Montag, 3. Februar 2014

Nur eine böse Tat - Elizabeth George

Jedes Jahr irgendwann vor Weihnachten kommt der neue Lynley-Roman von Elizabeth George - und inzwischen hat es sich eingebürgert, dass ich ihn dann unterm Weihnachtsbaum liegen habe. Das hat den großen Vorteil, dass ich mich auf die Weihnachtsferien freuen kann und weiß, was ich da lesen werde - allerdings ist es nicht immer leicht, im Vorfeld den Rezensionen zu dem Buch zu entgehen...

Nachdem ich den letzten Band "Glaube der Lüge" schon nicht so wahnsinnig toll fand, habe ich gehofft, dass der neue Roman wieder zur gewohnten Qualität zurückkehrt... Zumal das Ende des letzten Buches auch ein wahrer Cliffhanger war (und da ist es dann besonders fies, wenn man ein ganzes Jahr warten muss!).
Mit "Nur eine böse Tat" geht es jetzt also weiter und ich muss sagen, ich bin weder mit dem Verlauf der Geschichte, noch mit den Charakterentwicklungen so richtig zufrieden... Am Ende des letzten Buches stand fest, dass die Tochter von Barbaras Nachbar entführt wurde und auf der Suche nach dem Mädchen ist man logischerweise dann in diesem Band. Die Geschichte wird nach Italien verlagert (eh, warum eigentlich?), wohin die Mutter mit dem Kind geflohen ist. Irgendwie geht damit schon ein bisschen was von dem eigentlichen Charme verloren.

Hauptsächlich geht es hier also eher um Barbara, aber auch Lynley und seine kleine Romanze mit Daidre (niedliche Geschichte, hat mich aber ehrlich gesagt nicht so richtig mitgenommen) bekommen ein bisschen Platz. Vom "Kriminalfall" abgesehen, geht es hier eigentlich viel mehr um Beziehungen, Einstellungen und Ansichten von Menschen und während ich gerade die psychologische Ebene in den frühen Romanen wahnsinnig gut fand, fand ich das hier stellenweise doch ein bisschen abstrus. Sicherlich menschlich, aber irgendwie einfach nicht richtig passend und nicht ganz stimmig mit meinen Vorstellungen von den Charakteren.

Es sind definitiv ein paar Wendungen drin, die man als Leser nicht erwartet hatte (darum ist der Titel auch so gut gewählt, immerhin hat man hier "Just one evil act" einfach übersetzt) und natürlich sind auch einige interessante Nebengeschichten drin, aber irgendwie ist das Buch für mich zu vollgepackt. Lynley ist in Italien, Barbara ermittelt in England und lässt ermitteln - hier gibt es schon einige Sidelines wie die Geschichte um den Ermittler in Italien, den Familienzwist um das Opfer oder den Detektiv in London; das Mädchen wird gefunden, ein weiterer Fall ergibt sich... Die Geschichte ist recht komplex und dadurch gehen einige Sachen einfach unter, habe ich so ein bisschen das Gefühl und mir fehlt der rote Faden und die Message, die vermittelt werden soll.

Am blödesten finde ich übrigens wirklich die Lösung des Entführungsfalls - das ist so absolut gar nicht schön. Und vor allem auch nicht so richtig stimmig, wenn ich mir die vorangehenden Charaktereschichten in die Erinnerung rufe... Ich habe so das dumpfe Gefühl, dass sich der Abwärtstrend fortsetzt - und kann wieder nur auf den nächsten Band hoffen und beten, dass der wieder besser wird. Aber ob ich wirklich Lust habe, noch mehr über diese Barbara und diesen Lynley zu erfahren? Mir waren sie früher deutlich lieber...

Kommentare:

  1. Das ist wirklich schade, wenn man Jahr für Jahr auf die Fortsetzung wartet und feststellen muss, dass es sich bald nicht mehr lohnt… :( Das Warten auf eine Fortsetzung hasse ich auch wie die Pest. Hmpf. Können die nicht schneller machen? ^^

    Falls du aber eine neue "Reihe" oder einen neuen Schriftsteller angehen willst, sag Bescheid - ich hab Uuuuunmengen an tollen Vorschlägen! :D

    LG Lotte

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    1. Naja, um so einen Wälzer zu schreiben braucht man ja auch ein bisschen Zeit ;) Aber die Warterei finde ich besonders ärgerlich, wenn es dann ein blödes Buch ist :/

      Wenn ich meine ganzen Stapel Bücher durch habe, werde ich mich vertrauensvoll an dich wenden!

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