Montag, 7. Juli 2014

Der Anschlag - Stephen King

Der letzte King ist schon einige Zeit her (wenn ich mich recht erinnere, war das im letzten Sommer im Urlaub der Fall...) - ich muss ja auch sagen, dass ich nicht immer in der richtigen Stimmung für Stephen King bin. Aber wenn ich schon eine Woche freie Zeit habe und im Regal ein dicker Wälzer wartet, ist es doch einen Versuch wert - vor allem, da ich King gerne am Stück lese. Meistens sind die Geschichten nicht ganz so profan (gerade, wenn es Wälzer im vierstelligen Bereich sind) und da lese ich gerne ein paar Stündchen und nicht nur Minuten lang.
"Der Anschlag" ist kein typischer King-Horror - wobei er an einigen Stellen durchaus auch unangenehme und schaurige Seiten hat... Es geht nämlich um das Attentat auf JFK, das 1963 verübt wurde - und das unser Protagonist verhindern will. Wie so oft beginnt eigentlich alles ganz harmlos - der prototypische Stinknormalo Jake Epping aka. George Amberson stolpert ein bisschen in ungewöhnliche Umstände: Der Wirt seines Stammdiners eröffnet ihm, dass in seinem Diner ein Zeitportal ist, das ihn in das Jahr 1958 zurückbringt - und zwar immer am gleichen Tag zur gleichen Uhrzeit. Egal, wie lange man sich in der damaligen Zeit aufhält, im "jetzt" sind nur zwei Minuten vergangen, wenn man wieder zurückkehrt.

Besagter Wirt hat aber diese Spanne inzwischen überstrapaziert, ist stark gealtert und hat nicht mehr allzu lange zu leben und so verrät er Jake seinen Plan: Die Weltgeschichte verändern, indem das Attentat auf John F. Kennedy verhindert wird. Al, der Wirt, hat schon zahlreiche Recherchen in der damaligen Zeit durchgeführt und übergibt die finale Aufgabe nun an Jake, der zunächst etwas skeptisch ist, sich aber letztlich doch überzeugen lässt und seine Mission in den 60er Jahren beginnt. Logischerweise ist von 1958 bis 1963 ein bisschen Zeit, sodass wir Jake und seine Erlebnisse geraume Zeit verfolgen können (irgendwie wollen die tausend Seiten ja auch gefüllt werden!).

Mich hat das Buch schnell gepackt - die Idee von der Zeitreise mag nicht neu sein, aber sie ist geschickt umgesetzt und vor allem grandios ausgearbeitet. Seien es die ersten Probleme, die Jake bzw. George, wie er sich im "damals" nennt, mit der Eingewöhnung hat, seine Überlegungen, was die Verhinderung des Attentats (und auch anderer Verbrechen) angeht, oder auch einfach das Wirken der Zeit - wie so oft schafft King hier eine Detailfülle, die einem Charaktere und Schauplätze sehr bildhaft und lebendig nahe bringt. Sicherlich sich nicht alle Nebengeschichten für die Haupthandlung relevant, aber sie machen die Story einfach realistischer, glaubhafter und ehrlicher - auch wenn sie natürlich erfunden ist.

Aber King wäre natürlich nicht King, wenn es nicht auch irgendwo einen fiesen Gegenspieler gäbe und neben den üblichen menschlichen Bösewichten ist es in diesem Fall die Zeit oder Geschichte selbst, die nach Kohärenz und Harmonie mit ihrer eigenen Zukunft strebt und somit dem armen Jake / George das Leben schwer macht (und zwar teilweise so schwer, dass man als zart besaiteter Mensch vielleicht nicht allzu genau hinlesen sollte). Ich muss sagen, dass ich mit dem Ende nur stellenweise glücklich war - vielleicht wollte mir die Logik da nicht so komplett einleuchten, aber das Fazit, das King hier zieht, finde ich sehr gut gelungen.

Ob nun alles historisch so gar korrekt ist, mag ich nicht zu beurteilen - aber für mich war die Geschichte wahnsinnig gut gestaltet, ich habe das Buch in zweieinhalb Tagen weggelesen, weil ich so gespannt war, was nun alles passieren würde und mit welchen Herausforderungen Jake / George nun wieder konfrontiert würde. Die Charaktere sind gut gezeichnet, der Schreibstil nicht gerade supereinfach, aber dafür umso detaillierter (was teilweise ein wenig langatmig erscheinen mag - aber das mag ich auch so an King!) und die Geschichte hat keine wirklich großen Flauten. Als King-Leser freuen einen natürlich diverse Querverweise zu anderen Werken, aber auch ohne diese kleinen Gimmicks kann man an dem Buch seine Freude haben - denn es ist wirklich weit weg vom üblichen Horror!

Kommentare:

  1. Das klingt super - ich mag King auch sehr gerne :)

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    1. Ich finde King (auch die Horrorsachen) auch wahnsinnig gut - aber "Der Anschlag" hat mich doch auch wieder positiv überrascht :)

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  2. Nunja... Ich bin so gar kein Stephen King Fan. Mein Männe hat das Buch auf dem Nachttisch liegen, aber ich weiß nicht mal, ob er es schon durch hat. ^^ Ich lese einfach kein S K. :) Da bin ich stur...

    LG Lotte

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    1. Musst du ja auch nicht :) Wobei ich finde, dass "Der Anschlag" auch nicht so kingtypisch ist, wenn man die frühen Horrorsachen als typisch sieht... Ich habe ja tatsächlich auch ein bisschen was gelernt (so ist das, wenn man über amerikanische Geschichte gar nicht so genau Bescheid weiß *hust*)!

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  3. Gleich mal ne Leseprobe runtergeladen, ich glaub Amazon will morgen mein Geld für das komplette Kindlebuch... ;-) Hach die Verbindungen zu anderen King-Büchern haben mich jetzt zu neugierig gemacht...

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    1. Ich fühle mich jetzt nicht schuldig, weil ich das Buch echt gut finde :) Da sind so ein paar Querverweise drin, die einfach Spaß machen - jetzt nicht unbedingt die zentralen Drehpunkte für die Story, aber doch nett, wenn man sich ein bisschen im King-Universum auskennt!

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    2. Na du musst dich auch nicht schuldig fühlen, meine Cousine hatte es mir auch schonmal empfohlen, die übrigens bisher eine King-Gegnerin war, weshalb das Buch wohl wirklich echt gut sein muss. ;)

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  4. Ich hab den Anschlag noch nicht gelesen, da ich bei untypischen Kings immer etwas skeptisch bin (Joyland fand ich so naja...ok, der war Horror aber grml)
    Dabei bin ich ein King-Junkie und hab ansonsten wirklich alle - inklusive Bachmann - gelesen und joar...ich werde mir den Anschlag auch mal anschauen^^ Ich hab aktuell "böser kleiner Junge" gelesen letzte Woche, zwar nur eine Kurzgeschichte aber KING :D

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    1. Also ich fand das Buch schon echt gut ;) Und mir ist manchmal einfach nicht nach Horror, aber dafür nach Kings Schreibweise, da finde ich das schon auch ganz gut... Aber ich kann deine Skepsis schon verstehen :) Dafür muss ich ja sagen, dass ich seine Kurzgeschichten eher so lala finde...

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  5. Ich grad so: *interessiertles* .... ZEITPORTAL - weggeklickt :D

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    1. Wie gemein! Dabei ist das keine so typische Zeitportal-Geschichte, sondern eine echt coole! :x (Aber gut, wenn man keine Zeitportale mag... ;))

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