Donnerstag, 12. September 2013

Hachez Chocoversum reloaded

Vor gut anderthalb Jahren hatte ich schon einmal von meinem Besuch im Chocoversum von Hachez berichtet - und war damals so gar nicht begeistert. Anscheinend ging das nicht nur mir so, sondern auch anderen Besuchern, denn das Konzept des Chocoversums wurde umgestaltet! Es gibt jetzt Führungen zu festen Zeiten und ich erhielt das nette Angebot, mich vom "Chocoversum 2.0" neu überzeugen zu lassen (niemals hätte ich gedacht, dass jemand so ein altes Posting rauskramt - aber ab und zu hat man halt Glück!).
Ich bin ganz ehrlich: Ich musste ein bisschen drüber nachdenken, aber da mein bester Freund zu Besuch und bereit war, sich in das Abenteuer zu stürzen (und zwar obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich bei meinem letzten Besuch eher unterwältigt war!), haben wir es gewagt und uns an einem Freitag Nachmittag ins Museum begeben.

Und da sich wirklich einiges geändert hat, gibt es heute sozusagen ein "Update" zum alten Post - das Chocoversum hat sich nämlich gemausert!

Die wichtigste Änderung ist, dass es jetzt nur noch geführte Touren (Übersicht zu Terminen hier) gibt (für die man sich aber nicht voranmelden muss) und man nicht mehr auf eigene Faust durch die Ausstellung läuft. Der zweite große Pluspunkt ist, dass man jetzt seine eigene Schokolade - oder eher Chocolade - gestalten darf. Der Preis ist auch ein wenig angestiegen - stolze 14€ muss man nun für den Besuch im Chocoversum berappen.

Die Ausstellungsräume sind immernoch die gleichen und auch die Infotäfelchen sind geblieben - der große Vorteil ist jetzt aber, dass man mit einem netten Guide die Informationen nett aufbereitet präsentiert bekommt, nachfragen kann und auch das eine oder andere zusätzliche Geschichtchen erzählt wird. Es geht mit der Herkunft des Kakaos los - dieser Teil ist bei meinem ersten Besuch ziemlich kurz gekommen, dieses Mal haben wir die Infos über Konsum-, Edel- und Wildkakao interessiert aufgenommen und uns auch sehr gewundert, wie niedrig und unterschiedlich die Erträge der Pflanzen eigentlich sind.

Nach ein paar weiteren Informationen zum Anbau, der Ernte und der Aufbereitung der Kakaofrüchte ging es ins Aromaatelier, in dem beim ersten Besuch nur Pröbchen von Kakaobohnen etc. rumstanden. Dieses Mal erwartete uns eine kleine Theke mit - ich sage einfach mal "Streumaterial" für unsere Schokolade, jeder darf sich nämlich eine Tafel Vollmiclh selbst gestalten. Die Auswahl erstreckte sich von klassischen Schokotoppings wie Schokodrops, Cornflakes oder geröstete Kakaosplittern über Krokant, Zuckerperlen bis hin zu Chili, Pfeffer und Salz. Jeder durfte sich in einem Schälchen seine Lieblingszutaten zusammensuchen und diese dann auf seine frischgegossene Schokotafel verteilen.














Meine Auswahl belief sich doch eher konservativ auf weiße Schokodrops, Kakaosplitter und Salz, mein bester Freund entschied sich für Kokos, rosa Pfeffer und Zartbitterschokodrops. Künstlerisch megabegabt haben wir die Sachen auf unseren Tafeln verteilt, die dann zum Auskühlen in einen der Kühlschränke kamen und uns am Ende der Tour zum Einpacken (oder gleich aufessen) wieder übergeben wurden.














Ich gebe ja zu: Ich hätte durchaus auch schon die flüssige Schokolade aus der Form schlecken können, aber nachdem alle brav gestreut und verziert haben, habe ich doch darauf verzichtet... Als alles zur Kühlung eingeräumt war, ging es mit der Tour weiter, wir befassten uns näher mit der Verarbeitung des Rohmaterials zu der süßen Leckerei, die wir alle (sage ich jetzt einfach mal!) so gerne naschen.

Ich wusste zwar z.B., dass weiße Schokolade kein Kakaopulver enthält (aber dafür die reine Kakaobutter), aber dass Hachez keine weiße Schoki herstellt, weil das keine Schokolade im eigentlichen Sinn ist (weil eben kein Kakao enthalten ist), war mir neu. (Es gibt also Schokolade erster und zweiter Klasse, aha!)

Nette Info, die wir noch aus der Führung gezogen haben: Der durchschnittliche Deutsche legt die Zartbittertafel nach ein paar Stückchen von der Schokolade weg - die Vollmilch und die Weiße mampft er gleich ganz auf... Ich weiß schon, warum ich am liebsten Zartbitterschokolade esse!


Wie auch schon beim ersten Besuch durften wir die unterschiedlichen Verarbeitungsstadien der Schokolade probieren - aber mit einem festen Ansprechpartner, der einfach noch ein bisschen was dazu erzählt und auch mal fragt, wie genau denn jetzt was schmeckt, ist das deutlich netter (und gerade für die Kinder auch klasse!).

Ich kannte zwar die Informationen von den Täfelchen schon, fand die Führung aber trotzdem interessant - es ist einfach etwas anderes, ob man selber lesen und gucken muss oder etwas erzählt bekommt. Mein bester Freund als "neutrale" Person konnte mir da nur zustimmen, ihm hat der Besuch im Chocoversum durchaus gut gefallen.

Nachdem wir dann mit der Verarbeitung der Schokolade durch waren und uns auch noch im Minimodell die Verpackung angeschaut hatten, ging die Tour ihrem Ende zu und wir durften unsere eigenen Schokokreationen wieder in Empfang nehmen. Eigentlich konnte man sich dann noch im Ausstellungsraum umsehen (es gab durchaus noch einige Stationen, die in der Führung nicht thematisiert wurden - nichts Großes, aber eben kleine Informationen), außer uns hat das aber kaum jemand gemacht - mein bester Freund und ich sind dann aber noch einmal ein paar Stationen abgegangen, haben uns durch die gerösteten und ungerösteten Bohnen unterschiedlicher Kakaosorten durchprobiert (Wildkakao schmeckt übrigens deutlich leckerer als Konsum- oder Edelkakao!) und an diversen Pröbchen geschnüffelt (erinnerte mich ganz stark an Smellory, kennt das noch jemand?).
  
Der Weg hinaus führte uns durch den ebenfalls umgestalteten Shop - neben Pralinen und den verschiedensten hauseigenen Schokoladenvarianten gibt es dort jetzt auch allerlei andere Schokoladenprodukte: Seien es besondere Schokoladen von ausländischen Herstellern oder auch Wellnessprodukte mit Kakaobutter, Bücher rund um Schokolade und ähnliches. 

Wir haben zwar nicht geshoppt (ich musste mich aber sehr beherrschen!), aber doch recht lange gestöbert und so einige Dinge gefunden, die uns interessiert haben - in den Shop kann man übrigens auch ohne einen Besuch im Chocoversum!

Fazit des zweiten Besuchs? Deutlich positiver als nach dem ersten Mal! Das Konzept ist stimmig, das Motto "entdecken - erleben - mitmachen" wurde umgesetzt: Die Führung macht Spaß und ist informativ, man darf fragen und probieren, seine eigene Schoki gestalten (die im übrigen lecker ist!) und fühlt sich insgesamt doch gut aufgehoben. Was uns sehr positiv aufgefallen ist, sind die Hinweise für Allergiker: Beim Schokibasteln steht bei den Zutaten auch dabei, ob z.B. Nüsse oder auch Lactose enthalten sind (inkonsequenterweise gibt es dann aber nur Milchschoki als Basis - aber das wäre schon ein bisschen viel Gemecker). Man hat sich hier also durchaus Gedanken gemacht.

Was natürlich nicht ganz so schön ist, ist der Preis: Mit 14 € Eintritt für die knapp anderthalbstündige Führung sicherlich kein Schnäppchen - vor allem, wenn man da nicht alleine sondern vielleicht mit Familie hingeht (da gibt es allerdings auch wieder Rabattpakete). Allerdings bekommt man auch etwas geboten, das man sonst so nicht hat - ich würde auch nach Absprache mit meinem besten Freund also sagen, dass das Ermessenssache ist. Enttäuscht wäre keiner von uns beiden gewesen, hätten wir diesen Preis zahlen müssen - da hat uns dann auch der Schokigeschmack zu sehr überzeugt!

Kommentare:

  1. Lecker lecker lecker! Ich find ja sowas generell spannend, aber war bei meinem Besuch vor Jaaahren ins Kölner Schokomuseum echt enttäuscht von sagenumwobenen Schokobrunnen... So ne Tafel selbst gestalten würde mich aber reizen. :) Mit dem Preis könnte ich leben, wäre ja mal ein Ausflug wert.

    LG Lotte

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    1. Im Kölner Museum war ich noch nicht - aber Schokobrunnen klingt yummi! Ich finde die Tafel-Selbermach-Sache auch wirklich gut, auch wenn man danach noch flüssige Schoki probieren darf, ist so eine Tafel zum Mitnehmen nach Hause doch was anderes. Und "hab ich selber gemacht!" klingt ja auch deutlich cooler als "hab ich gekauft!".

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  2. Danke für den Museums Bericht! Davon gibt es viel zu wenige!

    Ich finde ja, dass ein Museums Besuch immer eine gute Idee ist, aber ganz ehrlich? So richtig kann mich das nicht überzeugen.

    Ich bin aber auch sehr anti-Führungen eingestellt und somit ist die Tatsache, dass man da nicht anders rein kommt für mich eher was Negatives. Das ist natürlich eine persönliche Sache.

    Aber 14€ und dann nur Vollmilchschoki!? Ich stürz mich ja immer auf die dunkle Variante. ;)

    Das Schoki Museum in Köln kostet 8 oder 9€ und nix gegen Hachez, aber da gibt's Lindt! Von dort hab ich auch immer nur Gutes gehört.

    Sorry, langer Kommi ist lang...

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    1. Die "Selbsterkundungsvariante" fand ich ehrlich gesagt viel schlimmer (wenn du Lust hast, kannst du dir ja das alte Posting durchlesen), obwohl ich sonst auch nicht so der Fan von Führungen bin. Aber z.B. die Schoki-Selbermach-Geschichte wäre ohne Führung nur schwer machbar - die Schoki muss ja noch abkühlen und das Chaos will ich mir gar nicht vorstellen, das bei freiem Besuch da entstehen würde (wer will wann seine Schoki machen / abholen, etc.).

      Man kann im Chocoversum auch alles nach der Führung nochmal ablaufen, d.h. das selber erkunden (was wir ja auch noch gemacht und uns durch die unterschiedlichen Kakao-Sorten probiert haben) kommt gar nicht zu kurz. Man kann auch das meiste nochmal nachlesen - nur eben ohne die eine oder andere Geschichte dazu. Und so Täfelchen kann man auch nichts weiter fragen...

      Ja, das mit der Vollmilch ist so ne Sache - ich mag ja auch Zartbitter lieber, aber da stehen halt nicht zig Conchen, Walzen und Melangeure, sondern jeweils nur eine(r); das dürfte eine Abwägung von Kosten und Nutzen sein...

      Aber generell ist das sicher Ansichtssache, was einem gefällt und was weniger - aber ich finde die aktuelle Umsetzung deutlich besser als die alte!

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  3. Ich hab ja gleich die Simpsons-Folge im Kopf in der sie nen Schulausflug in die Schokoladenfabrik machen, echt ein Brüller!
    Klingt aber gut und deine Schokolade sieht echt lecker aus, Salz würde sicher auch in meiner "Kreation" landen:)
    Beim nächsten Hamburg-Trip ist das ne gute Idee, danke dafür!

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    1. Ich kenn zwar die Simpsons-Folge nicht - aber ich kann mir das irgendwie sehr gut vorstellen ^^ Damit ist das Chocoversum sicher nicht zu vergleichen - aber es gibt einen netten Überblick über die Herkunft und Herstellung von Schokolade.

      Bei der Auswahl der Zutaten war ich am Anfang ein bisschen überfordert - am liebsten hätte ich ja alles draufgepackt :P Aber so viel Platz ist dann auf so einer Schoki ja auch nicht^^

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  4. Ich kenne das Museum nicht, aber wenn man eine Führung braucht, dann scheinen die Infotafeln nicht gut genug zu sein. Ich meine, ich mag es auch, wenn man mir etwas erzählt, aber ich mag die Freiheit, überall rumzulaufen und mir Dinge selber zu erarbeiten - manches interessiert mich auch nicht... Ich empfinde das nur als eine Notlösung, weil man keine neuen Tafeln machen wollte :-)

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    1. Das Problem an den Infotafeln sehe ich hier eher darin, dass man sich für diese Informationen auch einfach eine Doku über Schokolade ansehen könnte - da muss man kein Museum besuchen. (Deswegen fand ich den ersten Besuch mit dem alten Konzept dort auch so schlecht - es war einfach langweilig, da hätten auch bessere Täfelchen nicht geholfen.)

      Außerdem soll das ja auch für "die ganze Familie" sein und Kinder habens ja nicht so unbedingt mit dem Lesen - ich glaube, als reines Museum wie z.B. Kunst- oder auch Naturhistorische Museen hätte das Chocoversum keine Chance (zumindest nicht unter den gegebenen Bedingungen / Räumen).

      Man kann sich nach der Führung wirklich alles noch anschauen und durchlesen usw., das ist also durchaus noch möglich.

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