Samstag, 26. Oktober 2013

USA-Urlaub: National Air and Space Museum in Washington, D.C., Teil 1

Das letzte USA-Posting ist schon wieder viel zu lange her - irgendwie kommt mir ständig irgendwas dazwischen, dabei habe ich gar nicht mehr so viel zu erzählen! Aber nachdem ich mir schon die Fotos rausgesucht und meine Notizen dazu gemacht habe, will ich die letzten paar auch noch loswerden - auch wenn der Urlaub schon ewig her ist!
Da ich nicht alleine unterwegs war, war klar, dass ich auch das eine oder andere Zugeständnis würde machen müssen und so verschlug es uns ins National Air and Space Museum, das ebenfalls von der Smithsonian Institution betrieben wird und somit keinen Eintritt kostet.  Im Air and Space gibt es, wie der Name schon vermuten lässt, massenweise Flugzeuge und allerhand Zeugs, das im Weltraum herumschwirrt(e) - nicht gerade das typische Zeug für Mädchen, aber doch historisch teilweise sehr interessant und das eine oder andere Exponat (wie die "Dark Star"-Aufklärungsdrohne von Lockheed) war auch ganz schön beeindruckend.

Das Air and Space ist in zwei Anlagen aufgeteilt, die heutige befindet sich in der National Mall, die andere in der Nähe des Flughafens - deswegen haben wir kurz vor unserem Heimflug da noch einen Abstecher hin gemacht. Das Nervige am Air and Space ist, dass es dort keinerlei Schließfächer gibt, in denen man seine Klamotten oder Taschen ablegen könnte - man muss also alles mit sich herumschleppen, was gerade bei Regen nicht wirklich angenehm ist (aber hey, dafür gibt es da mal wieder ein IMAXX und anderen unnützen Krimskrams, für den man dann natürlich Geld verlangt - das ist irgendwie was, das ich nicht so ganz verstanden habe; da hätte ich lieber für ein Schließfach ein paar Dollar gezahlt...).

Sehr empfehlenswert sind die kostenfreien Führungen, die das Air and Space anbietet und in denen man zu unterschiedlichen Themen durch ausgewählte Bereiche der Ausstellungen geführt wird. Wir hatten gerade Glück und mussten nur 10 Minuten warten, bis eine "Highlights"-Tour startete und uns ein netter älterer Herr (dem man durchaus abgekauft hat, dass er absolut alles, was er uns gezeigt hat, persönlich miterlebt hat - sogar den ersten Flug der Brüder Wright!) knappe 90 Minuten lang die spannendsten Ausstellungsstücke zeigte, nette Anekdoten erzählte und auch Fragen beantwortete.

Danach sind wir zwar noch deutlich länger durch den Rest der Ausstellung gewandert und haben uns vieles noch einmal genauer angesehen - aber die Tour würde ich jederzeit wieder machen, weil es einfach noch ein paar weitere Einsichten gab und man auf Dinge aufmerksam gemacht wurde, die einem ansonsten vielleicht entgangen wären. Insgesamt ist das Air and Space aber auch sehr besucherfreundlich, mit vielen Infotafeln und entsprechenden Erläuterungen - man kann da also sehr viel Zeit zubringen.

Die unterschiedlichsten historisch relevanten Ereignisse werden im Air and Space thematisiert, es gibt das erste Post- und das erste Werbeflugzeug, zahlreiche Maschinen aus dem ersten und zweiten Weltkrieg... Ein netter Raum befasst sich mit dem roten Baron und auch einer Frau wird besonders viel Aufmerksamkeit gewidmet: Die Geschichte um Amelia Earhart, die durch dem Film wohl auch bekannteste Flugpionierin und ihr tragisches Schicksal (oder vermeintlich tragisches Schicksal, da sie im Pazifischen Ozean verschollen ist) werden recht ausführlich dargestellt. Auch wenn man mit dem Frauenthema nicht so viel am Hut an - es ist doch erschreckend, welche "Rechte" sich Frauen erst sehr spät erkämpft haben.

Auch ein paar Protoypen bzw. Experimentalflugzeuge findet man in der Halle - allerdings hängen die meisten in sicherer Entfernung zum Besucher in luftiger Höhe... Das ist zwar teilweise nachvollziehbar, aber ab und an hätte ich mir doch auch gewünscht, einen genaueren Blick auf die einzelnen Maschinen werfen zu können.

Sehr genau konnte man sich dafür den Wright Flyer ansehen, der wahnsinnig instabil und flatterig aussieht, aber tatsächlich in der Lage war zu "fliegen" - also zumindest, wenn man die bis zu knapp 300 m Fortbewegung ohne Bodenkontakt schon als "fliegen" bezeichnen möchte.
In der Ausstellung gibt es allerhand Informationen und noch weitere Entwürfe der Brüder Wright zu sehen und ich war schon ganz schön erstaunt, wie irre man sein muss, um sich so schutzlos auf diesen Doppeldecker zu legen und dann mehr oder minder zufällig durch die Luft zu düsen.... Das Ding hat es zwar nur auf knapp 50km/h gebracht - aber trotzdem, wenn man das mal mit den heutigen Flugzeugen vergleicht, glaubt man kaum, dass zwischen dieser Wackelkonstruktion und unseren Jumbojets nur etwas mehr als 100 Jahre liegen...

Es gäbe natürlich noch mehr als genug Fotos aus dem "Air"-Bereich zu zeigen - aber dann würde ich hier wohl nie zum Ende kommen, deswegen mache ich jetzt mal einen kleinen Schlenker zum "Space". Denn gleich in der großen Halle hinter dem Eingang sind ein paar wahre Schätze ausgestellt, die mir gleich einen höllischen Respekt vor den Astronauten eingebracht haben. Neben einer Mercury-Kapsel ist auch eine Gemini IV-Kapsel zu sehen, mit der White den ersten Weltraumausstieg der Amerikaner durchgeführt hat. Und die ist verdammt winzig - ich möchte da nicht wirklich mehrere Stunden drin zubringen... Beeindruckend waren auch die Hitzeschilde der Kapseln, die man sich auch mit den entsprechenden Abnutzungsspuren genau ansehen konnte.

Da es im Air and Space schon bei den Flugzeugen auch "ausländische" Flieger gab (wobei ich das schon krass fand, wie viele deutsche Flugzeuge die da ausgestellt hatten!), war man auch nicht so vermessen, die Leistungen der sowjetischen Kosmonauten bzw. der dortigen Raumfahrtprogramme zu unterschlagen. So baumelt irgendwo an der Decke ein kleiner Sputnik (der ganz schön unauffällig ist) und man kann sich auch das Dockingmodul mit den beiden Kapseln des Apollo-Sojus-Projekts genauer ansehen.

Beeindruckend fand ich dann auch die schiere Größe so einer Pershing-Rakete, bzw. generell die Größe so einiger Waffensysteme im Vergleich zu sehr klein wirkenden Transportkapseln wie z.B. der Gemini, Apollo oder auch Mercury. Wenn man sich dann noch überlegt, welche Probleme Astronauten nach so einem Weltraumflug haben, muss ich ja ehrlich sagen, dass ich den Job gar nicht mehr so attraktiv finde - auf engstem Raum eingepfercht sein, dann die ganze Zeit Tütenfutter und am Ende noch Muskelprobleme? Ne, danke, dann wäre ich doch lieber ein Sprengkörper, der kriegt nämlich ordentlich Platz in seinem Raketchen...

Richtig interessant wurde es dann aber, als es an die wirklich großen Geschütze, wie z.B. das Skylab, in das man auch reinschauen bzw. durch das man durchgehen durfte. Was da steht, ist natürlich nicht das ursprüngliche Skylab - das ist nämlich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre großteils verglüht, ein paar Stücke sind zwar irgendwo runtergekommen, aber heil kam das Ding nicht wieder auf der Erde an (und schon gar nicht so auf Hochglanz poliert!). 

Das Skylab war die erste bzw. einzige US-Weltraumstation und auch da muss ich sagen: Ganz schön klein für so eine Station! Okay, ich mag ein bisschen von Star Trek und dem ganzen Schmu beeinflusst sein - aber wenn man bedenkt, dass in diesem Zylinder noch eine ganze Menge an Instrumenten und anderem Kram untergebracht ist, ist da drinnen nicht wirklich noch übermäßig viel Platz für Menschen! Und ich wage zu bezweifeln, dass sich in den letzten 40 Jahren diese Dinger so extrem weiterentwickelt haben, dass sie jetzt Ausmaße erreichen, die übermäßig viel größer sind (irgendwie muss das ganze Zeug ja auch erstmal nach oben geschossen werden!)... Schon erstaunlich, wie sehr man sich da doch verschätzen kann...

Noch ein bisschen spannender als das Skylab fand ich ja das Hubble-Weltraumteleskop, dessen wirklich riesige Solarsegel (bzw. die eine Hälfte dieses Segels - oben drauf müsste man sich noch einmal genau die gleiche Länge denken) direkt neben ihm aufgefaltet von der Decke hingen - mein lieber Schieber!

Witzig ist natürlich, dass einige der Bilder, die Hubble gemacht hat, für z.B. Star Trek tatsächlich genutzt wurden - so schließt sich als der Kreis aus Fakt und Fiktion. Generell ist Hubble ja immer mal wieder in den Medien und auch da hätte ich gedacht, dass das Teil deutlich größer ist - aber da hat mich das Air and Space doch in so einigen Belangen eines besseren belehrt. Wobei das bei Betrachtung einzelner Teile wieder ganz anders ist - z.B. wird an einer anderen Stelle auch einer der Ersatzspiegel von Hubble gezeigt und der wirkt dann trotz seiner "nur" 2,4m Durchmesser auf einmal ganz schön riesig. Wenn man sich die Mühe macht, sämtliche Täfelchen durchzulesen, ist man wahrscheinlich eine halbe Ewigkeit in dem Museum unterwegs - das aber auch wie die meisten um 17:30 Uhr seine Pforten schließt.

Richtig cool fand ich ja noch Apollo 11 - was (angeblich) das identische Geschwisterchen der Kapsel ist, die tatsächlich auf dem Mond gelandet ist (zumindest behauptete das unser netter Guide - das Teil, das da im Museum steht ist also komplett aus dengleichen Materialien gefertigt und zumindest theoretisch "weltallfähig"). Die Szenerie ist natürlich an die Mondlandung vom 21.07.1969 angelegt, als Armstrong und Aldrin mit dem Spruch "The eagle has landed." die Landung auf dem Mond an Houston, Texas, gemeldet haben und dann der arme Armstrong wohl einen grandiosesten Versprecher der Geschichte geliefert hat (was so ein kleiner Buchstabe alles ausmachen kann, tse, tse, tse).

Wie so viele andere Exponate ist auch die Mondlandung mit vielen Details versehen - so hat man natürlich auch die entsprechenden Namen auf die Raumanzüge gepackt und sich wirklich auch mit den Kleinigkeiten viel Mühe gegeben (mal davon abgesehen, dass über dem Modul diverse Satelitten hängen, die auf dem Mond sicherlich nicht sind...).

Das Museum ist also auch für kleine Geschichtsmuffel einen Blick wert - man kann ein bisschen Geschichte "schnuppern", sich aber auch über die wissenschaftlichen Aspekte informieren und bekommt durchaus so einiges geboten. Da kann es dann auch passieren, dass man gar keine Zeit mehr hat, sich noch einen der Filme im Kino anzusehen - wobei wir das auch gar nicht eingeplant hatten... Ich muss allerdings auch sagen, dass ich die zweite Ausstellung des Air and Space ein bisschen spannender fand, als das Museum in der Stadt - aber dazu mehr, sobald ich wieder Zeit hatte, alles zusammen zu basteln...

Kommentare:

  1. Ich bin immer wieder platt von dem Kulturschock, den ihr euch da verpasst habt. :) Ich glaube, für Air & Space hätte ich dann keine Kraft mehr gehabt. Geb ich ehrlich zu. ^^

    LG Lotte

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    1. Ach, wenn ich daheim schon nicht so viel Kultur hab, dann im Urlaub :P Ne, aber war ja so geplant und es war auch immer abwechslungsreich - ich hätte das nicht missen wollen. Ewig Shoppen gehen kann man ja auch nicht ;)

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    2. Da hast du Recht, da krieg ich immer irgendwann Rückenschmerzen. ;) Kultur im Urlaub ist ja auch wichtig.

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