Donnerstag, 12. Dezember 2013

USA-Urlaub: Pentagon Memorial und Arlington National Cemetery in Arlington, Virginia

So, endlich komme ich dazu, das letzte Posting zu meinem USA-Urlaub fertig zu machen - unglaublich, wie lange der März schon her ist! Letztes Jahr um diese Zeit war der Trip schon weitgehend geplant und die Vorfreude riesig - was meinen Urlaub nächstes Jahr angeht, weiß ich gerade noch nicht einmal, ob es irgendwelchen geben wird, hach je...

Auf jeden Fall ist das heute wohl das Posting, was ich am längsten vor mir hergeschoben habe und was ich auch am schwierigsten finde... Als wir zum Shoppen in Pentagon City waren, konnten wir es uns nicht nehmen lassen, durch die Unterführung zum Pentagon Memorial zu gehen und uns auch dort das Denkmal anzusehen, das in Gedenken an die Opfer des 11. September aufgestellt wurde. In der Nähe des Pentagons kommt einem unglaublich viel Militär entgegen (logisch, wer arbeitet denn da?), aber als wir auf das Gelände des Memorials kamen, waren außer uns nur zwei weitere Besucher (ebenfalls Soldaten) da.
Den 184 Opfern gewidmet, die durch den Einschlag des American Airline Fluges Nr. 77 ins Pentagon ums Leben kamen, sind auf einem doch recht weiträumigen Gelände (auf dem unteren Bild ist links das Pentagongebäude zu sehen) 184 bankähnliche Gebilde aufgestellt. Sie sind alle schön in Reihe platziert - je nach Geburtsdatum der Opfer geordnet sind auf jeder "Bank" der Name sowie auch die Namen der Familienmitglieder, die ebenfalls bei dem Unglück ungekommen sind, zu finden. Auf den ersten Blick wirkt das alles sehr wirr, jedoch hat die Gestaltung des Denkmals ein durchaus schlaues System.

Die Bänke sind in zwei Richtungen aufgestellt: Die einen zeigen vom Pentagon weg und (wenn ich das jetzt nicht durcheinandergebracht habe) stehen für diejenigen Personen, die außerhalb des Pentagons, also hauptsächlich in der Unglücksmaschine, ums Leben gekommen sind.

Diejenigen Bänke, die zum Pentagon hin ausgerichtet sind, tragen entsprechend die Namen der Personen (hauptsächlich Mitarbeiter, aber teilweise auch Besucher), die innerhalb des Gebäudes Opfer der Anschläge wurden. Im Gegensatz zu den anderen Memorials, die wir besucht haben, war es hier wirklich sehr ruhig und wenig besucht - was dazu geführt hat, dass schnell eine ziemlich bedrückende Stimmung aufkam und man sich des Unglücks doch sehr bewusst wurde.

Eigentlich würde ich ja jetzt gerne noch etwas Nettes schreiben - aber dummerweise passt das so gar nicht ins Konzept, denn wir waren noch auf dem Arlington National Cemetery, den ich schon bei einem Schüleraustausch besucht hatte. Meine Erinnerungen an dieses Nationaldenkmal waren sehr zwiespältig, einerseits ist es sehr positiv, dass der Gefallenen in dieser Form gedacht wird - andererseits sind die schieren Ausmaße dieser Begräbnisstätte ganz schön bedrückend und wenn man die Geschichte, die dort begraben liegt, noch bedenkt, wird einem sehr schnell sehr mulmig (zumindest mir).
Von der Tatsache abgesehen, dass über 260.000 Beisetzungen auf dem Gelände stattgefunden haben (das zur Zeit unserer Reise übrigens auch erweitert wurde - eine Menge an Baggern und Baumaschinen war dort unterwegs), gibt es natürlich einige Berühmtheiten, die in Arlington beigesetzt wurden.

Am bekanntesten dürfte wohl das Grab von John F. Kennedy sein, das zahlreiche Besucher anzieht und neben der ewigen Flamme (das ist dieses kleine, kaum erkennbare Ding, das in der Steinumrandung vor sich hinflackert und auf mich immer noch schrecklich unspektakulär wirkt) auch noch einige interessante Zitate von JFK zur Schau stellt (die Tendenz dazu kennen wir ja inzwischen von diversen anderen Memorials). Direkt neben JFK  selbst ist die Grabstätte seiner Frau Jackie, aber auch die verstorbenen Kinder des Ehepaars sowie die Brüder von JFK haben in der Nähe eigene Grabstätten - hat also durchaus etwas von einer Familiengruft.

Viel beeindruckender und bedrückender, erstaunlich und erschreckend fand ich aber das restliche Areal des Friedhofs. Der Friedhof wurde 1864 errichtet und seitdem ständig erweitert - wie man es aus Filmen kennt, reihen sich je nach Sektion Grabstein an Grabstein. Die "moderneren" Grabsteine sind alle einheitlich in Weiß gehalten und stehen brav in Reih und Glied - ganz so, wie die Soldaten es früher auch im Dienst getan haben.

Ältere Gräber haben durchaus auch mal größere und verzierte Grabsteine - aber gerade diese Aufreihung an gleichartigen Grabstätten fand ich besonders in der Masse wirklich eindrucksvoll. Da das Areal etwa 250 Hektar groß ist, kann man sich vielleicht grob vorstellen, wie viele dieser Grabsteinreihen man dort vorfindet...

Wenn man an den unterschiedlichen Sektionen vorbeigeht und den Blick schweifen lässt, ist es besonders bei sonnigem Frühlingswetter ein bisschen surreal: Die Besucher unterhalten sich, Schulkinder toben herum, die meisten steuern das Grabmal des unbekannten Soldaten an - wenn man nicht wüsste, dass man gerade auf einem Friedhof unterwegs ist, hätte das auch ein Stadtpark sein können. Das Bewusstsein für das Gelände, die Bedeutung dieser hübschen, weißen Täfelchen - das tritt erstaunlich schnell in den Hintergrund.

Die auf dem Eingangsschild geforderte Würde und der dort aufgeführte Respekt, sind nur teilweise vorhanden - zumindest kam es mir so vor.

Während auf den Straßen die Landschaftspfleger mit SUVs vorbeidüsten oder auch mal ein Bus an uns vorbeifuhr, fand ich den Ausblick doch stellenweise sehr befremdlich: Auf den Grabsteinen stehen neben den Namen der Verstorbenen natürlich auch ihre Lebensdaten und erreiche militärische Auszeichnungen - und wenn man dann auf einen Grabstein blickt, der mit "Power boy" bezeichnet ist, weil der Name der Person eben unbekannt war, dann macht man sich doch so seine Gedanken...

Der Zwiespalt zwischen dem Gedenken, der Andacht und Würde und so etwas wie "Publikumstauglichkeit" wird vor allem am Grabmal des unbekannten Soldaten deutlich: Dort findet stündlich das "Changing of the guards" statt, also der Wachwechsel, dem gefühlt so ziemlich jeder, der sich auf dem Friedhof befindet, beiwohnt. Es ist wahrlich beeindruckend, wenn die Jungs mit Gardemaß stolz und würdevoll ihren Weg abschreiten und der Wachwechsel mit einer peniblen Prüfung zu Beginn (weiße Handschuhe!) durch geführt wird. Der Respekt, den die Soldaten vor diesem Denkmal haben, wird wirklich deutlich.

Aber wenn im Publikum eine kleine dicke Frau erst auf eine erneute direkte (!) Ansprache der Wache reagiert und ihren Hintern vom Boden erhebt, wobei sie ihr Hello-Kitty-Iphone dramatisch um sich schwenkt - dann fragt man sich, ob die noch alle Tassen im Schrank hat (und hat einen Heidenrespekt vor der Selbstbeherrschung des Offiziers, der die Damen definitiv mit einem Happs hätte fressen können)...

Für das Publikum steht einfach die "Show" (wobei der Wachwechsel an sich nun nicht wirklich spektakulär ist) im Vordergrund und nicht der Anlass, der hinter der ganzen Chose steht: Nämlich den unbekannten Gefallenen der vielen Kriege (zwei Weltkriege, Korea und Vietnam) Respekt zu zollen...

Nachdem wir uns den Friedhof in Arlington wirklich ausführlich angesehen hatten (es gibt noch eine ganze Menge weiterer Gedenkstätten da), ging es zu Fuß zur nächsten U-Bahn. Auf dem Weg dahin kamen wir an einem abgefahrenen Glockenturm und dem United States Marine Corps War Memorial vorbei, dessen Motiv auf einer der berühmtesten Kriegsfotografien beruht und das allen Gefallenen des Marine Corps gewidmet ist. Ich glaube, diese Szenerie kennt man auch aus diversen Filmen, die sich um die Schlacht um Iwo Jima drehen.
 
Das schöne Frühlingswetter hat auch hier eine Kulisse gebildet, die sehr dazu einlädt, sich nur an der schönen Umsetzung zu erfreuen und sich wenige Gedanken um den Anlass und die Absicht eines solchen Denkmals zu machen...
 
Hach, so nachdenklich hätte das letzte Posting zu meinem Urlaub gar nicht werden sollen - aber bei den Themen ging das einfach nicht anders. Auch wenn die kleine Reise schon gefühlte Ewigkeiten her ist, bin ich positiv überrascht, wie viele Sachen immer noch präsent sind und was mir alles noch zu einzelnen Bildern einfällt. Der USA-Trip war wirklich gar nicht mal so übel - viel zu kurz, natürlich, aber das heißt ja auch, dass es für einen nächsten Besuch noch genug Anlaufpunkte gibt...

Kommentare:

  1. (ich weiß nicht, warum ich immer an platt gelaufene Füße denken muss, wenn du deine USA Postings bringst ^^)

    Beeindruckend, respekteinflößend, ein bißchen schauderhaft… Das hast du gut in Worte und Bilder gefasst.
    Ich finde übrigens die simplen Grabsteine immer edler und würdevoller.

    Und ich hoffe, die nächste Reise ist nicht allzu entfernt. ;)
    LG Lotte

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    1. Ja, wir waren definitiv viel unterwegs :P Aber wir wollten ja auch was sehen und das funktioniert nur mit "im Hotel sitzen" einfach nicht ;)

      Schauderhaft trifft es glaube ich - die simplen Grabsteine wirken aber gerade aufgrund ihrer Masse dann sehr... befremdlich. Da waren die Reihen mit "unterschiedlichen" Grabsteinen weniger auffällig.

      Momentan ist zumindest nichts Größeres in Planung :/ Das einzige, was sicher ist, ist eine Arbeitsreise für ein paar Tage...

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  2. Hallöchen,
    das Arlington Memorial hat eine ziemlich interessante Geschichte (wie ich finde). Bevor es zum Freidhof wurde, war es einfach nur ein Anwesen der Familie Lee, mit riesem großen Haus. Irgendeine symbolische Bedeutung hatte es, entweder stand es auf der Grenze der Nord und Südstaaten oder es war die "letzte Bastion" vor der großen Stadt. Dann kam der Sezessionskrieg und das änderte alles. Weil Lee im Sezessionskrieg nicht für USA gekämpft hat, sondern mit Virgina verbunden war, galt er als Unloyal beim Militär und bei der Regierung. Und der damalige Präsident hat, als Lee seine Niederlage eingestehen musste, aus "Rache" die ersten Leichen im Rosengarten von Mrs Lee vergraben. natürlich nicht ohne sicherzugehen, dass Mrs Lee dies gesehen hat und immer beim Teetrinken die ersten Gräber sehen musste.
    Grüße
    Viola

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    1. Ach, siehste, dass es da noch so eine Geschichte gibt, wusste ich gar nicht! Die ganzen historischen Entwicklungen haben wir uns nicht wirklich gegeben, weil das Infocenter am Anfang total überlaufen war... Ob das Haus wohl auf dem Hügel über dem Grab von JFK stand *grübel*? Das würde ja Sinn machen!

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  3. Guten Morgen!

    Vielen Dank für diese tollen Impressionen! Ich finde es wirklich unheimlich wie wenig respekt bestimmte Personen vor den Geschehnissen aus der Vergangenheit und der Symbolik haben. Dass man kleinen Kindern den Ernst der Lage nicht unbedingt in allen Einzelheiten und Facetten nahebringt ist mir klar, aber von allen anderen erwarte ich einfach mehr! Wenni ch sowas mitbekomme, kann ich mich leider nicht so sehr beherrschen wie der genannte Offizier. Da vergesse ich schonmal meine gute Erziehung ^^.

    Absolut beeindruckend finde ich das United States Marine Corps War Memorial, das man immer wieder in Filmen sieht.

    Wie kommt man eigentlich darauf, genau diese Stätten in seinem USA Urlaub anzufahren?

    LG
    Anja

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    1. Das mit dem Offizier war wirklich Hammer - der marschierte da auf den Platz, hielt eine kurze Ansprache, dass jetzt der Wachwechsel stattfinde und alle aus Respekt aufstehen und dem Wachwechsel "still" und respektvoll zusehen sollten. Alle standen brav auf, nur diese eine dumme Frau saß in der ersten Reihe auf dem Boden und hat gefilmt. Der Offizier stand die ganze Zeit ohne mit der Wimper zu zucken da und hat gewartet - als sie immer noch nicht aufgestanden war, hat er sie dann separat angesprochen, da wäre ich ja schon im Boden versunken vor lauter Scham! Dummerweise hat sie erst beim zweiten Mal reagiert *hust* ;)

      Ach, eigentlich war das gar nicht so schwer - für uns war schnell klar, dass wir nicht nur in einer Stadt Urlaub machen wollten, sondern uns eben möglichst viel ansehen wollten. Dann schaut man einfach nach, was es alles so gibt - einige Sachen weiß man ja einfach (z.B. die Freiheitsstatue), von anderen hat man schonmal gehört oder sie im Fernsehen gesehen oder war selber schonmal da... Im Netz gibt es viele tolle Reiseführer und wir haben auch ein paar Bücher gewälzt - irgendwie ergibt sich das dann eigentlich :x

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