Montag, 16. Juni 2014

Garou - Leonie Swann

Auch wenn während der normalen Arbeitstage nicht übermäßig viel Zeit fürs Lesen bleibt (und ich zugegebenermaßen bei dem bombastischen Wetter der letzten Wochen auch dank Besuch des besten Freundes mehr draußen unterwegs und aktiv war), habe ich es geschaft, mich inzwischen durch "Garou" von Leonie Swann zu schmöckern. Nach "Glennkill" war ich doch ein bisschen eingenommen von den Schafen und ihren grandiosen Denkart und Ermittlungsarbeit und war gespannt, was der Thriller nach dem Krimi zu bieten hatte.
Die Schafe haben einen kleinen Szenenwechsel hinter sich - der zweite Teil spielt nämlich nicht mehr in Irland, sondern in Frankreich, wohin die Schafherde mit ihrer neuen Schäferin zum Zwecke der langersehnten Europareise aufgebrochen ist. Aber nicht nur die Gegend ist neu, es wird auch neues "Personal" eingeführt: Unseren Schafen werden nämlich Ziegen zur Seite gestellt, die ... naja, ob sie nun helfen oder verwirren sollen, sei mal dahingestellt, auf jeden Fall mischen sie irgendwie mit; und auch die menschliche Seite hat so einige neue Charaktere mitbekommen, von denen aber einige interessanter und relevanter sind als andere.

Wie schon "Glennkill" besticht "Garou" mit einer liebenswerten, leicht naiven, aber auch schrecklich nachvollziehbaren Schafslogik, die der Geschichte einfach Charme verleiht. Köstlich (aber auch sehr schlüssig) fand ich, dass die Schafe kein "europäisch", also französisch, verstehen und sich von den ansässigen Ziegen dolmetschen lassen müssen. Hier stoßen auch wahrlich zwei Kulturen aufeinander - denn die Ziegen haben alle einen Schuss weg (und sind stolz darauf!), eine deutlich andere Lebenseinstellung, aber auch köstliche Weltanschauungen: Ich bin stark dafür, dass man Erkenntnisse ("Wer ist der Täter?") per Abstimmung bzw. Duellentscheid gewinnt und nicht durch popelige Ermittlungsarbeit... Ziegen machen sich ihre Welt eben, wie sie ihnen gefällt!

Die Denke, die Leonie Swann hier ihren tierischen Protagonisten und Protagonistinnen unterstellt, macht beim Lesen immer wieder Spaß - und wir Beautys wissen jetzt auch, dass "das zweite Gesicht" nichts mit Esoterik zu tun hat, sondern schlicht und ergreifend mit Schminke... Solche (Fehl-)Schlüsse und kleine Wortspielereien (z.B. mit Wolle und wollen) sind definitiv meine Highlights des Buchs gewesen - denn von dem versprochenen Thriller habe ich nicht allzu viel gesehen. Die Jagd auf den Garou, den Werwolf, der sein Unwesen in der Gegend treibt und die Schafe (und auch Menschen) in Aufregung versetzt, fällt doch eher gemächlich aus. Das ist zwar aus Schafsicht nachvollziehbar (die größte Aufmerksamkeitsspanne hat das Getier nunmal nicht und Futter ist einfach auch wichtiger!), aber nimmt auch dem Buch den Schwung und die Spannung, die aus meiner Sicht elementar für einen Thriller sind.

Einzelne Elemente der Geschichte und der Auflösung fand ich stellenweise ein wenig verwirrend und habe letztlich auch die Auflösung vermisst - die Storyline ist also aus meiner Sicht hier nicht wirklich die stärkste. Die Schafe (und auch ich als Leser) stolpern so ein bisschen durch die Geschichte, geleitet von Zufällen und Fehlinterpretationen... Das hat natürlich auch einen gewissen Charme, entspricht aber nicht so ganz meinen Erwartungen an einen Thriller. Aber ganz ehrlich: Wenn ich Spannung, vertrackte Wendungen und Geschwindigkeit will, lese ich auch nicht ein Buch, in dem Schafe die Ermittlungen übernehmen... Hätte man "Garou" als Krimi oder einfach Roman bezeichnet, hätte man sich wohl diese Problematik erspart.

Im Vergleich zu "Glennkill" muss ich auch ehrlich sagen, dass ich mir ein bisschen mehr erhofft hätte - ich finde das Buch keineswegs schlecht, aber die Schafslogik alleine begeistert nicht mehr so sehr wie beim ersten Lesen (kennt man ja einfach auch schon) und es fehlt einfach an dem Zusatz, der genau dieses Buch dann wieder besonders macht. Nette Lektüre, wenn man die Schafe mag und einfach zwischendurch ein bisschen Abwechslung braucht - aber für mich dann leider auch nicht mehr.

Kommentare:

  1. Mir hat die erste Geschichte auch besser gefallen und ich geb zu, ich hab schon wieder vergessen, wie es eigentlich ausging. Ich glaube, wir kamen an die Stelle als ich schon stark auf die Route gucken musste, damit wir am richtigen Häuslein ankommen. ^^ Haha. Aber ich finde die Schäfchen charakterlich einfach so drollig. :)

    LG Lotte

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    1. Das Ende war auch ziemlich eindeutig ein bisschen konfus und kam recht schnell und eigentlich war es ja auch nicht so wirklich wichtig...

      Die Schafe finde ich charakterlich auch einfach Zucker - egal, welches davon, sie sind zauberhaft und knuffig und niedlich und verrückt und ach überhaupt ;)

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