Montag, 2. Juni 2014

Die blinde Kommissarin - Patrizia Rinaldi

Ich hatte es im 101-Posting schon erwähnt - ich habe fleißig gelesen! Und damit mein Review-Stapel bei Büchern nicht größer wird als der SUB-Stapel (was gar nicht so unwahrscheinlich ist, wenn man mehr liest als man verbloggt - wobei ich das ja eigentlich ganz gut finde), gibt es heute ein paar Worte zu Patrizia Rinaldis "Die blinde Kommissarin" aus dem ullstein-Verlag. Von der Beschreibung bei Bloggdeinbuch her fand ich das Buch ganz interessant und da es mit nur etwa 230 Seiten auch nicht zu dick ist, war es perfekt für den Flieger!
Wie man vielleicht schon aufgrund des Namens der Autorin vermuten könnte, handelt es sich um einen Krimi, der in Italien spielt - und im Laufe des Buchs ist mir klar geworden: Genauso, wie französische Filme ihren eigenen Charakter haben, an den man sich gewöhnen muss, ist es auch mit italienischer Literatur. Der Schreibstil, in dem Rinaldi "Die blinde Kommissarin" verfasst hat, wirkt ein wenig befremdlich - die Wortwahl stellenweise nicht schlüssig, der Satzbau ein wenig gestelzt... Irgendwie nicht richtig deutsch, aber trotzdem authentisch und passend zur Geschichte und dem Ambiete - nur kulturell ein wenig fremd. Ganz seltsame Sache, über die ich vor allem anfangs gestolpert bin.

Inhaltlich war ich insgesamt leider ein bisschen enttäuscht und dementsprechend froh, dass das Buch "nur" so kurz war - die blinde Kommissarin Blanca, die dem Titel zufolge wohl die Protagonistin sein soll, kommt aus meiner Sicht in dem Buch ein bisschen kurz. Ihre Mitarbeit an dem Mordfall ist eher randständig, die Hauptarbeit übernehmen die Kollegen - auch wenn Blancas besondere Fähigkeiten durchaus für den Fall relevant sind. Dafür erfahren wir einige Dinge aus dem Privatleben von Blanca - wobei auch hier vieles nur grob beleuchtet wird und doch einige Fragen offen bleiben (so ein paar zusätzliche Seiten hätten dem Buch also doch nicht wirklich geschadet); ihr merkt, so ganz glücklich wurde ich mit dem Buch nicht.

Von dem versprochenen italienischen Flair ist bei mir nicht wirklich viel angekommen (mal von den vermuteten sprachlichen Besonderheiten abgesehen), aus meiner Sicht hätte der Fall auch überall anders spielen können. An sich ist der Mord durchaus spannend - allerdings fand ich die Einschübe aus der Sicht des Mörders an vielen Stellen irritierend und nervig. Wirre Gedankengänge, Metaphern, bildhafte Sprache - alles schön und gut, aber wenn ich danach nur ein großes Fragezeichen über dem Kopf schweben habe, kann ich mir das Lesen auch sparen. Wer letztlich der Täter ist, bleibt wirklich sehr lange unklar - aber das liegt auch daran, dass die Autorin einen mit diesen (w)irren Einschüben ordentlich aufs Glatteis führt. 

Die Charaktere, die das Ganze vielleicht hätten rausreißen können, bleiben insgesamt auch ein wenig blass - ich weiß nichtmal, ob mir Blanca wirklich sympathisch ist, da sie doch auch ein paar seltsame Züge und Ansichten hat, die sich beim Lesen nicht ganz erklären. Ihre Kollegen und die kleine, sehr absehbare Liebschaft, werden auch eher grob skizziert, aber das mag auch der Kürze der Geschichte geschuldet sein... Für mich ist das ein Buch, das man einfach mal so lesen kann, aber sicherlich nichts verpasst, wenn man es nicht tut - Fall okay, Charaktere blass, Stimmung nicht wirklich vorhanden... Ich werde wohl auf die Nachfolger dankend verzichten.

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