Montag, 10. März 2014

Der Ruf des Kuckucks - Robert Galbraith

Wenn ich mich bei BloggdeinBuch für einen "bekannten" Titel bewerbe, gehe ich eigentlich nicht davon aus, dass ich ihn tatsächlich zugeschickt bekomme - bei "Der Ruf des Kuckucks" aus dem blanvalet-Verlag war mir das Glück (zu meiner eigenen Überraschung!) hold und ich durfte mir das Krimidebüt von J.K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith zu Gemüte führen. Ich hatte das ganze "Drama" um die Veröffentlichung und die Aufdeckung des Pseudonyms zwar am Rande mitbekommen, mich aber nicht sonderlich darum geschert und war gespannt, was das Buch nun zu bieten hatte.

Mit 22,99€ ist die gebundene Ausgabe glaube ich voll im Rahmen, immerhin bekommt man dafür auch stolze 640 mit einer netten Geschichte. Auch wenn das für mich schon ein bisschen in die Kategorie "Wälzer" fällt, kam mir das Buch letztlich gar nicht so lang vor.
Vorneweg der Aspekt, den ich ein bisschen schade finde: Im Original lautet der Titel "The Cuckoo's Calling", was mit "Der Ruf des Kuckucks" keinesfalls falsch übersetzt wurde, aber trotzdem der Rafinesse des englischen Titels nicht gerecht wird. Mir ist erst gegen Ende des Buchs klar geworden, wie verdammt geschickt der Originaltitel eigentlich gewählt ist und wie viele Informationen da für den Leser eigentlich drinstecken (wenn man des Englischen mächtig ist)! Die deutsche Variante erschließt sich nur über Umwege der Eigenübersetzungen und die vielschichtige Bedeutung von "calling" ist in Ruf nun keinesfalls erfasst.

Aber gut, der Inhalt zählt ja! Während ich bei "Fünf" noch geschrieben habe, dass es das perfekte Badewannenbuch ist, war "Der Ruf des Kuckucks" für mich eines der Bücher, die ich am liebsten nicht aus der Hand legen wollte. Der Fall, dem Detektiv Cormoran Strike nachgeht, ist hier sicherlich nicht unspannend, aber nicht das, was mich an dem Buch gefesselt hat, sondern eher die Charaktere, die mir sehr schnell sympathisch waren oder die ich zumindest interessant fand. Der Ermittler Strike wurde mir im Verlauf des Buches sehr viel sympathischer, als er beim ersten Eindruck war: abgehalfterter Soldat mit Kriegsverletzung, der sich eher mindererfolgreich als Detektiv durchschlägt und noch dazu ein katastrophales Privatleben hat - nicht gerade die ungewöhnlichste Ausgangslage, aber in der Story stimmig und gut umgesetzt.

Dazu Robin, eigentlich seine zeitlich befristete Aushilfe (die übrigens ihr Psychologiestudium auch nicht beendet hat - das scheint mich in Büchern zu verfolgen), die aber mit der Stelle so ein bisschen ihren Kindheitstraum verwirklichen kann, sich damit aber Ärger mit ihrem Verlobten einhandelt und mit ihrer Pfiffigkeit punkten kann. Die beiden funktionieren einfach sehr gut zusammen, obwohl sie sowohl von der Persönlichkeit, als auch von der Einstellung her krasse Gegensätze bilden. Dazu kommt ein doch leicht seltsam anmutender Fall, der sich mit der Glitzer- und Glamour-Welt befasst: Ein Supermodel stürzt vom eigenen Balkon in den Tod und während die Polizei von Suizid ausgeht, beauftragt der Adoptivbruder Strike (der übrigens in der Kindheit mit dem verunglückten Bruder befreundet war) mit der Suche nach den Mörder.

Das Beziehungsgeflecht der High Society ver- und entwirrt sich im Laufe des Buches, die persönliche Geschichte des Opfers ist durchaus interessant und das Ende für mich, na sagen wir, zumindest überraschend (und irgendwo dazwischen macht es mit dem Titel im Hinterkopf *bling*, auch wenn der Fall dadurch noch nicht gelöst wird). Auch wenn ich den Schluss ein wenig konstruiert fand (was sich wiederum anderweitig erklären lässt), macht die Lösung des Falls den Charme des Buches nur zum Teil aus. Es macht einfach Spaß, Strike und Robin bei den Ermittlungen zu folgen, ihre Schlussfolgerungen erklärt zu bekommen (mitdenken ist hier nur bedingt möglich) und mit anzusehen, wie sich der Fall und vor allem auch die Charaktere entwickeln.

Wäre das Buch jetzt nicht von J.K. Rowling, es wäre wohl ein wenig in der Weite der guten, aber nicht herausragenden Krimis untergegangen. Es lässt sich gut lesen und hat mich definitiv gepackt, weil die Charaktere gut gestaltet sind, ist aber bei Weitem kein Meisterwerk, das durch besondere Originalität oder Kreativität glänzt. Sprachlich sehr flüssig, geht ob der Übersetzung ein bisschen was verloren, das glaube ich in der Originalsprache das Buch noch ein wenig aufwertet - aber so ist das ja leider häufig. Auf jeden Fall ist das ein Krimi, den ich problemlos weiterempfehlen würde!

Kommentare:

  1. Aaaach jetzt werde ich hier nicht nur mit Nagellack, sondern auch noch mir Büchern angefixt...schlimme Lena! Ich hoffe es liest sich besser als "Ein plötzlicher Todesfall". Aber da konnte mich das Thema auch nicht so mitreisen. Dieses intregante Vorstadtmenschen Thema ist nicht so meins und dann habe ich auch nicht mehr weiter gelesen. Aber das hört sich sehr interessant an :-)

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    1. Ja nun, man muss doch immer wieder mal was Neues bringen ;) "Ein plötzlicher Todesfall" hab' ich gar nicht gelesen, weil es irgendwie nicht so wirklich gut weggekommen ist in meinem Umfeld...

      "Der Ruf des Kuckucks" fand ich dafür wirklich sehr nett, da war vieles stimmig und gut lesbar - aber halt eben auch nicht wirklich eine Erleuchtung (aber gut, wann hat man die heutzutage schon?).

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  2. Ich hab das Buch gehört und fand es super klasse! Wieder mal eines der Bücher über dessen Ende fast ein paar Tränen verdrücken musste. Ich hoffe Comoran und Robin bekommen eine Fortsetzung!

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    1. Als Hörbuch stelle ich mir das ja auch nicht schlecht vor - wenn passend gelesen wird^^ Strike ist in meinem Kopf doch schon eine sehr spezielle Person und das muss man auch ordentlich vertonen :) Ich glaube, der Nachfolger soll Mitte diesen Jahres kommen - da gibt es also definitiv eine Fortsetzung :)

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  3. Das ist das Krimidebüt von J.K. Rowling? Ich dachte immer, das wäre das Buch, was sie unter ihrem eigenen Namen raus gebracht hat?

    Nun gut, es klingt so nicht richtig nach mir… Merkwürdig, ich rede viele krimiähnlichen Bücher, aber alle auf Englisch und irgendwie ist das was ganz Anderes. ^^

    LG Lotte

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    1. Das andere war wohl nur ein Roman und kein Krimi - munkelt man.

      Hmm, ob das so dein Buch wäre, weiß ich nicht - aber ich fands nicht übel... Man darf halt kein Wunderwerk erwarten ;)

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  4. Aaaaalso, das würde ich dann doch mal lesen ... *zwinkerzwinker* ;-)

    Antwort auf deine Mail kommt noch ... bin aktuell im Streeeeeß -.-

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    1. Hihi ;) Könnte wirklich was für dich sein - ist nicht sonderlich blutig, kein Horror, aber eine schöne Geschichte :)

      Und Stress ist ungesund! :x Ich schicke dir mal einen virtuellen Keks - oder fastest du die auch? ^^

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  5. Ich glaub ich weiß was du mit der Finesse des englischen Titel meinst... Ich sag dazu nur: Apostroph...
    Ich finds cool wenn man sich nen männlichen Nickname gibt ^^" Interessant dass das das erste J.K. Rowling Buch ist

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    1. Ja, der Apostroph ist auch nochmal so eine Sache, bei der ich aber nicht weiß, ob das Absicht oder Zufall war^^ Funktioniert aber in beide Richtungen sehr gut, wobei da ein leicht anderer Unterton dazukommt... Hach :x Man könnte darüber stundenlang philosophieren!

      Das ist wohl ihr erster Krimi - und das männliche Pseudonym... Naja, ich vermute mal, dass es immer noch so ist, dass man unter einem Männernamen mehr Absatz hat als unter einem Frauennamen ^^

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