Donnerstag, 17. Juli 2014

Pierogi ruskie - Piroggen mit Kartoffel-Quark-Füllung

Bei jedem Besuch in Polen, bei dem ein Restaurant angesteuert wird, ist für mich schnell klar, was ich essen will: Pierogi ruskie - aber bitte nur, wenn sie hausgemacht sind! Die Industrievarianten, die man auch im Supermarkt kaufen kann, sind stellenweise okay, aber in der Summe doch eher mäßig - einfach "künstlich". Aber so richtig selbstgemachte sind einfach viel leckerer!
Weil es aber doch ein bisschen Aufwand ist, habe ich mich bisher davor gedrückt - aber nachdem ich mir extra Twaróg mitgebracht hatte, musste - oder wollte - ich wohl oder übel ran. Twaróg ist ein in Polen sehr weit verbreiteter Schichtkäse, der für allerlei Rezepte genutzt oder auch einfach pur gegessen wird. Leider gibt es in Deutschland kein wirklich vergleichbares Produkt, am ehesten kommt da wohl noch Schicht- oder Hüttenkäse ran (letzterer ist aber sehr feucht). Allerdings kann man meistens beim Schlesier oder Polen auf dem Markt oder im entsprechenden Geschäft auch häufig Twaróg kaufen.

Zutaten:

150g Mehl
80ml gekochtes Wasser

350g mehlige Kartoffeln
175g Twaróg
1/2 Zwiebel
Salz und Pfeffer
Butter

Für die Füllung die Kartoffeln schälen, in Salzwasser kochen, abgießen und stampfen (mit einer Gabel oder einem Kartoffelstampfer, natürlich geht auch eine Kartoffelpresse - aber sowas habe ich natürlich nicht). Die Zwiebel in möglichst kleine Würfel schneiden, in Butter glasig oder leicht goldengelb anschwitzen, dann zu der Kartoffelmasse geben. Den Twaróg ebenfalls zur Masse geben, nach Wunsch mit Salz und Pfeffer abschmecken und alles ordentlich miteinander vermischen. Ich werde das nächste Mal auf jeden Fall noch ein bisschen mehr Twaróg zu meinen Kartoffeln geben - das war mir doch noch ein bisschen zu kartoffelig und zu wenig käsig...

Für den Teig Wasser kochen und etwas abkühlen lassen. In einer Schüssel 150g Mehl nach und nach mit dem Wasser vermischen, bis ein geschmeidiger, nicht mehr allzu klebriger Teig entsteht - das Wasser also am besten nur schluckweise dazugeben. Den Teig auf einer gut bemehlten Arbeitsfläche möglichst dünn ausrollen, mit einem Glas Kreise ausstechen und einen guten Teelöffel der Füllung hineingeben. Die Ränder mit den Fingern fest drücken und eventuell noch mit einer Gabel sanft nachhelfen, damit wirklich alles dicht ist. Auf einem bemehlten Brettchen ablegen, bis die restlichen Pierogi fertig sind (bei mir wurden es 26) und man sie kocht oder einfriert.
Die frischen Pierogi (oder auch die eingefrorenen, die koche ich nicht vor, sondern friere sie roh ein) müssen nur in heißem Salzwasser gar ziehen, bis sie an der Oberfläche schwimmen. Es muss ja nur der Teig außenrum garen, die Füllung nur warm werden und wenn das Wasser nicht wild sprudelt, verringert sich auch die Gefahr von Löchern im Teig. Dann kann man sie mit in Butter ausgelassenen Zwiebeln oder auch Speck servieren und, wenn man so drauf steht wie ich, glückseelig sein! Die Füllung schmeckt durch den Twaróg leicht säuerlich, aber nicht wirklich sauer, was mit den weichen Kartoffeln einfach die perfekte Kombination ergibt. Rein kulinarisch ist das sicherlich nicht das Feinste vom Feinen - aber ich fahre da einfach total drauf ab.
Der größte Aufwand besteht hier wirklich im "Kleben" der einzelnen Pierogi - die Füllung und der Teig sind ratzfatz gemacht, aber die Ausrollerei und das vorsichtige Befüllen (der Teig soll ja auch nicht reißen) nimmt dann doch ein bisschen Zeit in Anspruch. Allerdings kann man zwischendurch auch gut von der Füllung naschen - ich hatte nämlich doch ein bisschen zu viel davon im Vergleich zum Teig... Ansonsten könnte man die Reste auch als Kartoffelpfannkuchen ausbacken oder so - aber dazu ist es bei mir gar nicht erst gekommen!

In meiner Familie wird der Teig übrigens klassisch ohne Ei gemacht - allerdings gibt es auch Rezepte, die einen nudligeren Teig (mit Ei und sogar Öl) machen. Das ist natürlich Geschmackssache, aber ich mag den dezenteren Teig lieber - da kommt die Füllung so richtig gut durch und das ist ja auch eigentlich das, worauf ich bei den Pierogi so scharf bin. Falls also mal jemand zu viel Zeit hat und nicht weiß, was er in der Küche machen soll: Macht Pierogi, sie sind lecker!

Kommentare:

  1. Ich liiiebe Pierogi. Krokiet mag ich noch lieber. Und Nalesniki. Und und und.. ich mag polnische Küche.

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    1. Hihi, ich mag die polnische Küche durchaus auch - aber ich liebe Pierogi. Ganz besonders die russichen - die sind einfach bombastisch! Dafür würde ich auch alles andere sehen und liegen lassen :P

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  2. Und Lazanki! Die hab ich vergessen.

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    1. Du hastes doch auch gar nicht so weit da rüber... Von euch könnte sogar irgendwas Busiges rüberfahren (Goooo Wochenendausflug!).

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  3. Achja... Wir haben hier ein kleines Café, dass lauter so nette Dinge selbstgemacht anbietet. Da gibt es eine bunte Mischung aus Pierogi, Pelmeni, Blini und noch anderen Dingen, deren Namen mir nichts sagen. (ich glaube, manches davon ist Polnisch und manches Russisch) ^^ Aber schmecken tun sie toll! :)

    Aber um sie selbst zu machen bin ich natürlich zu faul. :P

    LG Lotte

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    1. Ja, Pelmeni und Blini sind eher russisch :) Aber das hat sich ja da in Osteuropa auch alles fleißig verbreitet...

      Selbermachen ist halt echt so eine Sache - schmeckt natürlich bombastisch, aber ohne eine Form nervt das echt...

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  4. Ich mag Perogi am liebsten mit Pilzen oder Sauerkraut. Oder süß! Mit Himbeeren oder Erdbeeren... Danke für die Idee, unser Himbeerstrauch rastet grad ein wenig aus und ich weiß schon nicht mehr, wohin mit den Früchten! Die kommen noch heute oder morgen in Pierogi.
    Grüße, das Mini

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    1. Ich sterbe ja für die russischen - Pilze und Sauerkraut finde ich irgendwie gar nicht so prall, dann doch lieber die mit Fleisch. Die Fruchtvarianten (oder eher Frucht-Twaróg!) gib es sei einiger Zeit auch im Supermarkt, was echt grandios ist, weil die lecker schmecken! Aber das habe ich auch noch nicht selbst gemacht ^^

      Machst du denn den Teig auch ohne Eier?

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  5. Hi! Die Pierogi die du hier meinst, heißen im Russischen eigentlich Wareniki. Pierogi(oder besser gesagt Pierogki) sind die Sachen die Öl gebacken werden...

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    1. Hi Ludmilla, nein, ich meine Pierogi. Im Polnischen heißen genau diese Dinger nämlich so und werden in Wasser gekocht, nicht in Öl gebacken. Dass es da ein paar Unterschiede in den unterschiedlichen Sprachen gibt, ist wohl nicht auszuschließen - so wie in Deutschland mit den Pfannkuchen :)

      Das "ruskie" im Namen bezieht sich auf die Füllung aus Kartoffeln, Twaróg und Zwiebeln, und hat wohl was mit Rothreußen (Ruś Czerwona) zu tun, einer Gegend, die Teil der südwestlichen Ukraine und des südöstlichen Polens ist, und nicht mit Russland selbst. Aber so ganz genau bin ich da über den Namensursprung nicht informiert ;)

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    2. Ich kenne Pierogi auch nur als Teig mit einer Füllung, der dann in Öl gebraten wird. Meine Oma macht die noch ziemlich oft mit Kartoffeln, Fleisch, Sauerkraut oder einer Eierfüllung. Das was du gemacht hast kenne ich auch als Wareniki, aber die machen wir meist süß mit einer Kirschfüllung (einfach Sauerkirschen aus dem Glas - super lecker!).
      Am besten schmecken die übrigens, wenn man die nach dem Kochen noch ein wenig anbrät, bis der Teig leicht goldgelb wird - vor allem, wenn die herzhaft gefüllt sind.
      Ich glaube, ich werde das in den nächsten Tagen auch mal wieder machen :)

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    3. Wie schon gesagt - in Polen werden sie gekocht, nicht gebacken oder gebraten. So sind sie auch in Restaurants oder auch als Fertigprodukte zu kriegen :) Regionale Unterschiede in der Bezeichnung von Nahrungsmitteln sind ja allgemeinhin weit verbreitet (unser Döner Kebap hat auch nichts mit dem Original zu tun, die Spaghetti Bolognese genau so wenig) - ich kann mich da "nur" auf die polnischen Bezeichnungen beziehen :)

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    4. Bei uns werden die meist auch nur gekocht, aber du solltest unbedingt mal probieren, die ein wenig anzubraten :) und dann mit creme fraiche essen, oh jetzt hab ich schon wieder Hunger :D

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    5. In die Pfanne kommen sie meistens, wenn zu viel gekocht und dann nicht aufgegessen wurde... Dann ist ja einfach anbraten die Warmmachmethode der Wahl - aber ich finde, dadurch gewinnen nicht alle Füllungen (z.B. diese russische mag ich dann nicht so sehr, Fleischfüllung geht). Ist halt auch einfach Geschmackssache :)

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  6. Hallo Zusammen!
    Nur ein kleiner Tipp für die, die sich das Selbermachen ersparen wollen, aber trotzdem den originalen Geschmack haben möchten: www.gourmet-pierogi.de
    Die Pierogi schmecken echt wie in Polen und sind immer frisch und selbstgemacht- nicht ganz billig um ehrlich zu sein, aber ab und zu muss man sich ja auch was gönnen;-) Der Shop gehört einer Freundin von mir.... Ich wette ihr werden nicht enttäuscht sein....
    Für die unter euch, die in Berlin wohnen, kann ich die Street Food Festivals empfehlen (z.B. sonntags - Neue Heimat) Da gibts auch richtig leckere und frische Pierogi.

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    1. Hi Gosia,
      also ich muss ja sagen... 20€ für ein halbes Kilo Pierogi ist schon harter Tobak - da lohnt sich das Selbermachen ja doch schon irgendwie^^
      Aber interessant, dass die Fleischvariante mit Pute gemacht wird - ich kenne das eher mit Rindfleisch.

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