Samstag, 17. August 2013

USA-Urlaub: Smithsonian American Art Museum und National Portrait Gallery in Washington, D.C.

Ich habe es ja schon gesagt - so ganz um die Kunst sind wir in Washington, D.C. auch nicht herumgekommen und wir haben sogar noch ein paar Museen bzw. Ausstellungen besucht, die gar nicht auf unserem ursprünglichen Plan standen. Die Hoffnungen beim Smithsonian American Art Museum waren, dort endlich mal die sehnsüchtig erwarteten Pop-Art-Künstler zu sehen - aber irgendwie waren wir da mal wieder falsch gewickelt...

Dafür gab es aber ein paar andere, interessante Kunstwerke, z.B. "The throne of the third heaven of the nations' millenium general assembly" - eine Installation von James Hampton, der Glas, Holzmöbel und Kartonnagen hauptsächlich mit goldener und silberner Alufolie und Packpapier verkleidet hat. Ich fand die Installation ja schon so sehr beeindruckend, aber ich hätte nie gedacht, dass das nur popelige Alufolie ist - dafür sah das alles doch viel zu wertig aus. Klar, mit der Beleuchtung und der gesamten Positionierung der Gegenstände in diesem künstlich geschaffenen Raum ist das auch intendiert - aber ich fand das einfach gut umgesetzt.

Ein dickes Grinsen hat mir dafür die Skulptur nebenan ins Gesicht gezaubert - meine Damen und Herren, hier sehen Sie "Marla" von Irving Dominick. Marla soll Dominicks 10jährige Enkeltochter darstellen - aber egal, wer da Modell für gestanden hat, ich fand diese Skulptur einfach köstlich. Sie ist von 1982 und erinnert mich ja ehrlich gesagt an frühere Bilder von "modernen Haushaltsrobotern", die fürs Putzen, Spülen und Kochen zuständig sein sollten...

Ansonsten gab es da im American Art Museum eine Menge an "typisch amerikanischer" Wild-West-Romantik-Kunst. Da sind irgendwie Sonnenuntergänge und idyllisch anmutende Bilder von Wäldern, Prärien und was einem sonst so einfällt, anscheinend sehr beliebt. Albert Bierstadt, in Solingen geboren und anscheinend in die USA ausgewandert, hat da auch ein Bildchen beigesteuert und das spiegelt sehr gut wider, was man so an weiteren Bildern vorfand. Ja, ganz nett - aber auf Dauer auch ganz schön langweilig... Dementsprechend waren wir durch diesen Teil des Museums recht fix durch.

Sehr cool fand ich dann aber die Präambel von Mike Wilkins, die ein wenig umgangssprachlich und durchaus auch lautschriftlich aus den Kennzeichen der 51 Bundesstaaten zusammengesetzt ist. Wer sich die Mühe des Entzifferns nicht so wirklich machen will, da steht:  

"We the people of the United States, in order to form a more perfect union, establish justice, insure domestic tranquility, provide for the common defense, promote the general welfare, and secure the blessings of liberty to ourselves and our posterity, do ordain and establish this Constitution for the United States of America."
Ich finde ja die Idee, das aus Fahrzeugkennzeichen zusammenzusetzen grandios und noch dazu sehr zeitgemäß - ich vermute mal, ältere Herrschaften könnten trotz Kenntnis der Präambel durchaus so ihre Probleme haben, sie anhand dieses Kunstwerks zu rezitieren...


Ein weiteres bemerkenswertes Bild ist das halbrunde Ölgemälde von Ole Peter Hansen Balling, das 1865 entstanden ist und Grant mit seinen Generälen zeigt. Es ist in einem Treppenaufgang aufgehangen und einfach riesig - und dazu eben sehr detailgetreu mit (anscheinend) markanten Kennzeichen der einzelnen Personen (die mir logischerweise alle nicht bekannt sind, weil ich in der amerikanischen Geschichte dann doch nicht so firm bin). Man merkt es wahrscheinlich schon an der Anzahl der Bilder - so richtig begeistert hat mich das American Art Museum nicht wirklich, ich hätte mir da (mal wieder) etwas mehr zeitgenössische Kunst gewünscht.

Die National Portrait Gallery im zweiten Flügel hat uns spontan begeistert, also sind wir da eben fix reingestolpert. Dass es dort Portraits gibt, ist jetzt wenig verwunderlich, oder? Allerdings ist der Begriff "Portrait" hier durchaus etwas weiter auszulegen - es gibt klassische Bilder, aber auch Skulpturen und Ähnliches, eben alles, was die betroffenen Personen in irgendeiner Form darstellt. Dass so ziemlich alle Präsidenten vertreten sind (einige sogar in vielfacher Ausführung!), dürfte wenig verwunderlich sein. Eines der hübscheren Portraits (es ist unglaublich, wie viele wirklich so gar nicht hübsch sind, sondern einfach nur hingeklatscht wirken!), war von Richard Nixon - hat mir irgendwie gut gefallen.

Aber neben amerikanischen und auch politischen Koryphäen nichtamerikanischer Herkunft (z.B. Winston Churchill) haben es auch weitere als bedeutsam angesehene Personen in die Gallerie geschafft -  z.B. Albert Einstein, oder auch Christopher Reeve (ja, der Superman-Schauspieler! Der hat ein riesengroßes Bild bekommen, das ihn im Rollstuhl zeigt.), Michael Jackson, Marilyn Monroe oder Muhammad Ali...

Neben historisch relevanten Persönlichkeiten (oder auch deren Familienangehörige, bei denen vor allem die weiblichen Vertreterinnen zumindest hübsch anzusehen waren, auch wenn man sie nicht kannte), die man sich wirklich zu Hauf ansehen und häufig auch deren Geschichte noch einmal nachlesen kann, gab es also auch einige Personen, die einem aus der heutigen Medienlandschaft durchaus bekannt vorkamen. Entsprechend der Entstehungszeit der jeweiligen Bilder kann man hier aber auch durchaus ein bisschen was über unterschiedliche künstlerische Umsetzungen lernen.

Richtig witzig fand ich auch die Karikatur von Donald Trump, der von Edwart Sorel hier als Icarus dargestellt wird, der seine Flügel verloren hat (im Original ist ja glaube ich das Wachs geschmolzen, das die Konstruktion hätte zusammenhalten sollen, oder?). Der kleine, pummelige Trump (den würde man doch wirklich überall erkennen mit der Visage...) purzelt hier also von einem wahren Höhenflug dem Erdboden entgegen - vorbei am Plaza Hotel, das zur damaligen Zeit auch noch Trump gehörte... Jaja, es ist durchaus auch ein bisschen Kritik an den Geschehnissen zu finden, die da ausgestellt werden!

Aber insgesamt ist das sicherlich auch ein Museum, für das man ein bisschen Begeisterung mitbringen muss - wer sich für geschichtliche Hintergründe interessiert, wird hier zu einigen Personen durchaus relevante Informationen finden, aber von einem rein kunstinteressierten Aspekt betrachtet, ist da wohl eher weniger zu finden...

Einige schwarz-weiß-Fotografien findet man in der Gallerie auch - z.B. von John Ford, einem bekannten Western-Regisseur. Aber es gab auch ein Bild von Keith Haring und da ging mir ja fast das Herz auf - wenn es denn nicht das einzige zu dem Thema Pop-Art gewesen wäre, was die Gallerie zu bieten hatte... Aber gut, ich hatte auch Portraits erwartet und nicht unbedingt endlich die ersehnten Bilder!

Wohl eine der bekanntesten Persönlichkeiten der USA dürfte auch Elivs darstellen, der natürlich nicht fehlen durfte - zumindest, wenn man ihn in seiner Hoch-Zeit darstellt und nicht mit ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und einem unschön aufgequollenen Gesicht... Nene, behalten wir ihn lieber als schnuckeligen Kerl mit der Tolle im Gedächtnis, wie er hier Ralph W. Cowan dargestellt wird!

Auch wenn es kein Portrait ist und keine konkrete Person darstellt, ist in der National Portrait Gallery auch ein Stück Stahl zu finden, das aus den Trümmern des World Trade Center geborgen werden konnte.

Mit diesem Stück soll an den historisch (!) relevanten Vorfall erinnert werden, der sich im Semptember 2011 ereignet hat. Und ich muss ja wirklich sagen, dieses zerschundene, verdrehte, verschmolzene und zerstörte Stück Metall hat durchaus mehr Aussagekraft als so manches hochstilisierte Bild, das in der Ausstellung zu finden ist...


Einen letzten Abstecher machten wir noch zur Renwick Gallery, die eine Ausstellung zu "American craft" beherbergte und einen Außenposten des American Art Museum darstellt. Die Ausstellung war nicht wirklich groß und auch nicht so übermäßig spannend - aber zwei Teile möchte ich euch doch zeigen (das war mal wieder so ein "rein - einmal rumgehen - raus"-20 Minuten-Besuch...):
Diesen Spiel-Fisch fand ich ja megamäßig cool (er wurde von Larry Fuente zusammengesetzt) - einfach deswegen, weil er aus lauter Spiel(zeug)-Figuren zusammengesetzt ist... Da sind Legomännchen, Würfelchen und aller möglicher anderer Krams, den man bei Brettspielen oder anderem Spielzeug so finden kann - da geht mein Herz auf!

Der Fisch hängt da an einer Wand und natürlich soll man ihn nicht angrabbeln - dafür gibt es einen extra Alarm. Dummerweise ist dieser Alarm am Sockel angebracht, der unter dem Fisch angebracht ist und dieser Alarm geht an, wenn man noch mindestens 10cm von dem Sockel entfernt ist... Woher ich das weiß *hust*? Na, man muss doch ausprobieren, warum der Alarm angeht, wenn man ihn schon aus Versehen beim Fotografieren auslöst... Allerdings waren da keine Museumswächter unterwegs, die einen gleich mit vorgehaltener Waffe von weiteren Fehltritten abhalten - und nein, ich habe mich keines Fehlverhaltens schuldig gemacht, ich war weit weg von dem Fisch!

Das letzte (halbwegs) interessante Stück ist dieses als "Ghost boy" bezeichnete Ausstellungsstück von John Cederquist. Wieso es diesen Namen hat, weiß ich nicht - wozu das nun wirklich gut sein soll, weiß ich genauso wenig... Aber ich fand es nett anzusehen und ich könnte mir zumindest theoretisch vorstellen, mir sowas in eine Ecke zu stellen (wenn ich denn eine über hätte). Es erweckt zumindest den Anschein, ein mehr oder minder sinnvolles Möbelstück sein zu können!

Ne, also den Besuch in der Renwick Gallery hätten wir uns schenken können, aber auch hier gilt: Für umme mal fix durchhuschen ist ja nicht so tragisch. Für ein paar Dollar Obulus hätten wir uns noch weitere Ausstellungen ansehen können - aber es klang nichts wirklich vielversprechend (wenn es irgendwo eine Ausstellung zu Pop-Art gegeben hätte, wäre ich ja sofort dabei gewesen!)...

Aber das Klischee, dass die USA außer Hot Dogs und Hamburgern nichts kulturell Relevantes zu bieten haben, dürfte ja wohl mit diversen auch hochkarätigen Museen aus der Welt geräumt sein *hust* - und zu eurer Beruhigung: Das war definitiv das letzte kunstlastige Posting, das ich von einem Urlaub in den USA mitgebracht habe! (Aber nicht das letzte Museum!)

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