Montag, 5. Mai 2014

Ein plötzlicher Todesfall - J.K. Rowling

Manchmal gibt es ja seltsame Zufälle - z.B. wenn man bei den Eltern zu Besuch ist und erfährt, dass da zufällig ein paar neue Bücher reingeschneit sind, unter anderem dieses "Nicht-Harry-Potter-Buch" von J.K. Rowling... Den Kuckuck, der ja unter einem Pseudonym rausgebracht wurde, fand ich ja wirklich gut und obwohl ich wusste, dass "Ein plötzlicher Todesfall" durchaus kontrovers rezensiert worden war, schnappte ich mir das Buch und beschloss, mich doch selbst zu überzeugen.

Das war so ein bisschen paradoxes "eigentlich will ich nicht, aber irgendwie vielleicht schon..." - wenn es schon rumliegt, kann es ja nicht schaden, mal reinzuschmökern! Nur leider gehöre ich zu den Menschen, die Bücher absolut ungern (also: gar nicht) halbgelesen beiseite legen, sondern sich dann auch wirklich durchquälen - und aus dieser Aussage dürfte schon klar werden, dass mich das Buch nicht begeistert hat.
Der Titel "Ein plötzlicher Todesfall" stellt so in etwa das höchste Maß an Spannung dar, das dieses Buch zu bieten hat - aber gut, es ist ja kein Krimi, sondern ein Roman... Der Todesfall - ein "ganz normaler", ohne mysteriöse Umstände oder sonstiges, ereignet sich zu Beginn des Buches und die Geschichte befasst sich mit den Folgen des Todes von Barry Fairbrother für die Bevölkerung des kleinen Städtchens Pagford.

Mein erstes Problem war, dass ich große Probleme hatte, mich in dem Buch zurecht zu finden - es werden viele Charaktere eingeführt, auf die sich Fairbrothers Tod auswirkt, und ihre Geschichten erzählt. Dummerweise hage ich sie irgendwie recht lange nicht auseinanderklamysert bekommen... Wie es in einer Kleinstadt nicht verwunderlich ist, sind sie auch alle mehr oder minder miteinander verwandt oder irgendwie anderweitig verbandelt - das hilft nicht unbedingt dabei, sie klar auseinanderzuhalten. Bis auf wenige Ausnahmen sind die handelnden Personen in meinem Kopf auch recht blass und grau geblieben - und das, obwohl die Hintergrundgeschichten doch teilweise tragisch sind.

Insgesamt fehlte es mir in dem Buch ein bisschen an Handlung - es dröppelt zwar so vor sich hin, aber es wird eben auch aus der Sicht von vielen Personen geschrieben und dadurch wird automatisch die Geschichte langsamer. Man könnte das nun also als zeitgenössische Studie einer Kleinstadt und ihrer Vorgänge sehen - aber so viel Langeweile brauche ich dann in einem Buch nicht wirklich... Wobei da eigentlich spannende Dinge drinstecken: Soziale Konflikte von Drogenproblematik über Adoptionsprobleme zu Schichtkonflikten und Integrationsschwierigkeiten; ein beziehungsunfähiger Vollhorst, der sein Leben nicht geordnet bekommt; ein gewalttätiger, narzisstisch veranlagter Vater, der seine Familie tyrannisiert; orientierungslose Jugendliche, brave (oder auch nicht so brave) Hausfrauen, die hinter ihren politisch orientierten Männern stehen; ein Neurotiker mit pädophilen Tendenzen, die ihm selbst in seiner Fantasie so eine Angst machen, dass man wirklich nur Mitleid mit ihm hat... Und all diese Probleme treten nun eben durch Barrys Tod ans Tageslicht.

Allerdings ist das alles so langweilig verpackt, dass mich auch die stellenweise fremdartig-vulgäre Sprache nicht wirklich in die Szenerie versetzt, sondern einfach nur genervt hat. Ob es nun Sozialkritik sein soll oder nicht - bei mir ist einfach der Funke nicht übergesprungen, wobei es gegen Ende des Buchs doch ein wenig besser wurde. Allerdings ist ihm da wohl auch entgegengekommen, dass ich es auf dem Hin- und Rückflug zu einer Konferenz gelesen habe und somit nicht wirklich viele Alternativen vorliegen hatte. Ein Bezug zu Harry Potter ist hier beim allerbesten Willen nicht zu finden - weder sprachlich, noch was die Gestaltung der Charaktere angeht. Wer das Buch nicht liest, hat auf jeden Fall nichts verpasst - ich bereue ja ein bisschen, dass ich es wirklich angepackt habe; in der Zeit hätte ich auch was Netteres lesen können...

Kommentare:

  1. Hm... Klingt wirklich nicht gut. Ich wusste, warum ich es bisher nicht angefasst hat und mein Mumchen tut mir ein bißchen leid, denn sie hat es zu Weihnachten gekriegt. (nicht von mir natürlich) Näh, ist wohl nicht meins. ;) Aber tapfer, dass du dich da durchgekämpft hast. Ich hab sowas dann immer jahrelang, silently mocking me, im Schrank stehen. ^^

    LG Lotte

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    1. Für mich war das beim Lesen einfach eher Kategorie Schullektüre "Da musste jetzt halt durch!", aber wirklich dolle fand ich das nicht. Heißt aber natürlich nicht, dass nicht jemand anders das Buch besser finden kann...

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  2. Ich fand das Buch gar nicht einmal so schlecht, wenn die Augen davor verschließt das die JK Rowling die Schriftstellerin ist. Auch wenn es viele Charakter hatte, wollte ich doch immer wissen wie es denn nun ausgeht.
    Ich hatte manchmal aber das Gefühl, sie versucht verzweifelt aus dem Harry Potter-Genre rauszukommen. Nur schon, wie du sagst, die vulgäre Sprache derer sie sich bedient hat - ein krasses Gegenteil zum Zauberschüler.

    LG Sooyoona

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    1. Egal ob von Rowling oder nicht - ein Meisterstück ist das aus meiner Sicht in keinem Fall... Und ich fand die einzelnen Entwicklungen teilweise einfach so langatmig (z.B. die Sache mit Gavin oder auch die Story um Gaia... *gähn*), dass ich da einfach komplett das Interesse verloren habe. Einzig Krystal war irgendwie ansatzweise interessant, aber da fand ich dieses Sprachkauderwelsch wahnsinnig störend... Wenn diese Sprache passend gewesen wäre, okay - aber das war stellenweise so erzwungen und unstimmig.

      Aber es gibt bestimmt noch viel schlimmere Bücher ;)

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  3. Gut, dann weiß ich ja, dass ich mir dieses Buch sparen kann...

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    1. Also ich würde es definitiv nicht weiterempfehlen - aber gerade bei Lesevorlieben ist ja auch jeder ein bisschen anders...

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  4. Schade, dass die eigentlich ja gar nicht so schlechte Idee so öde verpackt wurde. Sowas ärgert mich bei Büchern immer sehr!

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    1. Jaa, wenn irgendwo Potenzial ist, finde ich es schade, wenn es nicht ausgeschöpft wird - aber bei diesem Buch frage ich mich immer noch, was denn jetzt eigentlich die Message hätte sein sollen...

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