Montag, 24. Juni 2013

USA-Urlaub: National Mall, Teil 2 in Washington

Nach dem ersten Teil der National Mall gibt es wie versprochen natürlich auch den zweiten Teil - bzw. noch eine weitere Memorial-Ausbuchtung, die offiziell nicht zur National Mall gehört. Aber wenn ich schon die Memorials in Washington abklappere, dann packe ich eben dazu, was ich alles so gesehen habe!

Vom Lincoln Memorial aus ging es zum Korean War Veterans Memorial, das im Vergleich zum Vietnam Veterans Memorial doch sehr anders aufgebaut ist. Hier gibt es keine namentlichen Listen, sondern "nur" die 19 Statuen, die ein Squad auf Patrouille darstellen. Verglichen mit der anderen Kriegsgedänkstätte wird hier schon irgendwie deutlich, welche Bedeutsamkeit der Vietnamkrieg hatte und wie man dafür mit dem Krieg in Korea umgeht... Die Statuen sind sehr detailliert herausgearbeitet und man erkennt auch ihre Gesichtszüge und -ausdrücke sehr gut, allerdings fand ich gerade diesen krassen unterschied doch auffälllig.
Seitlich der Statuen gibt es eine 50 m lange Granitwand, die unterschiedliche Szenen aus dem Krieg darstellt - Soldaden in voller Montur, aber auch Zivilisten und Ausrüstung ist dort dargestellt (leider sauschwer zu fotografieren, weil es sich hier um sandgestrahlte Abbildungen auf dem glänzenden Granit handelt). Die "United Nations Wall", die das Memorial auf der anderen Seite umzäunt und eigentlich nur eine flache Umgrenzung darstellt, führt alle beteiligten Nationen auf und zeigt auch Statistiken zu Vermissten, Gefangenen, Verwundeten und Getöteten - jeweils auf Seiten der USA und der "restlichen" Vereinten Nationen.

Irgendwie kam es mir so vor, als ob diese Gedenkstätte sehr viel "lockerer" genommen wurde und nicht mit gar so viel Demut begangen wurde... Der Vietnamkrieg war zwar durchaus prägender, aber die Verluste im Krieg in Korea doch nicht weniger tragisch, als dass man diesen Soldaten nicht genau die gleiche Ehre erweisen sollte, oder? Mal wieder seltsam die Amis und ihre Einstellung zum Krieg...

Das World War II Memorial wurde erst 2004 fertiggestellt und von George W. Bush eingeweiht - ich hatte mich erst ein bisschen gewundert, wo das denn herkäme, denn während meiner Schulzeit stand diese riesige Gedenkstätte da noch nicht... Das Memorial liegt zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument, ist aber aufgrund der nicht vorhandenen Höhe nicht wirklich zu sehen, wenn man von einem der beiden Endpunkte zum anderen sieht. Im Gegensatz zu anderen Gedenkstätten hat man hier eben mehr in die Breite gebaut, als in die Höhe (muss ja nicht immer alles groß sein!). Leider war das Becken in der Mitte noch nicht mit Wasser gefüllt, aber auch so war diese Gedenkstätte schon recht imposant.

Um den Springbrunnen in der Mitte, der dieses Mal "Rainbow Pool" heißt, sind in zwei Halbkreisen insgesamt 56 Säulen platziert, die jeweils einen Kranz tragen und mit den Namen der 48 Bundesstaaten beschriftet sind, die 1945 die Vereinigen Staaten bildeten und weiteren 8 beteiligten Staaten bzw. Gebieten.

Die zwei großen Bögen an den Seiten sind mit "Pazifik" und "Atlantik" beschriftet und sollen die beiden Fronten des Krieges symbolisieren. Auch dort sind jeweils Kränze mit Adlern zu finden, die über dem Schriftzug "Victory at sea, victory at land, victory in the air" angebracht sind. Während die Gedenkstätte von außen ein bisschen steril und doch einfach nur grau und etwas hingeklatscht wirkt, ist die Atmosphäre im Inneren (auch ohne Wasserpool) doch eine andere - und das führe ich mal vorwiegend auf die Inschriften zurück, die dort zu finden sind.

Obwohl gerade am "hinteren Teil" des Memorials ein Bagger stand und Bauarbeiter anscheinend das dahinterliegende Gelände bearbeitet haben und somit auch Absperrband und Baustellemkrams deutlich sichtbar war, fand ich allein das Gefühl, in diesem Bauwerk zu stehen, ein bisschen beklemmend... Zumindest, wenn man sich bewusst gemacht hat, wofür dieses Denkmal eigentlich da.

An der umlaufenden Wand sind Zitate von Politikern eingraviert, die sich auf bestimmte zentrale Ereignisse beziehen (die logischerweise ihren Küsten zugeordnet sind). Z.B. findet sich da eine Aussage von Franklin D. Roosevelt zu Pearl Harbor, ein Zitat von Walter Lord zur Schlacht um Midway, auch eine Ehrung der Gefallenen von Harry S. Truman und diverse weitere Zitate von bekannten Persönlichkeiten.

Diese Zitate sind aus meiner Sicht sehr gut gewählt und schaffen es auch, eine gewisse Atmosphäre zu transportieren, die einer solchen Gedenkstätte würdig ist.

Obwohl an diesem Tag dank des schönen Wetters so einige Menschen unterwegs waren und Eltern auch ihren Kindern die Hintergründe zum Krieg oder den einzelnen Zitaten erklärt haben, waren hier drinnen irgendwie alle ruhig und haben ihre Stimmen eher gedämpft. Eigentlich etwas seltsam, da man so viel Freiraum hat - aber hier hatte ich zumindest das Gefühl, dass man eher mit Respekt an die Geschehnisse herangeht...

Wobei ich mir auch vorstellen kann, dass der Respekt im Hochsommer eher abnimmt, wenn es da gerammelt voll ist und sich die Leute dicht an dicht drängen und mal wieder Schulklassen alles in Beschlag nehmen.

Man kann durch das Rondell sicherlich sehr schnell durchhuschen und sich fragen, was das überhaupt alles soll - dann wird man aber gewiss dem Denkmal nicht wirklich gerecht und ganz ehrlich: Zum einfachen Durchrennen ist es wirklich zu schade.

Ich habe zwar in meiner Schulzeit mehr als genug über den zweiten Weltkrieg gehört und schalte auch heute noch gerne bei sämtlichen Dokumentationen über das Thema ab - aber dieses Memorial fand ja sogar ich gar nicht so übel und habe mich gerne umgesehen (und teilweise dann doch wieder gefragt, ob das Ganze nicht einfach nur der Selbstbeweihräucherung der Amis dient...).


Ein Teil, der mich doch wieder recht betroffen gemacht hat, ist die "Freedom Wall" an der Westseite. Dort sind 4.048 goldene Sterne an einer Wand befestigt, wobei jeder Stern für jeweils 100 gefallene oder vermisste Amerikaner während des Krieges steht. Die Anzahl der Verluste in diesem Krieg wird lediglich von den Verluste im Sezessionskrieg zwischen den Nord- und Südstaaten von 1861 bis 1865 übertroffen.

Irgendwie kann man sich ja solche Zahlen schwer vorstellen - 4.000 ist keine Menge, mit der man ja für gewöhnlich hantiert.
Wenn man dann aber vor diese Wand steht (die eigentlich unten auch noch ein kleines Wasserbecken hat), wird einem doch mulmig...

Da ist einfach ein Stern neben dem anderen angebracht und es sind wirklich wahnsinnig viele - vor allem, wenn man diese Menge jetzt noch mit 100 multipliziert und dann bedenkt, dass es sich dabei "nur" um die Opfer auf Seiten der Vereinigten Staaten von Amerika handelt... (Und aus diesem Grund sind die Sterne auch ein wahnsinnig treffendes Symbol für diese Wand!)

Das Zitat von General Douglas MacArthur, der mit zahlreichen Preisen und Ehrungen versehen wurde und durchaus als Nationalheld gelten darf, hat eine sehr passende und auch bewegende Aussage zum Ende des Krieges gemacht...

Wenn man sich das jetzt noch entsprechend vertont vorstellen würde - ich garantiere, dass ich da wohl eine ganz, ganz fiese Gänsehaut bekommen würde... Wenn es in dem Memorial auch so eine ein-Schauspieler-Vorführung gäbe, die einige zentrale Inhalte vermittelt, das wäre definitiv der perfekte Schlussatz.

Vom WW II Memorial aus schlugen wir noch einen Bogen, um uns die restlichen Gedänkstätten anzusehen. Vor dem Jefferson Memorial - mal wieder ein temeplartiges Gebilde mit Säulen, in dessen Mitte dann eine Bronzestatue zu finden ist, die von Ausschnitten aus relevanten Reden umgeben ist - stand witzigerweise ein Motorrad. Einsam und alleine - niemand zu sehen, da sich der Besitzer im Inneren des Memorials aufhielt, aber gerade durch die Treppen einfach ein zauberhafter Anblick! Leider folgte uns auf dem Fuß eine Tourigruppe, die das schöne stille Bild alsbald gestört hat...

Auf der anderen Seite des Potomac gibt es auch eine Gedenkstätte für Franklin D. Roosevelt, welche in Anlehnung an seine Amtszeit und die zentralen Ereignisse in vier Abschnitte unterteilt ist - Roosevelt war von 1933 bis 1945 Präsident der USA und hatte in seinen drei Amtszeiten (als einziger Präsident!) doch so einiges mitgemacht... Was ich sehr niedlich fand, ist die Skulptur seines Scottish Terrier Fala, der auch schons ehr abgewetzte Ohren hat. Auch die Darstellung von Roosevelt in seinem Rollstuhl ist am andere Ende des Memorials zu finden - und obwohl die Gedenkstätte sehr unspektakulär ist, fand ich sie doch stimmig und sehr angenehm.

Zu guter letzt noch ein Abstecher zum Martin Luther King, Jr. National Memorial, das erst seit 2011 in der Nähe der National Mall zu finden ist. Auch hier gibt es wieder eine Granitwand, die mit Zitaten von King gespickt ist - irgendwann hat man halt raus, was die Gedenkstätten alle so gemeinsam haben.

Durch den "Mountain of despair", der hier von einem Parkranger bewacht wird, kommt man zum "Stone of Hope", an dessen Rückseite, dem Tidal Bassin zugewandt, ein Relief von Martin Luther King, Jr. aus dem Stein gehauen ist. Eine nette bildliche Umsetzung eines Zitats von Martin Luther King, Jr. - aber für mich ein bisschen zu viel des Guten.

Auf mich wirkte das Ganze einfach nur überdimensioniert und riesig - aber man muss ja nicht mit jedem Denkmal irgendwas anfangen können. Zumindest bietet Washington, D.C. hier auf recht wenig Raum eine doch ordentliche Menge an historisch relevanten Ereignissen - aber ich gebe zu, man ist dann doch irgendwann von diesen Gedenkstätten ein wenig übersättigt... Aber dafür hat die Stadt ja auch noch ein paar nette Museen zu bieten - dazu dann beim nächsten Mal mehr!

Kommentare:

  1. Die USA sind wirklich beeindruckend! Jetzt hast du bestimmt erstmal genug Memorials für die nächsten 20 Jahre gesehen;)

    Und damit auch keine Langeweile aufkommt, hab ich dich einfach mal getagged...

    http://pasta-und-vanillekipferl.blogspot.de/2013/06/tag-all-time-lieblinge.html

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    1. Sagst du mir gerade, dass mein Blog langweilig ist *snüff*? ;) Der Tag wird auf jeden Fall demnächst mal bearbeitet - wenn ich mir überlegt habe, was ich zeigen will^^

      Aber du hast recht - ich bin was solche Gedenkstätten angeht, erst einmal ordentlich gesättigt... Aber so oft kommt man da ja auch nicht hin, also wirds eben mitgenommen!

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    2. Naaaa das natürlich nicht!!!
      Ich meinte damit dir nicht langweilig wird:)

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    3. ;) Wird auf jeden Fall gemacht - aber mir fällt das echt richtig schwer :x

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  2. Das hatten wir ja schon. Alles zusammengepfercht finde ich einfach zuviel und irgendwie übertrieben... Obwohl natürlich die Freedom Wall eine erschreckende und gleichzeitig imponierende Gedenkstätte ist.

    LG Lotte

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    1. Ja, diese Dichte hat halt so ihre Vor- und Nachteile: Man kann alles mit einem Schwung "abarbeiten", ist aber auch recht schnell gesättigt - ob da jetzt ein Lincoln sitzt oder ein Jefferson steht, ist dann nicht mehr gar so zentral. Aber wie schon bei Alice gesagt - ich komme da ja nicht soo oft hin, also wird das eben mitgenommen.

      Die Freedom Wall fand ich auch sehr imposant - der Symbolcharakter ist da halt wirkich immens und wenn man sich auf diese Idee einlässt, ist das auch wirklich beklemmend. Aber gerade auch durch diese vielen tragischen Ereignisse, die da so gesammelt sind, neigt man leider dazu, die Tragweite ein wenig zu vergessen.

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    2. Na klar, wenn ich dort gewesen wäre, hätte ich mir das auch angeguckt. Und wie du schon sagst, die Ernsthaftigkeit oder wirkliche Bedeutung geht nach einer Weile unter...

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