Montag, 11. November 2013

USA-Urlaub: National Air and Space Museum in Chantilly, Virginia, Teil 2

Dass der zweite Teil des National Air and Space Museum nicht direkt in Washington, D.C., ist, hatte ich ja schon bei meinem ersten Posting erwähnt. In Chantilly, Virginia ist sozusagen Teil 2 angesiedelt, welches im Steven F. Udvar-Hazy Center (schrecklich unaussprechlicher Name!) auch noch so einige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat. Da der Dulles International Airport sowieso gut 40km außerhalb von Washington, D.C., ist, bietet es sich an vor dem Rückflug für sagenhafte 50Cent pro Person das Shuttle am Flughafen zu besteigen und sich noch ein paar Stündchen in den riesigen Hangars des Air and Space umzusehen.

Auch hier ist der Eintritt kostenfrei und wenn man sein Gepäck schon eingecheckt hat, ist das alles ein sehr angenehmer Besuch. Leider gibt es nur einen McDonalds, um sich noch etwas Essbares einzuverleiben - aber so im Nichts kann man ja auch nicht allzu viel erwarten.

Neben dem Herzstück des Centers, das ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte, gibt es auch noch eine Menge (Original!) Flugzeuge, die Geschichte geschrieben haben...

Die Kittyhawk oben im Bild war im zweiten Weltkrieg eines der sehr vielseitigen und erfolgreichen Flugzeuge und ich fand sie einfach mit der "Kriegsbemalung" erstaunlich. Am Boden sieht man eine Lockheed SR-71 Blackbird, die einfach wahnsinnig imposant ist - stromlinienförmig, pechschwarz... Aber "nur" ein Aufklärer, der dafür schnell genug flog, um vor Boden-Luft-Raketen sicher zu sein.

Deutlich knuffiger kam da die "Wunderwaffe" Messerschmitt Komet daher - ein Objektschutzjäger, der als erstes Flugzeut die 1000km/h-Marke überschritt (traut man dem kleinen Kraftei doch gar nicht zu, oder?). Dass es sich hierbei um ein deutsches Flugzeug handelt, ist kaum zu übersehen - ich muss zugeben, dass ich doch ein leicht mulmiges Gefühl dabei hatte, an den wahnsinnig vielen deutschen Maschinen vorbeizugehen, die doch eigentlich nur ein einziges Ziel hatten...

Wahrscheinlich weil ich nicht über alle historischen Details Bescheid weiß, fand ich es doch erschreckend, wie viele hoch innovative und effektive Waffen Deutschland in seinem Arsenal hatte.

Es sind aber nicht nur Kampfflugzeuge im Hangar zu finden, sondern auch zivile Flugzeuge gibt es zu sehen. Ein Stück Geschichte ist auch, Tante Ju (bzw. Junkers Ju), die für die Deutsche Luft Hansa AG als Frachtflugzeug und auch Passagierflugzeug (eine Sitzzahl von 15 ist für heutige Größenordnungen zwar fast lächerlich, aber das gute Stück ist auch schon ein paar Jahrzehnte alt! 

Natürlich wurden die Flugzeuge auch militärisch umgemünzt - aber wenn man heutige Linienflugzeuge mit diesem Zwerg vergleicht, wird einem der Fortschritt erst so richtig bewusst.

Dass auch die US Air Force wusste, wie man eindrucksvolle Flugzeuge baut, zeigt die "Enola Gay". Der B-29-Bomber mit der Nr. 82 war es, der "Little Boy" auf Hiroshima abwarf - dass mir da ein kleiner Schauer über den Rücken gelaufen ist, ist glaube ich verständlich.

Obwohl hier die Geschichte recht neutral auf nur kleinen Infotafeln dargestellt wird und die Ausstellungsstücke alle auf Hochglanz poliert sind - so ganz konnte ich mich zumindest der enormen Bedeutsamkeit und Tragik der Geschehnisse für die Geschichte nicht entziehen.

Nachdem wir in New York schon auf der USS Intrepid eine Concorde aus der Ferne gesehen hatten, konnten wir uns das Flugzeug hier im Nation Air and Space noch einmal genauer ansehen. Sie steht da quer im Hangar, man kann unter ihr hindurchlaufen und sich auch die spitze Nase recht genau ansehen. Imposant, dieses Überschallflugzeug - ich erinnere mich auch noch ziemlich gut an das ganze Drama um die Sicherheitsproblematik im Jahr 2000...

Mit einem Flugzeug in dreieinhalb Stunden von Paris nach New York - da hätte ich auch absolut nichts dagegen gehabt... Aber so windschnittig war unser dicker Flieger dann leider nicht!

Ein bisschen makaber fand ich ja ehrlich gesagt so einige... Verschönerungen, die viele der Flugzeuge hatten. Die Zahnreihe und die Augen, die die Kittyhawk wie einen Hai aussehen lassen, sind da noch recht harmlos - die soll ja das ganze Flugzeug nur "böse" aussehen lassen.

Eine Tomcat der USS Abraham Lincoln mit der Miezekatze, die da eine Bombe trägt, fand ich dann schon so richtig makaber. Klar, das sind nunmal keine Schönwetter-Passagier-Flieger, aber irgendwie waren mir auch die Stinktiere und anderen Kriegsbemalungen doch ein bisschen suspekt... Wobei ich auf der anderen Seite auch verstehen kann, dass man sein Arbeitsgerät ein bisschen aufhübschen will, aber so ganz war mir das nicht.

Das Museum heißt bekanntlich "Air and Space" - zum Thema Air kann man sich natürlich noch viele, viele weitere Flugzeuge, Hubschrauber und anderes Fluggerät ansehen! Aber das "Space" ist es, was diesen Museumsaußenposten so richtig interessant macht...
Da steht nämlich im James S. McDonnell Space Hangar die Raumfähre Discovery in voller Größe und raubt einem erstmal gehörig den Atem... Nein, das ist kein Nachbau, das ist die ganz echte Discovery-Fähre, die von 1984 bis 2011 bei insgesamt 39 Flügen über 230 Millionen Kilometer zurückgelegt hat.

Mit ihren 37m Länge und 24m Spannweite ist das Space Shuttle gar nicht mal so klein - aber irgendwie muss ich zugeben, dass ich mir so ein "Raumschiff" doch noch ein bisschen größer vorgestellt habe. Die Discovery hat unter anderem auch das Hubble Teleskop in den Orbit gebracht und einige Missionen zur ISS unternommen.

Für 27 Jahre Dienstzeit sieht sie ja eigentlich noch ganz schön fesch aus - zumindest fand ich nicht, dass man ihr die großen Strapazen, die sie ja miterlebt hat, übermäßig angesehen hat. Leider konnte man nicht in das Shuttle rein - das hätte mich ja nochmal ein bisschen mehr interessiert, aber außenrum gehen, sich die Außenhaut mit den deutlichen Abnutzungserscheinungen ansehen und einfach nur ein bisschen darüber nachdenken, was dieses Stück Technik alles schon "erlebt" hat, war schon auch echt krass. Ich meine - das Ding war im Weltall. Mehrfach. Und es ist immer wieder heile zurückgekommen und steht jetzt einfach so im Museum rum und man kann es sich anschauen!

Natürlich ist da nicht nur die Discovery zu sehen, es gibt zahlreiche Infos zu den Missionen, über der Discovery schweben zum Beispiel so einige Sateliten und es gibt noch viele andere "Weltraumsachen" zu sehen, wie z.B. das Spacelab-Modul oder auch so einige Raketen und auch ein Modell des Mars Pathfinder, der den Mars Rover auf den Mars gebracht hat (viel Mars in einem Satz).

Auch einige Kapseln kann man sich noch einmal genauer ansehen und auch den Paraglider der Gemini-Mission genauer ansehen - aber irgendwie schweift der Blick immer wieder zu diesem dicken Koloss in der Mitte des Hangars.

Dass die Discovery nicht komplett auf Hochglanz-Ausstellungsstück poliert ist, sondern auch noch so ihre Abnutzungserscheinungen behalten hat (wer hätte denn sonst auch geglaubt, dass das wirklich das Teil ist, was 27 Jahre lang ständig von der Erde abgehoben ist?), sieht man am besten im Bauchbereich.

Die kleinen Platten, die die gesamte Panzerung des Rumpfes ausmachen, fand ich wahnsinnig spannend und hätte sie mir auch einfach stundenlang ansehen können. Wie viel Arbeit da drinsteckt, diese einzelnen Kleinteile passgenau und perfekt aufeinander abgestimmt an dieses riesige Raumshuttle zu "kleben" - und wehe, wenn auch nur an einer Stelle ein Fehler passiert... Wenn man sich überlegt, welchen Kräften und welcher Hitez diese Teile bei einem Start ausgesetzt werden und mit welcher Geschwindigkeit sie sich durch die Atmosphäre pflügen... Also ich möchte da nicht derjenige sein, der irgendwann feststellt, dass ein Eckchen doch nicht perfekt angeklebt wurde!

Ganz schön eindrucksvoll, ich hätte auch einfach nur das Spaceshuttle in diesem Hangar stehen haben können - man muss zwar vielleicht eine gewisse Begeisterung für das All mitbringen und die Gedanken ein wenig schweifen lassen, um sich ein Bild davon zu machen, was für ein Wahnsinn eigentlich so eine Mission ins Weltall ist... Aber wenn man wirklich vor einem solchen Gerät steht, fällt das nicht wirklich schwer. Atemberaubend trifft es vielleicht am ehesten - ich war auf jeden Fall stark beeindruckt.

Den dicken Grinser ins Gesicht zauberte mir dann aber der Raumanzug, den James Irwing 1971 trug. Das Michelin-Männchen lässt grüßen und dann fragt man sich doch schnell wieder, ob das nicht alles ein bisschen absurd ist, wenn man mit so einem abgefahrenen Anzug irgendwo im Nichts rumschwirren muss, in das einen gerade irgendeine Kapsel oder ein Riesenteil wie die Discovery gebracht hat....

Wenn man die Gelegenheit bekommt, sich mal das "echte" Star Trek anzusehen, sollte man sie auf jeden Fall ergreifen - ich möchte den Besuch im Air and Space auf keinen Fall missen... Ab und zu kann man ja auch mal darüber nachdenken, ob wir uns nicht alle ein bisschen zu ernst und wichtig nehmen - wenn man mit der Discovery konfrontiert wird, fällt das auch gar nicht so schwer...

Kommentare:

  1. Ich finde ja den kleinen Knuffigen da oben lustig. :) Und die Discovery hätte ich mir ja auch gern mal näher angesehen. Das ist immer so unwirklich, wenn man Berichte darüber sieht...

    LG Lotte

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    1. Die kleine Messerschmitt sieht auch echt cool aus - so ein bisschen wie die Knutschkugel Fiat 500^^

      Das ist auch irgendwie etwas unwirklich, wenn man davor steht - das Ding soll im All gewesen sein? Einerseits ist es ganz schön riesig - und andererseits auch ganz schön klein... Sehr surreal irgendwie...

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  2. Huhu,

    zu schade, dass man nicht in das Space Shuttle rein darf, das hätte mich echt brennend interessiert. Ich war vor kruzem in einem alten Uboot und ich kann dir sagen, wer so eine Enge aushält muss es topfit oder frisch operiert sein =). Das ist wirklich krass.

    Ich finde den Bereicht super! Die Art wie du so viele Informationen in deinen Beitrag verarbeitest, hat mir gut gefallen!
    Und dann der philosophische Abgang, ganz fantastisch! Ich kann dir nur zustimmen und bin sehr beeindruckt, obwohl ich nicht direkt davor stand.

    LG
    Anja

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    1. Hi Anja, vielen Dank für deine lieben Worte :) Ich weiß immer nicht, ob solche Berichte nicht einfach zu langweilig sind - aber dann denke ich mir einfach, dass ich das auch hauptsächlich für mich schreibe, um Eindrücke auch festzuhalten und wenn es einfach nur ein paar Leute interessiert, ist das super!

      Mich hätte es auch sehr interessiert, wie es innen drin aussieht - aber wenn man da mal an die anderen Maschinen denkt, wird der Platz auch eher knapp sein... Ähnlichkeiten mit einem Uboot sind nicht ausgeschlossen - da muss man wirklich was abkönnen...

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