Donnerstag, 29. Mai 2014

Helsinki: Quer durch die Stadt, Teil 1

Bevor ich mich hier gleich wieder in meinen Haufen Arbeit stürze (Feiertage werden ja sowieso überbewertet...), gibt es heute ein paar weitere Bilder aus Helsinki. Da es doch ein paar mehr geworden sind, kommt demnächst noch der zweite Teil der Stadteindrücke bzw. der Sehenswürdigkeiten, die irgendwie in der Stadt verteilt sind und kein eigenes großes Posting kriegen.

Auch wenn ich mit dem Flieger nach Helsinki gezischt bin, war der Drehpunkt in der Woche doch der Hauptbahnhof, der wirklich der zentrale Umschlagplatz ist: Der Bus vom Flughafen hält dort, sämtliche Züge, Buslinien und Trams sind in unmittelbarer Nähe und auch in die Metrostation kann man gleich reinfallen - entsprechend riesig ist der ganze Bahnhof aber auch und man kann doch ein kleines bisschen den Überblick verlieren.

Das Gebäude wurde vom finnischen Architekten Saarinnen entworfen und ist auch ein gutes Beispiel für den finnischen Jugendstil, der sich auch in anderen Stadtteilen wiederfindet und teilweise auch Elemente der Kalevala, des finnischen Nationalepos enthält.

Die Gebäudefassade besteht aus finnischem Granit, was dem Gebäude doch auch eine gewisse Würde und ein wenig klobige Klotzigkeit verleiht - diese wird jedoch stellenweise auch durch spielerische Elemente wieder aufgelockert. Ich fand den Bahnhof sehr imposant und fand es gar nicht so übel, auch täglich einen Blick drauf werfen zu können - vor allem, weil der Uhrturm auch eine gute Orientierung bietet.

Die erste Unternehmung in Helsinki war eine Free Walking Tour, wie wir sie auch schon in Boston ausprobiert hatten - allerdings hatte D. mit dem letzten Guide in Helsinki schlechte Erfahrungen gemacht, also wollten wir erstmal sicherstellen, dass an diesem Tag jemand anders dran war.

Unsere Stadtführerin war dieses Mal eine Österreicherin, der man die Begeisterung für die Stadt wirklich angemerkt hat und so schlossen wir uns der Gruppe doch an, die am Dom startete. Bei perfektem Wetter war die klassizistische Kirche am Senatsplatz, die von einem deutsch-finnischen Architekten (Carl Ludwig Engel) geplant wurde, wirklich sehens- und die historischen Ausführungen dazu auch hörenswert. Finnland gehörte ja lange Zeit zu Schweden, wurde dann an Russland abgetreten und wurde vor seiner Unabhängigkeit als Pufferland öfters mal hin- und hergereicht...

Unsere Führung ging wirklich durch die halbe Stadt und an diversen sehenswerten Stellen gab es auch immer wieder nette historische Informationen, kleine Anekdoten oder einfach auch nur Erklärungen zu Besonderheiten.

Das Ständehaus, das auch heute noch sehr imposant ist, diente im 19. Jahrhundert z.B. für die nicht-adeligen Stände als Versammlungshaus - der Adel hatte logischerweise irgendwo anders sein eigenes (wahrscheinlich total unauffälliges) Tagungshäuschen... Als 1906 dann ein Parlament eingeführt wurde, hatten z.B. auch schon Frauen ein Wahlrecht - ganz schön fortschrittlich, diese Finnen!

Der nächste Stop führte uns nach ein bisschen Wanderung zur Uspenski-Kathedrale, einer orthodoxen Kirche, die seit dem 19. Jahrhundert die größte orthodoxe Kirche in Westeuropa ist. Schon von außen ist der rote Ziegelsteinbau ein sehenserter Einblick, aber auch der Innenraum ist definitiv einen Blick wert. Wir hatten gerade Glück und konnten einen Blick in das Gebäude werfen - bei einem laufenden Gottesdienst (oder gar einer Hochzeit, wie sie wohl bei einer der letzten Touren dort abgehalten wurde) hätte ich nicht wirklich stören wollen, aber so konnten wir uns umsehen, ohne jemanden zu stören.
Die Kathedrale ist auch aufgrund ihrer Goldaufbauten von vielen Stellen Helsinkis gut sichtbar und ebenfalls ein guter Orientierungspunkt - vor allem, da man das Geglitzer bei gutem Wetter sehr gut aus so ziemlich jeder Entfernung erkennt.
Als kleinen Gag am Rande wurden wir ins Hotel Katajanokka geführt, das von Best Western betrieben wird - und früher mal eine Haftanstalt war. Das dazugehörige Restaurant heißt passenderweise "Jailbird" und man hat doch viele der Eigenheiten von Gefängnissen beibehalten - ich bin da mal ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob ich unbedingt in einem Hotel schlafen wollen würde, das früher mal ein Knast war...

Einige der (sehr) alten Zellen sind noch erhalten und können auch besichtigt werden - und natürlich gibt es wohl auch die eine oder andere Geistergeschichte, die man bei den kärglich (oder eher gar nicht) eingerichteten Massenzellen, in die Gefangene zum Zwecke der Folter auch mal eingepfercht wurden, gut nachvollziehen kann...

Allerdings hatte man hier auch dem finnische Prämierminister mal eine Suite eingerichtet, als diese nach dem Winterkrieg als Schuldiger verknackt wurde, das Volk ihm jedoch eigentlich noch wohlgesonnen war (zumindest, sofern man der Geschichte unseres Guides Glauben schenken kann).

Natürlich führte uns die Tour auch an den Esplanadi vorbei, einer Parkanlage, die von eher sehr hochpreisigen Einkaufsstraßen gesäumt ist. In der Mitte des Parks ist das Denkmal des finnischen Schriftstellers Johan Runeberg zu finden, der den Text der finnischen Nationalhymne geschrieben hat (witzigerweise wird die gleiche Melodie auch für die estnische Nationalhymne genutzt).

Die Geschichte um die Holde zu seinen Füßen habe ich irgendwie nur noch halb im Kopf - auf jeden Fall ist der Text der finnischen Nationalhymne auf dem Mantel der Dame zu finden und die Holde symbolisiert wohl irgendwie Finnland... So grob gesagt, finden die Finnen wohl, dass Finnland auf der Landkarte wie eine Frau aussehen würde und orientieren sich deswegen auch an den Körperteilen - man würde wohl sagen, dass irgendwelche Orte "an der Kapuze" oder eben "am Arm" zu finden sind (oder irgendwie sowas).

Der Park wird aber auch für allerlei Veranstaltungen genutzt, an unserem letzten Tag wurde da von Marimekko, wohl einer DER finnischen Modemarken, eine Modenschau aufgeführt, die wahnsinnig viele Leute angezogen hat.

In der Nähe des Hafens gibt es auch noch eine kleine Statue, die besonders an Vappu, dem finnischen Maifeiertag, das Zentrum des Geschehens ist: Havis Amada ist eine Bronzestatue und stellt eine Meerjungfrau dar, der von den Studienten am 1. Mai eine Studentenmütze aufgesetzt wird, bevor das große Besäufnis startet...

Aber auch an anderen Tagen ist der Brunnen doch sehr hilfreich, da durch den Seewind häufiger mal eine kleine Abkühlung durch die Gegend gepustet wird - und man kann gut am Rand sitzen und Eis essen (muss dann aber auch aufpassen, dass einem nicht irgendwelche Möwen was wegschnabulieren)!

So völlig ohne kompetente Führung haben wir uns dann noch in den Sibelius-Park geschlagen, der dem bedeutendsten finnischen Komponisten Jean Sibelius gewidmet ist. Davon abgesehen, dass der Park hübsch gestaltet ist und man dort viele niedliche Piepmätze beobachten und sich einfach mal gemütlich ins Gras setzen kann, gibt es natürlich auch ein Denkmal für Sibelius.













Es war ein Riesenaufwand, da mal ein Foto von zu bekomen, ohne dass sich ständig irgendwelche Touristen darauf tummelten - die werden nämlich mit Bussen regelrecht in den Park gekarrt und müssen nur die 100m von der Straße bis zum Denkmal laufen (oder eher: schlurfen, weil die meisten wie Teilnehmer einer Seniorenkaffefahrt aussehen), um es zu bestaunen, zu begrabbeln und einfach unfotogen zu machen.
Das Denkmal besteht aus zwei Teilen, die orgelähnlichen Röhren, die von Eila Hiltunen gestaltet wurde, waren den Finnen wohl irgendwie zu abstrakt - also hat man irgendwann einfach noch eine Büste von Sibelius mit... naja, einem weiteren Klumpen gestaltet und neben die Orgel gesetzt... Zumindest ist so klar, wem das Denkmal gewidmet ist - aber wirklich hübsch ist diese Büsten-Klumpen-Installation nicht (ich finde ja, dass das Orgeldings vollau ausgereicht hätte).
Dafür können sich die Stahlröhren wirklich sehen lassen - die feinen Muster auf den Röhren sind einen Blick wert und insgesamt sind die Effekte, die hier durch das Sonnenlicht entstehen, sehr interessant (wenn man ein bisschen zu viel Intus hat, kann man in den wirren Mustern bestimmt auch eine Bedeutung sehen...). Insgesamt ist der Park auch einfach ein guter Ort, um sich gemütlich mit ein bisschen Gebäck oder einem Eis in der Mittagspause hinzusetzen und sich vom vielen vielen Rumgelaufe zu erholen, bevor man zu den weiteren Sehenswürdigkeiten aufbricht...

Kommentare:

  1. Ui wunderschön =D

    Sag mal, eine Frage vorne weg ... ist Helsinki mittlerweile keine Großbaustelle mehr? Ich war lange nicht mehr direkt in Helsinki und das letzte Mal ist mir noch im Kopf, dass überall Baustellen waren ^^"

    Ich finde es beeindruckend, dass du dich so sehr mit der Stadt auseinander gesetzt hast, das machen wohl die wenigstens ... anbei auch wunderschöne Fotos =)

    Dass mit dem in den Bus zu bestimmten Punkten gekarrt werden, hatte ich damals auch ^^ Sehr anstrengend, wie ich finde, daher ziehe ich die Ruhe eines finnischen Waldes oder eine nicht so überlaufende Stadt vor =)

    Aber ich mag gerne mehr von deinen Helsinki-Tagen hören =)

    Liebste Grüße,
    Vivka

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    1. Ich glaube, in Helsinki wird genauso wie in jeder anderen größeren Stadt ständig was gebaut ;) Gegenüber vom Sugarcube ist ja irgendein Regierungsgebäude, da wird gerade fleißig gebaut und ansonsten stehen natürlich immer hier und da ein paar Bagger und Kräne rum - aber ich habe dann doch versucht, da "außenrum" zu fotografieren ^^

      Ich muss ja sagen, dass die Tour einfach echt gut war und man sich so vieles gemerkt hat - ich bin da eher ein bisschen blond nach Helsinki gefahren und habe mich beschallen lassen^^ Aber das macht dann ja auch Spaß und wenn man sich ein bisschen umschaut, bekommt man zwangsweise was mit - und gerade so ein kurzer geschichtlicher Abriss ist ja auch einfach interessant.

      Ich bin auch nicht so der Fan von diesen Bustouren, deswegen sind wir da auch auf eigene Faust unterwegs gewesen - da kann man dann gemütlich ein bisschen länger sitzen, schauen, was man möchte und sich einfach beeindrucken lassen. Und absolut jeden Schmu, den irgendwer für wichtig eerachtet, muss ich dann auch nicht sehen ^^

      Keine Sorge, ich habe da noch ein paar Bilder, die gezeigt werden wollen - mehr Helsinki ist also geplant!

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  2. Ich habe es ja schon im Kommentar im Post vorher geschrieben - Helsinki erweckt in mir sentimentale Gefühle! Eine so wunderbare Stadt und für mich unfassbare Erinnerungen! Ich hatte in meinem Springsteen-Blog seinerzeit darüber geschrieben.
    http://www.followtheboss.de/helsinki-oder-tour-de-finnland-oder-gil-follow-us/

    Weiterhin viel Spaß dort!

    LG, Mary

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    1. Ha, am Stadion waren wir natürlich auch :) Wobei wir natürlich nicht drin waren... Aber deine Verfolgungsjagd liest sich auch köstlich ^^

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  3. Also, ich finde die Orgelpfeifen ja richtig klasse. Musste bei dem ersten Bild zweimal hingucken, was da so in der Luft schwebt. :)

    Im Gefängnis würde ich übrigens auch nicht schlafen wollen. Einmal reinschauen, gut, aber schlafen? Nee... Dann lieber in der Kathedrale. ^^

    LG Lotte

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    1. Das Denkmal ist auch sehr hübsch - vor allem, wenn man sich mal überlegt, wie diese ganzen feinen Muster da draufgekommen sind, was für eine Arbeit!

      Ich glaube, die Zimmer wurden da schon deutlich umgestaltet und man hat eben nur die Gänge noch im Gefängnis-Stil belassen (und eben ein paar Zellen zum Anschauen); aber irgendwie wäre das wohl auch nicht so meine erste Wahl ^^

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  4. Ach Helskini <3. Danke für den schönen und informativen Bericht! Ich war bisher ausschließlich im November/Dezember da, was die Touristenströme in Grenzen hielt und seinen eignen Charme hat. Vom Sibelius Park ist es auch nicht mehr weit zu ein paar hoffentlich noch kommenden Seurasaari Bildern :D. Im Winter hat man die gesamte Insel für sich und die Eichhörnchen sind in milden Wintern auch noch aktiv, ich kam mir da teilweise vor wie in nem Disneyfilm, wenn diverse Eichhörchen und Meisen einen direkt belagern, dicht gefolgt von einer Tauben- und Krähenarmee :D.
    Den Brunnen habe ich als Abklatsch (meines ehemaligen Werklehrers) täglich direkt vor der Nase bei uns auf dem Rathausplatz...nun ja, aufgrund unschöner Erinnerungen an ätzenden Werkunterricht bei mir eher negativ besetzt.

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    1. Klar, auf Seurasaari waren wir auch (und haben auf einer wundervoll in der Sonne stehenden Bank ein gemütliches Mittagsschläfchen abgehalten ^^) - da kommt noch was ;) Ich muss ja sagen, dass ich das sonnige Wetter einfach perfekt fand - Winterspaziergänge haben zwar auch was, aber im Warmen finde ich das alles noch schöner! Und so überlaufen war die Insel dann auch nicht - das verläuft sich da wohl ganz gut, uns ist ab und an mal jemand entgegen gekommen oder so, aber insgesamt war es sehr ruhig und schön :)

      Hach je, dabei ist Vappu wohl doch ein ganz schönes Event - vielleicht musst du doch mal im Mai hinfahren und dir diese negativen Assoziationen durch die Veranstaltung da nehmen lassen ;)

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  5. Vielen Dank für den tollen und ausführlichen Bericht ♥ Ich war noch nie in Helsinki, aber ich habe mich gerade so gefühlt, als wäre ich bei eurer Tour dabei gewesen :) Das Knast-Hotel finde ich echt befremdlich. Klar, einen historischen Knast in ein Museum zu wandeln, sowas haben wir hier ja auch, aber schlafen möchte ich dort echt nicht.

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    1. Hach, danke dir für diesen lieben Kommentar :) Ich weiß immer nicht, ob solche Berichte nicht einfach langweilig werden - aber ich will einfach auch für mich ein paar Erinnerungen festhalten...

      Das Knast-Hotel ist echt eine leicht seltsame Sache ^^ Wobei ich ja auch vermute, dass die Hotelzimmer ganz normal aussehen (und bei vielen anderen Hotels weiß man ja auch nicht, was da vorher drin war ^^).

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