Samstag, 27. Juli 2013

USA-Urlaub: National Gallery of Art in Washington, D.C.

Das letzte "Bilderposting" aus den USA ist ja schon eine Weile her, wir haben uns natürlich auch ein bisschen Ruhe von dem ganzen Kunstkrams gegönnt, aber natürlich hatte auch Washington, D.C. ein bisschen Bildung in diesem Bereich zu bieten: Die National Gallery of Art befindet sich ebenfalls in der National Mall, ist jedoch in zwei Gebäude unterteilt - es gibt einen West- und einen Ostflügel.

Beide Gebäude sind museumstypisch Riesenklötze - aber manchmal kann man auch vor solchen Riesen nette Bilder knipsen. Dieses kleine weiße Gefährt rechts der Fontäne ist nämlich ein Polizeiauto! Ernsthaft, ich habe da auch einen Polizisten draus aussteigen sehen und musste mich sehr zusammenreißen - denn dieser kleine Miniflitzer ist weder respekteinflößend noch auch nur im Ansatz ernst zu  nehmen!

Wie schon gesagt, gibt es zwei Flügel des Museums, die oberirdisch getrennt sind - allerdings gibt es  einen "unterirdischen" Lichttunnel, der die beiden Gebäude verbindet und den man mittels eines Transportbandes gemütlich befahren und sich dabei an dem Lichtspiel erfreuen kann - da laufen nämlich irgendwelche Muster durch, die einem teilweise auch ein bisschen ein seltsames Gefühl vermitteln, wenn man zu lange auf eine Stelle schaut...

Im Westflügel sind eher die gestandenen Kunstwerke aus dem 18. bis 20. Jahrhunder zu finden, im Ostflügel gibt es eine Menge zeitgenössischer Kunst (wenn denn nicht irgendwelche Ausstellungen gerade umgebaut werden oder komplett geschlossen sind *grmpft* - eigentlich hätte ich mir gerne die Dürer-Ausstellung angesehen, aber die wurde natürlich gerade erst aufgebaut...). Sehr auffällig war der große Anteil an "Vergnügungsmöglichkeiten" - es gab ein riesengroßes Café und mehrere ebenso ausschweifende Shops, in denen man von Fachliteratur über kunstorientierte Spielsachen bis hin zu den üblichen Minbringseln wirklich alles hätte erstehen können.

Alexander Calder war mir bis dato vollkommen unbekannt (kein Wunder, mit Bildhauern hatte ich ja nichts am Hut), hat mich vor Ort jedoch begeistert - es waren einige Mobiles ausgestellt, die sehr geschickt beleuchtet wurden. Man konnte auch aus dem 1. Stock in den Ausstellungsraum schauen und dadurch die Schattenwürfe auch noch einmal aus einer anderen Perspektive betrachten. Außerdem gab es einige sehr coole Drahtfiguren, z.B. eine Kuh, die auch einen eigenen Haufen aus Draht bekommen hat. Da waren für mich so einige Dinge dabei, die ich mir theoretisch auch in einem normalen Haushalt vorstellen könnte und die einfach hübsch und nett anzusehen waren.

Überhaupt fand ich so einige der ausgestellten, moderneren Skulpturen wirklich nett, wobei die natürlich schnell Ausmaße hatten, mit denen man ohne eine übergroße Villa nichts anfangen kann.

Dass ich eigentlich ganz scharf auf die amerikanischen Pop Art Künstler war, habe ich schon mehrfach gesagt - leider waren sie auch in der National Gallery of Art eher nur spärlich vertreten und mir sind nur noch eine Handvoll Lichtensteins über den Weg gelaufen. Immerhin gab es noch eine von Warhols Marilyns, aber ansonsten kam ich hier auch nicht wirklich auf meine Kosten.

Natürlich gab es dafür wieder bekannte Künstler wie van Gogh, Cézanne, Picasso, Mondrian oder Pissaro (u.v.m.) in Massen - aber die hatten wir ja schon zur Genüge in Boston und New York gesehen, ich hatte mir ja ernsthaft Hoffnungen auf etwas Neues (bzw. das, was bisher gefehlt hat) gemacht.

Bei Max Beckmanns Triptychon "Argonauten" blinkte irgendetwas in meinem Hinterkopf auf - aber außer dem Infoschild, das mir verriet, dass Beckmann Deutscher gewesen war, gab es keine hilfreichen Informationen. Das war wohl das letzte vollendete Triptychon Beckmanns, aber von der Tatsache abgesehen, dass ich in meiner Schulzeit so einiges von Jason und seinem goldenen Vlies gehört und gelesen habe, weiß ich nicht, woher mir dieses Bild bekannt sein könnte. Auf jeden Fall war es eine nette Unterbrechung im üblichen "kennen wir alles schon"-Vorbeigehen.

An Magrittes "La condition humaine" erinnerte ich mich aber sehr gut aus dem Kunstunterricht - das Bild im Bild dürfte ja einer der Klassiker sein, mit denen man sich zwangsweise irgendwann mal auseinandersetzen musste.

Hier durften wir mal wieder eine Kinderführung lauschen und ich musste schon sehr schmunzeln, wie diese kleinen Zwerge (altersmäßig von 4-7 würde ich sagen) mit ihren nicht weniger staunenden Eltern das Bild "analysierten" und die Museumsangestellte die Besonderheiten erklärte. Etwas gemein fand ich ja, dass der aktive Teil im Anschluss (die Kinder bekamen Mappen, in denen sie das Bild "nachmalen" sollten und die ganz geschickt mit Folien zum umblättern versehen waren) nur was für die Kinder mit rotem Punkt war - die anderen Zwerge mussten sich da auch das eine oder andere Tränchen verdrücken... Und weinende kleine Kinder im Museum sind wirklich eine fiese Geschichte - da haben mir die Eltern auch ganz schön leid getan.

Auch wenn die Dürer-Ausstellung noch nicht eröffnet war, habe ich zumindest einen Dürer entdeckt - der allerdings nicht besonders spannend war. Zugegeben, wenn man für einen Nürnberger erst nach Washington, D.C. fahren müsste, wäre das besonders tragisch - aber mit Wasserfarben hatte ich bisher von Dürer gar nichts gesehen und hätte die Bilder und Holzschnitte durchaus interessant gefunden.

Den Hasen (von dem gibt es ja in Nürnberg auch eine Skulptur in groß, die wir zwangsweise aufgrund der räumlichen Nähe natürlich besucht haben!) und das Rhinozeros hatten wir in der Schule nicht nur ausgiebig behandelt, sondern auch noch (mindestens genauso ausgiebig) nachmalen müssen... Ich erinnere mich da an Stunden kleinteiliger Arbeit mit Feder und Tusche *hust*... Jaja, manchmal wird man auch fernab der Heimat ganz nostalgisch und freut sich über Bekanntes!

Ein bisschen düsterer wurde es, als uns Cupido mit dem Schicksalsrad von Tizian über den Weg lief. Tizian, Tizian - ständig hört man da irgendwas von, aber nie habe ich bisher ein Werk von ihm präsent gehabt und ich muss sagen, dieses hier führt nicht unbedingt dazu, dass Tizian mein Lieblingsmaler wird... Da mag er in der italienischen Hochrennaissance noch so bedeutsam gewesen sein - mein Fall ist das nicht wirklich. Ist ja durchaus auch eine wichtige Erkenntnis, die man bei so einem Museumbesuch mitnehmen kann!

Insgesamt gab es natürlich mal wieder unglaublich viel zu sehen (obwohl die eine oder andere Ausstellung noch nicht eröffnet war oder generell gerade mwl eider einige Sachen instand gesetzt wurden) und wir haben in beiden Flügeln eigentlich den kompletten Tag zugebracht. Neben wirklich interessanten Kunstwerken gab es aber natürlich mal wieder spannende Menschen zu beobachten!


Bei diesem Napoleon-Porträt von Jacques-Louis David (muss man glaube ich nicht kennen) stand mal wieder eine Altdamen-Gruppe und die unheimlich begeisterte Führerin (die vom Alter her perfekt zu den Damen passte, die ihr förmlich an den Lippen hingen) hat es ernsthaft geschafft, 20 Minuten über dieses Bild zu reden - wie er so mit eingesteckter Hand dargestellt ist, was die Perspektive und damit die Verschleierung seiner Größe angeht; welche Zeit die Uhr zeigt und was es sonst noch so Phänomenales an diesem Bildchen zu geben scheint. Ich wäre ja nach geschätzten 15 Sekunden mit dem Bild fertig gewesen: Napoleon, aha. Aber wenn da so eine ältere Dame mit besonders lauter Stimme spricht, stellt man sich halt auch mal daneben und grinst an vielen Stellen nicht nur in sich hinein, sondern auch mal zwangsweise ganz gut ersichtlich nach außen hin - aber da kann man dann geschickt woanders hinschauen.

Ich weiß gar nicht so recht, was ich an den Museen spannender fand - die gezeigten Werke oder teilweise die aberwitzigen Reaktionen der Menschen auf die Kunst?

Witzig fand ich auch, was mich selbst immer wieder zu irgendwelchen Bildern gezogen hat - bzw. wie schnell man Künstler wiederkerkennt oder meint, die Bilder irgendwie zu kennen. Das letzte Bild für heute ist nämlich ein Caspar David Friedrich - da in der Mitte sind nämlich zwei winzige Striche zu sehen, die Menschen darstellen sollen *hust*. Ich weiß echt nicht, warum - aber ich stand in einem recht großen Raum, sah mich um - und blieb an dem Caspar David Friedrich hängen... 

Ja, den hatten wir auch bis zum Erbrechen in der Schule, in Kunst und auch in Deutsch - aber anscheinend ist da auch was von hängen geblieben!

Erstaunlicherweise war das nicht das letzte Kunstmuseum, das wir uns in Washington, D.C. zu Gemüte geführt haben - einfach, weil man hier so auf die Schnelle in ein Museum reinstiefeln kann, ohne sich um Eintritt Gedanken zu machen und auch genauso schnell wieder den Weg nach draußen antritt, wenn einem die Ausstellungen nicht zusagen... Aber dazu ein ander Mal mehr!

Kommentare:

  1. Haha, den Caspar findet man echt überall. Den hab ich auch in Paris gesehen und in London. Dabei wurde ich ausreichend mit ihm in der Schule bombadiert, weil Greifswald/Eldena nur ein Steinwurf weg ist genauso wie Rügen.


    Ich find das kleine Polizeiauto zu süß. Der findet gewiss überall nen Parkplatz. ;)

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    1. Ich fand ja, dass es erstaunlich wenige Werke von ihm gab - pro Museum gefühlt maximal eines... Aber anscheinend haben sie ihn überall auf der Welt verteilt^^

      Süß und niedlich ist das Autolein auf jeden Fall - aber ob man damit die Gesetzeshüter ernst nimmt? Ich weiß nicht... Außerdem parken die mit Ihren Autos sowieso überall da, wo sie wollen und nicht nur da, wo sie dürften ^^

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  2. Wie heißt die Drahtfigur von Alexander Calder?

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    1. Du, da hab' ich leider absolut keine Ahnung mehr :/

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