Montag, 19. Mai 2014

Glennkill - Leonie Swann

Ab und zu überkommt mich das Bedürfnis nach einem netten, harmlosen Buch - kein Fantasy, kein Horror, kein Thriller, auch nicht wirklich einen Krimi... Irgendwas dazwischen will ich dann - und das kommt Gott sei Dank eher selten vor, denn so übermäßig viel Auswahl habe ich in diesem Zwischenbereich, den ich nicht so recht definieren kann, gar nicht. Aber vor einiger Zeit lächelte mich aus der Ramschkiste "Garou" an und kurz danach schnappte ich mir auch den ersten Band der Schafsgeschichte und "Glennkill" passte einfach perfekt zu meiner Stimmung.
Wenn ein Buch schon "Ein Schafskrimi" heißt, dann muss es natürlich auch eine Leiche geben und die liefert in diesem Fall der Schäfer George, der tot auf seiner Schafsweide aufgefunden wird. Seine Schafe, die ihrem Schäfer sehr zugetan waren, fangen an zu ermitteln, um die Ungerechtigkeit, die sie hinter dem Tod von George vermuten, aufzudecken. Im Mittelpunkt der Geschichte steht also nicht wirklich die phänomenale Ermittlungsarbeit der Vierbeiner (naja, irgendwie schon...), sondern vielmehr die wunderbare Gedankenwelt dieser knuffigen Viecher.

Ganz ehrlich - ich bin eigentlich kein großer Schafsfan, ich finde Schafe weder sonderlich hübsch, noch sonstwie besonders, aber in "Glennkill" habe ich zumindest die irischen Schafe wirklich lieben gelernt. Die dargestellte Schafslogik ist einfach erstklassig - und vor allem auf eine schrecklich logische Art und Weise nachvollziehbar. Für mich war sehr klar, warum die Schafe den Pfarrer mit "Gott" bezeichnen - wenn von "Gottes Haus" gesprochen wird und in selbigem jemand "wohnt", ist doch auch irgendwie davon auszugehen, dass derjenige Gott heißt, oder? Und wenn Menschen von Gras sprechen, ist aus Schafssicht auch klar, dass von diesem grünen Zeug gesprochen wird, das auf der Weide wächst.

Kurzum: Ich war ganz hin und weg von dem Buch, die unterschiedlichen Charaktere der Schafe waren zauberhaft gestaltet (ich will auch ein Gedächtnisschaf, das sich alles für mich merkt!) und ich persönlich mochte diese Schafslogik einfach wahnsinnig gern. Nicht das ganze Buch ist aus Schafssicht geschrieben, aber die "Ermittlungen", die man aus Menschensicht mitverfolgen kann, helfen einem als Leser nicht unbedingt dabei, den Fall zu lösen - aber in diesem Fall ist das auch gar nicht schlimm. Wie erwähnt, steht der Fall nicht so wirklich im Vordergrund, viel zauberhafter sind die "logischen" Schlüsse, die die Schafsherde so zieht und wie sie vor allem dort hingelangen. Ich musste an so einigen Stellen schmunzeln, weil auf einmal menschliche Verhaltensweisen ganz anders - schafslogisch eben - erklärt werden und das einfach köstlich ist!

Es ist wirklich nicht leicht, Geschichten aus der Tierperspektive so zu schreiben, dass sie glaubwürdig und trotzdem gut lesbar sind - schließlich wissen wir nunmal nicht, wie das unterschiedlichste Getier so denkt, sondern vermuten nur bestimmte Eigenheiten. Aber mit "Glennkill" ist das auf jeden Fall gelungen und ich fand es eigentlich ziemlich schade, als der Fall aufgeklärt wurde - wobei das auch noch einmal wirklich grandios umgesetzt wurde. Schön ist ja auch, dass das Buch von einer deutschen Autorin stammt - obwohl die Geschichte in Irland spielt. Und noch schöner ist, dass ich den zweiten Band dazu auch zu Hause habe - auf den freue ich mich so richtig!

Kommentare:

  1. Ich war von dem Buch sehr angetan.Wirklich eine schöne Geschichte.Den zweiten Teil möchte ich auch noch lesen.LG

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    1. Die Schafe sind doch wirklich niedlich, oder? Ich bin auf den zweiten Teil ja auch schon sehr gespannt - wie der Schafsthriller umgesetzt ist, macht mich echt neugierig :)

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  2. Das Buch hab ich vor einigen Jahren regelrecht verschlungen - einfach zu herrlich, diese Schafe! War echt mal was anderes:)

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    1. Ich fand diese Schafslogik einfach ZU köstlich :x Das ist wirklich eine Sache, die das Buch so richtig spaßig gemacht hat!

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  3. Hab auch den ersten Teil geliebt, aber den zweiten fand ich fast noch besser. Freut euch auf Garou. ;)
    Übrigens sind auch die Hörbücher von den beiden Bänden sehr zu empfehlen.

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    1. Der zweite soll also besser sein? Oh, dann freue ich mich da jetzt schon drauf - vorher "muss" nur noch schnell ein anderes Buch weg, aber das sollte mit dem Rückflug nach Hamburg ja gut gehen...

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    2. Kommt zwar immer auf den eigenen Geschmack an, aber mir gefiel er besser. Irgendwie fühlt es sich an, als ob die Autorin mittlerweile ein Gefühl für die Thematik entwickelt hat und sich schneller in das Genre einfühlen konnte.

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    3. Ich habe mich da gestern auf dem Flug mal eingelesen - geht eigentlich ganz gut, aber ich bin mir noch nicht sicher, welches Buch mir besser gefällt :)

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  4. Hatte ich auch schon mal in der Hand, war aber dann nicht so sicher, ob ich's wirklich mögen würde und hab's nicht gekauft. Wenn ich mal wieder in einen Buchladen komme les ich mal rein...

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    1. Ich glaube, bei Amazon kann man auch schonmal reinschnuppern :) Ist sicherlich nicht jedermanns Sache - aber ich mochte das Buch wirklich gern und es ist einfach bissl was anderes.

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  5. Ich muss sagen, ich hab die Bücher selbst nicht gelesen (nur mein Mumchen), aber ich habe beide Hörbücher gekauft für lange Reisen. Und Andrea Sawatzki hat das sehr gut umgesetzt. Das macht richtig Spaß, da zu zu hören. Von der Story ganz abgesehen. ;)

    LG Lotte

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    1. Als Hörbücher stelle ich mir das auch klasse vor, wenn es gut umgesetzt ist - das ist gerade bei solchen Geschichten ja das wichtigste^^ Den Krimi fand ich ja schon wirklich gut - beim Thriller muss ich mir noch eine Meinung bilden...

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