Finale zusammen und letztlich ist alles wieder gut - oder zumindest fast. Die Dan-Seite fand ich gar nicht so unspannend, auch wenn ich nie in Versailles war, aber der Ablauf der Hintergrundgeschichte war für mich nachvollziehbar, wenn auch nicht wirklich spannend.

Emma hingegen ist mir als Person schon ein bisschen suspekt, ich kann weder ihre Weltsicht noch ihr Verhalten ganz nachvollziehen: Trotz Mann bandelt sie mit einem Kerl an (hey, es ist Weltuntergang - da muss man doch auch mal einen Quicky auf dem Friedhof schieben, oder nicht? Ist ja auch nur ein Affärchen... oder so?), hat angeblich in ihrem Leben nur ein einziges Mal geträumt und ihre Tochter von der Großmutter aufziehen lassen, weil... Der Grund dafür ist mir entfallen. Beruflich sehr erfolgreich ist ihre positivste Eigenschaft wohl, dass sie sich so gut mit Dan verstanden hat (auch eine seltsame Beziehungsgeschichte!) und deswegen jetzt die Terroristen jagen kann...

Die restlichen Charaktere sind nicht minder konfus - wer warum wie handelt, das habe ich nicht so ganz durchblickt. Sie tun alle was und wenn sie (noch) nichts tun, wird schnell klar, dass sie für irgendwas wichtig sein müssen - z.B. der bekloppte Schriftsteller, der überhaupt keinen Nutzen für den Verlauf der Geschichte an sich hat (außer, dass er einfach nervig ist und stört). Was die Tochter mit der ganzen Sache zu tun hat, hat man als Leser schnell raus und die Entwicklung der Geschichte in diesem Bereich ist auch nicht wirklich überraschend. Wirklich gut ausgestaltet fand ich keine der halbwegs wichtigen Personen, sie blieben doch alle recht flach und ein bisschen konzeptlos.

Richtig spannend wurde die Geschichte auch nicht, weil alles Schlimme immer anderswo passiert ist und unsere Protagonisten alles nur über Radio und Fernsehen mitbekommen haben. Die Tragik lässt also nur aus der Ferne grüßen... Dafür gab es einige nette und durchaus stimmungsvolle Beschreibungen von Versailles - das allerdings als das größte Plus an dem Buch herauszuheben dürfte zeigen, dass es mich nicht vom Hocker gerissen hat. Vielleicht ist das einfach eher eine Story für Versailles-Liebhaber, die gerne ein wenig schwelgen wollen - denn rein inhaltlich kann man als naiver Leser diese Informationen gar nicht alle behalten und in die Geschichte integrieren.

Bevor ich mich jetzt noch weiter darüber aufrege, was alles noch wenig schlüssig war - man kann das Ding schon lesen! Da es recht einfach geschrieben ist, kommt man gut durch, allerdings verpasst man auch nicht wirklich etwas, wenn man es nicht tut. Eigentlich die perfekte Badewannenlektüre!

Kommentare:

  1. Hihi, so ging es mir mit den Büchern, die mir von Freundinnen für den Urlaub auf's neue Kindle-Dingens geladen wurden :D Man konnte sie lesen, aber so doll clever fand ich sie nun auch wieder nicht -> Badewannenlektüre. Versailles und Louis klingen eigentlich gar nicht mal so schlecht, schade, dass nicht mehr draus wurde.

    Btw: Sjöwall/Wahlö, bestes Krimi-Duo of all times!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bitte was?! Soweit ich weiß, zähle ich zu besagten Freundinnen! ;-P

      @ Lena: Ich habe hier den 1. Teil Sjöwall/Wahlö liegen. Soll ich dir den schicken? Ich werd's wohl nicht mehr lesen, da ich nur noch digital lese. ;-)

      Löschen
    2. @Alice: Manchmal ist halt so eine Fremdauswahl nicht gar so der eigene Geschmack, aber ab und an sind da auch Perlen dabei :) Ich fand die Grundidee von dem Buch echt nicht übel und die ganzen Versailles-Teilchen sind auch ganz nett - aber dann wird's einfach ein bisschen zu abstrus und wirr und ach... :x

      Sjöwall/Wahlöö sagt mir ja jetzt noch gar nix *google*

      @vivian: Äh, ich wollte hier jetzt nicht irgendeinen Streit vom Zaun brechen, Alice hat bestimmt nicht DICH damit gemeint!!!
      Und falls du den Sjöwall/Wahlöö nicht brauchst, nehme ich den gerne - ich hab' zwar gerade eine Leseflaute, aber irgendwann muss die ja mal abklingen... :x

      Löschen
    3. Awas, das ist normales Gefrotzel ;-) Nicht so ernst nehmen ...

      Jupp, ich schick dir das Buch gerne. Ist ein älteres Hardcover, aber noch gut in Schuss. Hatte es angefangen zu lesen und war irgendwann total genervt, warum die Leute nicht dieses und jenes einfach mal GO0GLEN und dann fiel mir auf: das Buch ist ja von 1965!!! Nix mit Internet.

      Bin mal gespannt, was du so berichten wirst ...

      Löschen
    4. Uuuh auch noch Hardcover? Da muss ich mir gleich auf der Couch ein Plätzchen freiräumen - das ist nichts für die Wanne ;)

      Hrhr, ja, 1965 war Google jetzt noch nicht gar so angesagt ;)
      (Überlegst du dir auch manchmal, wie man das alleine 1995 alles ohne Google hinbekommen hat?^^)

      Löschen