Sonntag, 14. Juli 2013

USA-Urlaub: National Museum of American History und National Museum of Natural History in Washington, D.C.

Auch wenn der Urlaub schon gefühlte Ewigkeiten her ist und der nächste (deutlich weniger spannende) schon wieder mehr oder minder vor der Tür steht, bin ich doch nich gar nicht durch! Ich schulde euch noch so einiges aus Washington, D.C. - unter anderem noch ein paar spannende Museen... Wir hatten so einige davon eingeplant, denn die meisten der Museen gehören zur Smithsonian Institution und sind somit was den Eintritt angeht kostenfrei!

 Das National Museum of American History hatten wir eigentlich so gar nicht auf dem Plan, aber als wir dann dran vorbeischlenderten und noch etwas freie Zeit hatten, schnupperten wir einfach mal rein. Wie erwartet, gab es nicht so übermäßig viel, das uns ausführlicher interessierte - im Prinzip ist da einfach allerlei Geschichtliches zu finden, von Wissenschaft über Wirtschaftliches, Politisches, Kulturell relevantes, eigentlich für jeden ein bisschen was dabei.

Durch die meisten Ausstellungen zischten wir einfach kurz durch, aber ein paar spannende Dinge gab es ja doch! "John Bull", eine Lok von 1831 kam als Import aus England und war eine der ersten Dampfloks.

Durch diese phänomenale Erfindung konnte die Reisezeit zwischen New York und Philadelphia von zwei Tagen (!) auf fünf Stunden reduziert werden - Gott sei Dank geht das heute per Bus noch schneller! Die weiteren ausgestellten Maschinen waren jetzt nicht so ganz mein Fall - aber wer sich für sowas interessiert, wird in dem Museum fündig!

Interssanter waren dann doch eher "bedeutsame" Gegenstände der neueren amerikanischen Geschichte, die  mit den "American Stories"eine eigene Ausstellung abbekommen hatten. Die Taschenuhr von Abraham Lincoln (die immerhin gute 150 Jahre alt ist!) gehörte sicherlich nicht zu den atemberaubendsten Ausstellungsstücken, aber hübsch kam sie trotzdem an!

Spannender war da natürlich so etwas Bekanntes wie die Kermit-Puppe, die aus dem Jahr 1970 stammt (also zumindest diese hier) und durch die Sesamstraße ja wohl legendäre Berühmtheit erlangt hat. Ich war ja ein bisschen erstaunt, wie klein der niedliche Frosch eigentlich ist - das Fernsehen schummelt ja da schon ganz ordentlich Größe dazu!

Es gab natürlich recht viele Stücke in dieser Ausstellung, einige waren zwar sehr bedeutsam, aber ziemlich unfotogen, z.B. eine Penicillin-Probe von Alexander Fleming, die schon 1928 entstand, wohingegen das Antibiotikum seinen Siegeszug erst 1941 antrat (jaja, verkannte Entdecker!). Oder auch eine Probe Plutonium-239, in der 1941 (war wohl ein "gutes" Jahr...) zum ersten Mal die Kernspaltung nachgewiesen werden konnte. Auch das Patentmodell einer Singer-Nähmaschine von 1889 kann man sich ansehen und diverse andere Schaustücke.

Die Ruby Slippers, z.B., sind passend auf einer gelben (Filz-)Straße platziert - und man sieht ihnen durchaus an, dass sie aus dem Jahr 1938 stammen! Neben Muhammad Alis Boxhandschuhen kann man auch eine Lederjacke von Bob Dylan und so einige weitere Ausstellungsstücke begutachten. Nicht unbedingt ein Muss, aber durchaus ein sehr nettes Gimmick.

Was man leider nicht fotografieren durfte, war das Original Star Spangled Banner, das in einem extra klimatisierten Raum ausgestellt wird - die Flagge ist zwar schon ein bisschen zerfleddert, aber mit ihren 9,1m * 10m ist sie immernoch sehr eindrucksvoll und hübsch im abgedunkelten Raum in Szene gesetzt. Man wird da ein bisschen ehrfürchtig dran vorbeigetrieben - für die Kinder definitiv ein sehr patriotischer Moment.

Das National Museum of American History ist aus meiner Sicht durchaus ein Museum, das man hintenüber fallen lassen kann, wenn man knapp an Zeit ist - wer aber ein tieferes Interesse auch für kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungen hat, der sollte da zumindest einen kurzen Blick rein werfen.

Wir machten uns dann lieber auf in das National Museum of Natural History, in das ich große Hoffnungen gesetzt hatte. Auch wenn wir schon in New York die ganze Chose durch hatten, hatte ich mir eingebildet, dass das Smithsonian ja wohl noch eine Schippe draufsetzen können müsste - schließlich ist das das am meisten besuchte naturgeschichtliche Museum der Welt! Aber irgendwie war ich da ein bisschen falsch gewickelt...

Vom Aufbau her ist es mit dem Natural History in New York durchaus vergleichbar - ich hatte jetzt auch keine großen Neuerungen erwartet, Naturgeschichte ist und bleibt nunmal Naturgeschichte! Im Foyer (in dem Museum gab es nämlich noch die Möglichkeit, seine Klamotten in einem Schließfach abzugeben) begrüßte uns auch eine der Steinfiguren von den Osterinseln - guter Einstand!

Eine der Sonderausstellungen befasste sich mit Orchideen aus Lateinamerika und auch wenn der Raum für diese Ausstellung nicht riesig war, war die Vielfalt (von den faszinierenden Erscheinungsformen muss ich ja glaube ich gar nicht reden!), die dort präsentiert wurde, wirklich beeindruckend. Da reihte sich eine Schönheit an die nächste, man kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus - sowohl was Farben als auch Formen angeht, war hier wirklich alles geboten und ich war (trotz meiner mangelnden Begeisterung für Blümchen) wirklich schwer begeistert. Ich hätte jetzt auch 20 Bilder zeigen können - aber das wäre nur mäßig spannend gewesen...

Neben der Sonderausstellung gibt es natürlich auch in Washington eine Abteilung, die sich mit Säugetieren befasst und hier fanden wir so einige Bekannte aus New York wieder. In teilweise zauberhaften Dioramen wurden die Tiere hier in Szene gesetzt und man hatte einfach mal die Gelegenheit, sie aus ganz anderen Blickwinkeln zu betrachten und auch Details zu erkennen, die einem am lebenden, sich bewegenden Tier vielleicht nicht so auffallen. Aber eine Säugetierhalle kannten wir ja schon...

Das Smithsonian hatte jedoch hier auch etwas zu bieten, das wir in New York nicht bekommen hatten und zwar einen unglaublich niedlichen, aber durchaus auch lehrreichen Film über die Entstehung und Entwicklung der Säugetiere. Die Hauptrolle spielte hierbei ein kleines Nagetier namens Morgie, welche sehr kindgerecht, aber gar nicht albern vorgestellt und eingeführt wurde.

Im Film wird anhand von Morgie die Geschichte des Aufstiegs der Säugetiere veranschaulicht, welche aufgrund ihrer damals noch geringen Größe (Morgie war insgesamt 10 cm groß) den Dinos gegenüber einen riesigen Überlebensvorteil hatten, als sich die Welt durch den Meteoriteneinschlag drastisch veränderte. Ich gebe zu - ich mag solche Dokufilmchen und dieser hier war mal wieder zauberhaft gemacht, auch wenn er nicht mehr der aktuellste war. Eine kurzweilige Auflockerung des Museumsbesuchs, bei dem man auch noch ein bisschen was lernen konnte!

Neben Präparaten von Landsäugern hat das Natural History aber natürlich auch so einiges an Getier zu bieten, das im Meer unterwegs war - z.B. auch Seekühe (ich liebe Seekühe!) und zahlreiche weitere Fische, wie den Seeteufel, der auch als Skelett durchaus furchteinflösend ist. Man kann sich hier durch eine nette Sammlung gucken, aber so richtig aus den Socken gehauen haben sie mich nicht...

Bei den Dinos war ich hingegen richtig enttäuscht - ja, da hatte New York mächtig vorgelegt, aber ich war weniger von der Menge, als viel mehr von der Aufmachung in Washington enttäuscht. Hier wurde kaum klar, welches tatsächliche Funde und was Nachbildungen sind; vielfach wurden Thesen als Wahrheit angesehen oder eben nicht als Vermutungen dargestellt, da hat das Museum in New York deutlich bessere Arbeit geleistet und in diesem Bereich viel mehr Wissen und Informationen vermittelt - schade, ich hätte mir hier deutlich mehr und vor allem auch ein bisschen was Neues erhofft...


Aber gut, man muss ja seine Schwerpunkte unterschiedlich setzen, da viele Ausstellungsstücke ja einfach Unikate sind. Und so einige sehr eindrucksvolle hat dafür das Museum in Washington im Bereich der Edelsteine zu bieten... Von einer grandiosen und beeindruckenden Sammlung an Mineralien, faszinierenden fluoriszierenden Stücken (ich habe keinen Schimmer, warum ich Steine, die im Dunkeln leuchten so cool finde - zumal sie ja meistens radioaktiv sind...) bis hin zu Juwelierskunst war da wirklich alles dabei. So einiges schon in New York gesehen, aber das eine oder andere Stück bisher nicht... Und das sage ich, die ich absolut kein Schmuckfreak bin!

Der Logan-Saphir aus Sri Lanka ist z.B. einer der größten blauen Saphire (klar, dass ich ihn allein der Farbe wegen super finde, oder?) und bringt stolze 422,9 Karat auf die Waage. Eingefasst ist er mit 20 Diamanten, die insgesamt 16 Karat haben - über den Wert muss man jetzt glaube ich nicht nochmal sprechen, oder?

Ein ganz anderes, deutlich unauffälligeres, aber nicht weniger bemerkenswertes Stück war diese... Quartzkugel. Eigentlich wollte ich ja Kristallkugel schreiben, aber sie ist nunmal aus Quartz und wirklich makellos! So stelle ich mir die perfekte Wahrsagerkugel vor - jetzt müsste sie nur noch ein bisschen Rauch produzieren und die Zukunft zeigen... Aber bitte nicht fallen lassen - denn die weltgrößte perfekte Quartzkugel wiegt stattliche 48,5 Kilo! Sieht man ihr gar nicht an, denn mit 32,7cm im Durchmesser sieht sie eigentlich gar nicht so riesig aus - und ich wusste gar nicht, dass Quartz dann auch wirklich so schwer werden kann! Es war auf jeden Fall witzig, die Spiegelungen in der Kugel zu betrachten und doch mal wieder verwunderlich, was die Natur an Perfektion so zu bieten hat...

Den krönenden Abschluss (auch wenn wir zuerst blond an ihm vorbeigetappt sind) bildete dann ein weiteres wunderschönes blaues (Blau rockt!) Schmuckstück - der Hope-Diamant. Mit 45,52 Karat gehört er zwar nicht zu den größten Diamanten, aber die sagenumwobene Geschichte macht ihn zu einer Besonderheit - man spricht ihm wohl einen Wert um die 200 Millionen Dollar zu...

Gerade solche Angaben lassen mich dann immer wieder schlucken - Wahnsinn, was für Schätze in den Museen ausgestellt werden! Auch wenn es natürlich Sicherheitsvorkehrungen gibt und man gerade so ein Stück nicht einfach so einsacken kann - eigentlich müsste man viele dieser Dinge noch sehr viel sicherer, besser und geschützter verwahren! Und gerade im Smithosian kommt man kostenlos in viele Ausstellungen (wobei es natürlich auch hier wieder kostenpflichtige gab - den Schmetterlingsgarten haben wir uns dann geschenkt)...

Auch wenn ich das National Museum of Natural History nicht so beeindruckend fand wie das Geschwisterchen in New York - es hat definitiv seinen Reiz und seine eigenen Besonderheiten und wer ein bisschen Zeit erübrigen kann, sollte auf jeden Fall ein bisschen in dieser Geschichte schwelgen und sich in ein paar Ausstellungen begeben!

Kommentare:

  1. Ich lese deine Berichte wirklich gern und auch wenn ich schon immer gern durch Museen und Ausstellungen gegangen bin, ist es schon Wahnsinn, was ihr alles mitgenommen habt. Gerade wenn du es so kompakt und kompensiert in die Beiträge verfasst, merkt man, wie viele tolle Dinge ihr euch in der dafür kurzen Zeit angeschaut habt. Respekt!

    Die Juwelen und Edelsteine hätte ich mir auch gern angeschaut. :D

    LG Lotte

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    1. Ach Lotte, ich danke dir :) Wir haben wirklich eine Menge gesehen, obwohl es mir vor Ort gar nicht so megaviel vor kam. Es hat einfach gut gepasst und wir haben die Tage zwar gefüllt, aber nicht überladen. Gerade beim Bilder durchgucken ist wahnsinnig viel noch sehr präsent - und da habe ich oft das Gefühl, dass ich die Hälfte unterschlage... Ich hab wahnsinnig viele Fotos auf der Platte liegen und weiß immer nicht, welche ich aussuchen soll. Aber jede Einzelheit ist ja auch nicht so megainteressant...

      Aber schön, dass auch jemand die Texte dazu liest :P Und auch wenn ich gar nicht so viel mit Schmuck anfangen kann - wenn man da filigrane und auch sehr hochwertige Stücke liegen sieht, ist das wirklich beeindruckend (und ich wünsche mir, ich hätte eine Kamera gehabt, die mit den schwierigen Lichtverhältnissen besser zurechtgekommen wäre^^)!

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  2. Dank deinen Berichten will ich nur noch mehr in die USA für einen Urlaub. :p

    Aber ich glaube, dass viele Ausstellungsstücke, besonders die hochpreisigen, nie die Echten sind. Ich war in Berlin im "Neuen Museum" als die Nofretete Ausstellung war. Beim Durchgehen gab es auch ein paar Reisegruppen samt Führer und einer der Führer hat erklärt, dass es vier Kopien des Originals gibt, aber nur ganz wenige wissen, wo das Original gerade ist. Ob im Tresor, in Berlin, in Paris, irgendwo in Asien oder in den USA. Ich denke mal, dass das bei den Juwelen gewiss ähnlich ist.

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    1. Ach du - ich würde da ja auch gleich wieder hin ;)

      Puh, ob das wirklich Fakes sind, weiß ich nicht - also bei so einigen Dingen wäre es sehr seltsam, wenn es nicht die echten wären... Und ich glaube, dass man das dann auch entsprechend anmerken würde. Die Sicherheitsvorkehrungen sind ja auch durchgehend hoch, man wird immer vor dem Museum gefilzt und zur Menge der Museumswächter hab ich ja auch schonmal was geschrieben ^^ Aber klar - kann natürlich durchaus bei manchen Dingen sein. Bei anderen, die spezifische Besonderheiten haben, dürfte das doch schwieriger werden, sie nachzumachen.

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    2. Ich war noch nie da. ;-)


      Hmmm, gut die Sicherheitsvorkehrungen in Berlin waren echt nicht vorhanden. Ticket kaufen, Ticket vorzeigen, die Garderobe aufsuchen, um Jacke/Mantel/Tasche abzugeben, kostenlosen Player holen für die Audio Tour und mehr nicht. Vermerkt war aber nirgends, dass es Imitate waren. Wahrscheinlich um die mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auszugleichen? Weil es gab zwar Museumswächter (die haben mich immer angemault wegen meiner Tasche) und Kameras, aber mehr nicht. Hmmmm. Wobei ich glaube, bei so einigen Edelsteinen ist es schwierig sie zu kopieren.

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    3. Nene, in die Museen in den USA kommt man nicht so einfach rein - da werden am Eingang alle Taschen gefilzt, wenn man besonders auffällige Kleidung hat, auch gerne noch Personen überprüft. Man muss auch jedes Mal durch einen Metalldetektor wie am Flughafen und es laufen in den jeweiligen Ausstellungsräumen auch massig Wächter rum. Besondere Stücke haben durchaus auch einen eigenen Aufpasser oder irgendwelche Sicherheitsvorrichtungen (z.B. eine Absperrung oder auch einen piepsenden Alarm^^)... Das ist da eine ganz andere Hausnummer :)

      Hei nun - wenn mir da jetzt jemand einen blauen Glasklumpen gezeigt hätte, hätte ich auch brav genickt^^ Aber ich glaube, wenn man sich damit rühmt, das Original zu zeigen, dürfte es gerade das Fachpublikum schnell merken, wenn das Fakes sind. Und das hinterlässt dann ja einen leicht faden Beigeschmack - aber ich vermute, wir werden das nie zur Gänze klären können ;)

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